Jury­split 2012: das India­na­ga­te

Lan­ge muss­ten wir dar­auf war­ten: heu­te end­lich ver­öf­fent­lich­te die EBU die getrenn­ten Ergeb­nis­se des Tele- und Jury­vo­tings beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2012. Und wäh­rend sich, wenig ver­wun­der­lich, bei­de beim Sie­ger­ti­tel einig waren, so besteht schon ab dem zwei­ten Platz im Gesamt­ran­king eine mas­si­ve Unei­nig­keit: wäh­rend die rus­si­schen Groß­müt­ter­chen aus Bura­now beim Publi­kum total ein­schlu­gen und mit nur 12 Punk­ten Abstand hin­ter Lore­en auf dem zwei­ten Platz lan­de­ten, ver­stan­den die Juro­ren über­haupt kei­nen Spaß und straf­ten die nied­li­chen Omas mit Rang 11 ab. Ihrem allen Anschein nach von der EBU erhal­te­nen Auf­trag zur Stüt­zung der Big Five kamen sie indes­sen nach: sowohl die ita­lie­ni­sche Ama­lia Casa del Vino als auch die spa­ni­sche Sire­ne Pas­to­ra Soler vote­ten sie mit 13 Plät­zen Dif­fe­renz deut­lich nach oben. Eben­so wie die cha­ris­ma­freie Fran­zö­sin Anggun, die mit ihren Boden­tur­nern beim Publi­kum gan­ze null Punk­te erziel­te. Als pro­mi­nen­tes­tes Juryop­fer aus den Semis ist die Gefie­der­län­de­rin India­na Joan Fran­ka zu ver­mel­den, die nach dem Wil­len der anru­fen­den Zuschau­er den Final­ein­zug geschafft hät­te – das ers­te Mal seit acht Jah­ren für die gebeu­tel­ten Nach­barn.


In bes­ter Gesell­schaft mit Kuun­kus­kajat und Stel­la Mwan­gi: India­na Joan (NL)

Auch die punkt­gleich gegen Too­ji aus­ge­schie­de­ne bul­ga­ri­sche Chal­ga-Köni­gin Sofi Mari­no­va und die Sin­Plus-Brü­der aus der Schweiz dan­ken sicher­lich den klan­des­ti­nen Punk­te­scha­che­rern, die im Gegen­zug den geor­gi­schen Kas­per Anri Jok­haz­de durch­ge­wun­ken hät­ten, was nun wirk­lich für kom­plet­te geis­ti­ge und geschmack­li­che Umnach­tung spricht, für ihr Hän­gen­blei­ben im Semi. Den erneu­ten Beweis, dass Juro­ren Bal­la­den­freun­de sind, tra­ten sie mit sehr guten Bewer­tun­gen für die bereits im Vor­feld als Jury­fa­vo­ri­ten gel­ten­den Ott Lep­land (EE, +6 Plät­ze) und Rona Nish­liu (AL, +5) an. Let­ze­re gewann in der Jury­wer­tung sogar ihr Semi, das im Tele­vo­ting (und Gesamt­ergeb­nis) an die rus­si­schen Omis ging. Was mich dazu führt, dass die Kor­rup­ten von der Bewer­tungs­front neben der bereits erwähn­ten Stüt­zung der Gro­ßen Fünf ihre zwei­te Auf­ga­be augen­schein­lich im mas­si­ven Her­un­ter­wer­ten von Län­dern sehen, die übli­cher­wei­se beson­ders stark vom Dia­spora­vo­ting pro­fi­tie­ren: die mas­sivs­te Unei­nig­keit bestand näm­lich dies­mal beim tür­ki­schen See­mann Can Bono­mo, den die Tele­vo­ter auf Rang 4 setz­ten, die Jurys hin­ge­gen auf Platz 22 (Rang 7 im Gesamt­vo­ting). Abge­straft wur­de neben dem bereits im Vor­jahr unter sowjet­pho­ben Juro­ren lei­den­den Russ­land auch Grie­chen­land (jeweils 9 Rän­ge schlech­ter).


