Sva bol svi­je­ta: Bos­ni­en bleibt 2013 drau­ßen

Jetzt erfor­dert die euro­päi­sche Finanz­kri­se das ers­te wirk­lich schmerz­haf­te Opfer: wie esctoday.com heu­te berich­te­te, wird mein Lieb­lings-ESC-Bal­kan­land aus peku­niä­ren Grün­den nicht am Euro­vi­si­on Song Con­test 2013 in Mal­mö teil­neh­men. Die­se Ent­schei­dung sei ges­tern auf einer Kri­sen­sit­zung des in finan­zi­el­len Nöten ste­cken­den Sen­ders gefal­len. Man hof­fe aber, 2014 wie­der mit­ma­chen zu kön­nen, soll­te sich die Lage bis dahin gebes­sert haben. Anders als bei bis­he­ri­gen Aus­stei­gern Polen, Por­tu­gal und der Slo­wa­kei, die in der Ver­gan­gen­heit wenig bis gar nichts musi­ka­lisch Sub­stan­zi­el­les zum Wett­be­werb bei­zu­steu­ern hat­ten, trifft mich die Absa­ge von Bos­ni­en, die seit ihrem Ein­stieg 1993 fast immer einen ori­gi­nel­len (im Sin­ne von unver­wech­sel­ba­ren) Bei­trag prä­sen­tier­ten und – so sel­ten wie berech­tigt – eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de für das Fina­le vor­wei­sen kön­nen. Gera­de die bos­ni­schen Bei­trä­ge zeich­ne­ten sich für mei­nen Geschmack stets durch ent­we­der eine sehr tief berüh­ren­de Form von Welt­schmerz aus (nie­mand lei­det so schön wie die Bos­ni­er™) oder aber durch eine sehr eige­ne, sich oft erst nach mehr­ma­li­gem Anhö­ren erschlie­ßen­de und immer hoch­gra­dig küns­ter­li­sche Skur­ri­li­tät, wie bei­spiels­wei­se bei dem von mir Anfangs harsch kri­ti­sier­ten, heu­te aber um so mehr ver­ehr­ten Laka. Ich will jetzt nicht in das alber­ne Lamen­to vom Nie­der­gang des Grand Prix ein­stim­men – die ers­ten Jahr­gän­ge kamen mit sie­ben Teil­neh­mern aus, von einer von hys­te­ri­schen Fans bereits beschwo­re­nen Exis­tenz­kri­se kann also kei­ne Rede sein. Den­noch: die Abwe­sen­heit Bos­ni­ens schmerzt mich per­sön­lich sehr. Viel­leicht mag ja jemand eine Crowd­fun­ding-Akti­on initi­ie­ren – ich wür­de mich auf jeden Fall betei­li­gen!


Heu­te wohnt der Schmerz der gan­zen Welt nicht nur in Bos­ni­en

Wür­dest Du Geld spen­den, damit Bos­ni­en doch noch teil­neh­men kann?

  • Sym­pa­thi­sche Idee, aber unrea­lis­tisch. So eine Teil­nah­me kos­tet ja rich­tig viel. (37%, 23 Votes)
  • Grund­sätz­lich nicht. Die müs­sen ihre Pro­ble­me wie alle ande­ren selbst lösen. (30%, 19 Votes)
  • Ja, das wäre mir etwas wert. (22%, 14 Votes)
  • Soweit käm’s noch! Ich ver­mis­se die sowie­so nicht. (11%, 7 Votes)

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12 Gedanken zu “Sva bol svi­je­ta: Bos­ni­en bleibt 2013 drau­ßen

