ESC Fina­le 2013: Bei jedem Kuss

Eurovision Song Contest 2013 LogoNun liegt er also hin­ter uns, der Euro­vi­si­on Song Con­test 2013. Etli­che Ände­run­gen nah­men die schwe­di­schen Ver­an­stal­ter am bestehen­den Kon­zept vor, selbst­re­dend beglei­tet von reflex­haf­tem Welt­un­ter­gangs­ge­jam­mer der Fans: eine deut­lich klei­ne­re Hal­le gab es, kei­ne LED-Orgie bei der Beleuch­tung, nur Steh­plät­ze im Innen­raum, ein ver­än­der­tes Stimm­aus­zäh­lungs­ver­fah­ren und eine hand­ge­mach­te Start­rei­hen­fol­ge. Und was soll man sagen: die Welt ging nicht unter – im Gegen­teil ent­pupp­te sich die Show aus Mal­mö als inti­mer, freund­li­cher, run­der. Was vor allem der groß­ar­ti­gen Selbst­iro­nie geschul­det ist, mit der die gast­ge­ben­den Schwe­den sich selbst und den Con­test sanft auf die Schip­pe nah­men. Sei­en es die fabel­haf­ten Ein­spie­ler von Sarah Dawn Finer als Lyn­da Woo­d­ruff, Mode­ra­to­rin Petra Mede selbst oder der zum Brül­len komi­sche Kurz­auf­tritt der Euro­vi­si­ons­le­gen­de Caro­la, die sich als Part des Inter­val Acts von ihrem Mar­ken­zei­chen, der Wind­ma­schi­ne, zu ‘Fångad av en Storm­vind’ von der Büh­ne pus­ten ließ. Und damit auch bei mir, einem beken­nen­den Caro­la-Has­ser, Cool­ness­punk­te erwarb. 


Kann ich gar nicht oft genug sehen: der Fall der Schla­ger­he­xe (bei 7:35 Min.)

Sehr schön auch die wit­zi­gen Anspie­lun­gen von Frau Mede gegen­über den Fans in der Hal­le (“Dan­cing Queens”, “You just haven’t met the right Girl yet”), wie auch die schwu­le Hoch­zeit (inklu­si­ve mann-männ­li­chem Kuss) im Schwe­den-Med­ley. In Russ­land und Aser­bai­dschan implo­dier­ten an die­ser Stel­le ver­mut­lich die Bild­schir­me; die Tür­kei war ja im Vor­feld schon auf­grund des les­bi­schen Kus­ses zwi­schen der Fin­nin Kris­ta Sieg­frids und einer ihrer Chor­sän­ge­rin­nen aus der Über­tra­gung aus­ge­stie­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund fiel es schwer, sich beim zeit­wei­li­gen Abstim­mungs­zwei­kampf zwi­schen Däne­mark und Aser­bai­dschan für eine Sei­te zu ent­schei­den: schlim­mes Sie­ger­lied oder schlim­mes Sie­ger­land? Aber arbei­ten wir uns von hin­ten nach vor­ne durch.


Blöd, wenn die Backings mehr Auf­merk­sam­keit erre­gen als der Sän­ger

Denn so lang­wei­lig, weil so vor­her­sag­bar, der Sieg von Emme­lie de Forest, so über­ra­schend zum Teil die Ergeb­nis­se am ande­ren Ende der Tafel. Mit Leder­maid Ryan Dolan und sei­nen kna­cki­gen Trom­mel­tän­zern lan­de­te einer der Fan­fa­vo­ri­ten mit mage­ren fünf Pünkt­chen auf dem aller­letz­ten Platz – und das von Start­po­si­ti­on 26 aus! Mich lenk­ten die drei durch­trai­nier­ten, halb­nack­ten, kör­per­be­mal­ten Instru­men­ten­dre­scher ziem­lich davon ab, dass dem iri­schen Bei­trag ‘Only Love sur­vi­ves’ bereits nach einer Minu­te die Ide­en aus­ge­hen und dass der an den jun­gen Bul­ly Her­big erin­nern­de Ryan nicht gera­de vor Cha­ris­ma trieft. Scho­ckie­rend auch Rang 24 für die immer­fröh­li­che Kris­ta und ihren musi­ka­li­schen Hoch­zeits­an­trag. Dass sie die­sen über­wie­gend abschlä­gig beschie­den, spricht lei­der wahl­wei­se für die Homo­pho­bie oder die Humor­lo­sig­keit der Euro­pä­er. Es wäre mal eine Unter­su­chung wert, ob die­se bei­den nega­ti­ven Eigen­schaf­ten nicht sogar Hand in Hand gehen.


Wen schickt Groß­bri­tan­ni­en als nächs­tes, Liza Minel­li?

