Prognose 2013: Welch ein Jahr! Was für Lieder!

Nach dem mit der gestrigen Entscheidung in Moldawien nun alle Titel der beiden Qualifikationsrunden feststehen (derzeit fehlt nur noch der italienische Beitrag für Malmö), ist es nunmehr höchste Zeit für die erste Prognose. Natürlich kennen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht alle finalen Songabmischungen, von den Choreografien und Kostümen für Malmö ganz zu schweigen. Und auch die exakte Auftrittsreihenfolge soll laut Tweets aus EBU-Kreisen frühestens Anfang April feststehen, wenn die genauen Anforderungen der Teilnehmerländer hinsichtlich zusätzlicher Bühnenausstattung bekannt sind. Beziehungsweise wenn Christer Björkman alle Bestechungsgeschenke der nationalen Delegationen einsammeln konnte. Das soll uns aber nicht abhalten, schon mal die ersten Mutmaßungen abzugeben, wer es ins Finale schaffen könnte und wer nicht. Denn spekulieren macht Spaß!


Gelingt es ihr, uns ihre Liebe in den Hals zu rammen? (NO)

Besonders schwierig gestaltet sich das im ersten Semi. Denn hier haben sich die zugelosten Länder in einer Art konspirativer Aktion verschworen, die hochfliegenden Pläne Björkmans zu torpedieren, mit einer handgemachten Startreihenfolge einen für den Zuschauer besonders unterhaltsamen Spannungsbogen zu zaubern. In dem nämlich der Großteil der 16 Qualifikanten ausschließlich besonders spannungsarme, extra langweilige Seichtballaden entsendet. Den Zuschauern am Dienstag sei daher empfohlen, vorsorglich mehrere Linien Speed bereit zu legen (oder, für diejenigen, die eher legalen Drogen zuneigen, so 30 bis 40 Espressi), um den Abend durchzustehen, ohne für immer ins Koma zu fallen. Was andererseits bedeutet, dass die an einer Hand abzählbaren, etwas schnelleren Stücke automatisch einen Vorteil genießen, weil sie als Rettungsinsel im unendlich scheinenden Ozean der Langeweile wahrgenommen werden.


Eher für Balkanika TV als für den ESC: Montenegro

Praktisch autoqualifiziert sind damit die Beiträge aus der Ukraine, Weißrussland, Litauen, Irland und Serbien. Eher schwarz sehe ich für die exjugoslawischen Staaten Slowenien und Montenegro. Im ersten Fall, weil ‚Straight into Love‘ nicht besonders gut ist, im zweiten aus dem gegensätzlichen Grund: das balkanauthentische Hip-Hop-Dubstep-Amalgam ‚Igranka‘ wandelt meilenweit entfernt von den eingetretenen eurovisionären Trampelpfaden im popmusikalischen Hier und Jetzt. Was zwar für einen Lordi-Effekt beim Televoting gut sein könnte, wenn auch nur in den Balkanländern. Aber selbst, wenn diese sich geschlossen in diesem Semi tummeln würden, was natürlich nicht der Fall ist: es könnte genau so gut für null Punkte von den bekanntlich eher konservativen Jurys sorgen. Nach den neuen Auszählungsregeln, die Mittelmaß belohnen und Spaltpotenzial bestrafen, bedeutet das leider: und tschüss, Who see!


Charlies Straßenengel aus Serbien

Bleiben noch fünf Slots für die neun Balladen des Abends. Unter ihnen stechen diejenigen aus Kroatien (klassisch altmodischer Männerchor), Russland (klassischer Eurovisionskitsch und Sieger in diesem Semi), Dänemark (klassischer ethnoangehauchter Midtemposeich) und Österreich (klassisches kleines Mädchen mit großer Stimme) besonders hervor, dürften also sicher weiterkommen. Die spannendste Frage des Abends wird sein, ob es der düster-sperrige niederländische Song über tote Vögel schafft. Was von etlichen Faktoren wie Präsentation, Startplatz und dem Verhalten der Jury abhängt, die hier unter Beweis stellen könnte, wie ernst es ihr mit dem künstlerischen Anspruch ist. Heben Anouks Vögel nicht ab, dürfte sich stattdessen Estland freuen.


„War das gut? Ja!“: die Niederlande

Wer schafft es aus Semi 1 ins Finale (10 Stimmen)?

