Perlen der Vorentscheidung: Every Sink’s in your Mind

Endlich ist es draußen: das mit atemloser Spannung erwartete Lys-Assia-Video! Seit heute Nachmittag kommt man auf der Eurovisionsseite des SF in den vollen, dreiminütigen Genuss des neuesten Geniestreichs aus der Feder von Ralph Siegel. Und, ganz ehrlich: ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Bereits die ersten 20 Sekunden sind pures Comedy-Gold, und ohne jede Frage dürfte „Hello, how is the Flow?“ zur neuen Begrüßungsfloskel unter Eurovisionsaficionados werden. Lys Assia hat die grauenvollste englische Aussprache seit Alyosha („Every sink’s in your mind“: will sie Badarmaturen verkaufen?) und scheint selbst in der Studiofassung schon mit dem Timing zu kämpfen. Live sehe ich da den totalen Carcrash auf uns zukommen. Auf jeden Fall sollte der Part aus dem Video, wo die vier Rap-Buben von New Jack Lys aufs Skateboard heben, mit in den Bühnenauftritt eingearbeitet werden! Musikalisch handelt es sich natürlich wieder um eine der altbekannten Backe-backe-Kuchen-Melodien des Meisters, die sich leider allerdings auch sofort in den Gehörgang fräst. ‚All in your Head‘ indeed – unglückseligerweise geht sie da nun auch nicht mehr raus. Hilfe!

Schlägt sich tapfer im Züricher Ghetto: die taffe Lys

Konkurrenz könnte der 88jährigen Grande Dame der Eurovision noch in Form von Anthony Bighead erwachsen, seines Zeichens TV-Moderator des privaten schweizerischen Jugendsenders joiz. Der schmeißt sich in ein Affenkostüm und fordert ‚Do the Monkey‘, was jetzt nicht besonders originell erscheint, angesichts der bisher äußerst dünnen Konkurrenz aber durchaus gute Chancen haben könnte. Zu den Mitbewerbern gehört seit heute auch die polnische Teilnehmerin von 2011, Magdalena Tul, deren Beitrag ‚Give it up‘ aber genau so klingt, wie er heißt. Oh, und in der niederländischen Vorauswahl für die Schweizer Vorentscheidung (ja, etwas derart Bizarres gibt es tatsächlich!) hat sich ‚Wild white Horses‘ durchgesetzt. Wetten, dass wir es dennoch nicht im TV-Finale am 15.12. in Kreuzlingen sehen werden? Anders vermutlich als ‚European Girl (Heartbeat)‘ von The Fires. Die blutjungen, schmalztolligen Retro-Rock’n’Roller sollen gerüchteweise auf ausdrücklichen Wunsch des Schweizer Fernsehens, das auch ihren Videoclip mitfinanziert habe, mitmachen. Abschließen möchte ich diese Runde der Perlen der Vorentscheidung mit einem besonders schönen Beispiel aus der Abteilung What da fuck?: ‚Fukijo‘ von Konichiwa Panda. Das sind zwei offensichtlich tragisch veranlagte Teenagerjungs mit wirklich schlimmen Haarfrisuren, die über den örtlichen Rummel schlendern und mit heftigst vocoderisierten Mädchenstimmen ein Gewinsel von sich geben, dass es einem die Schuhe auszieht. Gut für sie, dass sie in der toleranten Schweiz leben und nicht in Rostock: da hätten sie die örtlichen Skinheads schon längst verkloppt. Während des Videodrehs.

Ay ay ay ay, Karneval in Rüti

Hello, how is the Flow? Was hältst Du vom Lys-Assia-Song?

  • Comedy-Gold. Das MUSS zum ESC, damit wir was zum Lachen haben! (39%, 22 Votes)
  • Einfach nur schlecht. Bitte mach, dass es weggeht. (30%, 17 Votes)
  • Ein Guilty Pleasure: ich weiß, ich sollte es hassen, aber ich kriegs nicht mehr aus dem Kopf. (20%, 11 Votes)
  • Ein neuer Meilenstein aus dem Hause Siegel. Klasse! (11%, 6 Votes)

Total Voters: 56

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18 thoughts on “Perlen der Vorentscheidung: Every Sink’s in your Mind

  1. War es bisher bei solchen Songs nicht so, dass die Rap- oder Hip-Hop-Parts als störend empfunden wurden (siehe zum Beispiel Loukas Yorkas und Stereo Mike)? Hier ist es definitiv umgekehrt! Aber nicht wegen Lys Assia, sondern wegen der kitschigen Melodie und dem noch schlimmeren Text.

  2. Also wenn sich die Schweizer diese Chance entgehen lassen -> selber schuld.
    Wie schrieb eine Freundin so schön: Alte Dame hat sich auf dem Weg zur Fango-Packung im Ghetto verlaufen und erklärt den Jungs, wie die Welt funktioniert. Die Skateboard-Hebe-Nummer erinnert mich an Kejsi Tola und ihren Fantomas (Kejsi ist allerdings 70 Jahre jünger) – ja, lieber Blogger, das gehört so auf die Malmöer Bühne.
    Im wahrsten Sinne „all in your head“ – ein fürchterlicher Ohrwurm…. 

  3. Dass ich das noch erleben darf: Lys Assia gibt die in Ehren ergraute….äh, gefärbte Gangsta-Bitch.
    Man muss ihr natürlich auch lassen, dass sie als Grande Dame Stil beweist, weiß, dass man sich passend mit dem kleinen Schwarzen auf der Bühne präsentiert. In ihrem Fall sogar in vierfacher Ausführung. Bravo!

