USFM-Nach­le­se II: wel­ches Voting gehört gestri­chen?

Heu­te ver­öf­fent­lich­ten die flei­ßi­gen Kol­le­gen des Prinz-Blogs bereits die zwei­te Ana­ly­se zum neu­en, drei­tei­li­gen Voting­ver­fah­ren, das in Han­no­ver bei Unser Song für Mal­mö zum ers­ten (und in die­ser Form ver­mut­lich auch zum letz­ten) Mal zum Ein­satz kam und für manch gro­ße Über­ra­schung nicht nur bei der char­man­ten Mode­ra­to­rin Anke Engel­ke sorg­te. Das kurz zusam­men­ge­fass­te Fazit ihres so lesens­wer­ten wie her­vor­ra­gend recher­chier­ten Arti­kels: der Sieg von Cas­ca­da ging hun­dert­pro­zen­tig in Ord­nung, die Jury hat ihren Job anfor­de­rungs­ge­recht erle­digt und kann blei­ben, das Online­vo­ting der Radio­sen­der hat ver­sagt und gehört gestri­chen. Der ers­ten Fest­stel­lung kann ich mich voll und ganz anschlie­ßen, den gezo­ge­nen Schlüs­sen möch­te ich aber deut­lich wider­spre­chen.


Nein, Anke hat beim Ergeb­nis nicht gemo­gelt!

Ob man ihre Art von Kir­mes­tech­no mag (wie ich) oder nicht: dass Power­frau Nata­lie Hor­ler ali­as Cas­ca­da mit dem stärks­ten Auf­tritt des Abends (über die unse­li­ge Pla­gi­ats­de­bat­te möch­te ich hier aus Grün­den der Con­ten­an­ce kein wei­te­res Wort ver­lie­ren) die Gesamt­ab­stim­mung klar für sich ent­schied, lässt sich nicht ernst­haft bestrei­ten. Ob mit oder ohne Jury, ob mit oder ohne Radio: in allen Kom­bi­na­tio­nen obsiegt sie ein­deu­tig. Auch beim Patt zwi­schen Tel­e­vo­ting- und Inter­net­abstim­mung (wo Cas­ca­da wie LaBrass­Ban­da jeweils ein Mal 12 und ein­mal 10 Punk­te kas­sier­ten): in dem Fall zählt nach den Regu­la­ri­en des NDR das Tel­e­vo­ting mehr, und zwar zu Recht, denn hier stimm­ten fast neun Mal so vie­le Men­schen ab, wie die Prinzen recher­chier­ten.


Selbst­ver­ständ­lich drü­cke ich ihr die Dau­men!

Geteil­ter Mei­nung kann man hin­ge­gen sein, was die Rol­le der Jury angeht. “Die Jury hat als gewünsch­tes Kor­rek­tiv zur All­ge­mein­heit fun­giert,” so wer­ten es die Prinz-Blog­ger. Das stimmt – wenn man denn der Mei­nung ist, der nor­ma­le Zuschau­er sei in Geschmacks­fra­gen nicht kom­pe­tent (genug) und müs­se bevor­mun­det wer­den. Eine sol­che Den­ke hal­te ich jedoch schlicht­weg für unde­mo­kra­tisch. Und auch, wenn das Jury­vo­ting am Sieg Cas­ca­das nichts mehr änder­te: dass fünf will­kür­lich aus­ge­wähl­te Men­schen die Ent­schei­dun­gen von knapp einer Mil­li­on Anru­fer und Inter­net­vo­tern auf den Kopf stel­len kön­nen, macht mich wütend.  Ohne den Juro­ren per­sön­lich nahe tre­ten zu wol­len – ich ver­eh­re Mary Roos, nicht umsonst heißt mei­ne Sei­te nach einem ihrer Euro­vi­si­ons­lie­der! – so ist die Insti­tu­ti­on Jury in mei­nen Augen doch eine Art euro­vi­sio­nä­res Zen­tral­ko­mi­tee, die DDR des Grand Prix. Gera­de Pop­mu­sik ent­zieht sich ohne­hin jeder Form schein­bar fach­li­cher Bewer­tung, hier geht es letzt­lich immer nur um “gefällt mir” oder “gefällt mir nicht”. Und für die­se Fra­ge gibt es nach mei­nem Dafür­hal­ten nur einen Sou­ve­rän: den Zuhö­rer. Bezie­hungs­wei­se, bei einer TV-Show: den Zuschau­er.