Ver­ständ­li­cher schon das schlech­te Abschnei­den von vier Fünf­teln der Big Five. ESDM aus ES (El Sue­ño del Mor­feo aus Spa­ni­en) lie­fer­ten mit ‘Con­ti­go has­ta el Final’ das 2013-Der­vish-Desas­ter-Update: ein ster­bens­lang­wei­li­ges, kel­tisch gepräg­tes Lied, die Lead­sän­ge­rin in einem Kleid in augen­weh­gelb, getoppt vom Voll­ver­sa­gen der Stim­me. Die brit­sche Acht­zi­ger­jah­re­le­gen­de Bon­nie Tyler, unter dem vie­len Botox kaum wie­der zu erken­nen, lie­fer­te zwar eine im Ver­gleich zu frü­he­ren Auf­trit­ten gute Liveper­for­mance, die mich fast ver­ges­sen ließ, was für ein unglaub­lich schlich­tes und ödes Lied sie sich mit ‘Belie­ve in me’ andre­hen ließ. Bezie­hungs­wei­se ver­such­te, das Euro­pa anzu­dre­hen. An der Art und Wei­se, wie sie den Cat­walk zur Satel­li­ten­büh­ne bedien­te, hät­te sich unse­re Nata­lie Hor­ler von Cas­ca­da indes eine Schei­be abschnei­den kön­nen. Auch hier zeig­te sich im Nach­hin­ein, über wel­che ande­re Wahr­neh­mung man als Fan, der alle Titel schon hun­dert­mal gehört hat, gegen­über dem durch­schnitt­li­chen Sams­tag­abend­zu­schau­er ver­fügt und wie sehr man sich davon in die Irre lei­ten lässt.


We are young and hard and we’re free: guter Song für einen Gay-Por­no

Denn beim aller­ers­ten Hören, ich erin­ne­re mich, hielt ich ‘Glo­rious’ noch für durch­schnitt­li­chen Kir­mes­tech­no – eine will­kom­me­ne Abwechs­lung im See der Bal­la­den zwar, aber nichts Her­aus­ra­gen­des. Zwi­schen­zeit­lich hat­te ich mir die Num­mer schön­ge­hört, auch auf­grund der sym­pa­thi­schen Aus­strah­lung von Won­ne­prop­pen Nata­lie. Um so ent­täu­schen­der der 21. Platz für Deutsch­land. Schaut man sich den Auf­tritt mit ein paar Tagen Abstand noch mal an, dann fällt einem doch die sehr unglo­riö­se, schlich­te Show­trep­pe auf, die eher in die Mehr­zweck­hal­le Oer-Erken­schwick passt als auf eine Euro­vi­si­ons­büh­ne; der fleisch­far­be­ne Fet­zen, der hin­ten aus Nat­tys gol­de­nem Kleid­chen hing und ein wenig an eine Recy­cling­toi­let­ten­pa­pier­fah­ne erin­nert; sowie ihr etwas unbe­hol­fe­nes Galop­pie­ren über den Cat­walk. Stamp­fen­de Deut­sche und Schwe­den, das ging noch nie gut, wie Joy Fle­ming aus bit­te­rer eige­ner Erfah­rung berich­ten kann. Erschwe­rend kommt hin­zu, dass Nat­ty den Text der ers­ten Stro­phe und des ers­ten Refrains immer ein biss­chen vor der Musik sang.


Das Fran­sen­kleid­chen pass­te nicht so zum Taran­ti­no-Sound

Was nicht heißt, dass ‘Glo­rious’ nicht eine deut­lich bes­se­re Plat­zie­rung ver­dient hät­te! Wie auch ‘L’Enfer et moi’, der fran­zö­si­sche Bei­trag. Mit der Zutei­lung die­ses eher düs­te­ren, aggres­si­ven Songs auf die Start­po­si­ti­on 1 führ­te das schwe­di­sche Fern­se­hen die arme Arman­di­ne Bour­geois in vol­lem Bewusst­sein dem vir­tu­el­len Scha­fott zu. Da konn­te sich die baby­spe­cki­ge Rocker­braut noch so viel Mühe geben und ihren Song mit wun­der­bar aggres­si­ver Hin­ga­be raus­rot­zen – die Saat fiel an die­ser Stel­le auf tro­cke­nen Boden. Im hin­te­ren Drit­tel lan­de­ten auch, wenig über­ra­schend, die Titel, deren Ein­zug ins Fina­le an sich Anlass zum Erstau­nen gaben. Sei es der knuf­fi­ge litaui­sche Kif­fer mit der gei­len Leder­ja­cke und den schmerz­brin­gen­den Schu­hen, Andri­us Poja­vis; die bis zum Hirn­still­stand öden arme­ni­schen Rocker Dori­ans (da schaue ich ja lie­ber Wand­far­be beim Trock­nen zu!) oder die Schwan­ge­re aus Est­land, bei der sich selbst die Sen­de­an­ten­nen der EBU der­ar­tig lang­weil­ten, dass ihnen die Far­be aus dem Gesicht fiel und Bir­git Õigemeel die ers­te Stro­phe in schwarz­weiß sin­gen muss­te.