  • DK: Emmelie de Forest - Only Teardrops (10%, 421 Votes)
  • RU: Dina Garipova - What if (10%, 402 Votes)
  • UA: Zlata Ognevich - Gravity (9%, 388 Votes)
  • NL: Anouk Teuuwe - Birds (9%, 376 Votes)
  • AT: Natália Kelly - Shine (9%, 353 Votes)
  • IE: Ryan Doley - Only Love survives (7%, 294 Votes)
  • BY: Alyona Lanskaya - Soleyah (7%, 289 Votes)
  • RS: Moje 3 - Ljubav je svuda (7%, 282 Votes)
  • MD: Aliona Moon - A Million (6%, 242 Votes)
  • SI: Hannah Mancini - Straight into Love (4%, 180 Votes)
  • HR: Klapa s Mora - Mižerja (4%, 178 Votes)
  • LT: Andrijus Pojavis - Something (4%, 176 Votes)
  • EE: Birgit Õigemeel - Et uus saaks alguse (4%, 160 Votes)
  • ME: Who see - Igranka (4%, 146 Votes)
  • CY: Despina Olympiou - An me thimáse (3%, 119 Votes)
  • BE: Roberto Bellarosa - Love kills (3%, 104 Votes)

Total Voters: 487

Loading ... Loading ...

Deutlich mehr Fanfavoriten tummeln sich im zweiten Semi, und entsprechend größer könnte das Geheul ausfallen, wenn sie es nicht packen. Zumal hier die Konkurrenz mit einem zusätzlichen Startplatz etwas härter ausfällt. Sicher im Finale sehe ich hier die norwegische Kaviargeberin, die griechischen Alkoholiker (ich schwöre bei Zeus: wenn die vermaledeiten Juroren das rausvoten, töte hasse ich jeden Einzelnen von ihnen), die georgischen Inkontinenten, die finnische Heiratsschwindlerin und den introvertierten Ungarn. Sollten sie ihre Auftritte nicht verkacken und Christer genug für einen guten Startplatz zahlen, sollten es auch die schweizerischen jungen Christen und Onkel Ralphs sanmarinesischer Zwei-zum-Preis-vom-einem-Schlager schaffen. Bleiben noch sechs ernsthafte Anwärter für die drei restlichen Slots (Lettland, Mazedonien, Armenien und Rumänien laufen mit ihren Rohrkrepierern ja ohnehin nur als Zählkandidaten).


Bekommen meine 12 Dödelpunkte 2013: die Griechen

Wer kommt also noch ins Finale? Der azerische Neandertaler oder die israelische Lisa Plenske? Der bulgarische Ziegengesang oder die albanische Identitet? Der isländische Fischer oder der maltesische Doktor? Das lässt sich seriös wohl erst vorhersagen (soweit Vorhersagen überhaupt seriös sein können), wenn die genaue Startreihenfolge feststeht und wir die Generalproben gesehen haben. Will man mich mit vorgehaltener Pistole schon jetzt zu einem Tipp zwingen, würde ich mich jeweils für die zuletzt Genannten entscheiden, alleine aufgrund ihrer Zuordnung zur ersten bzw. zweiten Hälfte des Semis bzw. der Juryfreundlichkeit der Beiträge. Wie immer behalte ich mir Änderungen aber bis zehn Minuten vor dem Start der Sendung vor.


Nur tote Fische werden ausgenommen: Island

Wer schafft es aus Semi 2 ins Finale (10 Stimmen)?

  • NO: Margaret Berger - I feed you my Love (10%, 359 Votes)
  • GR: Koza Mostra + Agathonas Iakovidis - Alcohol is free (9%, 321 Votes)
  • SM: Valentina Monetta - Crisalide (9%, 314 Votes)
  • FI: Krista Siegfrids - Marry me (8%, 295 Votes)
  • AZ: Farid Mamedov - Hold me (8%, 283 Votes)
  • GE: Sopho Gelovani + Nodiko Tatishvili - Waterfall (8%, 281 Votes)
  • IS: Eyþór Ingi Gunnlaugsson - Ég á Líf (7%, 248 Votes)
  • CH: Takasa - You and me (7%, 245 Votes)
  • MT: Gianluca Bezzina - Tomorrow (7%, 234 Votes)
  • IL: Moran Mazor - Rak bishvilo (6%, 219 Votes)
  • HU: ByeAlex - Kedvesem (6%, 199 Votes)
  • BG: Elitsa Todorova + Stoyan Yankoulov - Samo Shampioni (4%, 143 Votes)
  • AL: Adrian Lulgjuraj + Bledar Sejko - Identitet (3%, 104 Votes)
  • RO: Cezar - It's my Life (3%, 96 Votes)
  • MK: Vlatko Lozanoski + Esma Redžepova - Pred da se razdeni (3%, 95 Votes)
  • AM: Gor Sujyan - Lonely Planet (2%, 79 Votes)
  • LV: PeR - Here we go (2%, 67 Votes)

Total Voters: 437

Loading ... Loading ...

