Rumänien: Graf Zahl singt vom Leben eines Kastraten

Cezar heißt er, der Sieger der rumänischen Vorentscheidung. Ob er sich vom Cesar’s Salad zu diesem Namen inspirieren ließ? Denn audiovisuell handelt es sich ganz klar um Malena Ernman (SE 2009), gefangen im Körper eines Kellners in einem italienischen Pseudo-Edelrestaurant! Zu campen Dancebeats und begleitet von  vier jugendlichen Tänzer/innen in loreenesken Kostümen knurrt und jodelt sich der tragische Countertenor durch den futtigen Bekenntnissong ‚It’s my Life‘ und zieht dabei Grimassen, als habe er verdorbene Lasagne gegessen. Es ist schlichtweg zum Piepen und bereits jetzt ein heißer Anwärter für die Clipgold-Sammlung der unfreiwillig lustigsten Eurovisionsauftritte aller Zeiten! Bravo, Rumänien und heißen Dank für den so dringend benötigten Lacher in diesem Jahr der drögen Juryballaden!


All the Pain, all the Joy it brings!

Cezar setzte sich als klarer Sieger des Televoting und Drittplatzierter bei der Jury nur arschknapp mit einem Pünktchen Vorsprung gegen die fabelhafte Bukovina-Kapelle Electric Fence mit dem Knallersong ‚Emilia‘ durch, mit dem das Land meiner Meinung nach in Malmö tatsächlich hätte etwas reißen können (und der unbedingt auf den nächsten Quentin-Tarantino-Soundtrack gehört). Und das übrigens auch nur, weil Cezar nach der Addition aller Juryvoten zwar gleichauf mit der lebenserfahrenen Elena Cârstea Muttart lag, die mit ‚Spinning‘ eine heiser gekrächzte, aber berührende Hausfrauen-Midlifecrisis-Ballade im Stile von Marianne Faithfuls ‚Ballad of Lucy Jordan‘ vergeigte, aber dennoch einen Punkt mehr bekam. Mit dem dritten Platz im Gesamtranking begnügen musste sich die Vertreterin von 2005, Luminita Anghel, die mit ‚Unique‘ eine in der Tat einzigartige Musicalnummer zu Gehör brachte, im Gesicht allerdings erschreckend aufgequollen und verbittert aussah, wovon auch die vier leckeren männlichen Tänzer nicht abzulenken vermochten.


Okay, die Minnie-Maus-Frisur hätte es echt nicht gebraucht!


I’ve been to Paradise, but I’ve never been to me

Ganz am Tabellenende landete mit Narcis Iustin Ianău der zweite Countertenor des Abends: ein Jüngelchen mit einem sperrigen Experimentalsong, so einer Art gesungenem Improvisationstheater. Womöglich zeigten sich die Juroren vergrätzt, weil des Narziß gemischtgeschlechtliches Tänzertrio hinter ihm Dinge tat, die mir die Schamesröte ins Gesicht treiben, während er um sein Leben krisch. Ein wenig Angst machte mir übrigens der Pausenprogrammauftritt der weißrussischen Vertreterin Alyona Lanskaya, die erstmals (natürlich teilplayback) ihren neuen Eurovisionstitel ‚Solayoh‘ präsentierte. Und dabei die Augen so stark aufriß, als sei sie entweder ein Robocop oder als habe sie Dima Bilans geheime Koksvorräte entdeckt. Alles in allem also ein hoch vergnüglicher und unterhaltsamer Abend aus Bukarest. Schade, dass wir auch 2014 nicht dort hinreisen werden!


Zum Bond-Girl dürfte es trotz Allem nicht mehr reichen


Da, bei Minute 0:53 – darf man das im Fernsehen zeigen?

Was sagst Du: kommt Graf Zahl ins Finale?