Juro­ren sind böse Men­schen: wie kann man die­se Omis has­sen? (RU)

Noch här­ter traf es die im Vor­jahr über­ra­schend von den Juro­ren bevor­zug­ten Gebrü­der Gri­mes aus Irland: die wohl vor allem von hys­te­ri­schen Tee­nies auf Rang 10 bean­ruf­ten Jed­ward lan­de­ten im Jury­ran­king auf dem vor­letz­ten Platz. Die Sur­pri­se­stim­me ging dies­mal an die Ukrai­ne: Gai­ta­na und ihre schmu­cken Blä­ser schaff­ten über­haupt nur dank der Juro­ren den Final­ein­zug und lagen auch dort bei den orga­ni­sier­ten Mani­pu­la­to­ren um 13 Rän­ge bes­ser als beim Publi­kum. Auch Kurt Cal­le­ja aus Mal­ta ver­dankt es allei­ne den Punk­te­händ­lern, dass er am Sams­tag noch­mal sin­gen durf­te. Unser deut­scher Baby­bär Roman Lob übri­gens hät­te bei rei­nem Tele­vo­ting nicht nur den (guten) ach­ten, son­dern gar einen (noch bes­se­ren) sechs­ten Platz gemacht – die Juro­ren setz­ten ihn auf Rang 10. Das Gast­ge­ber­land Aser­bai­dschan hin­ge­gen pro­fi­tier­te von den Wun­dern der Arith­me­tik: aus einem fünf­ten Platz bei den Anru­fern und einem ach­ten bei den Jurys addier­te sich ein vier­ter im Gesamt­ergeb­nis. Was haben wir denn da an Digame1)Das deut­sche Unter­neh­men zählt im Auf­trag der EBU die Stim­men für den Euro­vi­si­on Song Con­test aus. gezahlt, Herr Ali­y­ew?


Auch ihn fan­den die Zuschau­er nied­li­cher als die Juro­ren: Kuschel­bär Roman Lob (DE)

ESC 1. Semi­fi­na­le 2012

Euro­vi­si­on Song Con­test 2012 – Ers­tes Semi­fi­na­le. Diens­tag, 22. Mai 2012, aus der Crys­tal Hall in Baku, Aser­bai­dschan. 18 Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Ley­la Ali­y­ev, Nar­giz Berk-Peter­sen und Eldar Qasi­mov.
#LKInter­pretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01MERam­bo Ama­de­usEuro-Neu­ro0201502414
02ISGré­ta Saló­me + Jón­siNever for­get0750807908
03GREleft­he­ria Eleft­he­riouAphro­di­siac1160411005
04LVAnma­ryBeau­ti­ful Song0171601815
05ALRona Nish­liuSuus1460213103
06ROMan­din­gaZal­ei­lah1200313202
07CHSin­PlusUnbrea­ka­ble0451104910
08BEIrisWould you0161700218
09FIPer­nil­la Karls­sonNär jag blundar0411203612
10ILIzaboTime0331301616
11SMValen­ti­na Monet­taThe Soci­al Net­work Song0311402513
12CYIvi Ada­mouLa la Love0910709906
13DKSolu­na SamayShould’ve known bet­ter0630905309
14RUBura­novs­kie Babush­kiPar­ty for Every­bo­dy1520118901
15HUCom­pact Dis­coSound of our Hearts0521003911
16ATTracks­hit­tazWoki mit Deim Popo0081801517
17MDPasha Par­fe­nyLăutar1000508507
18IEJed­wardWater­line0920611604

ESC 2. Semi­fi­na­le 2012

Euro­vi­si­on Song Con­test 2012 – Zwei­tes Semi­fi­na­le. Don­ners­tag, 24. Mai 2012, aus der Crys­tal Hall in Baku, Aser­bai­dschan. 18 Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Ley­la Ali­y­ev, Nar­giz Berk-Peter­sen und Eldar Qasi­mov.
#LKInter­pretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01RSŽel­j­ko Jok­si­mo­vićNije Lju­bav Stvar1590214802
02MKKalio­pi Buk­leCrno i belo0530906308
03NLJoan Fran­kaYou and me0351605110
04MTKurt Cal­le­jaThis is the Night0700703911
05BYLite­soundWe are the Heroes0351503712
06PTFili­pa Sou­saVida min­ha0391303713
07UAGai­ta­na Essa­miBe my Guest0640802417
08BGSofi Mari­no­vaLove unli­mi­ted0451105909
09SIEva BotoVer­ja­mem0311702716
10HRNina BadrićNebo0421203414
11SELore­enEupho­ria1810118001
12GEAnri Jok­haz­deI’m a Joker0361401518
13TRCan Bono­moLove me back0800511404
14EEOtt Lep­landKuula1000408805
15SKMax Jason MaiDon’t clo­se your Eyes0221803215
16NOToo­ji Kesht­karStay0451007206
17BAMaya SarKora­ke ti znam0770607007
18LTDon­ny MontellLove is blind1040312803