Bleibt die schwierigste Frage von allen: wer siegt im Finale am Samstag? Anders als beispielsweise 2009, als Alexander Rybak von Anfang an den Favoritenstatus innehatte, oder wie letztes Jahr, wo es mit der schwedischen Kräuterhexe und den russischen Omis gleich zwei starke Thronanwärterinnen gab, habe ich in dieser Saison den Siegertitel noch nicht gehört. Ich bezweifle auch, dass der noch ausstehende italienische Beitrag diese Rolle übernimmt. Und Deutschland? ‚Glorious‘ dürfte angesichts der schwachen Konkurrenz zwar in der Top 5 der Televoter und der Top Ten im Gesamtranking landen, liegt für einen Sieg aber zu nahe an ‚Euphoria‘: Wiederholungen schätzt der Fan nicht. Bleibt das Dilemma des schwachen Jahrgangs: selbst 2011, das viele Fans bereits als Vergleich heranziehen, gab es aus meiner Sicht mehr des Sieges würdige Beiträge als in diesem Jahr. Zu befürchten steht also tatsächlich, dass – wie in Düsseldorf – nun der durchschnittlichste und seichteste Song gewinnt. Wobei ich mich auch hier nicht entscheiden kann, ob diese Rolle Russland oder Georgien zukommt. Was ich beides nicht hoffe.


Mein persönlicher Favorit 2013: Ungarn

Genau so wenig hoffe ich übrigens diesmal auf einen Sieg meines (nach dem unglückseligen Rückzug von ‚Imperija‘ neuen) persönlichen Lieblingstitels ‚Kedvesem‘. Denn der kommt aus Ungarn, und in dieses eigentlich wunderschöne, spätestens nach den letzten Verfassungsänderungen der Regierung Orbán aber zunehmend ins Neofaschistische abdriftende, auf keinen Fall mehr demokratischen Mindestanforderungen wie einer funktionierenden Gewaltenteilung entsprechende Land möchte ich vorerst nicht mehr reisen. Vielmehr müsste aus meiner Sicht die ARD, legt man die von Thomas Schreiber im Zusammenhang mit einem hypothetischen Sieg Weißrusslands genannten Maßstäbe zugrunde, in diesem – ebenfalls hochgradig hypothetischen – Fall 2014 sogar ernsthaft überlegen, zuhause zu bleiben. Oder kommt es ganz anders? Setzt sich wie schon 2012 der größte Fanwank durch und bleibt der Contest in Skandinavien (‚I feed you my Teardrops‘)? Oder heißt es am Ende gar Wien 2014? Oder erstmals La Valetta? Selten war ich vor einen Contest so ratlos. Und Sie?

26 Gedanken zu “Prognose 2013: Welch ein Jahr! Was für Lieder!

  1. Ich muss mir die ganzen Lieder in ein paar Tagen nochmal durch den Kopf gehen lassen, aber ich bin auch ratlos! Norwegen gewinnt auf jeden Fall nicht, weil „I Feed You My Love“ zu viel Gebrumm besitzt und irgendwie alles andere als „easy-listening“ ist.

    Dass Deutschland mal wieder gewinnt, ist nicht unwahrscheinlich. Auch Dänemark sehe ich vorne und Lettland und Finnland.
    Und ich will nicht, dass Georgien gewinnt! Mein Hass-Song 2013: „Waterfall“ !
    Dann lieber Cascada. Deutschland hat sowieso im Jahr 2011 begangene Fehler (Teilnahme mit der Vorjahressiegerin, Organisations-Chaos bei der ein oder anderen Party, ein Final-Interval-Act mit zwei Liedchen, die zwei, drei Jahre alt waren, usw.) wiedergutzumachen. Warum nicht gleich 2014? Und am besten dann noch in Frankfurt am Main! Mainhattan hat wenigstens einen fertiggestellten Flughafen zu bieten! 😛

    Und wenn es nach Weißrussland gehen sollte… Wenn man schon in Aserbaidschan mitmacht, dann kann man auch in Weißrussland mitmachen. Man muss ja nicht viel Geld dafür ausgeben. Schickt einfach irgendjemanden dahin!