Jury­sie­ger: Blitz­kids, die sin­gen­de Dis­co­ku­gel

Das gilt für mich unab­hän­gig aller per­sön­li­chen Bewer­tun­gen (ja, ich moch­te Blitz­kids, den Jury­sie­ger, sehr. Ja, ich fand auch die von der Jury Abge­straf­ten LaBrass­Ban­da klas­se. Und ja, mei­ne per­sön­li­che Favo­ri­tin war Null-Punk­te-Bet­ty, deren Show aber nicht so zün­de­te wie die von Cas­ca­da). Und in dem Wis­sen, dass das Publi­kum oft schau­der­haf­te Ent­schei­dun­gen fällt, die ich hier in mei­nem Blog dann auch regel­mä­ßig kri­ti­sie­re. Die ich aber sehr viel leich­ter akzep­tie­ren kann, wenn ich weiß, eine Mil­li­on Men­schen haben Mist gewählt anstel­le von nur fün­fen. Mir ist klar, dass vor allem Men­schen Jurys bevor­zu­gen, die ten­den­zi­ell eher auf ruhi­ge Lie­der ste­hen, wel­che beim rei­nen Tel­e­vo­ting gegen­über lau­ten, schnel­len und hef­tig cho­reo­gra­fier­ten Songs meis­tens unter­ge­hen. Und mir ist eben­so klar, dass ich hier der Rufer in der Wüs­te bin und der Main­stream sich mit der Bevor­mun­dung durch Jurys eben­so arran­giert hat wie mit der über­bor­den­den Video­über­wa­chung und der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung. Den­noch hal­te ich das Sys­tem Jury gene­rell für eine Fehl­ent­wick­lung.


Null Punk­te für Bet­ty? Schaut bloß nicht im Kel­ler nach!

Bleibt das Inter­net­vo­ting, ein­ge­führt als der Ver­such, die ARD-Hör­funk­wel­len mit ins Boot zu holen, um auf die­sen mäch­ti­gen Musik­ka­nä­len den Vor­ent­scheid und sei­ne Songs stär­ker zu bewer­ben und ein regio­na­les Ele­ment in die Sen­dung zu holen. Bei­des spek­ta­ku­lär gefloppt, wie der Prinz-Blog eben­falls schon beleg­te: bei nur knapp hun­dert­tau­send abge­ge­be­nen Stim­men zogen die Acts mit der stärks­ten Fan­club­un­ter­stüt­zung durch. Ein­zig Mobilée  konn­ten in ihrem Stamm­ge­biet NRW ein paar Extrastim­men gene­rie­ren, ansons­ten ging es uni­form zu. Und erneut wur­den die Songs aus dem Vor­ent­scheid in den Pri­vat­ra­dio­sta­tio­nen öfters gespielt als auf den ARD-Pop­wel­len (allei­ne auf mei­nem Lieb­lings-Kir­mes­tech­no-Sen­der Sun­hi­ne Live höre ich fast jede Stun­de ent­we­der ‘Glo­rious’, ‘Heart on the Line’ oder ‘The righ­teous Ones’ lau­fen). Das ist ein­mal dem unse­li­gen, unpro­duk­ti­ven ARD-Föde­ra­lis­mus geschul­det, basiert aber auch auf einem ent­schei­den­den Kon­struk­ti­ons­feh­ler die­ses – grund­sätz­lich rich­ti­gen – Ver­suchs der Ein­bin­dung.


Hat­te sie Lena gefrüh­stückt? Caro­lin Wol­ter von Mobilée

Denn wel­chen Anreiz soll­ten die regio­na­len ARD-Pop­wel­len haben, sich beson­ders stark für den Vor­ent­scheid ein­zu­brin­gen? Die Aus­wahl der Künst­ler für Han­no­ver fand ohne sie statt und erfolg­te auch nicht nach regio­na­len Gesichts­punk­ten. Radio Fritz (RBB) hät­te gleich vier Acts aus dem eige­nen Sen­de­ge­biet zu pro­mo­ten gehabt, hr3 hin­ge­gen kei­nen ein­zi­gen. Erst dann, wenn ein aus­ge­such­ter Teil­neh­mer erkenn­bar für eine bestimm­te Radio­sta­ti­on an den Start geht, also bei­spiels­wei­se die Ham­bur­ge­rin Mia Die­kow für NDR2 antritt und die Söh­ne Mann­heims für SWR3, man den Vor­ent­scheid also als Wett­be­werb der Pop­wel­len auf­zie­hen und spie­le­ri­sche Riva­li­tät kre­ieren kann, wer­den sich die Sen­der enga­gie­ren. Dann könn­te man auch regio­nal unter­schied­li­che Ergeb­nis­se erzie­len – vor­aus­ge­setzt, man sperrt E-Mail-Adres­sen, mit denen bei einem Sen­der abge­stimmt wur­de, für das Voting bei ande­ren, um die Fan­clubs drau­ßen zu hal­ten.


Wol­len 2014 wie­der mit­ma­chen. Für wel­chen Sen­der könn­ten sie wohl star­ten?

Der NDR-Ver­ant­wort­li­che Tho­mas Schrei­ber kün­dig­te im Vor­feld ja bereits an, sich in Rich­tung Melo­di­fes­ti­va­len zu ori­en­tie­ren und am liebs­ten einen Vor­ent­scheid mit meh­re­ren Semis auf­zie­hen zu wol­len, was 2013 auf­grund der Kür­ze der Zeit nicht mehr klapp­te. Soll­te er das 2014 ver­wirk­li­chen kön­nen, böte sich hier mei­nes Erach­tens die Chan­ce, bei­spiels­wei­se eins der Semis voll­stän­dig durch die neun ARD-Pop­wel­len mit (Nach­wuchs-)Künst­lern aus dem eige­nen Sen­de­ge­biet bestü­cken zu las­sen und die­sen bei der Aus­wahl freie Hand zu geben. Der hier­durch ent­ste­hen­de Krea­tiv­wett­be­werb der Radio­le­u­te könn­te unge­ahn­tes musi­ka­li­sches Poten­ti­al frei­set­zen, wür­de die Ein­bin­dung der Sen­der beflü­geln und den Plat­ten­fir­men, die wei­ter­hin das “Profi”-Semi bestü­cken könn­ten, Feu­er unter dem Hin­tern machen, wei­ter­hin gute Acts zu schi­cken, um nicht gegen die New­co­mer abzu­stin­ken.