ESC Fina­le 2012

Euro­vi­si­on Song Con­test 2012 – Fina­le. Sams­tag, 26. Mai 2012, aus der Crys­tal Hall in Baku, Aser­bai­dschan. 26 Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Ley­la Ali­y­ev, Nar­giz Berk-Peter­sen und Eldar Qasi­mov.
#LKInter­pretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01UKEngel­bert Hum­per­dinckLove will set you free0122503621
02HUCom­pact Dis­coSound of our Hearts0192402022
03ALRona Nis­hi­luSuus1460510608
04LTDon­ny MontellLove is blind0701406814
05BAMaya SarKora­ke ti znam0551805716
06RUBura­novs­kie Babush­kiPar­ty for Every­bo­dy2590233202
07ISGre­ta Saló­me + Jón­siNever for­get0462003919
08CYIvi Ada­mouLa La Love0651506315
09FRAnggunEcho (You and I)0212200026
10ITNina Zil­liL’Amore è femmi­na1010905617
11EEOtt Lep­landKuula1200607812
12NOToo­jiStay0072601624
13AZSabi­na Babay­e­vaWhen the Music dies1500415105
14ROMan­din­gaZal­ei­lah0711311707
15DKSolu­na SamayShould’ve know bet­ter0212301823
16GREleft­he­ria Eleft­he­riouAphro­di­siac0641708909
17SELore­enEupho­ria3720134301
18TRCan Bono­moLove me back1120717604
19ESPas­to­ra SolerQuéda­te con­mi­go0971004518
20DERoman LobStan­ding still1100812506
21MTKurt Cal­le­jaThis is the Night0412101025
22MKKalio­pi Buk­leCrno i belo0711207911
23IEJed­wardWater­line0461908910
24RSŽel­j­ko Jok­si­mo­vićNije Lju­bav Stvar2140321103
25UAGai­ta­na Essa­miBe my Guest0651603720
26MDPasha Par­fe­nyLăutar0811107513

Was für einen Job haben die Juro­ren 2012 gemacht und sol­len sie blei­ben?

  • Qua­li­tät hoch­ge­wer­tet, Schrott abge­wer­tet: sehr gut! (33%, 30 Votes)
  • Die Jurys haben sich ins­ge­samt bewährt und sol­len blei­ben (24%, 22 Votes)
  • Die Jurys sind unde­mo­kra­tisch und gehö­ren wie­der abge­schafft. (17%, 16 Votes)
  • Publi­kums­fa­vo­ri­ten abge­straft, Semi-Hoff­nungnen gekillt: mies! (15%, 14 Votes)
  • Viel­zah­ler­län­der hoch­ge­vo­tet, Dia­spora­vo­ting ein­ge­dämmt: also das, für was sie die EBU bezahlt. (11%, 10 Votes)

Total Voters: 92

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Fußnote(n)   [ + ]

1. Das deut­sche Unter­neh­men zählt im Auf­trag der EBU die Stim­men für den Euro­vi­si­on Song Con­test aus.

30 Gedanken zu “Jury­split 2012: das India­na­ga­te”

  1. Stüt­zung der Big Five”? Was hat Groß­bri­tan­ni­en dann bit­te falsch gemacht, als Letz­ter in der Jury­wer­tung im Fina­le? Sowohl “Quéda­te con­mi­go” als auch “L’amore è femmi­na” waren nun mal klas­si­sches Jury­fut­ter.

    Und wenn die Jurys weni­ger für die Dia­spo­ra-Pro­fi­teu­re stim­men als die Tele­vo­ter, dann könn­te man das durch­aus als Beweis ihrer Funk­ti­ons­fä­hig­keit anse­hen. Jeden­falls solan­ge, bis man sieht, wer da wei­ter­ge­kom­men ist und wer nicht, und wem das zu ver­dan­ken war (auch wenn ich froh bin, dass Frank­reich der Höchst­stra­fe ent­ge­hen konn­te. So schlimm war “Echo” nun auch wie­der nicht, Euro­pa!). Ukrai­ne? Geor­gi­en? Nicht ganz so WTF wie die bei­den ers­ten Plät­ze in den Semis letz­tes Jahr (Litau­en und Slo­we­ni­en), aber nahe dran.