    Und zu Ungarn: http://www.sueddeutsche.de/politik/rechtskonservative-in-ungarn-regierung-verleiht-orden-an-antisemitischen-journalist-1.1626414

  2. Alle sagen stets, dass 2013 ein „schlechter“ Jahrgang ist, aber eigentlich ist es ein guter Jahrgang ohne Überflieger, daher finde ich hier 2006 und 2011 am passendsten als Vergleich heranzuziehen. Mein Gefühl sagt mir, dass die Dänen wieder in Schweden gewinnen werden.

  3. Mein Herz würde natürlich frohlocken, wenn der Contest nach 1957 das zweite Mal in meiner Heimatstadt residierte. Aber Frankfurt mag zwar über einen funktionierenden Flughafen verfügen, nicht jedoch über eine große Halle / Stadion, welche/s die Stadt dem NDR mal eben für umme für zwei Monate zur Verfügung stellen kann wie Düsseldorf… 🙁

  4. Meine Antworten bei den Umfragen werden sicher eine Mischung aus Wunsch und Wirklichkeit darstellen. Denn auch ich stehe im Moment ziemlich ratlos davor. Fakt ist für mich, dass der Contest durchaus einige Perlen für mich zu bieten hat (und deshalb keinesfalls so schlecht ist, wie im Laufe der Vorentscheidsaison wahrgenommen), aber ich bei keinem davon so wirklich den Sieger sehe. Allein die Vielfalt fehlt diesem Jahrgang irgendwie. Entweder ist alles auf Mainstream gebürstet oder wieder zu eigenständig, um sich als wirklich konsensfähig zu etablieren. Wenn ich jetzt auf den Sieger tippen müsste: Dänemark. Nach großer (Europa-)Euphorie können nur (€-)Tränen folgen.

  5. Ganz ehrlich? Ich mag solche Jahrgänge, weil man so gar keine Ahnung hat, was passieren wird. Schade, dass so wenig brauchbare Songs dabei sind, aber dann haben vielleicht mal die Außenseiter eine Chance, San Marino voran, während die Dauerqualifikanten mal im Balladensee ertrinken dürfen.

  6. Meine erste Prognose für das erste Semi (wird sicher auch nicht meine letzte sein, d.h. Änderungen vorbehalten):
    ÖSTERREICH, BELGIEN (der einzige männliche Balladen-Solist, allerdings in Konkurrenz zu Irland und Litauen, die in derselben Hälfte starten), DÄNEMARK (als eine der Top-Favoriten dieses Jahr), KROATIEN, LITAUEN (moderner als Irland), MOLDAU (Startplatz in der zweiten Hälfte hilft), MONTENEGRO (oder Serbien, ja nachdem wer den besseren Startplatz bekommt), NIEDERLANDE (kann auch auch Hop oder Top gehen), RUSSLAND (hätte ich ausgelassen, da es im selben Gewässer fischt wie die Ukraine und beide in der ersten Hälfte starten, aber es ist halt Russland), UKRAINE

  7. Und die erste Prognose für das zweite Semi, welches wirklich das Stärkere ist (Änderungen auch und gerade hier vorbehalten). Ich wünschte, wir würden im ersten Semi stimmberechtigt sein. Ich hab keine Ahnung, für wen ich im zweiten anrufen soll. Und meine Anrufe aufteilen möchte ich auch ungern, aber wahrscheinlich geht dieses Mal kein Weg daran vorbei. Also hier meine Qualifikanten:
    ASERBAIDSCHAN, BULGARIEN, SCHWEIZ (die mobilisieren ihre Anhänger), FINNLAND (Top-10-Chance im Finale), GEORGIEN (the history book on the Düsseldorf shelf …), GRIECHENLAND, UNGARN (Unangepasstheit gehört in diesem Jahrgang einfach gefördert), ISRAEL (die Konkurrenz-Balladessen sind ja alle im ersten Semi), MALTA (Wackelkandidat, so gut wie alle übrigen Länder scharren schon gewaltig mit den Hufen, allen voran San Marino, vielleicht pullt Lettland sogar ein Tanel Padar & Dave Benton), NORWEGEN (wenn das nicht weiterkommt, dann läuft etwas gehörig schief)

  8. Das sehe ich ähnlich. Ich habe zwar noch längst nicht alle Songs gehört – das spare ich mir für das erste Anhören der CD auf -, aber schon die paar Lieder, die ich bisher gehört habe, ließen das eher nach 2011 oder 2006 als nach 2002 oder 1988 klingen.

