Christer liebt Christen und schlachtet Siegel

Vor wenigen Minuten präsentierte die EBU die heiß erwartete, von den schwedischen Showproduzenten handgefertigte Startreihenfolge für die beiden Semis am 14. und 16. Mai. Und sie wartet mit einigen Überraschungen auf. Stand eigentlich zu erwarten, dass die Sendungen im Hinblick auf die Verbesserung der Songdramaturgie (was ja als Begründung für den Wegfall des bisherigen Losverfahrens herhalten musste) jeweils mit einem Knallertitel eröffnen und beschließen, so hielt sich Christer Björkman lediglich beim letzten Beitrag im ersten Semi an diese goldene Regel. Und geht dabei sogar noch ein Risiko ein, denn wenn die 3 serbischen Engel ihr ‚Ljubav je svuda‘ genau so grottig performen wie in der Vorentscheidung, bleibt ein Carcrash als letzter Eindruck. Der ist im zweiten Semi mit dem rumänischen Graf Zahl und seinem ‚It’s my Life‘ als Finaltitel sogar schon fest eingeplant.


Der Grand Prix ist halt doch ein Kuriositätenkabinett, so die schwedische Botschaft

Noch mehr erstaunt aber, wen Christer auf dem Todesslot des verfluchten zweiten Startplatzes opfert: im ersten Semi die Estin Birgit Õigemeel (ein subtiler Racheakt dafür, dass uns das Land die großartigen Winnie Puhh vorenthielt?), im zweiten Semi Ralph Siegels sanmarinesische Ich-bin-zwei-Songs-Nummer ‚Crisalide‘. Gerade in diesem Fall bin ich mal sehr gespannt, ob der Altmeister diesen senderseitigen Todesstoß klaglos hinnimmt oder ob wir uns noch auf lautstarken, beleidigten Protest freuen dürfen. Als weitere Christer-Opfer dürften sich der Lette Lippizaner Litauer Andrijus Pojavis und die armenische Rockband Dorians fühlen, die in ihrem jeweiligen Songumfeld völlig absaufen. Was natürlich auch für Bob Prettypink gilt, aber der Belgier wäre von jeder Startposition aus chancenlos. Mit Kusshand bedanken dürfen sich hingegen ausgerechnet die homophoben jungen Christen aus der Schweiz, die mit dem vorletzten Startplatz im zweiten Semi, direkt nach dem georgischen Plombenzieher und vor der rumänischen Lachnummer das Finale so sicher in der Tasche haben wie der Papst katholisch ist. Rollten da die Rappen oder durfte Christer gar von den verbotenen Christenfrüchten naschen?


Mit Gottes Hilfe ins Finale: Takasa

Und hier ist sie, die Startreihenfolge!

ESC 1. Semifinale 2013

Eurovision Song Contest 2013 - Erstes Semifinale. Dienstag, 14. Mai 2013, aus der Malmö Arena in Malmö, Schweden. 16 Teilnehmer, Moderation: Petra Mede.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Rkg
TV
Pl
TV
01ATNatália KellyShine0271412,3315
02EEBirgit ÕigemeelEt uus saaks alguse0521010,0613
03SIHannah ManciniStraight into Love0081613,1716
04HRKlapa s MoraMižerja0381308,0010
05DKEmmelie de ForestOnly Teardrops1670103,3301
06RUDina GaripovaWhat if1560203,8902
07UAZlata OgnevichGravity1400303,9403
08NLAnouk TeuuweBirds0750507,9409
09MEWho see? + Nina ŽižićIgranka0411207,3304
10LTAndrijus PojavisSomething0530907,4405
11BYAlyona LanskayaSolayoh0640707,8308
12MDAliona MoonO Mie0950408,2811
13IERyan DolanOnly Love survives0540807,6106
14CYDespina OlympiouAn me thimáse0111512,0014
15BERoberto BellarosaLove kills0750607,7207
16RSMoje 3Ljubav je svuda0461108,3912