    Es gab eini­ge selt­sa­me Arith­me­ti­ken die­ses Jahr. Max Jason Mai war Fünf­zehn­ter bei den Jurys,  Fünf­zehn­ter bei den Tele­vo­tern, und dar­aus resul­tiert ins­ge­samt Platz 18? Eine ähn­lich merk­wür­di­ge Addi­ti­on auch bei den Tracks­hit­taz. Die Babush­kis waren qua­si der Gegen­ent­wurf zu Rapha­el Gual­az­zi letz­tes Jahr – selbst der elf­te Platz bei den Jurys konn­te sie nicht vom zwei­ten Platz ver­drän­gen (was man neben­bei als Beleg sehen kann, dass das Tele­vo­ting im Zwei­fel doch stär­ker zählt, wie auch ihren Gesamt­sieg im ers­ten Semi trotz Platz 8 bei den Jurys).

    Naja. Wenigs­tens beim Sie­ger war man sich die­ses Jahr ja einig. Gibt es eigent­lich schon die Sub­ka­te­go­rie beim Kate-Ryan-Award “No thanks to the juries!”? Ich nomi­nie­re Kuun­kuis­kaajat, Stel­la Mwan­gi und Joan Fran­ka. (Im Gegen­satz zur Kate­go­rie “No thanks to the tele­vo­ters!”, in der die­ses Jahr wohl Izabo die Kro­ne holen wür­den, nach Mal­colm Lin­coln 2010 und Wit­loof Bay 2011.)

    Und nur der Zusam­men­fas­sung hal­ber:

    Das Opfer der Jurys im ers­ten Semi: die Schweiz.
    Das Opfer der Tele­vo­ter im ers­ten Semi: Isra­el.
    Die Opfer der Jurys im zwei­ten Semi: Bul­ga­ri­en und die Nie­der­lan­de (grrrrr!) (und um ein Haar auch Nor­we­gen, Letz­ter bei den Jurys in die­sem Halb­fi­na­le)
    Die Opfer der Tele­vo­ter im zwei­ten Semi: Kroa­ti­en und Geor­gi­en.

  2. Oh, noch was (lei­der zu spät ein­ge­fal­len): “sowjet­pho­be Juro­ren”? Ein Blick auf die Jury­er­geb­nis­se von Mol­da­wi­en, Est­land und ins­be­son­de­re der Ukrai­ne soll­te das wider­le­gen. “Rus­sen­feind­lich” viel­leicht, aber das war bei die­sem Mach­werk doch von vorn­her­ein klar.

    Und übri­gens scheint mit dem Code für die Sei­te was nicht zu stim­men. Mein Brow­ser zeigt mir den Sei­ten­na­men in der Titel­zei­le dop­pelt an.

  3. Auf die Gefahr hin, mich unbe­liebt zu machen:  Ich bin den Jurys sehr dank­bar für ihre Regu­la­tiv-Wer­tung. Ich könn­te eher auf die Tele­vo­ting-Stim­men ver­zich­ten.

  4. Mir fällt auf, dass die Jurys sich zwi­schen Semis und dem Fina­le oft mal ument­schei­den: Litau­en 10. im Semi und dann 14. im Fina­le (wobei die Tele­vo­ter ihn kräf­tig abge­stuft haben). Und ein Letz­ter Platz im Semi (Nor­we­gen) ist dann im Fina­le immer noch bes­ser als der welt­bes­te und bekann­tes­te Crooner/Schnulzenkönig und der Favo­rit der Jurys in 2011. Erklär mir das mal einer! (P.S.: Ich wäre ja für die GANZ genaue Ver­öf­fent­li­chung – also wem das dt. Publi­kum wie viel gab z.B.)

  5. Ja, was hat Engel­bert Hum­per­dinck falsch gemacht? Eigent­lich nichts.… aber hier hät­te ich defi­ni­tiv erwar­tet, dass die Jury ihm den Punk­te-Tropf legt – braucht man die mal.… ts ts ts.… und dann das Jury-Ergeb­nis für Geor­gi­ens Joker und gegen Ntscho-Tschi – manch­mal ver­ste­he ich nichts davon.
    P.S.:
    Und zwei mal 15 ergibt 30 weni­ger maxi­mal 12 zu ver­ge­ben­de Punk­te macht 18.… passt doch für die Max Moritz Mai 😉

  6. Nach dem, was ich in den von vor Ort berich­ten­den Blogs so gele­sen habe, hat’s der Engel­bert im Jury­fi­na­le am Frei­tag ver­geigt. Das ist ja das Doo­fe, dass die Juro­ren nicht die Sen­dung vom Sams­tag bewer­ten, die wir im TV sehen, son­dern die zwei­te Gene­ral­pro­be am Frei­tag­abend. Und da muss sich The Hump wohl geschont haben – des­we­gen gab’s von den Jurys nix. Das kann ja immer mit ein Grund für mas­si­ve Voting­un­ter­schie­de sein: manch­mal lie­gen Wel­ten zwi­schen zwei Live­auf­trit­ten…

  7. Ja. Es gab mal wie­der ein Release­wech­sel bei Word­Press. Des­we­gen sind die inter­nen Hin­wei­se auch wie­der in Eng­lisch. Das war beim letz­ten mal auch schon so und wird hof­fent­lich mit dem nächs­ten Bug­fix wie­der beho­ben.

