Jurysplit 2012: das Indianagate

Lange mussten wir darauf warten: heute endlich veröffentlichte die EBU die getrennten Ergebnisse des Tele- und Juryvotings beim Eurovision Song Contest 2012. Und während sich, wenig verwunderlich, beide beim Siegertitel einig waren, so besteht schon ab dem zweiten Platz im Gesamtranking eine massive Uneinigkeit: während die russischen Großmütterchen aus Buranow beim Publikum total einschlugen und mit nur 12 Punkten Abstand hinter Loreen auf dem zweiten Platz landeten, verstanden die Juroren überhaupt keinen Spaß und straften die niedlichen Omas mit Rang 11 ab. Ihrem allen Anschein nach von der EBU erhaltenen Auftrag zur Stützung der Big Five kamen sie indessen nach: sowohl die italienische Amalia Casa del Vino als auch die spanische Sirene Pastora Soler voteten sie mit 13 Plätzen Differenz deutlich nach oben. Ebenso wie die charismafreie Französin Anggun, die mit ihren Bodenturnern beim Publikum ganze null Punkte erzielte. Als prominentestes Juryopfer aus den Semis ist die Gefiederländerin Indiana Joan Franka zu vermelden, die nach dem Willen der anrufenden Zuschauer den Finaleinzug geschafft hätte – das erste Mal seit acht Jahren für die gebeutelten Nachbarn.


In bester Gesellschaft mit Kuunkuskajat und Stella Mwangi: Indiana Joan (NL)

Auch die punktgleich gegen Tooji ausgeschiedene bulgarische Chalga-Königin Sofi Marinova und die SinPlus-Brüder aus der Schweiz danken sicherlich den klandestinen Punkteschacherern, die im Gegenzug den georgischen Kasper Anri Jokhazde durchgewunken hätten, was nun wirklich für komplette geistige und geschmackliche Umnachtung spricht, für ihr Hängenbleiben im Semi. Den erneuten Beweis, dass Juroren Balladenfreunde sind, traten sie mit sehr guten Bewertungen für die bereits im Vorfeld als Juryfavoriten geltenden Ott Lepland (EE, +6 Plätze) und Rona Nishliu (AL, +5) an. Letzere gewann in der Jurywertung sogar ihr Semi, das im Televoting (und Gesamtergebnis) an die russischen Omis ging. Was mich dazu führt, dass die Korrupten von der Bewertungsfront neben der bereits erwähnten Stützung der Großen Fünf ihre zweite Aufgabe augenscheinlich im massiven Herunterwerten von Ländern sehen, die üblicherweise besonders stark vom Diasporavoting profitieren: die massivste Uneinigkeit bestand nämlich diesmal beim türkischen Seemann Can Bonomo, den die Televoter auf Rang 4 setzten, die Jurys hingegen auf Platz 22 (Rang 7 im Gesamtvoting). Abgestraft wurde neben dem bereits im Vorjahr unter sowjetphoben Juroren leidenden Russland auch Griechenland (jeweils 9 Ränge schlechter).


Juroren sind böse Menschen: wie kann man diese Omis hassen? (RU)

Noch härter traf es die im Vorjahr überraschend von den Juroren bevorzugten Gebrüder Grimes aus Irland: die wohl vor allem von hysterischen Teenies auf Rang 10 beanruften Jedward landeten im Juryranking auf dem vorletzten Platz. Die Surprisestimme ging diesmal an die Ukraine: Gaitana und ihre schmucken Bläser schafften überhaupt nur dank der Juroren den Finaleinzug und lagen auch dort bei den organisierten Manipulatoren um 13 Ränge besser als beim Publikum. Auch Kurt Calleja aus Malta verdankt es alleine den Punktehändlern, dass er am Samstag nochmal singen durfte. Unser deutscher Babybär Roman Lob übrigens hätte bei reinem Televoting nicht nur den (guten) achten, sondern gar einen (noch besseren) sechsten Platz gemacht – die Juroren setzten ihn auf Rang 10. Das Gastgeberland Aserbaidschan hingegen profitierte von den Wundern der Arithmetik: aus einem fünften Platz bei den Anrufern und einem achten bei den Jurys addierte sich ein vierter im Gesamtergebnis. Was haben wir denn da an Digame1)Das deutsche Unternehmen zählt im Auftrag der EBU die Stimmen für den Eurovision Song Contest aus. gezahlt, Herr Aliyew?


