EBU: Heilsarmee „bewegt sich im Graubereich“

Update: Meldung ist überholt, siehe hier!

Der Sieg der singenden Vertreter der christlichen Missionskirche Heilsarmee beim Schweizer Vorentscheid war erst wenige Minuten alt, da begannen in den Fan-Foren schon die Diskussionen: dürfen die so beim Eurovision Song Contest auftreten? In Uniform, mit dem international wiedererkennbaren Logo der vor allem für das Spendensammeln in Fußgängerzonen bekannten evangelikalen Kirche, unter diesem Namen? Als Botschafter einer explizit homophoben Organisation (auch wenn Leadsänger Christoph Jakob im 20-MinutenInterview sagt: „Die sexuelle Orientierung eines Menschen spielt für mich keine Rolle. Wir von der Heilsarmee akzeptieren jeden Menschen so wie er ist“: wenn dieser Mensch dort Führungspositionen bekleiden will, darf er nicht offen schwul oder lesbisch leben)? Auf Anfrage des Tagesanzeigers bei der EBU meinte deren Pressesprecher Jarmo Siim heute, ein „Auftritt der Heilsarmee bewegt sich im Graubereich“. Genaueres könne man aber erst nach der Evaluierung aller Beiträge im März sagen. Die Statuten des Eurovision Song Contest erlauben keine „Texte, Ansprachen oder Gesten politischer oder ähnlicher Natur“ und keine „kommerziellen Botschaften“. Prominente Beispiele der EBU-Zensur sind Ralph Siegels FacebookSong für San Marino oder das georgische ‚We don’t wanna put in. Religiöse Texte (‚Hallelujah‘) oder Symbole waren bislang beim Grand Prix aber kein Problem. Wobei die Diskussion vermutlich anders verliefe, wenn es sich nicht um eine christliche Kirche handelte, die hinter dem Beitrag steht, sondern um eine Muslimbrüderschaft und es nicht um Uniformen ginge, sondern Burkas.


Dürfen sie so zum Song Contest? Die Schweizer Heilsarmisten

Der Text des Rockschlagers ‚You and me‘ kann zwar religiös gelesen werden, ist dies aber nicht explizit. Und politisch (oder offen homophob) schon gar nicht. Bleibt noch die Erkennbarkeit der Heilsarmee als Absender des Beitrags, durch ihr Markenzeichen, die Uniform und das Abzeichen. Martin Künzi, Pressesprecher der Schweizer Heilsarmee, wies denn im Tagesanzeiger auch gleich darauf hin, seine Kirche sei eine „Non-Profit-Organisation“. Und anders als beispielsweise die Scientologen, die in Deutschland und der Schweiz als kommerzielle Organisation gelten, führen die christlichen Freikirchler aufgrund ihrer ausgeprägten sozialen Tätigkeiten offiziell das Siegel der Gemeinnützigkeit. Ein Vergleich mit Facebook oder Coca-Cola geht daher fehl. Von Seiten des Schweizer Fernsehens wurden dennoch Überlegungen ins Spiel gebracht, die Band könne, falls es Probleme mit dem Regelwerk geben sollte, ja „als normale Gruppe“ auftreten – sprich: ohne Uniformen. Daran dürfte die dahinterstehende Kirche, die sich durch den Eurovisionsauftritt wieder in Erinnerung bringen will, aber kein Interesse haben. So, wie wir die EBU kennen, wird es dazu aber auch nicht kommen. Und, wie ich finde, auch zu Recht. So wenig ich persönlich die Kirche Heilsarmee mag und so wenig ich daher für die Schweiz anrufen werde: solange sie nicht von der Bühne herab missionieren, sehe ich kein Problem. Oder?


Amen: religiöses ist beim ESC nicht verboten

Soll die Heilsarmee in Uniform in Malmö auftreten dürfen?

  • Ja, natürlich. Ob man sie mag oder nicht: es spricht nichts dagegen. (47%, 16 Votes)
  • Der Leadsänger und Gitarrist bitte nackt, die anderen ruhig in Uniform. 🙂 (24%, 8 Votes)
  • Gar nicht. Religiöses (auch als Absender) gehört ebenso gesperrt wie Politisches. (21%, 7 Votes)
  • Dann muss die ARD aber auch Die Priester für den Vorentscheid sperren. (6%, 2 Votes)
  • Nur ohne Uniform. Werbung für eine Kirche ist nicht okay. (3%, 1 Votes)

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1 Gedanke zu “EBU: Heilsarmee „bewegt sich im Graubereich“

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