  8.  Dan­ke für die Erklä­rung 🙂 … ja das ist schon doof, dass da Äpfel und Apfel­mus mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den… 

  9. India­na­ga­te”, haha­ha­ha­ha­ha­ha, dass die­ses Wort kommt, war mir klar! xD
    Mir ist jede Zustim­mung für die Jurys ent­glit­ten. Die Affen haben Geor­gi­en auf den ach­ten Platz gesetzt. Was haben die­se Juro­ren nur genom­men. Das sind doch Musik­pro­fis! Oder hat man nur Musik­in­ter­es­sier­te ein­ge­setzt oder Leu­te, die nicht wis­sen, dass es Musik gibt?

  10. Die Geor­gi­er sind ja dafür bekannt, bei den Lan­des­par­tys Wein und Gau­men­schmaus in bac­chan­ti­schen Men­gen zu kre­den­zen, zum Wohl­ge­fal­len der ört­li­chen Schwur­na­lis­ten. Könn­te ja sein, dass sie die Juro­ren mit ähn­lich groß­zü­gi­gen Gaben bei­spiels­wei­se vom schwar­zen Afgha­nen mil­de gestimmt haben? Viel­leicht wird die Num­mer ja lus­tig, wenn man genug gekifft hat – eine ande­re Erklä­rung habe ich nicht… 

  11. Ich, der ich das Wei­ter­kom­men von Sin­plus und Joan Fran­ka befür­wor­tet hät­te, will die Jury jetzt natür­lich auch sofort wie­der los­wer­den. Letzt­end­lich ist es am Ende aber immer eine Fra­ge des per­sön­li­chen Geschmacks. Es mag sicher auch Leu­te geben, die einen ähn­li­chen Geschmack hat­ten wie die Jury.

    Trotz­dem fin­de ich das Tele­vo­ting vom Gefühl her als viel ehr­li­che­res Instru­ment, um den musi­ka­li­schen Euro­pa- oder wohl bes­ser Euro­vi­si­ons­meis­ter zu küren. Dar­an wird sich auch nie etwas ändern.

  12. Ja, das Tele­vo­ting gibt trotz Migran­ten­vo­ting wie­der, was Euro­pa gefällt (Extrem­bei­spie­le Lore­en und Bura­novs­ki­ye Babush­ki) und was Euro­pa nicht gefällt (Super-Duper-Extrem­bei­spiel Anggun).
    Nur man muss das Tele­vo­ting gegen Mani­pu­la­ti­on schüt­zen. Beson­ders Aser­bai­dschan soll ja in Mal­ta und Zypern gemau­schelt haben. Angeb­lich gin­gen die meis­ten zyprio­ti­schen Stim­men 2011 an Aser­bai­dschan und nicht an Grie­chen­land, weil Aser­bai­dschan mani­pu­liert hat.

  13. Zum letz­ten Satz: Bit­te was? Sor­ry, aber das stimmt ein­fach nicht. Zypern hat sei­ne 12 Punk­te im Fina­le, seit Aser­bai­dschan teil­nimmt (und schon vor­her; das letz­te Mal, dass das nicht pas­sier­te, war 2001, was schlicht dar­an lag, dass Zypern da nicht dabei war), immer an Grie­chen­land gege­ben.

    Die Sache mit den mal­te­si­schen 12 Punk­ten ist mir aller­dings auch schon ins Auge gefal­len. 2008 gabs von Mal­ta an Aser­bai­dschan gar nichts, 2009 einen Punkt, seit 2010 36 von 36 mög­li­chen. Was bit­te läuft da?