ESC 2. Semifinale 2013

Eurovision Song Contest 2013 - Zweites Semifinale. Donnerstag, 16. Mai 2013, aus der Malmö Arena in Malmö, Schweden. 17 Teilnehmer, Moderation: Petra Mede.
#LKInterpretTitelPkt
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Pl
gs
Rkg
TV
Pl
TV
01LVPeRHere we go0131713,2817
02SMValentina MonettaCrisalide0471109,4712
03MKVlatko Lozanoski + Esma RedžepovaPred da se razdeni0281612,2216
04AZFarid MammadovHold me1390105,2803
05FIKrista SiegfridsMarry me0640908,8910
06MTGianluca BezzinaTomorrow1180407,7807
07BGElitsa Todorova + Stoyan YankoulovSamo Shampioni0451207,4406
08ISEyþór Ingi GunnlaugssonÉg á Líf0720608,6109
09GRKoza Mostra + Agathonas IakovidisAlcohol is free1210205,0002
10ILMoran MazorRak bishvilo0401410,6714
11AMDoriansLonely Planet0690709,4411
12HUByeAlexKedvesem0660808,3908
13NOMargaret BergerI feed you my Love1200305,5004
14ALAdrian Lulgjuraj + Bledar SejkoIdentitet0311511,7815
15GESopho Gelovani + Nodiko TatishviliWaterfall0631009,8913
16CHTakasaYou and me0411307,0005
17ROCezar OuatuIt's my Life0830504,7801

Ist die handgemachte Startreihenfolge gut gelungen?

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13 Gedanken zu “Christer liebt Christen und schlachtet Siegel

  1. Oh nein. Bitte nicht schon wieder dieser ausgemachte Unfug, dass Startplatz 2 auch in den Semis ein Todesstoß sei. Dieser Startplatz hat seit Einführung der geteilten Semis eine Qualifikationsquote von 70 Prozent (wenn man 2009 ignoriert, wird es noch wesentlich besser), was alles andere als ein automatisches Todesurteil für den Performer ist, noch dazu mit einer doch recht auffälligen Nummer wie „Crisalide“. Ganz im Gegenteil sogar – ich bin das mal Platz für Platz durchgegangen, und die 2 ist der BESTE mögliche Startplatz in der ersten Hälfte (übrigens bislang unabhängig davon, wo diese erste Hälfte endet; der nächste Startplatz, der eine genauso gute Quote hat, ist die 13).

    Wo sind die echten Todesslots? Es gibt zwei, die eine Quote von nur 20 Prozent haben: Platz 5 („La Voix“ und „Suus“) und Platz 11 („Romanca“ und „Euphoria“). Wenn sich also Delegationsleiter bei Christer Björkman beschweren gehen, dann haben einige davon es nicht weit; die Gekniffenen dieses Jahr sind Dänemark, Finnland, Armenien und Weißrussland. Umgekehrt gibt es exakt einen Slot mit einer perfekten Bilanz, Nummer 14. Freut euch also, Albanien und Zypern, auch wenn ich nicht glaube, dass die Statistik viel für euch tun kann. 😉

  2. Nachtrag: Allem anderen, was hier gesagt wurde, kann ich allerdings zustimmen. Rumänien am Ende seines Semis? Warum? Damit die Zuschauer gut gelaunt ins Voting gehen können?

    Und „Shine“ soll der Kracher sein, mit dem die ganze Show eröffnet? In welchem Universum ist das Lied dafür geeigneter als „Straight Into Love“ oder „Gravity“? („Here We Go“ ist ja immerhin noch Uptempo, auch wenn es in der Hälfte des zweiten Semis bessere Opener gegeben hätte.)

    Island muss direkt vor Griechenland ran. Autsch. Da verfliegen die Chancen meiner Lieblingsnummer dieses Jahrgangs…es sei denn, die Leute brauchen nach dem bulgarischen Krach was, um sich zu erholen. Und Ungarn direkt vor der hohen Favoritin aus Norwegen – auch nicht schön.

  3. Seit wann ist Andrius Pojavis Lette? Hat er von Litauen die Schnauze voll? 🙂

    Bei Facebook waren schon die ersten Kommentare von empörten San-Marinesen/Italienern zu lesen, die wütend darüber waren, dass San Marino auf die 2 gesetzt wurde…

    Ich hoffe, dass die Startnummern schon im nächsten Jahr wieder ausgelost werden. Es war einfach keine gute Idee, die Nummern nach dramaturgischen Gesichtspunkten zu vergeben.

  4. Stöhn. Litauer. Halt aus einem dieser zwei obskuren baltischen Länder mit L (ich bin nur froh, dass das dritte nich Lestland heißt). Das war kein Scherz, als ich beim letzten Mal sagte, diesen Fehler werde ich noch in hundert Jahren machen. (Vielen Dank, ist korrigiert!)

