Belarus: You smell Lanskaya, again

Wie bereits im Vorjahr gewann Alyona (andere Schreibung: Alena) Lanskaya erneut das gerade zuende gegangene Eurofest, die Eurovisionsvorentscheidung Weißrusslands. Nun bleibt die spannende Frage, ob wir sie denn auch in Malmö sehen werden: kurz nach ihrem letztjährigen Sieg disqualifizierte man sie wegen angeblicher Manipulationen beim Televoting. Und auch diesmal fiel ihr Vorsprung mit guten zehntausend Stimmen gegenüber knappen viertausend der zweitplatzierten Elektroband Nuteki verdächtig hoch aus. Allerdings kassierte die in einem roten Dress auftretende und sich zu den stampfenden Discobeats ihres Beitrags ‚Rhythm of Love‘ lasziv auf einer olasaloesken Drehscheibe räkelnde Alena auch die Höchstwertung der Jury. Und zu Recht: handelt es sich bei dem Titel doch um klassische, billige Schwuppendisco in bester Kylie-Tradition – und unter den zehn Songs des heutigen Abends um den einzigen mit so etwas wie einer sofort eingängigen Hookline und einer erkennbaren Melodie.


Buffta buffta buffta: A-Lena im Rhythmus der Liebe

Im Grunde vereint der Siegertitel die Kernelemente fast aller Beiträge des Eurofests: viel nackte Haut (bei Alyoshas brustrasierten Tänzern), Hochleistungschoreografien, unerträglich miserables Englisch und alberne Showeffekte. Mit letzteren punktete auch die bereits erwähnte, sich nach dem Aldi-Nussnougataufstrich benennende zweitplatzierte Kappelle: die werteten ihr wirres Elektrogejaule mit einer silberglänzenden Stelzentänzerin direkt von der Kommandobrücke eines feindlichen Star-Wars-Raumschiffes auf, die mit ihren meterlangen Stachelarmen scheinbar einen Gitarristen von der Bühne lupfte, was schon mal einen Sonderpreis für den bizarrsten Auftritt des Abends verdient. Wobei: da müssten sie sich noch mit Max Lorens streiten, der im Körper eines slawischen Knochenbrechers gefangenen, theatralischen Grand-Prix-Diva mit der unangenehm hohen Stimme, der mit ‚I love your charming Eyes‘ im bis zum Bauchnabel aufgeknöpften weißen Oberhemd einen zähen Schmachtfetzen ablieferte.


Nutoka Nuteki mit Silberfolienfrau und Schwebetrick

Auf dem dritten Rang landete mit dem ebenfalls weitestgehend oberkörperfrei auftretenden Satsura der weißrussische Klon der schwedischen Muskelschnitte Danny Saucedo, der mit seinem Billy-Idol-Kettenleibchen für optisch erfreuliche Momente sorgte. Ebenso wie der hinreißendste Mann des Abends mit dem schlimmsten Lied: Uzari hatte sich Spock-Ohren angeklebt und vollführte im Kreise seiner ebenfalls schmucken Tänzer eine wüst-energiegeladene Choreografie zu einem… nunja, Lied kann man das nicht nennen: dazu fehlten Melodie, Hookline, Harmonien und Struktur. Eben alles, was einen Song als solchen ausmacht. Highlight des Internetstreamings auf eurovision.tv waren die Werbepausen, in denen wir nur ein Standbild zu sehen – und die Unterhaltungen der beiden Moderatoren über das nicht abgeregelte Handmikro zu hören bekamen. Da ich kein Weißrussisch verstehe, kann ich für die Zwei nur hoffen, dass sie keine lukaschenkokritischen Bemerkungen von sich gaben…


Was ist nur dem Song zugestoßen? Das bleibt Uzaris ‚Secret‘

Alyosha Lanskaya für Weißrussland!

  • Die wird doch eh wieder disqualifiziert, also wozu die Aufregung... (46%, 26 Votes)
  • Geiler Song, schön billig. Gefällt mir! (34%, 19 Votes)
  • Schlimmer geht's nimmer. Halbfinalfutter. (20%, 11 Votes)

Total Voters: 56

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8 Gedanken zu “Belarus: You smell Lanskaya, again

  1. Die Melodie ist zu erkennbar; erinnert irgendwie an“I Need To Know“ von Marc Anthony…
    Aber auf der anderen Seite hoffe ich, dass der Cheffe Lukaschenko diesmal die Füße stillhält. So schlecht ist der Song auch wieder nicht…

  2. Och, mir gefällt das, Weißrussland hin oder her. In der Tat nicht sehr anspruchsvoll, aber ne lockere, unverbindliche Tanznummer, sowas mag ich immer!
    Also, Luki, mal Finger weg! Deine Austauschorgien haben Weißrussland in den letzten Jahren eh nie nen Finalplatz beschert!

  3. Und na sieh mal einer an: die Tänzer führen im Liegen die gleichen Bewegungen aus wie ihre Kollegen beim isländischen Beitrag im Jahr 2005.
    Hoffentlich verzichten sie darauf. Will irgendjemand Tänzer sehen, die sich zu Hakenkreuzen formen ?!?!?!?!?!?!!!!!

  4. Die sind im Finale dann aber auch nur hinten gelandet. Das hätte das ursprüngliche Lied sicher auch geschafft.

  5. Wenn das der Song für Weissrussland ist, ist das schon einmal ein netter Beginn. Aber es ist ja noch nicht bekannt was unser Lieblingsdiktator Lukaschenko dazu sagt. Aber Madame hat ja zwei Argumente um Luki zu überzeugen. 

  6. Laut Oikotimes geht es schon los mit dem Austauschen. Alenas Team soll auf der Suche nach einem neuen Song sein. Dabei ist Rhythm of Love doch gar nicht schlecht.

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