Was zur Höl­le ist ein ‘Sta­te of Blea­se’?

Bunt­ge­mischt das Mit­tel­feld: Island ent­wi­ckelt in den letz­ten Jah­ren ein Händ­chen für die gro­ße, dra­ma­ti­sche Euro­vi­si­ons­bal­la­de, wie ich sie mag. Beson­ders, wenn sie von voll­bär­ti­gen, blon­den Wikin­gern wie Eyþór Ingi gesun­gen wird. Aber auch ‘Ég á Líf’ erfand das Gen­re nicht neu, wenn ich mal kurz die Augen zu mache und ehr­lich bin. Eben­so wie ‘Soleyah’, der von einem Bel­gi­er geschrie­be­ne Eis­wer­be­song, mit dem Weiß­russ­land ver­such­te, latein­ame­ri­ka­ni­sche Rhyth­men und cam­pen Spaß zu imi­tie­ren.  Das klapp­te im Fina­le sogar ein biss­chen bes­ser als im Semi, weil Alyo­na Lanska­ya in ihrem Lamet­ta-Bast­röck­chen deut­lich weni­ger ver­krampft wirk­te – kein Wun­der, bedeu­te­te der Final­ein­zug doch, dass sie bei der Rück­kehr nach Minsk nicht zur Stra­fe in der Koh­len­mi­ne lan­det. Noch fremd­be­stimm­ter als die Bela­rus­sin exe­ku­tier­te das geor­gi­sche Pär­chen Nodo & Sophie sei­nen schlei­mi­gen Schmacht­fet­zen ‘Water­fall’, der lobo­to­mier­te und ste­ri­li­sier­te 2013er Nach­zie­her von ‘Run­ning sca­red’ und genau so geschmack­los wie “län­ger­fri­sche” Milch.


Kle­men­ti­ne hat ange­ru­fen und will ihre Arbeits­klei­dung zurück

Auf pos­sier­li­che Wei­se unter­halt­sam hin­ge­gen die jodeln­de schwe­di­sche Leber­wurst Robin Stjern­berg, der in einer Art schwu­lem Labor­kit­tel auf­trat, flan­kiert von zwei lecker anzu­schau­en­den bezopf­ten Tän­zern, deren Cho­reo­gra­fie nicht das Gerings­te mit den win­se­li­gen Tönen von ‘You’ zu tun hat­te. Immer­hin sang Rob­be Fem­berg deut­lich unfall­frei­er als noch beim Mel­lo. Rela­tiv unfall­frei ging auch die rumä­ni­sche Num­mer von­stat­ten – und strahl­te den­noch die mor­bi­de Fas­zi­na­ti­on einer Mas­sen­ka­ram­bo­la­ge aus. Neben dem Dra­cu­la­cape mit der Swa­rov­ski­krus­te und dem Blut­bad auf dem Büh­nen­bo­den war es vor allem die Ernst­haf­tig­keit und die ange­streng­ten Gri­mas­sen, mit wel­chen der tra­gi­sche Coun­ter­te­nor Cezar sein ret­tungs­los schrä­ges ‘It’s my Life’ dar­bot, was das Gan­ze so unglaub­lich lus­tig mach­te. Ein Auf­tritt für die Ewig­keit! Blöd für ihn, dass sei­ne Qua­si­lands­frau Alio­na Moon aus Mol­da­wi­en, die sich des glei­chen Hebe­büh­nen­ef­fek­tes bedien­te wie er, in der Start­rei­hen­fol­ge weit vor ihm kam. Und das deut­lich schö­ne­re Kleid trug.


Gera­de aus dem Ute­rus gekro­chen und schon voll ent­wi­ckelt: Cezars Wun­der­kin­der