  5. Ist ganz einfach, hab ich dank ES gelernt: Alphabetisch von Norden nach Süden – Estland, Lettand, Litauen.

  6. Zum Thema „noch chancenloser“ siehe meinen Kommentar oben… 😉

    Aber ja, so ziemlich alle Favoriten (ein Wort, das in diesem Jahrgang eigentlich in dicke Anführungszeichen gehört) sind auf nichtssagenden Startplätzen gelandet. Wollte man sich gegen den Vorwurf absichern, die Favoriten auf günstige Plätze zu setzen? Ich bin etwas verwirrt.

  7. Ich glaub übrigens nicht, dass die Startnummer an sich schon über wohl und wehe entscheidet, immerhin haben es alle Nummern schon mehrmals ins Finale geschafft. Interessant ist eher, wer vor oder nach einem startet. Aber offensichtlich haben die viele Favoriten auf einen Haufen geworfen, und das ist nicht gut. Rumänien als letzter im Semi 2 ist dann sinnvoll, wenn man sich überlegt, dass die Leute möglichst lange am Fernseher sitzen bleiben und möglichst spät ausschalten sollen 😉 😉 😉

  8. Man sieht es Andrius und seinen Kollegen ja auch so gut an, ob sie aus dem Süden oder der Mitte des Baltikums kommen. 😉

  9. Ach du je. Das hätte man auch der Losfee überlassen können. Die hat zwar in den letzten Jahren ab und an mal richtig Mist gebaut, aber soviel dann nu auch wieder nicht. Weil Du NIX kannst, Christer!

  10. Selbst wenn die Vorwürfe gegen die Heilsarmee vollkommen unberechtigt wären: Was hat das mit „deinem Land“ zu tun? Das ist ebensowenig schweizfeindlich, wie die Attacken gegen Carola schwedenfeindlich sind; es sind Angriffe auf Individuen. Ist Oliver X-feindlich, wenn Land X jemanden schickt, der nicht optimal aussieht und er diese seine Meinung kundtut? Gleiche Schublade.

  11. Tja. Da hab ich mir den ganzen Aufwasch dann doch mal angehört, und was soll ich sagen?

    Eindruck: Ein wirklich entsetzliches erstes Halbfinale, aus dem mich genau EIN Lied anlacht (Weißrussland, ausgerechnet). Die Niederlande und Dänemark sind kompetent genug, um weiterzukommen, ebenso wie Russland und die Ukraine. Aber dann? Ich bin die Liste im Shuffle durchgegangen und habe alles rausgeschrieben, was mir gefiel (Big Six außen vor), und das Endergebnis waren 14 Lieder – davon zehn aus Semi 2. Das wird ein ganz harter Dienstag.

    Meine Wunschliste bislang:

    Semi 1: AT, BY, NL, DK, HR, RU, UA, IE, EE, SI (die letzten beiden nur, weil ich die zehn Qualifikanten vollkriegen muss).

    Semi 2: SM, GR, IL, BG, HU, IS, MT, FI, CH, AL (ich glaube nicht eine Sekunde lang, dass der gesamte Kaukasus hängenbleibt, aber das hier ist „Wünsch dir was“ und nicht „So isses“ 😉 ).

    DNQ Semi 1: BE, ME, RS, CY, MD, LT. Das könnte sogar mehr oder weniger so aussehen. Hauptsache, der furchtbare Belgier und dieses Schnarchding aus Zypern (das sage ich als Balladenfreund!) bleiben uns Samstag erspart. Ich würde laut lachen, wenn Montenegro ausgerechnet mit Dubstep-Rap das erste Mal das Semi übersteht, aber da fehlt mir im Moment noch der Glaube.

    DNQ Semi 2: AZ, AM, GE, RO, LV, NO, MK. Das andererseits glaube ich wie gesagt nicht eine Sekunde lang. Mindestens einer der Kaukasusstaaten wird das Semi überstehen, und an ein Rausfliegen von Norwegen (bleargh!) glaube ich auch nicht, wenn Frau Berger nicht den Carcrash des Jahrzehnts hinlegt. Aber man darf doch wohl noch träumen…

  12. Pingback: ESC 1992: Why her?

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