  14. Nun­ja, Mal­ta hat kei­ne 420.000 Ein­woh­ner – weni­ger als zwei Drit­tel Frank­furts – und fünf Juro­ren. Mit ein paar geziel­ten Ver­güns­ti­gun­gen und einem leis­tungs­star­ken Call­cen­ter lie­ße sich da mit rela­tiv gerin­gem Auf­wand eini­ges stem­men. Aber ein so demo­kra­tisch lupen­rei­nes Land wie Aser­bai­dschan, in dem garan­tiert noch nie­mals Aus­zäh­lun­gen gefälscht wur­den, wür­de sicher nie­mals auch nur auf den Gedan­ken kom­men…

  15.  Hm. Man soll­te mei­nen, dann wäre San Mari­no erst recht ein Kan­di­dat dafür – weni­ger als ein Zehn­tel der Ein­woh­ner Mal­tas. (Das ist kein Scherz – gera­de mal knapp über 31,000. Solan­ge Mona­co nicht zurück­kommt, mit gro­ßem Abstand das kleins­te Euro­vi­si­ons­land.) Oder viel­leicht Island – wobei bei denen sofort auf­fal­len wür­de, wenn ihre 12 Punk­te mal nicht in Skan­di­na­vi­en, Däne­mark im Spe­zi­el­len, lan­den. 😉

    Aber ja. Da soll­te die EBU defi­ni­tiv mal genau­er hin­schau­en. Mit Dia­spo­ra und Nach­bar­schaft sind die Stim­men Mal­tas noch nie zu erklä­ren gewe­sen – und es ist schließ­lich bewie­sen, dass ihre Abstim­mung 2007 mani­pu­liert war.

  16. Ja, an die dach­te ich auch sofort. Viel­leicht ist es ja wirk­lich so, dass es dort zu auf­fäl­lig wäre und jeder sofort Mani­pu­la­tio­nen ver­mu­ten wür­de (zumal Ralph Sie­gel als Gegen­ge­schäft ja sicher nichts weni­ger als die vol­len 12 für sei­nen Soci­al Media Song ver­langt hät­te, und das war den Ali­y­ews dann womög­lich doch zu pein­lich). Mal­ta hat ja bereits seit den Acht­zi­gern eine kon­ti­nu­ier­li­che His­to­rie spek­ta­ku­lär vom Main­stream abwei­chen­der Punk­te­ver­ga­ben, da tut man das viel­leicht eher mit einem Schul­ter­zu­cken ab – es gibt ja, anders als bei dem von Dir erwähn­ten Island, kei­ne übli­chen Voting­prä­fe­ren­zen, mit denen man das ver­glei­chen könn­te.

  17. Der Fall ist klar: die Schla­ger­boys müs­sen wie­der nach Mal­ta! Und dort im TV wie­der den Trash-Schla­ger der Sai­son pre­di­gen – nur so kön­nen die 12 an Aser­bai­dschan ver­hin­dert und zwerch­fell­er­schüt­tern­de Höchst­punkt­zah­len an Per­len vom Schla­ge Per­rel­li und Scootch wie­der gewähr­leis­tet wer­den! XD

    Ich bin mir auch im übri­gen ziem­lich sicher, dass es eine Abspra­che zwi­schen Geor­gi­en und Litau­en gibt. Wie die frei von jeg­li­chem kul­tu­rel­len bzw. dia­spo­rel­len Zusam­men­hang in den letz­ten Jah­ren Punk­te aus­tau­schen ist doch schon sehr dubi­os. (Erst recht weil kein Mensch mit halbs­wegs fun­dier­tem Geschmack für so nen Sound­müll wie “Love is Blind” oder “C’est Ma Vie” anru­fen wür­de…)

  18. Ja, also ich mein­te, dass die meis­ten Tele­vo­ting-Stim­men 2011 angeb­lich an Aser­bai­dschan gin­gen (weil die Aze­ri angeb­lich Call­cen­ter enga­giert haben). Die Juro­ren wer­den aber sicher­ge­stellt haben, dass die 12 Punk­te trotz­dem an Grie­chen­land gehen.

  19. Hm. Dem Klam­mer­satz kann ich mit Blick auf das litaui­sche Ergeb­nis der letz­ten bei­den Jah­re nicht zustim­men, dem Rest des zwei­ten Absat­zes hin­ge­gen schon. Zwölf Punk­te im Semi die­ses Jahr aus Litau­en für Anri Jok­had­ze? Wobei das umge­kehrt zumin­dest im Semi nicht geklappt hat, im Fina­le hin­ge­gen schon. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

  20.  Ich erin­ne­re mich, gele­sen zu haben, dass die zyprio­ti­sche Jury sich über eine recht hohe Gesamt­wer­tung für AZ gewun­dert habe, da sie selbst null Punk­te dort­hin ver­ge­ben haben. Dabei kam raus, dass 12 Punk­te aus dem Tele­vo­ting kamen, und zwar erstaun­li­cher­wei­se durch rei­nes SMS-Voting, wohin­ge­gen ansons­ten ein aus­ge­gli­che­nes Ver­hält­nis­sen zwi­schen Anru­fen und SMS vor­ge­le­gen habe. Der Ver­dacht liegt also durch­aus nahe, dass hier mani­pu­liert wur­de.