Und wenn wir die Cas­ting-Knil­che künf­tig raus­hal­ten könn­ten, wär’s eben­falls knor­ke

Mein Fazit lau­tet daher anders als das der geschätz­ten Prinz-Kol­le­gen: nicht das Radio­vo­ting (als eben­falls grund­sätz­lich demo­kra­ti­sches Ele­ment) gehört abge­schafft, son­dern das durch nichts legi­ti­mier­te Jury­vo­ting. Das wird nicht gesche­hen: Schrei­ber ließ im Inter­view deut­lich durch­bli­cken, dass er die Jury – auch beim ESC – prä­fe­riert. Dann aber soll­te es beim Drei-Drit­tel-Ver­fah­ren blei­ben, um die Bevor­mun­dung wenigs­tens ein­zu­däm­men. Ein Inter­net­vo­ting, das an einen ech­ten regio­na­len Wett­be­werb der ARD-Pop­wel­len beim Vor­ent­scheid geknüpft ist, böte hier die Chan­ce, ech­tes Inter­es­se sowohl bei den Radio­sen­dern als auch in der Fol­ge (über eine Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Ver­tre­ter “ihres” Sen­de­ge­bie­tes) bei deren Zuhö­rern zu gene­rie­ren. Und damit auch span­nen­de, regio­nal dif­fe­rie­ren­de Ergeb­nis­se zu erzie­len. Oder?

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23 Gedanken zu “USFM-Nach­le­se II: wel­ches Voting gehört gestri­chen?

  1. Kon­tra.

    Das Jury­vo­ting muss blei­ben – aber nicht etwa aus Erwä­gun­gen des “guten Geschmacks” her­aus; der ist größ­ten­teils eine indi­vi­du­el­le Fra­ge, obwohl es durch­aus objek­ti­ve Kri­te­ri­en zur Beur­tei­lung von Lie­dern gibt; was für den einen grau­sam ist, sieht jemand anders viel­leicht als “so bad it’s good”. Viel­mehr soll­te in der Vor­auswahl Berück­sich­ti­gung fin­den, wie im Fina­le abge­stimmt wird. Wenn LaBrass­Ban­da schon bei der hei­mi­schen Jury so abge­schmiert sind, wie hät­te das erst bei den inter­na­tio­na­len Jurys aus­ge­se­hen? An dem Tag, an dem das Jury­vo­ting im Fina­le wie­der abge­schafft wird, gehört auch der Jury im Vor­ent­scheid das Stimm­recht ent­zo­gen. Bis dahin ist es schlicht erleuch­te­tes Eigen­in­ter­es­se, ein sol­ches Kor­rek­tiv bei der Aus­wahl für den ESC dabei­zu­ha­ben.

    Neben­bei fin­de ich es schon ein wenig per­sön­lich­keits­ge­spal­ten, wenn man hier die Abschaf­fung der Jurys for­dert (und nicht nur hier) und anders­wo – und sei es im Scherz – für die kol­lek­ti­ve Ent­mün­di­gung der Schwe­den ein­tritt, wenn die Ergeb­nis­se beim Melo­di­fes­ti­val mal wie­der nicht so sind wie gewünscht. Irgend­je­mand muss die Ent­schei­dun­gen tref­fen, oder? Las­sen wir es den Leu­ten so, wie es ist, bis mich oder dich jemand anruft und dir die Ver­fü­gungs­ge­walt über alle ESC-Teil­neh­mer gibt – ein Tag, der hof­fent­lich nie kommt. 😉

  2. Stim­me zu, was die Bei­be­hal­tung der Jurys betrifft. Nur soll­ten die­se aus unab­hän­gi­gen Musik­jour­na­lis­ten zusam­men­ge­setzt sein.
    Frü­he­re ESC-Erfolgs­ti­tel wur­den nur von Jurys aus­ge­wählt, in andern Län­dern (z.B. Frank­reich) erfolgt die Aus­wahl immer intern, und das Ergeb­nis ist meist nicht schlecht. -In den Live­auf­füh­run­gen wer­den von den Zuschau­ern ein­gän­gi­ge und kon­ven­tio­nel­le Num­mern bevor­zugt , die Jurys soll­ten mehr auf Qua­li­tät ach­ten und und inno­va­ti­ven Songs mehr Gewicht ver­lei­hen (das geschah bei der dies­jäh­ri­gen Vor­ent­schei­dung aber nur teil­wei­se).
    Beim Radio­vo­ting wird den Zuhö­rern eben­falls die Chan­ce gege­ben, die Songs los­ge­löst von den Unre­gel­mä­ßig­kei­ten der Live­vor­stel­lung zu bewer­ten. Wenn hier trotz­dem sol­che Dorf­dis­co-Songs auf die ers­ten bei­den Plät­ze kamen, liegts an den Zuhö­rern . -Aber was soll die Regio­na­li­sie­rung der Radio­ab­stim­mung? Vor­schlag: Die­se Abstim­mung soll­te eben­falls bei­be­hal­ten wer­den, doch bun­des­weit ein­heit­lich bei einem Sen­der statt­fin­den, und zeit­lich auf 1 Stun­de (oder weni­ger) kurz vor dem NF begrenzt wer­den.

