Perlen der Vorentscheidung: die erste Schweizer Ernte

Seit zwei Wochen stehen die Pforten des in Trashdingen stets führenden Eurovisionsportals des schweizerischen Fernsehens wieder offen. Und bereits die erste Sichtung der bislang dort hochgeladenen Vorschläge birgt wieder ungeahnte Kultschätze! Einen thematisch zum Austragungsland Schweden passenden Beitrag hat der Männerchor Steili Kressä vorbereitet: ‚Sultan Hagavik‘ besteht aus einer zu handgetrommelten Percussions acapella gesungenen Aufzählung von Produktnamen aus dem Katalog eines sehr bekannten gelbblauen Möbelhauses. Und auch das Video entstand vor und in der örtlichen IKEA-Filiale. Nachdem allerdings bereits ‚Facebook, uh-oh‘ an den Schleichwerbungsverhinderungsvorschriften der EBU scheiterte, dürfte das Schicksal der kernigen Chorburschen besiegelt sein – leider, denn ginge es nach mir, so hätten wir den schweizerischen Beitrag 2013 gefunden!


Ich krieg einen Arne: Steili Kressäs Hommage ans Schwedenmöbel

Daneben finden sich erneut fabelhafte Amateurwerke wie ‚Have you ever touched a Rainbow‘ von Abacay, in dem zwei junge eidgenössische Lesben (schließe ich mal aufgrund des Holzfällerhemdes und des fehlenden Make-ups) wie besoffen durch malerische Weinberge und pittoreske schweizerische Bergdörfer torkeln und zum billigen Eurodancebeat trotz massivsten Vocodereinsatzes ohrenbetäubend schief jaulen. Oder das von John Hänni, dem helvetischen Roger Cicero, der vor idyllischer Bergwiesenkulisse feststellt: ‚I can’t shut up‘. Zum Leidwesen des Zuhörers, wie man ergänzen muss, denn seine von einem knorzigen Dudelsackspieler in Landestracht begleitete Weise erweist sich als schnelleinschläfernd. Schuhausziehend auch ‚Oh no, mi Corazón‘, ein eigentlich akzeptabler Dancetrack von United Passion, der jedoch von den zwei wohl unfähigsten Deppenrappern aller Zeiten zuschande gerichtet wird. Wegen der hohen Kosten der für den Videodreh gemieteten oberpeinlichen Stretchlimousine war dann auch kein Geld mehr für eine professionelle Kamera vorhanden, so dass der Clip offensichtlich mit dem Handy aufgenommen werden musste.


Abacy: gut, ein paar blitzsaubere Tiefgaragen kommen auch vor, für den Crimefaktor…

Die Eurovisionspforten des Schweizer Fernsehens bleiben noch bis 1. Oktober für jedermann geöffnet – da düften also noch ein paar Perlen folgen. Wer in Malmö auf die Bühne will und etwas mehr zu bieten hat als die helvetischen Lachnummern, ist indes besser beim Consultingprojekt des Wieners Mario „Gaytana“ Lackner aufgehoben, der letztes Jahr Sankil Jones produzierte, der es leider aufgrund des Rückzugs Armeniens, für das der in New York Aufgewachsene starten sollte, nicht ganz bis Baku schaffte. Diesmal hat sich der rührige Eurovisionsberater nach eigenen Angaben bereits einen festen Startplatz in einer Vorentscheidung eines noch nicht näher genannten Balkanlandes „mitteleuropäischen“ Landes gesichert und nimmt, ebenfalls bis 1.10., noch „überzeugende Demos“ interessierter Interpret/innen entgegen. Weitere Infos in der Facebookgruppe Fire for Victory. Na dann mal los!


Wo wird wohl diesmal das Feuer entzündet?

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