  9. Das ist diesmal echt schwer… In beiden Semis gibt es jeweils 5 Lieder, von denen ich mir sicher bin, dass sie ins Finale kommen, und der Rest ist mir irgendwie egal.

    Generell ist dieser Jahrgang wirklich sehr ausgeglichen. Es gibt ne Handvoll guter Beiträge und einen ganzen Haufen an „Geht so“-Titeln. In die Kategorie „Ganz schlimm“ fallen dieses Jahr nur Belgien und Rumänien.

    Den Sieger würde ich diesmal irgendwo in der Trinität aus Norwegen, Dänemark und Russland vermuten.

  10. Meine eindeutigen Favoriten sind dieses Jahr Montenegro, Niederlande, Norwegen und mit Abstrichen auch Griechenland und Ungarn, gerade weil sie sich eigenständig und authentisch anhören und spürbar ist, dass sie nicht zwangsläufig für den Wettbewerb produziert wurden um bei einem möchlichst großen Publikumsquerschnitt mit Hilfe des kleinsten gemeinsamen Nenners ein Optimum an Punkten abzugreifen. Ob man die jetzt gut oder furchtbar doof findet ist natürlich Geschmackssache, aber für mich sind Eigenständigkeit, Mut zur Lücke/Nische und Innovationsfreudigkeit meine ganz persönlichen Qualitätssiegel.
    Ganz hinten in meiner Liste sind Beiträge, die keinem dieser Punkte entsprechen, wie Russland, Georgien, Großbritannien und Aserbaidschan bzw. Songs die völlig an meinen persönlichen Preferenzen vorbeischießen, z.B Kroatien (ab zu Carmen Nebel damit), Rumänien (gesanglich ein Desaster) oder Estland (für mich von der ersten bis zur letzten Sekunde langweilig).

  11. Zustimmung zu beidem.

    Zum einen finde ich überhaupt nicht, dass es ein schlechter Jahrgang ist. Es gibt zwar eine Menge Durchschnittsware und nichts so absolut krass Herausscheinendes, eber immerhin habe ich in meiner Kategorie „gefällt mir richtig gut, so dass ich mir vorstellen könnte, dafür anzurufen“ volle 6 Titel (DK, BG, E, AL, SRB, IL), während es sonst nur 3-4 sind.

    Außerdem ist – und das erstaunt mich noch viel mehr – dieses Jahr meine unterste Kategorie „finde ich so grässlich, dass ich kotzen muss“ absolut leer (und ich glaube kaum, dass die Italiener da noch was reinschmuggeln werden). Vielleicht bin ich ja nur durch Gewöhnung abgestumpft, aber es ist wirklich kein Dima Bilan, Alex Sparrow oder Eric Saade auszumachen. Selbst Graf Zahl aus Rumänien trifft zwar weniger meinen Geschmack, kann diese Rolle aber nicht übernehmen, dazu ist er zu gut. Und auch die beiden Titel, die für mich am ehesten das Potential hätten, zu meinen Hassbeiträgen zu werden (Finnland und Griechenland), schaffen dies nicht wirklich, denn der finnische Titel ist zu belanglos, als dass ich ihn hassen könnte, und der griechische hat neben dem nervigen Refrain eben andererseits auch einige Elemente, die mir gefallen.

    Auch das ständige Genörgel mit den überhand nehmenden Balladen kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe den Eindruck, dass „Ballade“ hier oft als Synonym für „gefällt mir nicht“ verwendet wird. Wenn man wirklich das Genre meint, komme ich je nach Klassifizierung auf 9 bis 10 Titel (also gerade mal ein Viertel), die diese Bezeichnung verdienen. Und einige von denen sind recht hübsch, manche sogar richtig gut.

    Bleibt die Frage des Siegers. Offenbar bewege ich mich mit Teilen meiner Einschätzung diesmal im Mainstream (was sonst selten passiert, da ich oft den albanischen beitrag auf Platz 1 meiner persönlichen Liste habe, diesmal „nur“ Platz 4). Daher könnte es dieses Jahr tatsächlich geschehen, was mir ansonsten nur 1974 mit Abba (mein erster „richtiger“ ESC, die beiden Jahre davor hatte ich die Veranstaltung nur in der Radioberichterstattung verfolgt), 1988 (Céline Dion) und 2006 (Lordi) passiert ist, nämlich, dass mein persönlicher Favorit tatsächlich gewinnt, in diesem Falle Dänemark. Wenn man den Buchmachern Glauben schenken kann, stehen die Chancen dafür nicht schlecht. Ebenso dafür, dass mein letzter Platz (Belgien) tatsächlich die Arschkarte ziehen wird.