  21. Also wenn ich mir das alles hier so anse­he und durch­le­se, dann bin ich immer mehr der über­zeu­gung, dass das tele­vo­ting der abso­lu­te bock­mist ist und ent­we­der stark regle­men­tiert wer­den soll­te oder am bes­ten ganz abge­schafft wer­den soll­te – sonst ver­kommt der gan­ze bums noch völ­lig zum rus­senoma­tral­la­la auf jah­re hin­aus – was für eine per­spek­ti­ve…

  22.  Das ist in den elf ESCs mit (fast) rei­nem Tele­vo­ting nicht pas­siert (1998–2008), also wird es auch jetzt nicht pas­sie­ren. So mani­pu­la­ti­ons­an­fäl­lig man­che Abstim­mun­gen sein mögen, fünf Leu­te pro Land sind es erst recht. Und so sehr ich “Mad­ness of Love” moch­te, als Sie­ger hät­te das Teil Auf­stän­de der Fans aus­ge­löst, gegen die die Begeis­te­rung für “Eupho­ria” harm­los aus­sieht. Ich bin für das momen­ta­ne Sys­tem, man ver­ste­he mich bit­te nicht falsch, aber rei­nes Jury­vo­ting? Wol­len wir wie­der Ver­hält­nis­se wie Mit­te der 90er? (Ich wür­de jetzt mit “Noc­turne” und “The Voice” gegen mich selbst argu­men­tie­ren, zwei mei­ner Lieb­lings­sie­ger, aber “Sano­mi” hat zu schlimms­ten Tele­vo­ting­zeiten bewie­sen, dass selbst ein Land ohne Freun­de mit einem wirk­lich schö­nen Lied reüs­sie­ren kann, egal ob bei Jurys oder bei Tele­vo­tern.)

  23.  Tja, so kann man Din­ge unter­schied­lich whr­neh­men. Ist natür­lich eine Geschmacks­fra­ge, aber für mich war eher 1998 bis ca. 2005 der Tief­punkt der Euro­vi­si­on. Erst seit Lordi’s Sieg und natür­lich dem abso­lut fan­tas­ti­schen Con­test 2007 in Hel­sin­ki bin ich wie­der mit gan­zem Her­zen dabei, nach­dem ich zwi­schen­drin ziem­lich abge­hängt hat­te.

    Noc­turne und Sano­mi sind aber übri­gens auch bei mir Favo­ri­ten.

  24.  Es ging um die Ten­denz über die­se zehn Jah­re, und dass es da trotz rei­nem Tele­vo­ting eben nicht immer schlech­ter wur­de (was dein Kom­men­tar ja auch gar nicht bestrei­tet, im Gegen­teil). Dass da am Anfang noch ziem­li­che Grüt­ze kam, will ich gar nicht bestrei­ten – 1998, 2001 und 2002 gehö­ren zu den schlech­tes­ten Jahr­gän­gen, die der Wett­be­werb jemals hat­te, wäh­rend 1997 ein­fach nur groß­ar­tig war, eben­so wie 2003. Und dass in den Zeit­raum von 1985 bis 1995 eini­ge der schlech­tes­ten ESCs aller Zei­ten fal­len, ist kaum zu bestrei­ten. Wer bit­te betrach­tet “Rock and Roll Kids” als einen wür­di­gen Sie­ger? Oder “Why Me”, “Rock Me”, “J’aime la vie” oder “Hold Me Now”? Damit ver­gli­chen war ja sogar “Diva” höchs­te Qua­li­tät, von “Fly On the Wings of Love” oder “Every Way That I Can” gar nicht anzu­fan­gen (ich habe ganz bewusst auf die Nen­nung von “Every­bo­dy” oder gar *würg* “I Wan­na” ver­zich­tet…).

  25. Eine win­zi­ge Kor­rek­tur (der Feh­ler ist so weit vor­ne, dass er sogar im Text auf der Start­sei­te auf­taucht): der Abstand zwi­schen Schwe­den und Russ­land im Tele­vo­ting waren elf Punk­te, nicht zwölf (343 zu 332).