    Und noch ein Alter­na­tiv-Vor­schlag:
    Aus dem Gesamt­an­ge­bot der ein­ge­reich­ten Songs wählt eine Jury aus Musik­ex­per­ten z.B. 20 Titel aus. Die­se wer­den dann durch Radio­sen­dun­gen bekannt gemacht. Ein Künst­ler darf mit max. 2Titeln ver­tre­ten sein. Durch Radio­vo­ting wer­den 12 Titel aus­ge­wählt. Die­se kom­men in eine Vor­run­de im TV, bei der nur Jury und Tel­e­vo­ter abstim­men. Hier­von kom­men 6 (oder 3) ins Fina­le, und auch hier­bei stim­men Jury und Tel­e­vo­ter ab.

  3. Kei­ne Chan­ce: Ein­sicht war noch nie mei­ne Stär­ke. Per­sön­lich­keits­spal­tung schon eher. Soll­te ich aber nun wirk­lich mei­ne Über­zeu­gung zu einem bestimm­ten The­ma plötz­lich über Bord wer­fen, nur weil die Mehr­heit anders denkt als ich? Dann kann ich mich ja gleich in Jan Fed­der­sen umtau­fen…
    Dass Raab eine Pla­gi­ats­kla­ge ein­rei­chen könn­te, sehe ich übri­gens nicht: schließ­lich hat er das Kon­zept für den BuVi­So­Co ja schlicht vom ESC geklaut. Ich habe bis heu­te nicht ver­stan­den, wie­so die ARD, die sonst gegen jede Ver­wen­dung des Wor­tes “Tat­ort” juris­tisch vor­geht, sich die­se Mar­ke so wider­stands­los hat weg­neh­men las­sen.

  4. Stim­me eben­falls zu. Dadurch, dass es (lei­der!) beim ESC eine Jury gibt, ist auch die Jury im Vor­ent­scheid legi­mi­tiert. Da soll­te man also zunächst ein­mal anset­zen. Und so lan­ge das nicht geht, muss man eben ver­su­chen, sich mit den Gege­ben­hei­ten zu arran­gie­ren. Über­haupt ist es auch viel ein­fa­cher, sich über die ESC-Jurys auf­zu­re­gen, denn die­se sind im Gegen­satz zu den fünf Per­so­nen beim Vor­ent­scheid gesichts­los, so dass Häme gar nicht erst als per­sön­li­che Belei­di­gung auf­ge­fasst wer­den kann.

  5. Das Argu­ment mit den frü­her von Jurys aus­ge­wähl­ten Sie­gern zieht nicht so recht – bei wie vie­len der Sie­ger unter dem aktu­el­len Voting­sys­tem war das so? Ant­wort: Null. Alle sechs Sie­ger seit 2008 sind aus offe­nen Abstim­mun­gen in ihren jewei­li­gen Län­dern her­vor­ge­gan­gen.

    Frank­reich ist das denk­bar schlech­tes­te Bei­spiel, wie natio­na­le Vor­auswah­len ohne Betei­li­gung der Öffentllich­keit funk­tio­nie­ren – die haben in den letz­ten zehn Jah­ren nur ein Top-10-Ergeb­nis gehabt, was eine schlech­te­re Bilanz als jeder ande­re der Big Five ist (und schlech­ter als Spa­ni­en, dazu gehört was), und wie gut Anggun bei den Tel­e­vo­tern ankam, soll­te sich inzwi­schen rum­ge­spro­chen haben. Die Gran­de Nati­on soll­te ihren Aus­wahl­mo­dus viel­leicht mal über­den­ken.