  12. in der tat ist es dieses jahr so gut wie unmöglich ne vernünftige prognose abzugeben. der jahrgang ist sooo schlecht nicht. es fehlen zwar die wirklich herausragenden songs, dafür gibts aber bis auf rumänien auch nichts wirklich unterirdisches.

    wünschen würde ich mir als sieger italien, niederlande oder ungarn, meine 3 lieblingssongs, bei denen ich mich allerdings nicht auf ne reihenfolge festlegen kann.

    für mich die warscheinlichsten top 5 im moment sind: dänemark (persönlich einer meiner hassbeiträge dieses jahr, erinnert er doch zu sehr an die shampoo-werbungen der 90er im helene-fischer-remix, aber gerade deshalb kommts wohl so gut an), niederlande (die rona nishliu von 2013), deutschland (ja, ich vertrau auf natalies live-qualitäten,ihren bekanntheitsgrad in europa und die konkurrenzlosigkeit im club-anthem-sektor), italien (marco mengoni ist einfach ein unglaublicher performer) und russland (vergleichbar mit drip drop und dieses jahr die stärkste schwedenballade)

    6 bis 11: griechenland, azerbaischan (weil die sich wieder da hin manipulieren werden), schweden, ukraine, uk & norwegen

  13. ich finde es gehört da mal ne regel her, dass so länder wie belarus, azerblabla und ungarn zwar mitmachen und auch gewinnen dürfen, aber als gastgeber aufgrund mangelnder gewährung der menschenrechte nicht zugelassen werden

  14. Laut esctoday kennen wir den italienischen Beitrag inzwischen – es ist Mengonis San-Remo-Siegertitel „L’Essenziale“. Gibt mir als erster italienischer Beitrag des 21. Jahrhunderts gar nichts, aber zum Hassen taugt er nicht, denke ich.

  15. Oh, ich steh auf wilde Prognosen! XD Ganz im Ernst, ich würde Armenien keineswegs als Nichtqualifikant abstempeln… Gor ist ein routinierter Performer mit einer starken Stimme, die den Juries gefallen dürfte, und die armenische Diaspora wird im Televoting den Rest erledigen – vor allem deshalb, weil Gor und seine Band relativ berühmt sind. Der Song ist zwar kein großer Wurf (ganz im Gegenteil :P), aber er ist dann doch „gefällig“ genug, um für einen Finaleinzug zu sorgen.

  16. Der italienische Beitrag klingt für mich sehr angenehm – nicht mehr und nicht weniger. Meine ungefähre Prognose für das Ergebnis der Big 5:
    Italien – ca. Platz 7
    Deutschland – ca. Platz 12
    Frankreich – ca. Platz 15
    UK – ca. Platz 17
    Spanien – ca. Platz 24

  17. Nun denn, dann will ich auch mal prognostizieren. Finde ich ehrlich gesagt ziemlich schwierig dieses Jahr (womit ich nicht sagen möchte, dass ich in der Vergangenheit mit Prognosen, die ich leichter fand, richtig gelegen hätte 😉 ).
    Nach Durchsicht zunächst meiner persönlichen Rangliste stelle ich fest, dass die Verteilung auf die Semis mir ziemlich ausgeglichen scheint, ja ich tatsächlich das erste Semi für das ein wenig stärkere halte. Das mache ich an 2 Kriteria fest: zum einen liegt der Durchschnitt der Platzierungen gemäß meiner persönlichen Liste bei 19,4 und damit leicht höher als die 20,4 aus dem 2. Semi oder gar der 20,5 der Big 5+. Zum anderen muss ich bereits meinen Platz 23 (HR) aus dem Finale ausschließen, da er mein Platz 11 aus dem ersten Semi ist, während mein Platz 25 (GR) noch durchkommt, da es mein 10. Platz im 2. Semi ist.

    Wenn es nach mir ginge, würde ich aus SEm1 1 mitnehmen:
    DK, SRB, RUS, MNE, CY, EST, A, UA, LT, NL (in dieser Reihenfolge), außerdem am liebsten HR, wenn dafür Schweden draußen bleiben könnte, was ja leider nicht geht.

