Zwei­ter Super­sams­tag: Toter Fisch nach Haus­frau­en­art

Es klang nach einem Kon­zept, bei dem jeder auf­rech­te Schla­ger­fan schon im Vor­feld ein feuch­tes Hös­chen kriegt: die Melo­di­fes­ti­val-erfah­re­nen Schla­ger­di­ven Han­na Hed­lund, Per­nil­la Wahl­gren und Jen­ny Sil­ver (‘Some­thing in your Eyes’) als Trio. Unter dem rund­weg fabel­haf­ten Namen Swe­dish House Wives, ein per­fek­tes Wort­spiel aus der ange­sag­ten Dance­com­bo Swe­dish House Mafia und der US-Kult­se­rie Despe­ra­te House­wi­ves. Mit einem vom Fre­de­rik Kem­pe Tho­mas G:son geschrie­be­nen, dan­ce­beat­ge­trie­be­nen Schwe­den­schla­ger namens ‘On Top of the World’. Dazu eine beleuch­te­te Show­trep­pe, Gold­la­mé-Glit­zer­kos­tüm­chen und eine simp­le Cho­reo­gra­fie. Und den­noch schei­ter­te die Num­mer beim gest­ri­gen zwei­ten MF-Semi und schaff­te es noch nicht mal in die Trost­run­de. Wor­an lag es? Am schmerz­li­chen Feh­len der für sol­che Bei­trä­ge eigent­lich unver­zicht­ba­ren Rückung? An der gewohn­ten Geschmacks­ge­stört­heit der Schwe­den, denen ja schon lan­ge das Wahl­recht bei Musik­wett­be­wer­ben ent­zo­gen gehört? Nein, nichts von alle­dem: das alt­ba­cke­ne Euro­vi­si­ons­re­zept zün­de­te ein­fach nicht, wirk­te zu aus­ge­lutscht und rou­ti­niert. Da sind wir spä­tes­tens seit ‘Eupho­ria’ dann doch einen Schritt wei­ter.


Ein­mal wie immer: Schwe­den­kost von der Stan­ge

Wer übri­gens meint, ich über­trei­be mit mei­ner Schel­te hin­sicht­lich der musi­ka­li­schen Zurech­nungs­fä­hig­keit der Elch­länd­ler, für den habe ich nur zwei Wor­te: Loui­se Hoffs­ten. Die 48jährige Blues­sän­ge­rin schaff­te es mit einem Ela­bo­rat (Song kann man das nicht nen­nen, dafür feh­len Kern­ele­men­te wie eine Melo­die, ein Refrain oder eine Struk­tur) über tote Fische, die mit dem Strom schwim­men, direkt ins Fina­le. Kein Scherz! Eben­falls dort wie­der­se­hen wer­den wir übri­gens Come­dy-Schnu­ckel Sean ‘Da förs­ta’ Banan und sein ‘Copa­ca­bana­na’. Er zog sei­nen Auf­tritt dies­mal sicher­heits­hal­ber als gigan­ti­sche Mate­ri­al­schlacht mit Trick­klei­dern, Hebe­fi­gu­ren und Gold­flit­ter­bom­bar­de­ment auf, die Hälf­te davon im Publi­kums­be­reich ver­brin­gend und mit Hil­fe von unge­fähr 80 Betei­lig­ten so erfolg­reich von sei­nem unter­ir­disch schlim­men Bal­ler­mann­schla­ger ablen­kend, den hier­zu­lan­de sicher­lich noch nicht mal der ein­schlä­gig vor­be­straf­te DJ Ötzi mit der Kneif­zan­ge anfas­sen wür­de, dass die Schwe­den ihn dies­mal den­noch wähl­ten. Und wenn auch nur, um ihn im Fina­le noch­mals in der Erwach­se­nen­win­del am Seil hän­gen zu sehen.


Defi­niert den Begriff ‘Over the Top’ neu: Euro­vi­sean Banan

Immer­hin: auch wenn es um die musi­ka­li­sche Qua­li­tät die­ses Melo­di­fes­ti­va­len schwach bestellt ist, kann sich die Show dank des uner­müd­li­chen Ein­sat­zes von Mode­ra­ti­ons­mus­kel­pa­ket Dan­ny Sau­ce­do mit der Aus­zeich­nung “schwul” schmü­cken. So hat­te näm­lich ein erzürn­ter schwe­di­scher Leser­brief­schrei­ber ange­sichts der frei­ge­leg­ten Nip­pel Dan­nys das Mel­lo bezeich­net. Der wie­der­um ver­such­te sol­che Gerüch­te aus­ge­rech­net durch die öffent­li­che Bekannt­ga­be sei­ner Lieb­schaft mit Ex-Eric-Saa­de-Freun­din Mol­ly San­dén(prin­zes­sin) zu zer­streu­en. Die ewi­ge Num­mer 2 halt! Um das Wochen­en­de dann aber doch ver­söhn­lich aus­klin­gen zu las­sen, sei noch die schon län­ger gerüch­te­hal­ber umher­schwir­ren­de, vom bul­ga­ri­schen Sen­der aber nun­mehr offi­zi­ell bestä­tig­te Nomi­nie­rung des Duos Elit­sa Todo­ro­va und Stoyan Yan­koul­ov ver­mel­det. Die Zwei, älte­re Leser erin­nern sich, ver­tra­ten das Land bereits 2007 in Hel­sin­ki mit der Eth­no-Trom­mel­or­gie ‘Water’ und bescher­ten Bul­ga­ri­en die bis­lang ein­zi­ge Final­plat­zie­rung in sei­ner acht­jäh­ri­gen Euro­vi­si­ons­ge­schich­te. Dem­entspre­chend hoch dürf­ten die Erwar­tun­gen sein. Am 3. März stellt das Duo drei Titel zur Song­aus­wahl.


Din daa daa…

4 Gedanken zu “Zwei­ter Super­sams­tag: Toter Fisch nach Haus­frau­en­art

  1. Die ers­te Run­de in Schwe­den war schon durch­schnitt­lich, aber seich­ter und schlim­mer geht ja immer. Hof­fent­lich kommt da in der zwei­ten Hälf­te noch was nach.

  2. Wie gesagt, ich habe lie­ber Lett­land geschaut, da in Schwe­den schon nach Durch­sicht der Schnip­sel wie erwar­tet nur ziem­lich Durch­schnitt­li­ches zur Wahl stand (viel­leicht von Feli­cia Ols­son abge­se­hen, aber die kam ja nicht mal in die End­run­de).

    Die Nach­richt aus Bul­ga­ri­en dage­gen freut mich so rich­tig! Ich bin gro­ßer Fan der bei­den und habe mir, seit ich sie 2007 ken­nen­ge­lernt habe, eini­ge CDs gekauft.

  3. Das waren wirk­lich schwe­di­sche Haus­frau­en.;-) Wer in eher zum Rei­ne­ma­chen geig­ne­ten Unter­tri­ko­ta­gen die von Edsi­lia geklau­te Show­trep­pe wie die hei­mi­sche Kel­ler­trep­pe zur Wasch­kü­che her­un­ter­läuft und dabei die Aus­strah­lung einer Kühl­schrank­be­leuch­tung hat , darf sich über eine schlech­te Plat­zie­rung nicht wun­dern. Auch die Cho­reo erin­ner­te mehr an Haus­frau­en­gy­mans­tik als an einen gla­mou­rö­sen Melo­di­fes­ti­va­len­auf­tritt. Das war nichts. Dann doch lie­ber den Staub­we­del schwin­gen und die Fens­ter put­zen. Ist irgen­di­we effek­ti­ver. .-)

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