  6. Ich muss sagen, dass ich mich den zitier­ten Prinz-Arti­keln in Aus­sa­gen und Schluss­fol­ge­run­gen voll anschlie­ßen kann.
    Über den Teil, dass Cas­ca­da völ­lig berech­tigt gewon­nen und die Jury ein­fach nur ihre Arbeit gemacht hat und dafür nicht ange­fein­det wer­den soll­te, brau­chen wir nicht zu dis­ku­tie­ren, weil da offen­sicht­lich Einig­keit herrscht. Blei­ben 2 Punk­te:
    1.) “Radio­vo­ting”: ich ver­ate­he ja, dass man die Radio­sen­der irgend­wie mit ins Boot holen will, damit gefäl­ligst mehr Öffent­lich­keit für die Bei­trä­ge auch im Vor­feld geschaf­fen wird. Aber zum einen hat das, wie die Prinz-Sta­tis­tik zeigt, ja ganz offen­sicht­lich über­haupt nicht funk­tio­niert. Und zum ande­ren hat­te das Inter­net­vo­ting nicht wirk­lich was mit den Radio­sta­tio­nen zu zun und gehört in die­ser Form defi­ni­tiv abge­schafft, weil es das Bild grob ver­zerrt (Vor­teil für grö­ße­re Fan­ba­ses, Urtei­le nicht auf­grund der Live-Ver­si­on). Die hier irgend­wo vor­ge­schla­ge­ne Vari­an­te mit den loka­len, jeweils vom Lokal­sen­der aus­ge­rich­te­ten Vier­tel­fi­na­le (oder so) fän­de ich tat­säch­lich beden­kens­wert.
    2.) Die Juries: Ich weiß, dass ich mich mit die­ser Mei­nung hier auf ziem­lich ein­sa­men Pos­ten befin­de, möch­te aber trotz­dem noch ein­mal beto­nen, dass es nicht zutrifft, dass ich mich mit den Juries eben arran­giert habe. Im Gegen­teil: eigent­lich bin ich für ein rei­nes Jury-Voting (Grün­de s.u.) und habe mich nur des­halb mit dem Tel­e­vo­ting über­haupt arran­giert, weil ich ein­ge­se­hen habe, dass sonst das Inter­es­se an der Sen­dung bei gro­ßen Bevöl­ke­rungs­schich­ten völ­lig weg­brä­che.
    War­um Jury­vo­ting? Ich behaup­te tat­säch­lich, dass das Gros der nor­ma­len Zuschau­er nicht kom­pe­tent ist. Aller­dings nicht in Geschmacks­fra­gen. Da kann und soll­te jeder nur für sich urtei­len und ist inso­fern selbst­ver­ständ­lich kom­pe­tent. Aber ich fin­de, um die­se soll­te es nicht in ers­ter Linie gehen.
    Was ich mir erwarte/wünsche, ist eine Sen­dung mit abwechs­lungs­rei­chen, qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Bei­trä­gen. Natür­lich ist mir klar, dass letz­te­res nicht so ganz ein­fach zu defi­nie­ren ist, denn da gehö­ren neben einer guten Kom­po­si­ti­on und stimm­li­chem Kön­nen selbst­ver­ständ­lich auch Din­ge wie Aus­strah­lung und eine gute Per­for­mance dazu. Des­we­gen soll­te eine Jury auch aus meh­re­ren Per­so­nen bestehen, die ver­schie­de­ne Aspek­te jeweils kom­pe­tent beur­tei­len könn­ten.
    Geschmack soll­te so weit das über­haupt mög­lich ist weit­ge­hend aus­ge­blen­det wer­den (uner­reich­ba­res Ide­al, ich weiß). Mir ist klar, dass ich natür­lich auch mei­nen eige­nen Geschmack habe, aber ich kann sehr wohl mit einem gut gemach­ten Sie­ger­ti­tel leben, der NICHT mei­nen Geschmack trifft. Bei der Wahl des deut­schen Titels ist es mir ehr­lich gesagt auch rela­tiv egal, ob wir damit letzt­lich gewin­nen. Die­se Art von Kal­kül för­dert höchs­tens das Mit­tel­maß. Wich­tig ist mir, dass etwas dabei her­aus­kommt, womit man sich gemäß der oben genann­ten Kri­te­ria nicht zu schä­men braucht. Und es ist mir wich­tig, zu beto­nen, dass dies mit ALLEN dies­jäh­rig ange­tre­te­nen Titeln so gewe­sen wäre. Ich möch­te mich eigent­lich bemü­hen, mei­nen per­sön­li­chen Geschmack da gar nicht so stark ein­flie­ßen zu las­sen (obgleich ich natür­lich so mei­ne Lieb­lin­ge habe). Ich hät­te bei­spiels­wei­se mit LaBrass­Ban­da über­haupt kei­ne Pro­ble­me gehabt, da sie ihre Sache über­zeu­gend und pro­fes­sio­nell rüber­ge­bracht haben (bis auf den Gesang), obwohl das ÜBER­HAUPT NICHT mei­nem Geschmack ent­spricht.
    Ich wür­de mir natür­lich wün­schen, dass alle ähn­lich fair ver­such­ten zu urtei­len. Und das ist genau das, was ich dem nor­ma­len Zuschau­er ab- und den meis­ten Juries zuspre­chen wür­de. Aus die­sem Grun­de prä­fe­rie­re ich ein­deu­tig Juries.
    Auch das von mr zuerst genann­te Kri­te­ri­um für einen guten ESC, die Abwechs­lung, ist durch Tel­e­vo­ting gefähr­det. Aus nahe­lie­gen­den Grün­den ten­die­ren Mas­sen­vo­ten stets zum Mit­tel­maß und zum Durch­schnitt­li­chen. Inter­es­san­ter sind aber Titel mit mehr Angriffs­flä­che.

