Thomas Schreiber: „Es geht um die Musik“

Das unablässige Wehklagen der Fans, dass man sich auch für Deutschland einen glanzvollen Vorentscheid wie das schwedische Melodifestivalen als nationales Ereignis wünsche, scheint beim NDR angekommen zu sein. Wie der deutsche Eurovisionsverantwortliche Thomas Schreiber heute früh auf eurovision.de sagte, habe er sich bei der Neuorganisation der heimischen Vorauswahl „ein Stück weit am schwedischen Vorbild“ orientiert. „Ich wollte wie beim ESC zwei Halbfinale und ein Finale machen. Damit wollten wir durch die Republik ziehen, in Hallen mit 2.000 bis 4.000 Zuschauern. Das Problem: Als wir im Juni 2012 solche Hallen optionieren wollten, waren fast alle bereits gebucht. Deshalb gibt es in diesem Jahr nur eine Show, die aber in einer schönen großen Halle vor 11.000 Menschen.“ Das lässt aufhorchen und hoffen, dass uns 2014 ein deutscher Vorentscheid mit mehreren Vorrunden erwarten könnte. Auch der Wechsel vom Brainpool-Fernsehstudio – Raabs Kölner TV-Firma zeitigt weiter für die Produktion der Show verantwortlich – in eine richtige Arena vor großem Publikum (Schreiber: „Wir wollen raus aus dem Studio und keine LED-Schlachten mehr schlagen. Es geht um die Musik“), vor allem aber die Rückbesinnung vom Solosänger-Castingshowformat der letzten drei Jahre zum auch für Gruppen offenen klassischen Vorentscheid scheint bemerkenswert.


Warum wir sie bei Unser Song für Malmö sehen könnten, steht im zweiten Absatz

Angekündigt ist „eine Mischung aus etablierten Künstlern und Newcomern“, die von einer siebenköpfigen Songfindungskommission zusammengestellt werden soll. In dieser sitzen neben Schreiber und Brainpool-Mann Jörg Grabosch jeweils ein Vertreter der vier großen Musikmultis Universal, Sony, Warner und EMI. Sowie, als Abgesandter der Independants, ein Unterhändler des deutschen Ministry-of-Sound-Labels (bei denen unter anderem Oceana unter Vertrag ist). Auch bei der Punktevergabe orientiert man sich am großen Vorbild: „Wie beim ESC werden die Zuschauer entscheiden und eine fünfköpfige Jury. Anders als beim ESC wird unsere Jury ihre Punkte transparent vor dem Publikum vergeben,“ so Schreiber. Dazu kommen die neun ARD-Radiopopwellen, die, wie bereits geschildert, im Vorfeld zum deutschen Vorentscheid die Teilnehmertitel in ihren Radioprogrammen vorstellen und die Zuhörer (und Grand-Prix-Fans) vorab im Internet abstimmen lassen. Das Ergebnis dieses Votings fließt zu einem Drittel in die Endabstimmung ein: „wir werden in der Show zu unseren Radiokollegen schalten und erfahren, welche Künstler wie viele Punkte von den Radiohörern bekommen. Vielleicht“ (Anmerkung des Autors: ganz sicher!) „wird es ja Unterschiede in der Bewertung geben.“ Damit könnte den bislang eher mit albernem Aktionismus nervenden Radiowellen die Bedeutung des Züngleins an der Waage zukommen – so stelle ich mir eine gelungene Einbindung und eine spannende Auszählung vor! Auch, wenn natürlich noch abzuwarten bleibt, welche Künstler die ARD uns im Dezember dann tatsächlich als Teilnehmer präsentiert: für die Neuausrichtung des Vorentscheids am großen Vorbild Melodifestivalen gebührt dem NDR an dieser Stelle schon mal ein ausdrückliches Lob!

Was hältst Du von den Neuerungen und wer wäre Dein persönlicher Wunschact für die deutsche Vorentscheidung 2013? Schreib es in die Kommentare!

34 Gedanken zu “Thomas Schreiber: „Es geht um die Musik“

  1. Super wären deutschsprachige Songs. Nach 7 Jahren wäre es mal wieder Zeit für die deutsche Sprache beim ESC (mal von den Trackshittaz abgesehen). Btw, Oceanas Song von oben hätte echt das Zeug zum Sieg beim ESC

  2. Das Konzept klingt vielversprechend. Die Einbindung der Radiostationen erweitertert die Reichweiten und ermöglicht schon mal die Beiträge auf Radiotauglichkeit zu prüfen.
    Fehlen eigentlich nur noch die passenden Künstler mit den geeigneten Songs.