Auch ihn fanden die Zuschauer niedlicher als die Juroren: Kuschelbär Roman Lob (DE)

ESC 1. Semifinale 2012

Eurovision Song Contest 2012 - Erstes Semifinale. Dienstag, 22. Mai 2012, aus der Crystal Hall in Baku, Aserbaidschan. 18 Teilnehmer, Moderation: Leyla Aliyev, Nargiz Berk-Petersen und Eldar Qasimov.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01MERambo AmadeusEuro-Neuro0201502414
02ISGréta Salóme + JónsiNever forget0750807908
03GREleftheria EleftheriouAphrodisiac1160411005
04LVAnmaryBeautiful Song0171601815
05ALRona NishliuSuus1460213103
06ROMandingaZaleilah1200313202
07CHSinPlusUnbreakable0451104910
08BEIrisWould you0161700218
09FIPernilla KarlssonNär jag blundar0411203612
10ILIzaboTime0331301616
11SMValentina MonettaThe Social Network Song0311402513
12CYIvi AdamouLa la Love0910709906
13DKSoluna SamayShould've known better0630905309
14RUBuranovskie BabushkiParty for Everybody1520118901
15HUCompact DiscoSound of our Hearts0521003911
16ATTrackshittazWoki mit Deim Popo0081801517
17MDPasha ParfenyLăutar1000508507
18IEJedwardWaterline0920611604

ESC 2. Semifinale 2012

Eurovision Song Contest 2012 - Zweites Semifinale. Donnerstag, 24. Mai 2012, aus der Crystal Hall in Baku, Aserbaidschan. 18 Teilnehmer, Moderation: Leyla Aliyev, Nargiz Berk-Petersen und Eldar Qasimov.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01RSŽeljko JoksimovićNije Ljubav Stvar1590214802
02MKKaliopi BukleCrno i belo0530906308
03NLJoan FrankaYou and me0351605110
04MTKurt CallejaThis is the Night0700703911
05BYLitesoundWe are the Heroes0351503712
06PTFilipa SousaVida minha0391303713
07UAGaitana EssamiBe my Guest0640802417
08BGSofi MarinovaLove unlimited0451105909
09SIEva BotoVerjamem0311702716
10HRNina BadrićNebo0421203414
11SELoreenEuphoria1810118001
12GEAnri JokhazdeI'm a Joker0361401518
13TRCan BonomoLove me back0800511404
14EEOtt LeplandKuula1000408805
15SKMax Jason MaiDon't close your Eyes0221803215
16NOTooji KeshtkarStay0451007206
17BAMaya SarKorake ti znam0770607007
18LTDonny MontellLove is blind1040312803

ESC Finale 2012

Eurovision Song Contest 2012 - Finale. Samstag, 26. Mai 2012, aus der Crystal Hall in Baku, Aserbaidschan. 26 Teilnehmer, Moderation: Leyla Aliyev, Nargiz Berk-Petersen und Eldar Qasimov.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01UKEngelbert HumperdinckLove will set you free0122503621
02HUCompact DiscoSound of our Hearts0192402022
03ALRona NishiluSuus1460510608
04LTDonny MontellLove is blind0701406814
05BAMaya SarKorake ti znam0551805716
06RUBuranovskie BabushkiParty for Everybody2590233202
07ISGreta Salóme + JónsiNever forget0462003919
08CYIvi AdamouLa La Love0651506315
09FRAnggunEcho (You and I)0212200026
10ITNina ZilliL'Amore è femmina1010905617
11EEOtt LeplandKuula1200607812
12NOToojiStay0072601624
13AZSabina BabayevaWhen the Music dies1500415105
14ROMandingaZaleilah0711311707
15DKSoluna SamayShould've know better0212301823
16GREleftheria EleftheriouAphrodisiac0641708909
17SELoreenEuphoria3720134301
18TRCan BonomoLove me back1120717604
19ESPastora SolerQuédate conmigo0971004518
20DERoman LobStanding still1100812506
21MTKurt CallejaThis is the Night0412101025
22MKKaliopi BukleCrno i belo0711207911
23IEJedwardWaterline0461908910
24RSŽeljko JoksimovićNije Ljubav Stvar2140321103
25UAGaitana EssamiBe my Guest0651603720
26MDPasha ParfenyLăutar0811107513