  7. Bin ja nicht für ein rei­nes Jury-Voting, doch vie­le belieb­te ESC-Songs stam­men aus Zei­ten als inter­na­tio­nal und natio­nal nur die Jurys ent­schie­den. In Frank­reich wur­den m.E. in den letz­ten 10 Jah­ren Viel­leicht mehr “gute” Songs aus­ge­wählt als in DE (wo die Zuschau­er betei­ligt waren ), doch der Titel von Anggun gehör­te sicher nicht dazu.
    Hier geht es auch um den ewi­gen Gegen­satz von “qua­li­ta­tiv gut” und “erfolg­reich im ESC” . Hier muss jeder ent­schei­den was ihm wich­ti­ger ist.

  8. Genau. Und ich bin ganz klar für “qua­li­ta­tiv gut”, wobei das sehr vie­le Schat­tie­run­gen haben kann. Ori­gi­nel­le, gut gemach­te Come­dy wür­de ich hier nicht aus­schlie­ßen.
    Wenn’s dann auch noch erfolg­reich beim ESC ist, umso bes­ser. Aber wenn nicht, fin­de ich das eher sekun­där (sehen Plat­ten­fir­men und Sen­der natür­lich anders).

  9. Das Pro­blem mit dem Qua­li­täts­ar­gu­ment: nach wel­chem Maß­stab ist das zu beur­tei­len? Wäh­rend Durch­schnitts­wa­re noch rela­tiv ein­deu­tig bestimm­bar ist, ist das bei guten/schlechten Lie­dern schon wie­der anders.

    Ein paar Bei­spie­le für nach die­sem Maß­stab (nicht nach dem vom Haus­herrn paten­tier­ten Jurys-sind-Wichser-™-Maßstab):

    -War­um woll­ten die angeb­li­chen Fach­ju­rys einen der objek­tiv schlech­tes­ten Bei­trä­ge 2012, Geor­gi­en, ins Fina­le pushen?

    -War­um stand 2009 bei den Jurys die bana­le Musi­cal-Bal­la­de um 60 Punk­te höher als das Epi­tom der Sor­te Lied, die von Jurys hoch­ge­zo­gen wer­den soll­te? (GB vs. F, fürs Pro­to­koll.)

    -War­um stan­den im ers­ten Semi 2012 die bana­len, schon tau­send­mal so gehör­ten Tanz­mu­sik­stü­cke aus Grie­chen­land und Zypern bei den Jurys höher in der Gunst als bei den Tel­e­vo­tern? Alba­ni­en und Mol­da­wi­en, okay, die waren wenigs­tens noch ori­gi­nell, aber Grie­chen­land und Zypern?

    -War­um haben die Jurys im zwei­ten Semi 2012 Mal­ta durch­ge­zo­gen, auch ein schon tau­send­mal so gehör­tes Tanz­mu­sik­stück? Alles Fuß­fe­ti­schis­ten?

    -War­um stand die töd­lich bana­le Musi­cal­bal­la­de aus Litau­en 2011 bei den Jurys in ihrem Semi auf Platz 1? Bes­se­re Bewer­tung als von den Tel­e­vo­tern, okay; einer der Grün­de für Jurys ist eine höhe­re Bewer­tung für die sanf­te­ren Stü­cke, die beim ein­ma­li­gen Sehen viel­leicht unter­ge­hen. Aber das bes­te Lied in die­sem Halb­fi­na­le? Nie und nim­mer. (Bei der Slo­we­nin aus Semi 2 habe ich noch eher Ver­ständ­nis; das Lied hat­te mehr Dra­ma­tik, und Maja Keuc war eine deut­lich bes­se­re Sän­ge­rin als Eve­li­na Sasen­ko.)

    Und so wei­ter. Für jede Absur­di­tät im Tel­e­vo­ting fin­det sich eine min­des­tens eben­so gro­ße Absur­di­tät in den Jury­vo­tes (und ich behaup­te, die Tel­e­vo­ter haben sich bis­her nie einen Klops wie Geor­gi­en 2012 geleis­tet). Eine Mischung aus bei­dem ist mei­nes Erach­tens die sinn­volls­te Lösung.

  10. Stim­me in den meis­ten Punk­ten zu. Absur­di­tä­ten gibt es auf bei­den Sei­ten. Was ich oben nur sagen woll­te, ist, dass ich unter­stel­le, dass ein gro­ßer Teil der Tel­e­vo­ter über­haupt nicht die Ziel­vor­stel­lung hat, nach irgend­wel­chen (wie auch immer gear­te­ten) Qua­li­täts­kri­te­ri­en zu urtei­len, son­dern sich ledig­lich sei­nem Geschmack ver­pflich­tet weiß (teil­wei­se so weit gehend, dass für ein selbst als blöd ein­ge­stuf­tes Lied abge­stimmt wird, weil man den Inter­pre­ten nun ein­mal mag). Bei Juries bin ich eher bereit anzu­neh­men, dass zumin­dest die­ser Anspruch bei vie­len besteht.

    Zu Dei­nen Bei­spie­len: Bei Anri Jok­had­ze (Geor­gi­en 2012) habe ich auch kei­ner­lei Erklä­rung und bin völ­lig fas­sungs­los (wo doch im Jahr zuvor Eld­ri­ne von den Juries schmäh­lich im Stichj gelas­sen wur­de).