  4. Klasse Lys ! Die jugendliche Begrüßungsformel „Hello, how is the flow“ ist in der Rap-Szene mit diesem Video wohl  für immer unbrauchbar gemacht worden. Aber wenigstens wird sie sich wirklich dank Eurovisions-Manics in der ESC-Nische halten. 😉
    Auch die Besteigung eines Skateboards durch ein Non-peer der Community wird wahrscheinlich in so mancher Halfpipe blankes Entsetzen auslösen und die Vereinnahmung der bisherigen Jugendkultur durch Senioren ist hiermit entgültig manifestiert worden. Lässt immerhin auf hoffentlich neue Trends hoffen, wenn sich dann die Jugemd irgendwann von diesem Schock erholt hat.
    Wir in den einschlägigen Foren  haben mindestens bis zur VE-Show in Kreuzlingen weiterhin eine Menge Gesprächsstoff und mit ein bißchen Glück vielleicht auch darüber hinaus.

  5. gehört nicht zwingend hier hin: aber ich seh gerade, der Rainer Höglmeier will auch das Schweizer Ticket lösen…. hui…. dann doch viel lieber datt Lys

  6. Au Backe! Dieses Siegel-Angebiedere an alle irgendwie, entweder hippen und nun mainstreamig gewordenen Randgruppen, an Minderheiten und Communities ist schlichtweg ein Fall für die UNO. Türken bei Surprize, Gays bei Lou, Behinderte (Blinde) bei Lena Valaitis und mit Corinna und jetzt Coloured People und Senioren! Grottig das Arrangement des Herrn Siegel, unterirdisch das Pidgeon-Englisch der guten alten Lys. Das wird nix!

  7. Oma, lass uns in Ruhe! Man sollte Lys Assia schleunigst mit einem Eurovision-Verbot belegen. Lys Assias Versuch, Jugendliche (wie mich) anzusprechen geht komplett in die Hose.

    Aber eins gebe ich ja gerne zu: Das Video an sich ist endgeil. Alle sind soooo fröööööhliiichhh !!!! Da stehen am Anfang diese fröhlichen jungen…. Menschen („Neger“ darf man nicht sagen xD) da und dann kommt die noch fröhlichere Lys Assia und fragt voller Freude: „Hey, how is the flow?“ ^^
    Das alles kann nur von Ralph Siegel eingefädelt worden sein.

  8. Das von Dir in Klammern gesetzte Wort möchte ich in meinem Blog (einschließlich der Kommentare) tatsächlich nicht lesen. Auch wenn es die harmlose Variante war und ich sicher bin, dass Du es nicht böse gemeint hast. Ich habe mir daher erlaubt, Deinen Kommentar zu moderieren und bitte um Dein Verständnis. Ich würde mich aber freuen, wenn Du weiter kommentierst, ich lese Deine Bemerkung sonst mit Freude.
    Danke und Gruß,
    Oliver

  9. wir schweizer sollten die assia dieses mal bitte wählen. sie ist ja erst 89, und wer weiss, was ralf siegel beim nächsten mal mit ihr einfällt.lordy feat. lys assia?
    spass bei seite, so wie lys assia im video die einsätze verpasst…………….wenn das live nur gutgeht.
    ansonsten ein typischer siegel,möchtegernmodern, vor jahrzehnten stehen geblieben.
    ber all die mitleid-,senioren-,nostalgie die-, ist jasosüss-punkte sollten wir uns nicht entgehen lassen.gibt mehr als die letzten 5 jahre zusammen.

  10.  hehe… und dabei beginnt der windige Typ (ich weigere mich, ihn Rainer zu nennen^^) erst nach 13 Sekunden mit seinem Gesang …. aber ja…. es ist schlimm 🙂

  11. Also ganz ehrlich… so schlecht find ich die Nummer wirklich nicht. Ist das Beste, was Siegel die letzten Jahre so angestellt hat (haltet mich bitte nicht für durchgedreht). Mich hat es auf jeden Fall unterhalten. Nur das schlimme Englische von Lys schreckt mich bissl ab. Da wird es wohl Sonderstunden geben müssen. Also ich drück die Daumen;))

  12. Nein, ich habe es eigentlich nicht böse gemeint…
    Ich habe aber trotzdem Verständnis und lese Ihren Blog natürlich mit großer Freude und werde natürlich auch weiterhin kommentieren, wie ich es vorher auch schon getan habe.

    Gruß
    deutscheland

  13. Yo Man. DJ Lys und ihr Homie Ralfie sind in da House. Voll Krasse Beat ey. Ey Alter, da kannst du Eminem, Sido und Bushido voll vergessen. Dat sind doch alles Opfer gegenüber DJ Lys und ihrem Bro Ralfie. Der Beat ist echt krass und voll, wie de DJ Lys hier einen auf voll de Gangstarapper macht. Lys und ihre Gang werden voll ESC rocken. Ich sach dir, das wird voll groovie Baby. 

    Und ich sach dir Alter, wenn die Schweizer nicht voll auf DJ Lys und ihre Windelrappergang nicht total abfahren, kommt sie nächstes Jahr mit Lordi. Das wird noch voll krasser. 

  14. Hilfe, die Siegel’sche Gehirnwäsche funktioniert! Nach dem zweiten und dritten Mal hören gefällt mir der Song immer besser. Das macht den Text zwar nicht weniger kitschig und die Tonfolge der Leadzeile nicht weniger altbacken, aber einige Versatzstücke des Lieds sind wirklich gut anhörbar. Vor allem bleibt All in your head deshalb auch über die ganze Länge interessant, was man wirklich nicht über jeden ESC-Beitrag sagen kann. Lys & New Jack to Malmö!

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