Was für einen Job haben die Juroren 2012 gemacht und sollen sie bleiben?

  • Qualität hochgewertet, Schrott abgewertet: sehr gut! (33%, 30 Votes)
  • Die Jurys haben sich insgesamt bewährt und sollen bleiben (24%, 22 Votes)
  • Die Jurys sind undemokratisch und gehören wieder abgeschafft. (17%, 16 Votes)
  • Publikumsfavoriten abgestraft, Semi-Hoffnungnen gekillt: mies! (15%, 14 Votes)
  • Vielzahlerländer hochgevotet, Diasporavoting eingedämmt: also das, für was sie die EBU bezahlt. (11%, 10 Votes)

Total Voters: 92

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Fußnote(n)   [ + ]

1. Das deutsche Unternehmen zählt im Auftrag der EBU die Stimmen für den Eurovision Song Contest aus.

30 Gedanken zu “Jurysplit 2012: das Indianagate

  1. „Stützung der Big Five“? Was hat Großbritannien dann bitte falsch gemacht, als Letzter in der Jurywertung im Finale? Sowohl „Quédate conmigo“ als auch „L’amore è femmina“ waren nun mal klassisches Juryfutter.

    Und wenn die Jurys weniger für die Diaspora-Profiteure stimmen als die Televoter, dann könnte man das durchaus als Beweis ihrer Funktionsfähigkeit ansehen. Jedenfalls solange, bis man sieht, wer da weitergekommen ist und wer nicht, und wem das zu verdanken war (auch wenn ich froh bin, dass Frankreich der Höchststrafe entgehen konnte. So schlimm war „Echo“ nun auch wieder nicht, Europa!). Ukraine? Georgien? Nicht ganz so WTF wie die beiden ersten Plätze in den Semis letztes Jahr (Litauen und Slowenien), aber nahe dran.

    Es gab einige seltsame Arithmetiken dieses Jahr. Max Jason Mai war Fünfzehnter bei den Jurys,  Fünfzehnter bei den Televotern, und daraus resultiert insgesamt Platz 18? Eine ähnlich merkwürdige Addition auch bei den Trackshittaz. Die Babushkis waren quasi der Gegenentwurf zu Raphael Gualazzi letztes Jahr – selbst der elfte Platz bei den Jurys konnte sie nicht vom zweiten Platz verdrängen (was man nebenbei als Beleg sehen kann, dass das Televoting im Zweifel doch stärker zählt, wie auch ihren Gesamtsieg im ersten Semi trotz Platz 8 bei den Jurys).

    Naja. Wenigstens beim Sieger war man sich dieses Jahr ja einig. Gibt es eigentlich schon die Subkategorie beim Kate-Ryan-Award „No thanks to the juries!“? Ich nominiere Kuunkuiskaajat, Stella Mwangi und Joan Franka. (Im Gegensatz zur Kategorie „No thanks to the televoters!“, in der dieses Jahr wohl Izabo die Krone holen würden, nach Malcolm Lincoln 2010 und Witloof Bay 2011.)

    Und nur der Zusammenfassung halber:

    Das Opfer der Jurys im ersten Semi: die Schweiz.
    Das Opfer der Televoter im ersten Semi: Israel.
    Die Opfer der Jurys im zweiten Semi: Bulgarien und die Niederlande (grrrrr!) (und um ein Haar auch Norwegen, Letzter bei den Jurys in diesem Halbfinale)
    Die Opfer der Televoter im zweiten Semi: Kroatien und Georgien.

