Alba­ner klau­en jetzt sogar schon ihre Iden­ti­tät! (AL 2013)

Über­ra­schend für die meis­ten west­li­chen Zuschau­er sieg­te ges­tern Abend beim 51. Fes­ti­va­li i Kën­gës das Duo Adri­an Lulg­ju­raj und Ble­dar Sej­ko mit dem Eth­no­rock­stamp­fer ‘Iden­ti­tet’. Sie setz­ten sich mit der druck­vol­len Rock­bal­la­de im rei­nen Jury­vo­ting gegen die Exver­tre­te­rin­nen Anje­za Shahi­ni (2004) und Kej­si Tola (2009) durch, die bei­de mit stimm­lich sau­be­ren Leis­tun­gen über­zeug­ten, aber eben­so ein­schlä­fern­de Lie­der per­form­ten wie der Rest des alba­ni­schen Teil­neh­mer­fel­des. Der Sie­ger­song, obschon auch kein Meis­ter­werk der Kom­po­nier­kunst und von sehr begrenz­ter Ein­gän­gig­keit, unter­hielt hin­ge­gen mit sei­ner Mischung aus Eth­no­klän­gen, gro­ßer Strei­cher­in­stru­men­tie­rung, nach vor­ne gehen­dem Rock­sound und einem mit der Zun­ge gespiel­ten, vir­tuo­sen Gitar­ren­so­lo. Die­ses zen­tra­le Song­ele­ment könn­te aller­dings als aller­ers­tes der not­wen­di­gen Kür­zung des Titels von sei­nen FiK-üblich über 4 auf euro­vi­si­ons­kon­for­me 3 Minu­ten zum Oper fal­len, wie auch die orches­tra­len Strei­cher. Und dann bleibt nur lang­wei­li­ger Ost­rock übrig.


Bled & Ble­dar

Wie die Fano­raks so sind, mach­ten sie sich gleich nach der Urteils­ver­kün­dung auf die Suche nach mög­li­chen Regel­ver­stö­ßen – und wur­den fün­dig. Und obgleich ich erwie­se­ner­ma­ßen kein Freund des regel­mä­ßi­gen, reflex­ar­ti­gen “Pla­gi­at”-Geschrei­es in Fan­fo­ren bin, so kom­me ich den­noch nicht ganz umhin, über­ein­zu­stim­men, dass der aktu­el­le alba­ni­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag, um es vor­sich­tig zu for­mu­lie­ren, mög­li­cher­wei­se doch eine zumin­dest spu­ren­ele­mant­are musi­ka­li­sche Über­ein­stim­mung mit fol­gen­dem Jugo­klas­si­ker von, wenn ich recht infor­miert bin, 1989, auf­wei­sen könn­te. Ver­glei­chen Sie selbst:


Der Bau­stel­len­soft­por­no im Video hat aber nix mit dem Song zu tun, oder?

Wie wir die EBU so ken­nen, dürf­te das für eine Dis­qua­li­fi­ka­ti­on den­noch nicht aus­rei­chen, im Fal­le wel­cher vor­aus­sicht­lich die Zweit­plat­zier­te Anje­za Shahi­ni mit dem (im Gegen­satz zu ihrem dama­li­gen Euro­vi­si­ons­auf­tritt) sehr har­mo­nisch gesun­ge­nen Titel ‘Love’ nach Mal­mö fah­ren dürf­te. Letz­ten Endes spielt es auch kei­ne Rol­le: ohne arro­gant klin­gen zu wol­len, so muss ich doch sagen, dass nach heu­ti­gem Stand der Vor­auswah­len noch kein Titel im Ren­nen ist, der gegen einen der bereits bekann­ten deut­schen Vor­ent­schei­dungs­songs einen Stich machen könn­te.


Die jun­ge Imel­da Mar­cos, ähm, Anje­za

Und auch hier wie­der die Fra­ge: Alba­ni­en – Fina­le?

  • Ne. (38%, 30 Votes)
  • Beant­wor­te ich, wenn der Remix (oder Aus­tausch­song) vor­liegt. (38%, 30 Votes)
  • Ja! (25%, 20 Votes)

Total Voters: 80

Loading ... Loa­ding …

10 Gedanken zu “Alba­ner klau­en jetzt sogar schon ihre Iden­ti­tät! (AL 2013)

  1. Also, das ging schon mit­ten in die Fres­se rein, als ich das Teil zum ers­ten Mal gehört habe. Ich dach­te erst, dass die Alba­ner ein Geschrei brin­gen, das “Suus” in den Schat­ten stellt, aber der Sie­ger­ti­tel ist echt klas­se.

    Aber ich wäre dafür, wenn die EBU von vorn­her­ein jedes Land dazu auf­for­dern wür­de, schon bei der Pre­miè­re eine Ver­si­on zu brin­gen, die nicht län­ger als drei Minu­ten dau­ert. Ich fin­de, man soll­te da kei­ne 4-Minu­ten-Ver­si­on brin­gen, die man dann sowie­so kür­zen muss. Das muss nicht sein.