  3. Ich kann über diese Ankündigung absolut nicht meckern. Was dann draus gemacht wird, sieht man erst im Februar (oder Andeutungsweise schon im Dezember). Das liegt dann natürlich auch ein gutes Stück an den Titeln, für die ja dann Interpreten, Komponisten, Labels, also weniger die ARD, verantwortlich sind.
    Wen ich mir in so einer Show verstellen könnte…..z.B. Laing, die mir beim BuViSoCo sehr gut gefallen haben – die hätten das Zeug, was musikalisch und showtechnisch Ansprechendes auf die Bühne zu bringen. Vielleicht auch jemanden wie Andreas Bourani.

  4. Ein hervorragender Ansatz des NDR – und die Einbindung der ARD-Radios ist auch sehr gut. Ich freue mich über diesen Neustart, der absolut in die richtige Richtung geht und der nicht nur uns Fans gefallen wird, sondern der auch das allgemeine Publikum ganz sicher erreichen wird.

  5. Au ja gut prima! Bin gespannt, was sie draus machen.
     
    Als Sieger wünsch ich mir….. hmmmmm….. lass ma überlegen…. la Pizza mit einem Song aus der Feder von Peter Elversen und John O’Flynn.

    DAS WAR EIN SCHERZ!!!

    Aber im Ernst, mir ist es egal, Hauptsache Song gut, Interpret mit Persönlichkeit, stimmiges (gutes!) Gesamtpaket. Der Rest wird sich dann schon finden.

  6. Ich bin ein bisschen verblüfft, wie begeistert alle der NDR-PR auf den Leim gehen. Mag ja sein, dass die ARD 2014 etwas macht, das dem Melodifestivalen ähnelt. Aber das Konzept für 2013 ist nichts anderes als der gute (?) alte Vorentscheid, wie ihn die ARD von 1998 bis 2005 betrieben hat. Neu ist einzig, dass auch die Radiohörer und eine Jury mit abstimmen. Aber der Gang aus dem Studio in eine Halle ist nicht neu (2001 war der Vorentscheid schon inderselben, in der es nun auch 2013 wieder sein wird), die Beteiligung der Plattenfirmen nicht, der Versuch, Newcomer und etablierte Acts zu kombinieren, alles wie gehabt.

    Das ist ja nicht schlimm, aber das ist halt zurück zu 1998. Wieso tun alle so, als wäre das schon ein Melodifestivalen light?

  7. Die müsste aber erst den Text ändern. Coca Cola wurde schon einmal moniert. Ich schlage Boogaloo oder Social Drink Uh-Oh-Uh-Uh vor.

  8. Lieber Herr Niggemeier, man wird sich doch noch mal freuen dürfen, wenn der NDR ausnahmsweise einen guten PR-Start für die Vorentscheidung hinlegt und das alte VE-Konzept frisch auflegt.
    Aufregen können wir uns immer noch, wenn die Vorentscheidung zu einem „Unbekannte-Künstler-Push-Event“ wird.
    Für mich hinkt der Vergleich mit dem Melodifestivalen sowieso. Hier will man sich nur mit dem medialen Glanz und Erfolg, die dem MF anhaften,  schmücken. Das MF ist mit seinen Vorrunden, den Song-Duellen, den Dauerabo-Teilnehmern etc. dermaßen eigenständig, dass es in Deutschland sowieso nur bedingt übernommen werden könnte.
    Das jetzige Konzept für Hannover erinnert mich da doch eher an eine BuViSoCo light -Version. Kann man aber so nicht öffentlich sagen, weil das ja bei der Konkurrenz läuft.

  9. Das klingt alles ganz gut, allerdings braucht kein Mensch eine Jury. Und eine Jury mit einem Drittel Stimmberechtgung schon gar nicht!
    Die Stimme der Radiostationen hat zur Folge das es kein Newcommer wirklich schaffen kann. Also Alles in Allem noch starker Verbesserungsbedarf bei der Wertung/Entscheidung.