  2. Oh, noch was (leider zu spät eingefallen): „sowjetphobe Juroren“? Ein Blick auf die Juryergebnisse von Moldawien, Estland und insbesondere der Ukraine sollte das widerlegen. „Russenfeindlich“ vielleicht, aber das war bei diesem Machwerk doch von vornherein klar.

    Und übrigens scheint mit dem Code für die Seite was nicht zu stimmen. Mein Browser zeigt mir den Seitennamen in der Titelzeile doppelt an.

  3. Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen:  Ich bin den Jurys sehr dankbar für ihre Regulativ-Wertung. Ich könnte eher auf die Televoting-Stimmen verzichten.

  4. Mir fällt auf, dass die Jurys sich zwischen Semis und dem Finale oft mal umentscheiden: Litauen 10. im Semi und dann 14. im Finale (wobei die Televoter ihn kräftig abgestuft haben). Und ein Letzter Platz im Semi (Norwegen) ist dann im Finale immer noch besser als der weltbeste und bekannteste Crooner/Schnulzenkönig und der Favorit der Jurys in 2011. Erklär mir das mal einer! (P.S.: Ich wäre ja für die GANZ genaue Veröffentlichung – also wem das dt. Publikum wie viel gab z.B.)

  5. Ja, was hat Engelbert Humperdinck falsch gemacht? Eigentlich nichts…. aber hier hätte ich definitiv erwartet, dass die Jury ihm den Punkte-Tropf legt – braucht man die mal…. ts ts ts…. und dann das Jury-Ergebnis für Georgiens Joker und gegen Ntscho-Tschi – manchmal verstehe ich nichts davon.
    P.S.:
    Und zwei mal 15 ergibt 30 weniger maximal 12 zu vergebende Punkte macht 18…. passt doch für die Max Moritz Mai 😉

  6. Nach dem, was ich in den von vor Ort berichtenden Blogs so gelesen habe, hat’s der Engelbert im Juryfinale am Freitag vergeigt. Das ist ja das Doofe, dass die Juroren nicht die Sendung vom Samstag bewerten, die wir im TV sehen, sondern die zweite Generalprobe am Freitagabend. Und da muss sich The Hump wohl geschont haben – deswegen gab’s von den Jurys nix. Das kann ja immer mit ein Grund für massive Votingunterschiede sein: manchmal liegen Welten zwischen zwei Liveauftritten…

  7. Ja. Es gab mal wieder ein Releasewechsel bei WordPress. Deswegen sind die internen Hinweise auch wieder in Englisch. Das war beim letzten mal auch schon so und wird hoffentlich mit dem nächsten Bugfix wieder behoben.

  8.  Danke für die Erklärung 🙂 … ja das ist schon doof, dass da Äpfel und Apfelmus miteinander verglichen werden… 

  9. „Indianagate“, hahahahahahaha, dass dieses Wort kommt, war mir klar! xD
    Mir ist jede Zustimmung für die Jurys entglitten. Die Affen haben Georgien auf den achten Platz gesetzt. Was haben diese Juroren nur genommen. Das sind doch Musikprofis! Oder hat man nur Musikinteressierte eingesetzt oder Leute, die nicht wissen, dass es Musik gibt?

  10. Die Georgier sind ja dafür bekannt, bei den Landespartys Wein und Gaumenschmaus in bacchantischen Mengen zu kredenzen, zum Wohlgefallen der örtlichen Schwurnalisten. Könnte ja sein, dass sie die Juroren mit ähnlich großzügigen Gaben beispielsweise vom schwarzen Afghanen milde gestimmt haben? Vielleicht wird die Nummer ja lustig, wenn man genug gekifft hat – eine andere Erklärung habe ich nicht… 

  11. Ich, der ich das Weiterkommen von Sinplus und Joan Franka befürwortet hätte, will die Jury jetzt natürlich auch sofort wieder loswerden. Letztendlich ist es am Ende aber immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es mag sicher auch Leute geben, die einen ähnlichen Geschmack hatten wie die Jury.