    Was passiert real?
    Bei DK, RUS, SRB, UA und auch A bin ich mir ziemlich sicher, dass das ohne Probleme durchflutscht.Auch IRL wird wohl weiterkommen. Dann wird es schon schwieriger. Ich weiß nicht, ob hier nur der Wunsch vater des Gedankens ist, aber aufgrund ihrer Ungewöhnlichkeit sehe ich Chancen für NL und HR. Ganz unsicher bin ich mir bei den lezten beiden. Eigentlich ist es fast unmöglich, da sie sich gegenseitig kannibalisieren dürften, aber ich hoffe auf CY und EST. Wenn es nur eins von beiden wird, dann vielleicht noch SLO.

  18. Weiter zum 2. Semi.
    Ich würde selbst gern BG, AL, IL, N, RSM, CH, H, ARM, MK und meinetwegen noch GR mitnehmen. Das dann folgende IS funzt ja nicht mehr, weil Schweden und Italien Finalplätze blockieren.

    Natürlich wird das so nicht passieren. Ich denke, in Realität geschieht Folgendes:
    Als sichere Weiterkommer sehe ich FIN, GR, IL, N, RSM und CH. Danach wird es schwieriger. Ich tippe mal auf H, hoffentlich auch BG und MK. Des weiteren wird sich vermutlich GE nicht vermeiden lassen, auch wenn mir das gar nicht gefallen würde.
    Vielleicht schafft es ja doch AL anstelle eines der Letztgenannten. Würde mich sehr freuen.

  19. Und nun noch der Finaltipp:
    Meine eigenen Top Ten sind (momentan):
    10 CH
    9 RSM
    8 F
    7 N
    6 IL
    5 SRB
    4 AL
    3 E
    2 BG
    1 DK

    Auch wenn ich nicht glaube, dass viele davon Chancen haben (Albanien und vielleicht Bulgarien werden womöglich gar nicht das Finale erreichen), bin ich dieses jahr recht zuversichtlich, dass meine Nummer Eins tatsächlich gewinnen wird. Jedenfalls kann ich mir die Sieggerreprise von „only teardrops“ schon sehr gut ausmalen. 🙂

  20. Äh…und wer soll das entscheiden? Wo ist die Grenze?

    More to the point, warum sollten diese Länder dann überhaupt noch mitmachen? Viele Länder sind doch dabei, um sich präsentieren zu können, weil man ansonsten so gut wie nichts von ihnen hört. Und diese Länder sollen es sich bieten lassen, dass man ihnen sagt „oh übrigens, die beste Gelegenheit zur Präsentation fällt aus, weil uns die Einstellung eurer Regierung nicht passt“? Nein. Entweder ganz oder gar nicht – wer mitmachen darf, darf im Siegesfall auch ausrichten.

  21. Stimmt vieles von dem, was Du schreibst. Die Ironie ist auch cool, die vielen Anspielungen auf undemokratische Verschlimmbesserungen sind gut nachvollziehbar. Aber leider machst du mal wieder den Fehler, einige Fakten umzudrehen. Zum Beispiel: Deutschland. Nein, der Fan nimmt Wiederholungen nicht übel. Das Ergebnis wird auch nicht von „Fans“ bestimmt, sondern von der breiten europäischen Televoter-Masse sowie den (ja, eher konservativ gestimmten) Juries. Die haben im letzten Jahr unisono „Euphoria“ für toll gefunden. Und die werden in diesem Jahr trotz déjà vu „Glorious“ auch toll finden und dafür voten. Und folglich wird auch Bohlen’s Ex-Muse ziemlich weit vorne landen. Umgekehrt also wird ein Schuh daraus: WEIL der Titel so nahe an „Euphoria“ liegt, hat er per se gute Chancen. Ob aber beim rumänischen, finnischen, spanischen und belgischen TV-Zuschauer automatisch und sofort die Alarmglocken beim ersten Hören von „Glorious“ angehen, das wage ich eigentlich arg zu bezweifeln. Die dralle Blonde mit der Teutonenstimme wird’s auch so richten. Da brauchen wir uns dieses Jahr sicher nicht zu verstecken.

    Du führst Düsseldorf 2011 als Paradejahrgang an für musikalische Unterdurchschnittlichkeit? Woher bitte nimmst Du diese Annahme denn ? OK, ausser Dana International und den Hupfdohlen aus Moldawien waren sehr viele astreine Beiträge dabei, die fast schon kleine Evergreens geworden sind (Belgien, Finnland, Dänemark, Irland, Russland, uvm.) Und daß eine wohlinszenierte eurovisioneske Liebesballade am Ende den Sieg davon getragen hat, ist kein Indiz für paneuropäischen Nullachtfuffzehn Geschmack. Die Europäer haben auch „Molitva“ siegen lassen und „Hard Rock Hallelujah“. Schon verrückt, diese europäischen Musikfans, oder ?