  10. Ich will niemandem die Freude nehmen; ich habe auch keinen Anlass anzunehmen, dass es schlecht wird. Aber es wirkt sehr nach erfolgreicher Autosuggestion der Fans: „Wir wollen das Melodifestivalen, der NDR hat irgendwas mit Melodifestivalen gesagt, hurra, wir kriegen das Melodifestivalen!“

  11.  Immerhin gibt es ernsthafte Gedanken um die Art, wie das Konzept verkauft werden soll.  Wenn ich da an andere Vorentscheide denke …

  12. Weil wir Grand-Prix-Mädels halt leicht zu begeistern sind, und beim Stichwort „Melodifestivalen“ dreht die klassisch konditionierte Eurovisionsschwuppe (wie ich) halt ab. 🙂

    Und ja, es ist ein Zurück nach 1998 – alleine das finde ich schon Grund genug zur Freude, das Konzept war ja gut! Dazu kommt die unterschwellige Erwartung, dass es mittlerweile deutlich leichter sein dürfte, tatsächlich richtig gute Acts zusammenzukriegen. Denn zum Einen hat der ESC nicht zuletzt durch den Sieg von Lena (und von Loreen) wieder einen ganz anderen Stellenwert, es ist nicht mehr so peinlich oder gar karrierebeendend, dabei mitzumachen. Und zum Anderen gehts der Musikindustrie – selbstverschuldet und völlig zu Recht – heute sehr viel dreckiger als 1998, die können sich das gar nicht mehr leisten, wie damals überwiegend Ausschuß zu schicken.

    Und zu guter Letzt dürsten wir nach all den Hiobsbotschaften der letzten Wochen über Startplatzauslosung, Stehplätze und Stornierungen arg nach froher Kunde – da nimmt man, was man kriegt! 🙂

  13. Ich werde jetzt bewusst keine Acts nennen, die ich mir wünschen würde. Am Ende treten dann vielleicht doch nur Newcomer auf und dann ist man enttäuscht. Ich finde das Konzept zunächst mal sehr spannend. Ich bin wirklich gespannt ob man wirklich namhafte und zur Zeit erfolgreiche Künstler für die VE gewinnen konnte. Und sollte am Ende das Endergebnis beim ESC nicht so doll sein, kein Problem 2014 gehts dann weiter. Weder ein Nationaler Star noch ein Newcomer garantieren Erfolg beim ESC. Ausserdem ist so ein Vorentscheid doch ein prima Anlass, sich auch als etablierter Künstler, live vor einem Millionenpublikum zu präsentieren. So viele Möglichkeiten gibts ja leider nicht mehr, wenn man nicht gerade Schlagerstar oder Volksmusikstar ist. Also ich bin relativ zuversichtlich, das wir eine Mischung aus bekannten und unbekannten Acts bekommen. Und wer weiß, vielleicht gibts am Ende doch ne Überraschung. Bis jetzt klingt das alles sehr gut, aber es steht und fällt mit den Liedern und den jeweiligen Künstlern. 

  14. Thomas Schreiber hat im FAZ-Interview ja eindeutig gesagt, dass einige „namenhafte Bands“ dabei sind. Ob das nun wirklich Kraftklub, Jennifer Rostock und Laing sein werden, kann man nur hoffen.

  15. Verstehe.

    Ich frag auch deshalb, weil ich 1998ff. ziemlich viel journalistisch dabei war und mir sicher bin, dass ungefähr alles, was Thomas Schreiber heute sagt, Jürgen Meyer-Beer damals schon gesagt hat — auch was den ganz anderen Stellenwert angeht, den das Event heute (damals) angeblich hat (hatte).

  16. Sie haben absolut recht, Herr Niggemeier.
    Ich selbst bin überzeugt davon, dass wir einen großartigen Vorentscheid bekommen, aber eine Einabend-Sendung hat nichts mit dem Melodifestivalen zu tun.
    Und warum soll sich die NDR eigentlich am Melodifestivalen orientieren? Ein Abend reicht völlig aus und nicht sieben oder acht.
    Man muss sich nicht immer an den Schweden orientieren, die momentan den ganzen ESC-Karren gewaltsam in den Dreck fahren.

  17. Und ich hoffe, dass es diesmal nur Songs gibt, die die 3-Minuten-Grenze NICHT ÜBERSCHREITEN.
    Die letzten beiden deutschen Beiträge mussten schon gekürzt werden, was eigentlich nicht sein musste. Eine konsequentere Einhaltung dieser Grenze wäre wirklich sinnvoll…

  18. The history book on the shelf…

    Klar, das mit dem „Mello“-Vergleich ist Großsprech, damit soll erst mal positive Grundstimmung erzeugt werden. Find ich gar nicht verkehrt und funktioniert ja auch.  JMB, den ich als Eurovisionsinnovator sehr schätze, hat natürlich damals viel erzählt, wenn der Tag lang war, „Quantensprung vom Schlagerhaften zur Moderne des Pop“, „Wir haben eine interessante Mischung“ (vorher), „keiner der Titel hätte eine Chance gehabt“ (hinterher).  Das gehört zum Job, wie bei Schreiber.