    GB/F 2009: banal war die Bal­la­de ja nicht, und auch über­zeu­gend dar­ge­bo­ten. Hät­te aber natür­lich nicht höher gehört als der außer­ge­wöhn­li­che fran­zö­si­sche Bei­trag.
    Und auch sonst sind die Bei­spie­le gut gewählt.
    Viel­leicht braucht es wirk­lich den Mix als Kor­rek­tiv.

  11. Theo­re­tisch wäre ich für rei­nes Tel­e­vo­ting. Aber erst bei einem Sys­tem, bei dem jeder nur ein­mal abstim­men kann. Ansons­ten gewinnt der, des­sen Fans die meis­te Koh­le für Anru­fe und SMS aus­ge­ben. So etwas halt ich für unfair, da kann ich mir auch gleich Geld fürs Abstim­men geben las­sen.
    Bis dahin ist (eine gut besetz­te) Jury lei­der not­wen­dig, um vor­han­de­ne Mani­pu­la­ti­ons­mög­lich­kei­ten (mit zig e-mail-Adres­sen) zu kor­ri­gie­ren.

  12. Geschenkt”? Sor­ry, aber den unwür­di­gen 17. Platz für eine der gran­dio­ses­ten Per­for­man­ces aller Zei­ten ver­hin­dert zu haben, rech­ne ich den Jurys hoch an; das war mehr als nur “Ergeb­nis-Kos­me­tik”. Glei­ches gilt für die Bewer­tung von Ita­li­en 2011 sowie von Ita­li­en und Spa­ni­en 2012. Es macht mei­nes Erach­tens schon einen Unter­schied, was die Teil­nah­me­be­geis­te­rung angeht, ob ein Bei­trag auf Platz 10 oder 19 abschließt.

    Was mei­ne Argu­men­ta­ti­on angeht: Mei­ne Hoff­nung ist, dass sich die schlimms­ten Aus­wüch­se von Tel­e­vo­ting und Jury­sys­tem in der Mischung aus­glei­chen, und ich stel­le mal die Behaup­tung auf, dass das eini­ger­ma­ßen klappt. Ohne die Tel­e­vo­ter hät­te Ita­li­en 2011 gewon­nen und wäre Geor­gi­en 2012 ins Fina­le gekom­men; ohne die Jurys hät­ten die Tür­kei und Arme­ni­en trotz wirk­lich bana­ler und gelang­weilt wir­ken­der Bei­trä­ge 2011 immer noch eine per­fek­te Semi-Bilanz.

  13. Radio und Jury­wich­ser weg, Tel­e­vo­ting auf max. 3 Anru­fe oder SMS pro Appa­rat begren­zen. Soll­ten die Abstim­mungs­mo­di aller­dings bei­be­hal­ten wer­den, bit­te die Lei­tun­gen unbe­dingt VOR der Bekannt­ga­be der ers­ten Wer­tun­gen schlie­ßen. Womög­lich hät­te “Nackert” dann auch die Zuschaue­rIn­nen­ab­stim­mung gewon­nen.

  14. Bit­te? Okay, der The­men­wech­sel war viel­leicht etwas rabi­at. Ich habe schlicht die Top 10 der Jury­wer­tung von oben nach unten abge­ar­bei­tet, und da kamen Alba­ni­en und Mol­da­wi­en zuerst; das “Tanz­mu­sik­stück” bezog sich nur auf Zypern und Grie­chen­land.

    Aber dan­ke für die Bil­der in mei­nem Kopf. War­um habe ich das Gefühl, dass eine Tanz­flä­che zu “Suus” aus­sä­he wie der Beginn einer Zom­bie­apo­ka­lyp­se? 😮

  15. Das fand ich auch bescheu­ert. Und irgend­wie auch unfair gegen­über den Plät­zen 3–12, da nach Bekannt­ga­be der Radio- und Jury­er­geb­nis­se die Leu­te ver­mut­lich nur noch für Cas­ca­da oder LaBrass­Ban­da ange­ru­fen haben. Viel­leicht wären näm­lich ande­re Titel in der Publi­kums­ab­stim­mung viel höher gelan­det, wenn nicht wäh­rend der lau­fen­den Abstim­mung schon bekannt gege­ben wäre, dass die bei Inter­net-Usern und Jury total abge­kackt sind (Mia Die­kow?). Und auf tote Pfer­de, sprich Bei­trä­ge die kei­ne Sie­ges­chan­ce mehr haben, setzt auch kei­ner mehr.

  16. Was genau jetzt “gute” Songs sind und was nicht ist mei­ner Mei­nung nach rei­ne Geschmacks­sa­che und objek­tiv nicht mess­bar. Und bloß weil eine Kom­po­si­ti­on kom­ple­xer ist ist sie nicht auto­ma­tisch bes­ser. Zwölf­ton­mu­sik ist auch kom­plex, klingt aber teil­wei­se ein­fach nur wie der letz­te Dreck. Die­se Qua­li­täts­dis­kus­si­on ist völ­lig sinn­los, jeder hat ande­re qua­li­ta­ti­ve Maß­stä­be. Ich fin­de z.B., dass “La La Love” (von eini­gen ger­ne als “Bil­lig-Schrott” abge­tan) eine druck­voll pro­du­zier­te Dance-Num­mer ist, die mich trotz text­li­cher Sim­pli­zi­tät mit­reißt und mir gro­ßen Spaß berei­tet – in mei­nem Geschmacks­kon­text erfüllt der Song damit alle Qua­li­täts-Stan­dards. Das kön­nen Ande­re natür­lich ganz wie­der anders sehen. Ist auch gut so. Ich wäre halt bloß sehr vor­sich­tig zu sagen das ist “qua­li­ta­tiv gut” und das nicht