    Trotzdem finde ich das Televoting vom Gefühl her als viel ehrlicheres Instrument, um den musikalischen Europa- oder wohl besser Eurovisionsmeister zu küren. Daran wird sich auch nie etwas ändern.

  12. Ja, das Televoting gibt trotz Migrantenvoting wieder, was Europa gefällt (Extrembeispiele Loreen und Buranovskiye Babushki) und was Europa nicht gefällt (Super-Duper-Extrembeispiel Anggun).
    Nur man muss das Televoting gegen Manipulation schützen. Besonders Aserbaidschan soll ja in Malta und Zypern gemauschelt haben. Angeblich gingen die meisten zypriotischen Stimmen 2011 an Aserbaidschan und nicht an Griechenland, weil Aserbaidschan manipuliert hat.

  13. Zum letzten Satz: Bitte was? Sorry, aber das stimmt einfach nicht. Zypern hat seine 12 Punkte im Finale, seit Aserbaidschan teilnimmt (und schon vorher; das letzte Mal, dass das nicht passierte, war 2001, was schlicht daran lag, dass Zypern da nicht dabei war), immer an Griechenland gegeben.

    Die Sache mit den maltesischen 12 Punkten ist mir allerdings auch schon ins Auge gefallen. 2008 gabs von Malta an Aserbaidschan gar nichts, 2009 einen Punkt, seit 2010 36 von 36 möglichen. Was bitte läuft da?

  14. Nunja, Malta hat keine 420.000 Einwohner – weniger als zwei Drittel Frankfurts – und fünf Juroren. Mit ein paar gezielten Vergünstigungen und einem leistungsstarken Callcenter ließe sich da mit relativ geringem Aufwand einiges stemmen. Aber ein so demokratisch lupenreines Land wie Aserbaidschan, in dem garantiert noch niemals Auszählungen gefälscht wurden, würde sicher niemals auch nur auf den Gedanken kommen…

  15.  Hm. Man sollte meinen, dann wäre San Marino erst recht ein Kandidat dafür – weniger als ein Zehntel der Einwohner Maltas. (Das ist kein Scherz – gerade mal knapp über 31,000. Solange Monaco nicht zurückkommt, mit großem Abstand das kleinste Eurovisionsland.) Oder vielleicht Island – wobei bei denen sofort auffallen würde, wenn ihre 12 Punkte mal nicht in Skandinavien, Dänemark im Speziellen, landen. 😉

    Aber ja. Da sollte die EBU definitiv mal genauer hinschauen. Mit Diaspora und Nachbarschaft sind die Stimmen Maltas noch nie zu erklären gewesen – und es ist schließlich bewiesen, dass ihre Abstimmung 2007 manipuliert war.

  16. Ja, an die dachte ich auch sofort. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass es dort zu auffällig wäre und jeder sofort Manipulationen vermuten würde (zumal Ralph Siegel als Gegengeschäft ja sicher nichts weniger als die vollen 12 für seinen Social Media Song verlangt hätte, und das war den Aliyews dann womöglich doch zu peinlich). Malta hat ja bereits seit den Achtzigern eine kontinuierliche Historie spektakulär vom Mainstream abweichender Punktevergaben, da tut man das vielleicht eher mit einem Schulterzucken ab – es gibt ja, anders als bei dem von Dir erwähnten Island, keine üblichen Votingpräferenzen, mit denen man das vergleichen könnte.

  17. Der Fall ist klar: die Schlagerboys müssen wieder nach Malta! Und dort im TV wieder den Trash-Schlager der Saison predigen – nur so können die 12 an Aserbaidschan verhindert und zwerchfellerschütternde Höchstpunktzahlen an Perlen vom Schlage Perrelli und Scootch wieder gewährleistet werden! XD

    Ich bin mir auch im übrigen ziemlich sicher, dass es eine Absprache zwischen Georgien und Litauen gibt. Wie die frei von jeglichem kulturellen bzw. diasporellen Zusammenhang in den letzten Jahren Punkte austauschen ist doch schon sehr dubios. (Erst recht weil kein Mensch mit halbswegs fundiertem Geschmack für so nen Soundmüll wie „Love is Blind“ oder „C’est Ma Vie“ anrufen würde…)

  18. Ja, also ich meinte, dass die meisten Televoting-Stimmen 2011 angeblich an Aserbaidschan gingen (weil die Azeri angeblich Callcenter engagiert haben). Die Juroren werden aber sichergestellt haben, dass die 12 Punkte trotzdem an Griechenland gehen.