  2. Ich fin­de es gut, dass das alba­ni­sche Fes­ti­val eine eigen­stän­di­ge Ver­an­stal­tung bleibt und sich nicht ein­fach unter­ord­net und zum blo­ßen Vor­ent­scheid “dege­ne­riert”. Allein schon die inter­na­tio­na­len Juries emp­fand ich als etwas zu viel Anpas­sung an den ESC.

  3. Wenn du dich da mal nicht ein bis­sel weit aus dem Fens­ter lehnst. 😉 So unbe­re­chen­bar, wie der ESC nun­mal ist, wür­de es mich nicht wun­dern, wenn bspw. die kit­schi­ge Dis­ney-Bal­la­de aus der Ukrai­ne am Ende weit vor unse­rem fri­schen, kon­tem­po­rä­ren ESC-Bei­trag à la Mobilée oder Saint Lu plat­ziert ist… XD Der alba­ni­sche Bei­trag gefällt mir übri­gens ziem­lich gut – etwai­ge Pla­gi­ats­vor­wür­fe sind bei “folk­i­gen” Songs vor allem den Gen­re geschul­det, da wie­der­ho­len sich halt die Moti­ve.

  4. Die letz­ten Dis­ney­bal­la­den sind mehr oder weni­ger abge­schmiert, allen vor­an Nadi­ne Bei­ler und Eve­li­na Sasen­ko 2011. Die Jurys lie­ben sowas, die Tel­e­vo­ter has­sen es für gewöhn­lich. Selbst mit dem Ukrai­ne-Bonus wird das wohl nichts wer­den.

  5. Klar, Nadi­ne und Eve­li­na sind im Fina­le ziem­lich weit hin­ten gelan­det… aber ich den­ke, dass sich die Ukrai­ne 2013 wie­der über Wert ver­kau­fen wird (wie schon bei “Sweet Peop­le” und “Angel”), da “Gra­vi­ty” einer­seits schön muf­fig-kit­schig ist, aber dank der Chor-Ele­men­te auch einen gewis­sen “Aha-Fak­tor” besitzt. Auf der Büh­ne in Mal­mö wird das bestimmt episch rüber­kom­men. 

  6. Das Intro von dem Song ist geil. Und dann setzt lei­der der Gesang ein. In dem Fall bin ich geneigt zu glau­ben, dass eine Über­set­zung ins Eng­li­sche dem Song nur gut tun könn­te. Dann muss noch eine Minu­te Gitar­ren­geg­nie­del raus­ge­schnit­ten wer­den, und das Orches­ter kommt dann sowie­so vom Band. Passt schon. Soll­te ins Fina­le kom­men.

    Soweit man jetzt schon einen Trend fest­ma­chen will, scheint sel­bi­ger die­ses Jahr eher in rich­tung kraft­vol­lem Rock zu gehen. Zum Leid­we­sen des schwup­pen­dis­co-lie­ben­den Haus­herrn? 😉

  7. Nicht nur zu des­sen Leid­we­sen. Das ein­zi­ge Lied, was mir bis­lang auf Anhieb gefal­len hat, war die preis­güns­ti­ge Schwup­pe­rei “Rhythm of Love” (Asche über mein Haupt). Und das wird anschei­nend jetzt auch aus­ge­tauscht. Naain!!!

  8. Ruhig blei­ben. Wir sind bei gera­de mal sechs bekann­ten Lie­dern (und drei wei­te­ren Künst­lern). Von 39. Da ist noch eine gan­ze Men­ge Luft nach oben.

  9. Euro­fire schreibt:Alyona Lanska­ya wird “Rhythm of love” nicht beim Euro­vi­si­on Song Con­test in Mal­mö sin­gen. Auf­grund der nicht fest­ge­leg­ten Regeln des Vor­ent­scheids des Sen­ders BTRC steht es den Inter­pre­ten frei, einen neu­en Song nach­zu­no­mi­nie­ren. Wie vie­le Inter­pre­ten macht auch Alyo­na Gebrauch hier­von und fahn­det der­zeit mit ihrem Team inter­na­tio­nal nach einem power­vol­len Bei­trag, sei es ein Uptem­po-Song oder eine Bal­la­de. Bewer­bun­gen nimmt das weiß­rus­si­sche Team der­zeit entgegen.Damit ist Weiß­russ­land end­gül­tig in die Rie­ge mei­ner per­sön­li­chen Lieb­lings-Euro­vi­si­onlän­der (in der sich bereits Est­land und Arme­ni­en befin­den)  auf­ge­stie­gen. Kei­ne Sai­son ohne einen Aus­tausch des Songs und/oder des Inter­pre­ten in Weißrussland.Aber mir hat “Rhythm Of Love” auch von Anfang an gefal­len.

  10. …obwohl ich nach zehn Minu­ten erkannt hat­te, dass für den Refrain woan­ders ein wenig rum­ko­piert wur­de…

Oder was denkst Du?