Lett­land: rich­ti­ge Grup­pe, fal­scher Song! (LV 2013)

Das dürf­te wohl eine Pre­miè­re sein: in Lett­land ent­schied sich das Publi­kum in der heu­ti­gen Dzies­ma unter 12 Ange­bo­ten für den rich­ti­gen Inter­pre­ten – und den fal­schen Song. Die Grup­pe PeR, die bereits letz­tes Jahr mit ‘Dis­co Super­fly’ den ein­zi­gen guten Titel des Vor­ent­scheids ablie­fer­te, war heu­te Abend mit gleich zwei Bei­trä­gen ver­tre­ten. Näm­lich ‘Sad Trum­pet’, einer zu wei­ten Tei­len instru­men­ta­len, melan­cho­li­schen und leicht skur­ri­len Jazz-Num­mer – und wie­der­um der ein­zi­ge gute Bei­trag der gesam­ten Vor­ent­schei­dung. Und zwei­tens mit ‘Here we go’, einem wir­ren, bla­ma­blen und leicht natio­na­lis­ti­schen Rap-Gestam­mel mit fuß­nä­ge­lauf­rol­len­den Fal­sett­ein­la­gen, dar­ge­bo­ten in Glit­zer­an­zü­gen. Wohl um ein Stim­men­split­ting zu ver­hin­dern, baten sie ihre Fans, nur für einen der bei­den Songs anzu­ru­fen: natür­lich für den fal­schen, den letz­te­ren. Und die Fans folg­ten dem Auf­ruf in Scha­ren.


Da hilft auch der nack­te Ober­kör­per nichts

So schied ‘Sad Trum­pet’ mit ein paar Hun­dert Zuschau­er­stim­men aus, ‘Here we go’ kam als Spit­zen­rei­ter ins Super­fi­na­le, wo es erwar­tungs­ge­mäß auch mit den Jury­stim­men gewann. Und nun kann man wahl­wei­se froh sein, dass wenigs­tens das schreck­li­che ‘I need a Hero’ von einer schrei­en­den Frau im Hoch­zeits­kleid ver­hin­dert wur­de, das es eben­falls unter die letz­ten Drei schaff­te. Oder trau­rig über die­se furcht­ba­re Fehl­ent­schei­dung, mit der das Land zu Recht wie­der auf einem der hin­te­ren Plät­ze ver­en­den wird. Aber so lang die Let­ten ein solch trau­ri­ges Auf­ge­bot aus pseu­do­zy­pri­schen Boy­bands, zuge­koks­ten Ban­kern in Slip­pern ohne Socken, Medusen und blon­dier­ten Busen­wun­dern für ihren Vor­ent­scheid auf­stel­len, kann auch nichts Geschei­tes dabei her­aus­kom­men. Nun bleibt nur noch die schwa­che Hoff­nung, dass Lett­land dem weiß­rus­si­schen Vor­bild folgt – von Luka­schen­ko ler­nen, heißt sie­gen ler­nen! – und die Band behält, aber den Song noch aus­tauscht…


Das wäre ihr Preis gewe­sen!

Rein der Form hal­ber sei die Fra­ge gestellt: kommt ‘Here we go’ ins Fina­le?

  • Wer weiß, es haben es schon schlim­me­re Titel geschafft. (63%, 32 Votes)
  • Ha ha. Letz­ter Platz im Semi. (37%, 19 Votes)

Total Voters: 51

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4 Gedanken zu “Lett­land: rich­ti­ge Grup­pe, fal­scher Song! (LV 2013)

  1. Das kommt echt rela­tiv sel­ten vor, dass ich Dei­nen Geschmack tei­len kann, aber mir ging es genau­so: ich fand Sad Trum­pet abso­lut Klasse.….schade, scha­de…

  2. So schlecht ist die Wahl nicht. Und wenn nach Deutsch­land noch ande­re Län­der Ham­mer­songs ablie­fern soll­ten, die dann viel­leicht auch noch an “Eupho­ria” erin­nern, dann könn­te Lett­land mehr Punk­te bekom­men, als so manch einem lieb sein wird. Denn wenn sich die gan­zen Klop­per (Glo­rious, I Feed You My Love und ande­re Songs, die da noch kom­men mögen) gegen­sei­tig kan­ni­ba­li­sie­ren, dann wird Lett­land wohl pro­fi­tie­ren, denn etwas wie das hier ist bis jetzt (noch) nicht im ESC-Teil­neh­mer­feld zu fin­den.

    Gut, viel­leicht schei­tert auch das hier wie­der im Fina­le, das ist mög­lich. Aber “Here We Go” könn­te ein gro­ßer Wurf wer­den, das ist auch wahr­schein­lich…

  3. Oh ja, das ist eigent­lich trau­rig – den sad trum­pet ist wirk­lich eine schö­ne Num­mer – ich find es aber sehr spar­sam vom let­ti­schen Fern­se­hen, dass sie die Musi­qq-Bar­ho­cker immer schön wie­der­ver­wen­den – nein, Scherz bei­sei­te, ich hät­te nicht geglaubt, dass die­ses Glit­zer­teil und der gefühl­vol­le Song von der glei­chen For­ma­ti­on vor­ge­tra­gen wur­de. “Here we go” – ich glau­be eher nicht für Lett­land – aber von PeR wür­de ich gern noch mehr im Stil der trau­ri­gen Trom­pe­te hören.

  4. Klingt im Refrain wie ein Rob­bie Wil­liams-Lied und durch­aus ein catchy, die Rap-Parts fal­len dage­gen etwas ab. Wenn sie es per­for­mance­tech­nisch eini­ger­ma­ßen rüber­brin­gen haben sie gute Chan­cen aufs Fina­le, dort dürf­te aber wie letz­tes Jahr für Com­pact Dis­co nichts mehr mög­lich sein.

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