  19. Hm. Dem Klammersatz kann ich mit Blick auf das litauische Ergebnis der letzten beiden Jahre nicht zustimmen, dem Rest des zweiten Absatzes hingegen schon. Zwölf Punkte im Semi dieses Jahr aus Litauen für Anri Jokhadze? Wobei das umgekehrt zumindest im Semi nicht geklappt hat, im Finale hingegen schon. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

  20.  Ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass die zypriotische Jury sich über eine recht hohe Gesamtwertung für AZ gewundert habe, da sie selbst null Punkte dorthin vergeben haben. Dabei kam raus, dass 12 Punkte aus dem Televoting kamen, und zwar erstaunlicherweise durch reines SMS-Voting, wohingegen ansonsten ein ausgeglichenes Verhältnissen zwischen Anrufen und SMS vorgelegen habe. Der Verdacht liegt also durchaus nahe, dass hier manipuliert wurde.

  21. Also wenn ich mir das alles hier so ansehe und durchlese, dann bin ich immer mehr der überzeugung, dass das televoting der absolute bockmist ist und entweder stark reglementiert werden sollte oder am besten ganz abgeschafft werden sollte – sonst verkommt der ganze bums noch völlig zum russenomatrallala auf jahre hinaus – was für eine perspektive…

  22.  Das ist in den elf ESCs mit (fast) reinem Televoting nicht passiert (1998-2008), also wird es auch jetzt nicht passieren. So manipulationsanfällig manche Abstimmungen sein mögen, fünf Leute pro Land sind es erst recht. Und so sehr ich „Madness of Love“ mochte, als Sieger hätte das Teil Aufstände der Fans ausgelöst, gegen die die Begeisterung für „Euphoria“ harmlos aussieht. Ich bin für das momentane System, man verstehe mich bitte nicht falsch, aber reines Juryvoting? Wollen wir wieder Verhältnisse wie Mitte der 90er? (Ich würde jetzt mit „Nocturne“ und „The Voice“ gegen mich selbst argumentieren, zwei meiner Lieblingssieger, aber „Sanomi“ hat zu schlimmsten Televotingzeiten bewiesen, dass selbst ein Land ohne Freunde mit einem wirklich schönen Lied reüssieren kann, egal ob bei Jurys oder bei Televotern.)

  23.  Tja, so kann man Dinge unterschiedlich whrnehmen. Ist natürlich eine Geschmacksfrage, aber für mich war eher 1998 bis ca. 2005 der Tiefpunkt der Eurovision. Erst seit Lordi’s Sieg und natürlich dem absolut fantastischen Contest 2007 in Helsinki bin ich wieder mit ganzem Herzen dabei, nachdem ich zwischendrin ziemlich abgehängt hatte.

    Nocturne und Sanomi sind aber übrigens auch bei mir Favoriten.

  24.  Es ging um die Tendenz über diese zehn Jahre, und dass es da trotz reinem Televoting eben nicht immer schlechter wurde (was dein Kommentar ja auch gar nicht bestreitet, im Gegenteil). Dass da am Anfang noch ziemliche Grütze kam, will ich gar nicht bestreiten – 1998, 2001 und 2002 gehören zu den schlechtesten Jahrgängen, die der Wettbewerb jemals hatte, während 1997 einfach nur großartig war, ebenso wie 2003. Und dass in den Zeitraum von 1985 bis 1995 einige der schlechtesten ESCs aller Zeiten fallen, ist kaum zu bestreiten. Wer bitte betrachtet „Rock and Roll Kids“ als einen würdigen Sieger? Oder „Why Me“, „Rock Me“, „J’aime la vie“ oder „Hold Me Now“? Damit verglichen war ja sogar „Diva“ höchste Qualität, von „Fly On the Wings of Love“ oder „Every Way That I Can“ gar nicht anzufangen (ich habe ganz bewusst auf die Nennung von „Everybody“ oder gar *würg* „I Wanna“ verzichtet…).