  • Ha ha, guter Witz! Gilt übrigens auch für den Song! (76%, 66 Votes)
  • Doch, ich glaube, gerade weil es nicht noch eine weitere Ballade ist. (16%, 14 Votes)
  • Als Tenor könnte er bei den Jurys abräumen. Das reicht aber nicht. (8%, 7 Votes)

Total Voters: 87

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9 Gedanken zu “Rumänien: Graf Zahl singt vom Leben eines Kastraten

  1. Die rumänische Wahl geht schon in Ordnung. Wie immer lagen meine eigenen Präferenzen näher an denen der Jury (kann mir mal irgend jemand sagen, was dem rumänischen Publikum so an Casa presei gefällt???), und für einige Zeit glaubte ich sogar, dass mein Top-Favorit Electric Fence letztlich das Rennen machen würde, aber Cezar lag im Juryvotum eben auch relativ hoch, was auch voll in Ordnung geht, denn er trifft zwar nicht meinen persönlichen Geschmack, sachlich ist aber gegen ihn absolut nichts einzuwenden.
    Ordentliche Wahl, Rumänien (aber sehr langatmige Veranstaltung), immer was Kantiges anbieten, auch wenn man damit null Gewinnchancen hat, das liebe ich.

  2. Das mit dem Punktegleichstand zwischen Cezar und Elena bei der Jurywahl war mir gar nicht aufgefallen. Hab mir aufgrund des von Dir Geschriebenen gerade nochmal die Aufnahme angesehen. Echt knapp. Aber sie werden schon irgend eine Tie-Break-Regel haben. Und selbst wenn nicht, dann hätte Cezar eben am Schluss nur mit einem halben Punkt Vorsprung gewonnen.
    Aber ärgern werde ich mich trotzdem nicht.

    Ein wenig ärgerlich bin ich nur für den Ausgang des schwedischen Mello. Nicht, dass mir auch nur irgendeiner der verbliebenen Kandidaten etwas bedeutet hätte. Aber anstatt dass jetzt so etwas absolut Nichtssagendes gewonnen hat (und das auch noch über die Second Chance; die spinnen, die Schweden, die hatten ihn doch bereits abgewählt ?!?), hätte ich ihnen aus Schadenfreude viel lieber sowas wie „en riktig jävla schlager“ gegönnt.

  3. Es gibt also doch noch neben „Alcohol Is Free“ einen weiteren Beitrag, der da ein wenig aus der Reihe tanzt…

    Ein richtiges Geheule, bei dem man sich im ersten Moment an Israel 2004 erinnert fühlt…

    Und wenn man Cascada am Start hat, kann man sich über ein Jahr voller dröger Juryballaden nicht beschweren 🙂

  4. grauenhaft. mit stellt sich der nacken vor lauter fremdschäm,, wenn ich mir das angucken muss. billigste, tuntigste operettenattitüde. da ist ja das rumgejaule noch das erträglichste. mein hassbeitrag dieses jahr. platz 528 von 39 teinehmern. unerträglich. das tut richtig weh.

  5. Hat sich also immer noch nicht überall herumgesprochen, dass Countertenöre beim ESC nicht funktionieren. Schade.

  6. Achja, und obendrein empfinde ich Narcis als den unterhaltsameren Countertenor. Wahrscheinlich wegen dem beinahe schon estnisch-experimentellen Klangteppich.

  7. Ich kann mich Andreas hier nur anschließen, mir ist die Suppe aus dem Mund gespritzt vor lauter Horror – grässlicher Song, völlig unharmonisch im Ablauf, dann noch dieser hässliche Dracula bei dem selbst das Blut gerinnt – fürchterlich – Rumänien kommt diesmal nicht ins Finale – arggggggggggggggggggggggg

  8. Hatte zwar andere Favoriten („Emilia“, „Spinning“, „What Is Love)“ – aber „It’s My Life“ ist zumindest keine schnarchige Ballade. 😉 Hut ab vor dem Mut der rumänischen Televoter.

  9. Wie bescheuert ist dann denn? Electric Fense ist so genial. Ganz toller Song, interessante Interpretin, schöner Sound, gute Performance und dann schicken die so ein nerviges unrundes Teil. Tzs – Dann eben nicht ins Finale, selber schuld!

Oder was denkst Du?