Perlen der Vorentscheidung: Lys Assia und die Folgen

Oh grundgütige Lys, was hast Du da nur angestellt? Inspiriert vom Vorbild des 88jährigen „Hip-Hop-Babes“, kriechen nun weitere Eurovisionsuntote unter ihren Steinen hervor, um das beschauliche Alpenidyll mit ihren Einreichungen für die Schweizer Vorentscheidung heimzusuchen. So beispielsweise die eidgenössische Vertreterin von 1983 und 1985, Mariella Farré, die einen unterdurchschnittlichen Clubtune namens ‚One of a Kind‘ anbietet, in dem sich die knapp Fünfzigjährige als schalschwingendes Discohaserl präsentiert. Und obwohl die optisch als Klon aus Milva und Petra Nadolny (Switch) daherkommende Künstlerin zwei Tanzschulen leitet, wirkt ihre wahllos von Loreen, Carola und Pulp Fiction zusammengeklaute Choreografie seltsam uninspiriert. Wo wir gerade beim Stichwort sind: extrem uninspirierte Clubmucke hat auch das schwedische Duo Mean Madow im Gepäck, das mit ‚How does it feel‘ wohl noch nicht mal mehr in Polen, ihrem bisherigen Vorentscheidungsasyl, landen konnte. Wer die Autotune-Orgie anhört, versteht’s.


Nur der Krabbentanz fehlt noch: die Mariella

Vermutlich ebenfalls dem gerontischen Vorbild von Frau Assia geschuldet ist die Bewerbung von Maria Christina, einer Art helvetischer Eartha Kitt, die allerdings weder über Sexappeal noch die Fähigkeit, einen Ton zu halten, verfügt. Von einem Song, der diese Bezeichnung verdient, ganz zu schweigen. Sie sei ‚No Dramaqueen‘, teilt sie uns mit. Richtig: weder Drama, noch Queen. Sondern einfach nur stinknormal untalentiert. In eine ähnliche Kategorie fällt auch der CVP-Nationalratskandidat und Die größten Schweizer Talente-Teilnehmer Markus Müller, den man auf den ersten Blick für den Vater von ProSieben-Hofnarr Elton halten könnte. Bis er anfängt, zu singen. Dann hält man ihn für Satan persönlich. Wie übrigens auch den Münchener Motorradhelmhändler und volkstümlichen Schlagersänger Benjamin Grund, dessen ‚My Heart wants to fly‘ klingt, als habe er eigenhändig den Pathos aus sämtlichen jemals von Ralph Siegel verfassten Eurovisionsballaden herausgesaugt und zu einer bombastischen Überkitschnummer zusammengekleistert. Und zudem mit einer der krudesten Rückungen aller Zeiten (im Video bei 2:14 Min.) aufwartet. Würg. Dann doch lieber solide Langeweile, aber dafür wenigstens gut produziert: der auch hierzulande durch DSDS bekannte Jesse Ritch, der von Optik und Alter her ein Teil der Assia-Begleitband New Jack sein könnte, startet beim Vorentscheid mit ‚Forever & a Day‘. Und so öde ich die Nummer finde, sagt mir doch mein Bauchgefühl, dass wir genau die im Malmöer Semi wiedersehen könnten…


Derartig mainstreamig, dass er glatt für Dänemark starten könnte: der Jesse

3 Gedanken zu “Perlen der Vorentscheidung: Lys Assia und die Folgen

  1. Vielleicht wird es ja auch die Heilsarmee. Aber die Chancen für Lys stehen momentan auch noch besser als letztes Jahr. Wann kommt denn endlich ihr Clip?

  2. Also, mein Lieber. Ich bin ja ziemlich empört über den Vergelich von Eartha Kitt mit dieser helvetischen Kuh. Diese nichtsingende Hausfrau hat aber nicht einmal ansatzweise etwas mitt der göttlichen Eartha zu tun.
    Mensch Olli – wie kannst du nur.

    Ansonsten ist das Video von Madame Farre doch höchst unterhaltsam. Und sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, das sie damit nach Malmö fährt – dann wird bitte dieser Auftritt exakt nachgespielt. (Einschließlich des Klopapiers das über ihren Armen hängt. Oder sind es doch Schals ?). Über den Song braucht man ja nix zu sagen – weil es da nix zum sagen gibt.

Oder was denkst Du?