  25. Eine winzige Korrektur (der Fehler ist so weit vorne, dass er sogar im Text auf der Startseite auftaucht): der Abstand zwischen Schweden und Russland im Televoting waren elf Punkte, nicht zwölf (343 zu 332).

  26. So sehr man die Juries für manche Wertung hassen mag, ab und zu erfüllen
    sie doch ihren Zweck, wenn sie Titel wie den türkischen Beitrag
    runterwerten. Ernsthaft, wer außer Diaspora-Votern mochte dieses Lied? Dass Jurys sich dem Gaudifaktor der russischen Omas verschließen ist auch nachvollziehbar – auch wenn ich sie persönlich auch lustig fand, musikalisch sicher einer der schwächeren Beiträge.
    Soweit ich mich erinnere waren die bisherigen Sieger seit der kombinierten Lösung aus Televoting und Jurywertung immer die Sieger beider Wertungen. So gesehen wurde bisher immer nur das Gesamtergebnis „zurechtgerückt“. So gesehen halte ich das momentane System für gerecht, auch wenn sicher der Tag kommen wird an dem kein gemeinsamer Favorit, sondern womöglich der Juryfavorit gewinnt.

  27. Das ist so nicht richtig. Such mal nach dem Split von 2011 – da hieß der Jurysieger (mit fast 80 Punkten Abstand!) Italien und nicht Aserbaidschan. Das hat letztendlich dank seines miserablen Televotingergebnisses zwar nicht gereicht, um Raphael Gualazzi ganz nach oben zu hieven, aber viel hat nicht gefehlt.

  28. Ich mochte das türkische Lied und gehöre nicht zur Diaspora. Auch wenn ich nicht dafür angerufen habe. Hatte am ESC-Abend Dienst.

  29. Tatsächlich, Italien Jurysieger und das noch mit so viel Vorsprung. Irgendwie hatte ich das falsch in Erinnerung, dass Italien auf Platz 2 der Jurys hinter Aserbaidschan war… Ich hatte dieses Jahr mit einem ähnlichen Ergebnis für die Italiener gerechnet, aber scheinbar war diese Italien-Affinität nur eine einmalige Erscheinung anlässlich ihrer Rückkehr in den Wettbewerb oder es war doch eine Jazz-Affinität.
    Naja aber wie gesagt finde ich das aktuelle System ok, es wird wohl nie eine Lösung geben mit der wirklich alle zufrieden sind.

  30. Gut, das ist wohl das erste Jahr, in dem ich (will heißen mein persönlicher Geschmack) den Korrekturen der „Jury“ nicht diametral entgegenstehe. Es hält sich – mit einigen Ausreißern in Richtung beider Seiten – etwa die Waage.
    Trotzdem ist es doch bedenklich, den Publikumsentscheid undemokratisch überstimmen lassen zu wollen,  nur damit die eigenen Favoriten besser dastehen. Den ESC gibt es schließlich nicht nur für „Juroren“ und Hardcorefans, und auf Dauer wird dieses eigenmächtige Gefusche an den Zahlen auch, so meine Prognose, nicht gutgehen. Es kann einfach nicht.
    Welche sinnvollen Argumente bleiben also pro „Jury“? Den voraussehbaren Wertungen, die so oft als Kritik hervorgebracht wurden, konnte offensichtlich keine Abhilfe geschafft werden. Die hohen Punkte gehen nach wie vor fast ausschließlich an (geografische wie politische) Nachbarn, Diasporaheimatländer und allgemeine Favoriten. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der „Jury“-Einfluss das zweite Jahr in Folge ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitze blockiert hat, lässt das Versprechen der EBU eines spannenderen Votings wie schiere Verarsche (pardon!) erscheinen. Algorithmus hin oder her, die „Jury“ erwies sich faktisch als krasser Spannungskiller. Mission gescheitert.

Oder was denkst Du?