  26. So sehr man die Juries für man­che Wer­tung has­sen mag, ab und zu erfül­len
    sie doch ihren Zweck, wenn sie Titel wie den tür­ki­schen Bei­trag
    run­ter­wer­ten. Ernst­haft, wer außer Dia­spo­ra-Votern moch­te die­ses Lied? Dass Jurys sich dem Gau­di­fak­tor der rus­si­schen Omas ver­schlie­ßen ist auch nach­voll­zieh­bar – auch wenn ich sie per­sön­lich auch lus­tig fand, musi­ka­lisch sicher einer der schwä­che­ren Bei­trä­ge.
    Soweit ich mich erin­ne­re waren die bis­he­ri­gen Sie­ger seit der kom­bi­nier­ten Lösung aus Tele­vo­ting und Jury­wer­tung immer die Sie­ger bei­der Wer­tun­gen. So gese­hen wur­de bis­her immer nur das Gesamt­ergeb­nis “zurecht­ge­rückt”. So gese­hen hal­te ich das momen­ta­ne Sys­tem für gerecht, auch wenn sicher der Tag kom­men wird an dem kein gemein­sa­mer Favo­rit, son­dern womög­lich der Jury­fa­vo­rit gewinnt.

  27. Das ist so nicht rich­tig. Such mal nach dem Split von 2011 – da hieß der Jury­sie­ger (mit fast 80 Punk­ten Abstand!) Ita­li­en und nicht Aser­bai­dschan. Das hat letzt­end­lich dank sei­nes mise­ra­blen Tele­vo­tin­g­er­geb­nis­ses zwar nicht gereicht, um Rapha­el Gual­az­zi ganz nach oben zu hie­ven, aber viel hat nicht gefehlt.

  28. Ich moch­te das tür­ki­sche Lied und gehö­re nicht zur Dia­spo­ra. Auch wenn ich nicht dafür ange­ru­fen habe. Hat­te am ESC-Abend Dienst.

  29. Tat­säch­lich, Ita­li­en Jury­sie­ger und das noch mit so viel Vor­sprung. Irgend­wie hat­te ich das falsch in Erin­ne­rung, dass Ita­li­en auf Platz 2 der Jurys hin­ter Aser­bai­dschan war… Ich hat­te die­ses Jahr mit einem ähn­li­chen Ergeb­nis für die Ita­lie­ner gerech­net, aber schein­bar war die­se Ita­li­en-Affi­ni­tät nur eine ein­ma­li­ge Erschei­nung anläss­lich ihrer Rück­kehr in den Wett­be­werb oder es war doch eine Jazz-Affi­ni­tät.
    Naja aber wie gesagt fin­de ich das aktu­el­le Sys­tem ok, es wird wohl nie eine Lösung geben mit der wirk­lich alle zufrie­den sind.

  30. Gut, das ist wohl das ers­te Jahr, in dem ich (will hei­ßen mein per­sön­li­cher Geschmack) den Kor­rek­tu­ren der “Jury” nicht dia­me­tral ent­ge­gen­ste­he. Es hält sich – mit eini­gen Aus­rei­ßern in Rich­tung bei­der Sei­ten – etwa die Waa­ge.
    Trotz­dem ist es doch bedenk­lich, den Publi­kums­ent­scheid unde­mo­kra­tisch über­stim­men las­sen zu wol­len,  nur damit die eige­nen Favo­ri­ten bes­ser daste­hen. Den ESC gibt es schließ­lich nicht nur für “Juro­ren” und Hard­core­fans, und auf Dau­er wird die­ses eigen­mäch­ti­ge Gefu­sche an den Zah­len auch, so mei­ne Pro­gno­se, nicht gut­ge­hen. Es kann ein­fach nicht.
    Wel­che sinn­vol­len Argu­men­te blei­ben also pro “Jury”? Den vor­aus­seh­ba­ren Wer­tun­gen, die so oft als Kri­tik her­vor­ge­bracht wur­den, konn­te offen­sicht­lich kei­ne Abhil­fe geschafft wer­den. Die hohen Punk­te gehen nach wie vor fast aus­schließ­lich an (geo­gra­fi­sche wie poli­ti­sche) Nach­barn, Dia­spora­hei­mat­län­der und all­ge­mei­ne Favo­ri­ten. Ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass der “Jury”-Einfluss das zwei­te Jahr in Fol­ge ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen um die Spit­ze blo­ckiert hat, lässt das Ver­spre­chen der EBU eines span­nen­de­ren Votings wie schie­re Ver­ar­sche (par­don!) erschei­nen. Algo­rith­mus hin oder her, die “Jury” erwies sich fak­tisch als kras­ser Span­nungs­kil­ler. Mis­si­on geschei­tert.

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