    Und ja, 98 gab’s dank des Meisters schon mal eine ähnliche Aufbruchstimmung wie nach Lena. Klar, kann auch ganz schnell wieder kippen. Und ich werde der Erste sein, der meckert und lamentiert, wenn die ARD doch nur wieder Ware vom Grabbeltisch präsentiert. Im Moment aber sagt mir mein Bauchgefühl: das wird was. Die kriegen ein paar junge Wilde (oder jedenfalls das, was in Deutschland darunter rangiert). Welche, die eher am Anfang der Karriere stehen als am oder hinter dem Zenit, für die das eine Chance ist und die was draus machen. Und wenn sich bei der Abstimmung die Radiohörer mit den Jurys verbünden, können wir so einen Act vielleicht sogar gegen das ARD-Stammpublikum durchdrücken. Das wird schon!

    Außerdem nörgele ich, wie alle Fans, ja oft genug am NDR und an Herrn Schreiber herum, da kann ich ihn auch mal loben, wenn er sich in die richtige Richtung bewegt. 🙂  

  19. Da der Sieger beim ESC auch zu 50 Prozent von einer Jury bestimmt wird: Doch, wir brauchen eine Jury. Sonst kommt am Ende was dabei raus wie die Babushkis, und da war einmal schon reichlich.

  20. Die Botschaft hör‘ ich wohl…
    Kann  Stefan Niggemeier nur beipflichten, werde mich aber ehrfürchtig verneigen, wenn mir am 14. Februar ein Krachlattenact alle  Beine unterm Hocker weghaut. Bis dahin bleibt das Gesäusel mit wohlbekannten Alibi-statements verknüpft, welche anderes erahnen lassen. Und deutsche Melodifestivalen ist (rosarotes) Wunschdenken pur. Erstmal bitte gehörig das standing aufpolieren, das wäre der notwendige Nährboden für eine großangelegte Epidemie mit dem Kultvirus.
    Derweil wird in Schweden emsig und selbstbesoffen die Seuchenbekämpfung vorangetrieben. ..

  21.  Jupp, der Sänger ist mittlerweile auch bei den Söhnen Mannheims aktiv. Thomas Schreiber hat ja gestern beim Clubtreffen gesagt, dass ein international bekanntes Dance-Projekt mitmachen soll.

    Ich setze dann mal meine 2 Euro auf Cascada:

  22. das mit der promotion für oceana ist ja wohl nicht ernst gemeint…

    selten so einen bullshit gehört !!!

    hat denn wirklich noch niemand verstanden, dass das was in deutschland vielleicht gefällt, in europa keine sau hinter dem ofen hervorlockt…

  23. Also, erstens sehe ich überhaupt nicht, wieso Erikah Houston, ääh, Oceana nicht auch außerhalb Deutschlands ankommen sollte. Zweitens ist es mir ehrlich gesagt auch scheißegal – ich wähle beim Vorentscheid stets das, was mir am besten gefällt, und wenn das die restlich Europäer nicht mögen, dann halt nicht. Pöh! Und drittens ist sie (siehe Kommentar von Jaan) anscheinend eh aus dem Rennen, also wozu die Aufregung… 

  24. Gerade Oceana kommt im Ausland noch besser an als in Deutschland.  Ihre Popularität in Polen würde ihr zwar diesmal nichts nützen. Aber ordentlich Punkte aus Spanien und Ukraine wären auch nicht zu verachten . 

  25.  Cascada könnte echt hinkommen – Anfang Februar gibt es trotz neuer Single zwei Wochen lang keinerlei Promo-Termine oder Live-Auftritte.

  26. Deutschsprachige Songs schön und gut – aber wenn da so ein seichtes Deutschpoprock-Gedudel rauskommt, wie es auf beim BuViSoCo zuhauf in Erscheinung tritt, dann verzichte ich gerne darauf.
    Lieber mal was Mutigeres wie die Franzosen mit Patricia Kaas, Sebastien Telliér oder Jessy Matador (den grässlichen Knödeltenor mit dieser vorgestrigen Popera lass ich mal außen vor, sowas bitte nicht!) – Beiträge, die zwar auf dem Scoreboard nicht übermäßig erfolgreich waren, aber aus dem ESC-Einheitsbrei herausgestochen sind und relevant genug waren um hinterher auch in den Charts und in der Werbung zu landen.
    Meine Empfehlung ist Julia Marcell – frischer, zeitgemäßer, leicht experimenteller Pop, international voll und ganz vorzeigbar; und da die Gute polnische Wurzeln hat, können unsere östlichen Nachchbarn auch jemandem die Daumen drücken. 😉

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