  1. Bit­te wie war das? Por­tu­gal hat­te wenig bis nichts musi­ka­lisch Sub­stan­zi­el­les bei­zu­tra­gen? Sor­ry, aber das Land hat immer sein eige­nes Ding gemacht (bis auf die­se Bal­la­den­pha­se in den Acht­zi­gern, aber da waren alle so drauf). Nur weil die Lie­der nicht gefal­len, heißt das nicht, dass man ihnen die Ori­gi­na­li­tät abspre­chen kann. Von einem Sen­ho­ra-do-Mar-Fan­boy hät­te ich eine sol­che Gene­ra­li­sie­rung nicht erwar­tet. Son, I am disap­point. Auch Polen hat durch­aus eini­ge sehr eige­ne und her­aus­ste­chen­de Bei­trä­ge gehabt – “To nie ja”, “Ale jes­tem”, “Kei­ne Gren­zen” oder auch das char­mant-durch­ge­knall­te “Czar­na dziew­c­zy­no”. Bei der Slo­wa­kei kann ich aller­dings nicht wider­spre­chen – abge­se­hen von den ers­ten zehn Sekun­den von “Mod­lit­ba” kam da so gar nichts.

  2. Ja, das ist sehr sehr scha­de – auf die Bei­trä­ge aus Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na habe ich mich jede Ses­si­on sehr gefreut. Wie­der ein Song weni­ger, den Herr Björk­man an den Beginn sei­ner Show set­zen kann …

  3. Ich wuss­te gar nicht das in Bos­ni­en die Lage so schlimm ist. Was kos­tet eigent­lich jedem Land die Teil­nah­me am ESC? Die Finanz­kri­se gibt es ja nicht erst seit ges­tern, die gab es die­ses Jahr, die gab es 2011. Für mich sind die Grün­de ein­fach nur vor­ge­scho­ben. Man will ein­fach nicht mehr. Dann sol­len sie es halt auch sagen. 

  4. Man weiß es lei­der nicht genau, weil über Geld halt nicht gespro­chen wird, aber es gibt Gerüch­te, wonach die EBU in die­sem Jahr die Teil­nah­me­ge­büh­ren für die ein­zel­nen Län­der deut­lich ange­ho­ben haben soll. Angeb­lich auch, weil der schwe­di­sche Sen­der SVT weni­ger von den Pro­duk­ti­ons­kos­ten über­neh­men wür­de, als das ande­re Aus­rich­ter­sen­der (wie z.B. der NDR) getan haben. Und die­ser deut­li­che Auf­schlag ist halt für finan­zi­ell not­lei­den­de Sen­der der Trop­fen, der das Faß zum Über­lau­fen bringt.

    Und ja, die Finanz­kri­se gibt es schon län­ger, aber so lang­sam schlägt sie halt auch rich­tig durch. Es gab ja auch die letz­ten Jah­re schon immer viel Gejam­mer, in vie­len Län­dern muss­ten bereits Spon­so­ren ein­sprin­gen oder die Künst­ler ihre Teil­nah­me selbst finan­zie­ren. Ver­mut­lich sind die letz­ten Reser­ven lang­sam über­all auf­ge­braucht, jetzt geht’s an Ein­ge­mach­te. Und da kommt halt auch die ESC-Teil­nah­me auf den Prüf­stand. Bei Opel in Bochum hat es ja auch meh­re­re Jah­re gedau­ert, bis die durch die stän­di­gen Real­lohn­sen­kun­gen aus­ge­lös­te Absatz­kri­se zur anste­hen­den Werk­schlie­ßung geführt hat. So was pas­siert meist nicht von heu­te auf mor­gen.

    Gera­de bei Bos­ni­en mit ihrer hun­dert­pro­zen­ti­gen Final­bi­lanz hal­te ich das nicht für vor­ge­scho­ben. Die zähl­ten für mich ja eigent­lich immer zu den hei­ßen Anwär­tern auf einen bal­di­gen Euro­vi­si­ons­sieg. Das die nicht wol­len, glau­be ich nicht.

  5. Das war ja klar, dass da beim gehei­lig­ten Por­tu­gal Pro­test kommt! 🙂 Okay, war viel­leicht auch etwas sehr ver­knappt, die Aus­sa­ge, gebe ich zu. Und ich will ja auch die kul­tu­rel­le Eigen­stän­dig­keit der por­tu­gie­si­schen Bei­trä­ge gar nicht in Abre­de stel­len. Aber als ori­gi­nell kann ich deren immer­glei­ches, immer­fa­des Gedu­del beim bes­ten Wil­len nicht bezeich­nen. Das war halt immer nur lang­wei­lig. Und ja, Sen­ho­ra du Mar war da die gro­ße Aus­nah­me, aber das war ja eigent­lich auch ein getarn­ter kroa­ti­scher Bei­trag! 😉 Okay, Polen hat­te frü­her mal alle Jubel­jah­re auch was Gutes, aber gera­de die letz­ten Jah­re kam da ja nur noch lust­lo­ser Müll. Da hab ich mich immer gefragt, für was die über­haupt noch antre­ten, wenn sie ja so offen­sicht­lich eh kei­nen Bock mehr haben.

