Bulgarien wählt: wir haben einen Gleichstand. Tschüss!

Selten so eine bizarre Vorentscheidung erlebt wie den soeben völlig unvermittelt zu Ende gegangenen bulgarischen Vorentscheid! Die bereits vorab nominierten Vertreter Elitsa Todorova & Stoyan Yankoulov (BG 2007) stellten die bereits bekannten drumlastigen Ethnotitel vor: drei gleichermaßen gute Drogeneinwurfbegleitsongs in den Geschmacksrichtungen Kiffen / Pilze / Ecstasy. Es folgten lustige Interval Acts, unter anderem eine fabelhafte bulgarische Babuschka, begleitet von einem DJ namens Bimbo und sensationell guten Elektrosounds, sowie die grottenschlecht live performende schweizerische Heilsarmee, deren schnuckliger Gitarrist Jonas Gygax auf dem glatten Studioboden ausrutschte und hinschlug. Und sodann die sekundenschnelle Verkündung der Ergebnisse des Televotings und der Abstimmung der fünfköpfigen Jury, die in einen klassischen Patt mündete: das Publikum gab 7 Punkte an ‚Kismet‘ und 3 an die vorab unisono als Sieger getippten Sahnepilze (‚Samo Shampioni‘). Die Jury entschied genau umgekehrt. Und damit endete die Sendung. Internationalen Fan-Foren zufolge soll der Moderator noch in den Abspann hinein gemurmelt haben, dass bei Gleichstand das Publikum entscheide und somit ‚Kismet‘ gewonnen habe, den auch ich für den stärksten, weil ethnolastigsten, der drei Beiträge halte. Dieser wird das Land also in Malmö vertreten – glaube ich zumindest!


Wird das Schicksal ihnen günstig sein?

Nachtrag: oh, das könnte sich noch zu einer spannenden Geschichte entwickeln! Wie esckaz und eurovision.tv übereinstimmend bestätigen, enthält das Reglement des bulgarischen Senders tatsächlich die Bestimmung, dass bei einem Gleichstand das Televoting den Ausschlag gibt. Allerdings scheint Elitsa mit dem Ergebnis ganz und gar nicht einverstanden zu sein, wie ein vor Ort anwesender, zuverlässiger Eurovisionsfan im ESCnation-Forum ausplauderte. Sie wollte wohl von vorne herein nur mit ‚Samo Shampioni‘ nach Malmö. Allerdings verlangte der Sender von dem Duo fünf Titel zur Auswahl, von denen es drei zum heutigen Referendum stellte. Gerüchten zufolge gab es beim Televoting lediglich eintausend Anrufe, und scheinbar stimmten auch hier eher ältere Zuschauer für den traditionellsten Titel ab. Frau Todorova habe sich vor lauter Wut über den überraschenden Ausgang noch eine dreiviertel Stunde nach Ende des Vorentscheids geweigert, Interviews zu geben. Mal schauen, ob Bulgarien da nicht noch eine Ukraine pullt und den Titel in letzter Minute austauscht!


Ganz am Schluss legt es Jonas aufs Maul. Kismet!

2. Nachtrag: es bleibt wohl bei ‚Kismet‘. Laut esckaz zeigte sich Elitsa in einem Statement auf der Seite des Senders BNT zwar weiterhin „ein wenig überrascht“ von der Mehrheitsentscheidung des bulgarischen Publikums. „Andererseits ist es schön zu wissen, dass unsere gesamte Arbeit gewürdigt und alle drei Songs gemocht wurden,“ so die Sängerin mit der markanten Stimme weiter. Man wolle nun eine gescheite Choreografie für ‚Kismet‘ erarbeiten. Und damit bleibt es bei dem in anderen Foren bereits als „Ziegen-Orgie“ gedissten Song, den ich selbst nach wie vor zwar für den sperrigsten der drei Titel halte, aber auch den am besten für den Wettbewerb geeigneten – weil er nämlich, anders als die shampoonierten Sahnepilze, nicht bloß als blasser Nachzieher von ‚Voda‘ (und damit als langweilige Wiederholung) wahrgenommen wird, sondern die Ethno-Schraube noch ein wenig fester anzieht. Das ist ohne Frage riskant und könnte im Finale nach hinten losgehen. Musikalisch aber kann ich die Publikumswahl nur begrüßen!

Falls es dann 'Kismet' ist: welches Schicksal erwartet den Song in Malmö?

  • Finale. Ein starker Ethno-Song wie dieser kommt durch. (41%, 31 Votes)
  • So ein schmerzvolles Gekreische bleibt im Semi kleben. (32%, 24 Votes)
  • 'Samo Championi' wäre die bessere Wahl gewesen! (28%, 21 Votes)

Total Voters: 76

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11 Gedanken zu “Bulgarien wählt: wir haben einen Gleichstand. Tschüss!

  1. An diesem Wochenende machen aber auch ALLE Länder in ihren Vorausscheidungen alles falsch…
    Die drei Nummern gefielen mir zwar alle ganz gut, aber Kismet ist eindeutig der sperrigste und für den westlichen Geschmack … gewöhnungsbedürftigste Titel. Zudem ist das auch noch reichlich repetitiv und hat keinesfalls die rohe Wildheit und mitreißende Wucht von Voda damals. So wird das wieder nix…

  2. Mir hat zwar Samo Shampioni auch einen Tick besser gefallen, aber Kismet hat durchaus was. Gefiel mir jetzt auch besser als in den Vorab-Videos.
    Sicher kein Gewinnersong, aber darauf kommt es (mir) sowieso weniger an, als darauf, dass es authentisch und irgendwie repräsentativ ist. Und das ist Kismet auf jeden Fall auch.

    Aber schade, dass Kismet dem Hausherrn gefällt. Sonst hätte ich hier eigentlich mal ein richtiges Zuschauerbashing erwartet, von wegen die dummen, dummen, dummen, dummen, dummen (…) dummen, dummen Voter haben im letzten Moment alles versemmelt.

  3. Der Zwischenact mit DJ Bimbo und der Trachtentante hat mir auch supergut gefallen. (Und Poli Genova mochte ich ja eh).
    Bis auf den irritierenden Schluss (vielleicht mussten sie strikte Sendezeiten einhalten, weil danach irgendein wichtiges Sportereignis wartete) eine gelungene Veranstaltung.

  4. So ein Ärger aber auch! Dem Hausherren gefielen nämlich tatsächlich alle drei Beiträge richtig, richtig gut. ‚Kismet‘ heute Abend aber am besten. Und so haben die klugen, klugen, klugen, klugen Zuschauer doch richtig gewählt. 🙂
    Fürs Zuschauerbashing musst Du wohl auf Schweden warten!

  5. Puuh… ich mochte ja schon das Voda-Getrommel nicht – aber dieses hier. Auch nicht! — Aber die Schweizer …. noch mehr puuuuh. Das wird gar nichts! Vielleicht wenn Jonas Glückszahl den Stage-Diver mit ins Programm nimmt?

  6. Oha, da hat sich ein Buchstabendreher in den Namen der Dame eingeschlichen. Todorova, nicht Todovora.

Oder was denkst Du?