Österreich: Falco in the Middle

Ich bin enttäuscht. Aufrichtig und zutiefst enttäuscht. Geradezu erschüttert. Konnte man unser sympathisches südliches Nachbarland Österreich in der Vergangenheit beruhigt zu den verlässlichen Trashlieferanten des Grand Prix zählen, so achtete der ORF in diesem Jahr streng darauf, ausschließlich kontemporäre, international anschlußfähige Musikware zu seinem Vorentscheid zuzulassen. Und das gelang auch: die heute vorgestellten fünf Beiträge zu Österreich rockt den Song Contest am 15. Februar passen sich problemlos in jedes Formatradioformat ein: solide gemachte, tadellos produzierte, völlig schrottfreie Popmusik in fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen. Chartskompatibel, ohne jede Frage. Und, es tut mir weh, das zu sagen: leider genau so langweilig, wie es 99% der heutigen Hitlisten nun mal sind, jedenfalls für meinen Geschmack.


Die Songvorstellung

Ja, ich weiß. Damit oute ich mich in erster Linie als hoffnungsloser alter Schlagersack, der den popmusikalischen Anschluss an das Hier und Jetzt verpasst hat. Und es entlarvt meine Schizophrenie, mich darüber zu beklagen, dass Österreich aktuelle Popware entsendet, während ich denselben Zustand beim deutschen Vorentscheid beklatsche. Aber so war das bei mir schon immer: ich freue mich über jede fremdschämpeinliche Siegel-Schmonzette im Wettbewerb – solange sie nicht fürs Heimatland startet.


Den Text lesen zu können, macht es nicht besser – im Gegenteil…

Natürlich handeln unsere Nachbarn richtig, sich nicht nach meinem fragwürdigen Urteil zu richten, sondern Qualitätsware zu senden. Auch wenn bei mir alle fünf Titel zum einen Ohr rein und zum anderen wieder rausgehen. Selbst bei ‚Back to Fantasy‘, dem Track der Elektroband Bandaloop, unter den heutigen Big Five noch mein liebster Titel, verliere ich trotz besten Willens nach anderthalb Minuten das Interesse, weil nach einem vielversprechenden Songauftakt dann eben doch die mitreißende Hookline fehlt. Und jetzt frage ich mich, was ich mir mehr wünschen soll: dass die Austris trotz absehbaren Mißerfolgs in Malmö bei ihrer Linie bleiben und es nächstes Jahr mit dem selben Konzept, aber besseren Songs probieren – oder dass sie wieder zum Trash zurückkehren, der ihnen zwar auch keine Punkte an der Wertungstafel bringt, aber mich wenigstens königlich unterhält?

Was ist Ihr Lieblingstrack beim österreichischen Vorentscheid?

  • Gar keiner. Alles zum Wegschnarchen. (29%, 17 Votes)
  • Natália Kelly – Shine (22%, 13 Votes)
  • Bandaloop – Back To Fantasy (22%, 13 Votes)
  • Falco Luneau – Rise Above The Night (15%, 9 Votes)
  • Elija – Give Me a Sign (8%, 5 Votes)
  • Yela – Feels Like Home (3%, 2 Votes)

Total Voters: 59

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13 Gedanken zu “Österreich: Falco in the Middle

  1. Sag das mal nicht so laut. Darf ich an den mir immer noch nicht erklärlichen Erfolg der Dänen von 2008 bis 2011 mit genau dieser Sorte MOR-Pop erinnern?

  2. Ein Lied, das Shine heißt, muss einfach zum ESC. Das ist mittlerweile genauso Tradition wie eine Sopho aus Georgien und Montenegros Beitrag als Eröffnungsnummer. 🙂

  3. Schade Österreich, da ist ja nur Bügelmusik bei herausgekommen. Andererseits irgendwie verständlich nach der Arschbombe vom Vorjahr…
    Offensichtlich ist das der Tribut, dass die Juries wieder reingelassen wurden. Jährlich nehmen die Radiosongs zu, die wegen ihrer Unauffälligkeit so gar nicht zu einem Festival passen. Die Dänen haben vorgemacht wie’s geht. – und nun machen es alle nach, denn ein Platz in den Topten reicht für die Ehre und bewahrt den heimischen Sender vor den Kosten der Ausrichtung.
    Allemal der Falco hat ein wenig was….wenn auch keinen originellen Namen!

  4. 6 – Back To Fantasy
    7 – Feels Like Home
    8 – Rise Above The Night
    10 – Shine
    12 – Give Me A Sign

    Aber trotz alledem reißt mich da gar nichts vom Hocker. Fürs Radio ist das alles natürlich prima, aber für den ESC eher weniger. Aber trotz des festen Glaubens an einen österreichischen Misserfolg möchte ich mich mit Vorhersagen zurückhalten, denn „Running Scared“ ist auch nur Radiopop und die ESCs von 2001 und 2002 sind bei mir sowieso immer im Hinterkopf…

  5. Das wäre das dritte Mal binnen weniger als fünf Jahren, dass ein Lied namens „Shine“ beim ESC erklingen würde…

  6. Habe eben die isländischen Songs angehört. Dieses winzige Land hat tatsächlich klasse Titel im Angebot 2013. Dass die wesentlich einwohnerstärkeren Länder wie Österreich oder Belgien nicht im Entferntsten da heranreichen, überrascht.

    P.S.: Johanna wird es nicht werden, da sind drei Nummer dabei, die viel mehr packen.

  7. Aha…
    Also diese Band, die „mit einprägsamen Popsongs“ (laut Wikipedia) erfolgreich war…
    Danke 🙂

  8. Nein. „MOR“ bezieht sich nicht nur auf die Band (obwohl die ein ganz brauchbares Beispiel ist); vielmehr handelt es sich um einen abwertenden Begriff für glattpoliertes Formatradiofutter, das niemandem wehtut und niemanden mitreißt. Quasi das Anti-Montenegro. 🙂

Oder was denkst Du?