  22. MENNO! Wo ist mein toller Kommentar von vorgestern abend zu diesem Artikel? Aufgefressen? Muss ich das jetzt echt alles nochmal schreiben? 🙁

  23. „Molitva“ war genauso wohlinszeniert wie „Running Scared“, nur auf andere Weise, und „Hard Rock Hallelujah“ war ein klassischer Eurovisionsschlager unter einer Monstermaske (wie „richtiger“ Metal beim ESC abschneidet, kann man eher Teräsbetoni oder Kabát fragen).

    Und die Europäer stehen auf Wiederholungen? Warum wurde Eric Saade Dritter, während Tooji ein Jahr drauf mit 7 Punkten und Platz 26 zufrieden sein musste? So massiv unterschiedlich waren die beiden Lieder wirklich nicht.

    2011 war ein Jahrgang ohne wirklichen Favoriten, insofern ist der Vergleich gerechtfertigt. Wenn der Sieger ein Jahr drauf mit seinem Punktergebnis nur knapp die Top 3 geknackt hätte und der Jurysieger mit einem zweistelligen Punkteergebnis von den Televotern immer noch Zweiter wird, gab es eben niemanden, der ganz Europa mitgerissen hat. Das war in allen anderen Jahren seit 2004 anders, ausgenommen vielleicht 2005.

  24. Ich sehe dieses Jahr einen Favoriten, nämlich die dänische Waldfee! Auch wenn das gewissermaßen auch eine Wiederholung wäre (ihr Wald ist jedoch nicht so düster wie der von Loreen), dürfte sich das meiner Meinung nach ohrwurmigste Lied des Jahres durchsetzen und den ESC einmal über die Öresundbrücke lotsen. Apropos Wiederholung: ich sehe bei Glorious keine Gefahr des Missfallens beim europäischen ESC-Gucker aus eben diesem Grund. Es könnte sogar für eine Platzierung im Bereich 5-7 reichen.
    Neben Dänemark ist es schwer, weitere Favoriten auszumachen. Songs mit Potential für die vorderen Plätze sind für mich Griechenland (der balkaneske Ska-Hit des Jahres) und Russland (vielleicht mal wieder mit etwas mehr Zuspruch aus den Ex-Sowjet-Staaten?).
    Aserbaidschan dürfte dieses Jahr von der Abwesenheit des türkischen Bruderstaates profitieren, wenn die türkischen Diaspora-Wähler trotzdem den Fernseher einschalten.
    Ansonsten sind ein paar echte Wundertüten dabei, allen voran Norwegen und Niederlande, die erstklassige, aber vielleicht etwas zu sperrige Songs ins Rennen schicken. Hier sehe ich Norwegen dennoch recht sicher im Finale und den Top Ten. Bei Anouks Birds bin ich mir leider nicht so sicher und hoffe dennoch sehr auf ein gutes Abschneiden. Wenn ein derartiges popmusikalisches Kleinod à la Lana Del Ray beim ESC gegen Balladen-Einheitsbrei und Blockvoters Lieblinge durchfällt muss man fast schon um die Glaubwürdigkeit der ganzen Veranstaltung bangen. Also Daumen drücken für Oranje, dieses Jahr haben sie es wirklich verdient was zu reißen!
    Was den Finaleinzug an sich angeht drücke ich auch der moldawischen Maya-Beschwörerin Aliona und den Letten von PeR die Daumen, wobei ich ersterer bei möglichst wenigen schiefen Tönen gute Finalchancen (und dort einen ordentlichen Mittelfeldplatz), und letzteren nur Außenseiterchancen auf den Finaleinzug zurechne.
    Abgesehen davon, dass ich von einem hohen dänischen Favoritensieg ausgehe, dürfte es vor allem in den Halbfinals ein spannender Jahrgang werden, lassen wir uns überraschen!

  25. Die türkische Diaspora wird, wenn das so läuft wie 2011 (als die Türkei zwar dabei war, aber im Halbfinale hängenblieb), ganz entschieden nicht für den Bruderstaat anrufen. Oder warum bekam „Running Scared“ seine Punkte kaum bis gar nicht aus den klassischen Diaspora-Ländern, unter anderem 0 Punkte aus Deutschland?

Oder was denkst Du?