  6. Es ist letz­ten Endes mal wie­der eine rei­ne Geschmacks­sa­che.
    Per­sön­lich muss ich jedoch Oli­ver voll zustim­men. Wenn man auf Fado-ange­hauch­te, schwer­mü­ti­ge Klän­ge steht, kommt man natür­lich bei Por­tu­gal voll auf sei­ne Kos­ten. Bloß – die Por­tu­gie­sen haben es bis auf ein paar weni­ge, ziem­lich miss­lun­ge­ne Aus­rei­ßer (Non­stop, Homens Da Luta, Dai-Li-Lou) schlicht­weg 40 Jah­re lang nicht geschafft, mal aus dem immer­glei­chen Folk­lo­re-Quark zu kom­men und auch mal eine ande­re Facet­te ihrer Musik­sze­ne zu prä­sen­tie­ren. Dazu kommt, dass ab der Jahr­tau­send­wen­de sich eine brä­si­ge Lust­lo­sig­keit dazu­ge­sellt hat (“Deixa Me-Son­har”, “Ha Dias Assim”, “Vida Min­ha”, “So Sei Ser Feliz Assim”). Ich hab das Gefühl, dass bei RTP Leu­te sit­zen wie beim Hes­si­schen Rund­funk in den Sech­zi­ger­jah­ren.
    Bos­ni­en hat beim ESC dage­gen die gan­ze Band­brei­te aus­ge­spielt: die folk­lo­ris­tisch ange­hauch­ten Gäne­haut­bal­la­den (“Lei­j­la”), die schril­le Gay-Dis­co (“In The Dis­co”), pom­pö­ser Sta­di­on­rock (“Bis­tra Voda”), schrä­ge Avant­gar­de (“Poku­saj”), Trip-Hop (“Hano”), Bal­kan­schla­ger (“Ne Bri­ni”, “Love in Rewind”) – da war alles dabei, und das mei­ner Mei­nung nach in fast allen Fäl­len mit Niveau. Auf nack­tes Fleisch und sons­ti­ge bil­li­gen Sex-Maschen haben die Bos­ni­er jeden­falls immer ver­zich­tet (najaaa, Dean halt…) – die wuss­ten das ihre Songs auch so gut sind.
    Des­halb ist Bos­ni­en eben­falls eines mei­ner Lieb­lings-ESC-Län­der. Bin sehr trau­rig, dass sie nicht dabei sind.

  7. Äh…kann es sein, dass du beim Stich­wort “pom­pö­ser Sta­di­on­rock” “Bis­tra voda” mit “Thun­der and Light­ning” ver­wech­selst?

  8. Die Tür­kei ist eben­falls raus, wenn man escx­tra und der TRT-Sei­te glau­ben darf. Wegen “unfai­rer Regel­än­de­run­gen”. Offen­bar passt eini­gen Län­dern die Abschaf­fung der Aus­lo­sung nicht, was ich nach­voll­zie­hen kann.

  9. Als ob das wirk­lich wegen finan­zi­el­len Pro­ble­men wäre…

    In Wirk­lich­keit sind sie doch bestimmt wegen Chris­ter Björk­man aus­ge­stie­gen ^^

  10. Nicht falsch ver­ste­hen: ich wer­de Por­tu­gal auch weni­ger ver­mis­sen als Bos­ni­en; bis auf “Todas as Ruas do Amor” kam von da noch kein Bei­trag, den ich wirk­lich moch­te. (“A Luta e Ale­gria” hat noch die­sen gewis­sen Trash-Fak­tor.)

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