  17. Ein gewis­ses Maß an Sub­jek­ti­vi­tät ist dabei, das stimmt, aber ande­rer­seits gibt es durch­aus Mess­lat­ten, an denen sich Lie­der und Auf­trit­te in bestimm­tem Rah­men objek­tiv bewer­ten las­sen. Das Pro­blem ist nicht das Feh­len sol­cher Maß­stä­be, son­dern die unter­schied­li­chen Prio­ri­tä­ten, die ver­schie­de­ne Leu­te die­sen Maß­stä­ben zumes­sen, und ins­be­son­de­re die Nei­gung von Men­schen, ihren eige­nen Satz die­ser Prio­ri­tä­ten für den ein­zig gül­ti­gen zu hal­ten. Wer mehr auf die Pro­duk­ti­on und die Tanz­bar­keit ach­tet, für den ist “La La Love” gran­di­os; wer auf text­li­che Tie­fe und musi­ka­li­sche Kom­ple­xi­tät Wert legt, der wird mit die­sem Lied ver­mut­lich eher weni­ger warm wer­den. (Ich gehö­re eher zum ers­ten Lager; “La La Love” ist nichts Groß­ar­ti­ges, aber durch­aus anhör­bar.)

    Oh, und was die Sache mit der Zwölf­ton­mu­sik angeht: Neun­zig Pro­zent von allem sind Dreck (Stur­ge­ons Gesetz). Die­ses Gen­re lei­det zudem dar­un­ter, dass es absicht­lich jeg­li­che “Standard”-Hörgewohnheiten in den Wind schießt und man eine viel brei­te­re Theo­rie­ba­sis braucht, um zumin­dest begrei­fen zu kön­nen, was der Kom­po­nist eigent­lich woll­te.

  18. Mit “qua­li­ta­tiv gut” mei­ne ich ” krea­tiv” was die Musik und den Text betrifft. Krea­tiv ist der Gegen­satz zu ein­falls­los und nach­äf­fend. Natür­lich kön­nen auch krea­ti­ve Songs “unge­nieß­bar” klin­gen, des­halb soll­ten sie natür­lich auch emo­tio­nal anspre­chend sein. Ich stim­me zu, dass auch das wie­der von der sub­jek­ti­ven Beur­tei­lung des Juro­ren abhängt. Doch ob ein Song inno­va­tiv ist kann man schon rela­tiv objek­tiv beur­tei­len.

    In die­sem Jahr war sicher der Song von Fox Lima in der let­ti­schen Vor­ent­schei­dung ein gutes Bei­spiel für “krea­tiv” und gleich­zei­tig anspre­chend,. Ist aber lei­der aus­ge­schie­den.

    Doch auch “Lala­la” war durch einen wit­zi­gen Text, und die absicht­li­che Imi­ta­ti­on des 60er-Jah­re-Stils ein krea­ti­ver Song . Zumin­dest im Ver­gleich zu ande­ren Songs, die vor­ge­ben modern zu sein und deren Text nur aus ca. 10 Wör­tern besteht.…

  19. Raus­ma­ni­pu­liert klingt so nach Absicht. Ich weiß jetzt nicht genau, wie das Sys­tem in Slo­we­ni­en war, aber natür­lich soll­te die Jury abstim­men, ohne das Tel­e­vo­ting-Ergeb­nis zu ken­nen. Sonst sind Mani­pu­la­tio­nen natür­lich Tür und Tor geöff­net. Aber wenn die sich ihre Mei­nung unab­hän­gig von den Zuschau­ern bil­den, dann wäre ich vor­sich­tig mit sol­chen Unter­stel­lun­gen.

  20. Bei den Jury-Ent­schei­dun­gen in den NF muss man sich oft fra­gen ob die Juro­ren wirk­lich neu­tral sind und vor­ran­gig auf Qua­li­täts­merk­ma­le ach­ten. Der Geschmack der Juries war in vie­len Fäl­len noch schlech­ter als der der Tel­e­vo­ter . Des­halb soll­te die “ESC-Komis­si­on viel­leicht ” Regeln für die Zulas­sung als Juror in allen Län­dern fest­le­gen . Im Sport kann auch nicht jeder Schieds­rich­ter wer­den, nur weil er pro­mi­nent ist.

  21. Vor­schlag zur Güte: Aus 643 Vor­schlä­gen wählt eine Jury 20 Songs aus. Die­se wer­den im Radio vor­ge­stellt und die Hörer ent­schei­den sich für die 10 Songs, die dann in einer TV-Show vor­ge­stellt wer­den und das TV-Publi­kum kürt den Sie­ger. Ist das nicht demo­kra­tisch?

Oder was denkst Du?