Ver­schie­de­ne Vari­an­ten der Spiel­art “pos­sier­lich” bedien­ten auch die Bei­trä­ge Bel­gi­ens, Ungarns und Mal­tas. Der kno­pf­äu­gi­ge und mopp­fri­su­ri­ge Rober­to Bel­la­ro­sa wirk­te ein wenig ver­lo­ren, wie er so auf der Büh­ne stand und auf Freng­lisch etwas von ‘Love kills’ sang, wäh­rend zwei zickig drein­bli­cken­de Frau­en um ihn her­um den Tanz der Schei­den­pil­ze auf­führ­ten. Eine ver­steck­te Safer-Sex-Bot­schaft (“Wai­ting for the bit­ter Pill”)? Die zwölf deut­schen Punk­te an Bye­Alex set­zen irgend­wie sämt­li­che bestehen­den Grand-Prix-Geset­ze außer Kraft: da steht ein offen­sicht­lich autis­ti­scher Jun­ge in einer Non­kon­for­mis­ten­uni­form, schaut so gut wie nie in die Kame­ra und mur­melt zu einer völ­lig unauf­dring­li­chen Begleit­me­lo­die  eine lyri­sche Lie­bes­er­klä­rung (“Mein Herz­blatt ist ein Mäd­chen, von Wöl­fen auf­ge­zo­gen”) in einer völ­lig unver­ständ­li­chen Spra­che ins Mikro­fon, wäh­rend im Hin­ter­grund schril­le Comic­fi­gu­ren über den Bild­schirm flie­gen und ein Beat sanft vor sich hin puckert. Ein Rezept für den letz­ten Platz, und den­noch hat­te das Gan­ze etwas total Ergrei­fen­des und Erha­be­nes. Viel­leicht, weil Alex Már­ta im Ver­gleich zu den vie­len ande­ren auf­ge­bla­se­nen Mario­net­ten des Abends so schlicht, so ver­letz­lich und auf­rich­tig her­über kam.


“Meat much march”: man ver­steht nichts, weiß aber, er meint es ernst

Mensch­lich und her­zig wirk­te auch Mal­tas Grin­se­pe­ter Dr. Gian­lu­ca Bez­zi­na, dem vor lau­ter Auf­re­gung bei­na­he die Stim­me weg­brach, der sein harm­los-fröh­li­ches ‘Tomor­row’ aber den­noch mit Anstand über die Büh­ne brach­te. Etwas weni­ger fröh­lich: die ster­ben­den ‘Vogels van Hol­land’. Anouk lächel­te den­noch die gan­ze Zeit anmu­tig wie die Mona Lisa: kein Wun­der, wenn man die Wan­gen­kno­chen von Cher sein eigen nennt und sein schwer gebeu­tel­tes Hei­mat­land das ers­te Mal seit gefühlt hun­dert Jah­ren wie­der ins Fina­le füh­ren konn­te! Anouk glitt auf einer Wel­le posi­ti­ven Kar­mas auf ihren Top-Ten-Platz: hat­ten die Nie­der­lan­de doch bereits einen Tag vor dem Semi ihre erneu­te Teil­nah­me am Grand Prix für 2014 bestä­tigt. So geht man wür­de­voll mit einer Durst­stre­cke um, lie­be deut­sche Dau­ernörg­ler!


Man trägt wie­der Ohr!

Schö­ne Süd­län­der bevöl­kern die Rän­ge 7 und 6 im Fina­le: Mar­co Menin­gi­tis Maro­ni Men­go­ni ließ lei­der den inne­ren Ott Lep­land durch­drin­gen und glitt wäh­rend sei­nes Vor­trags von ‘L’Essenziale’ immer mal wie­der ins freie Impro­vi­sie­ren ab. Wie bei der est­ni­schen Hasen­pfo­te bin ich aber auf­grund sei­nes bezau­bern­den Äuße­ren geneigt, ihm dies nach­zu­se­hen. Dass er stets osten­ta­tiv an der Kame­ra vor­bei­starr­te, ist ver­mut­lich der RAI geschul­det, die sich fürch­te­te, den Con­test in Rom aus­tra­gen zu müs­sen, soll­te der glut­äu­gi­ge Beau uns einen Schlaf­zim­mer­blick zuviel zuwer­fen. Noch mehr rau­en Sex­ap­peal brach­ten die fünf berock­ten Jungs von Koza Mos­tra auf die Büh­ne. Bei ihrem fan­tas­ti­schen Rebe­ti­ko-Ska-Mix bin ich mal beson­ders auf den Jury-Tele­vo­ting-Split gespannt, ver­mu­te ich doch, dass das klam­me Grie­chen­land sei­ne letz­ten Cents an diver­se Juro­ren ver­teil­te, auf dass sie ‘Alco­hol is free’ unbe­dingt her­ab­wer­ten mögen!


Ich will so ein Out­fit! (Mit dem Lead­sän­ger drin!)

Geme­cker kam hin­ge­gen bereits aus Russ­land, wo man sich für die brech­reiz­er­re­gend ver­lo­ge­ne Welt­frie­dens­bal­la­de ‘What if’ offen­sicht­lich mehr aus­rech­ne­te als den fünf­ten Platz. Und auch, wenn ich den heuch­le­ri­schen San­ges­schleim und die alber­nen Leucht­ku­geln von Dina Gari­po­va (also, nicht ihre, son­dern die ihrer Begleit­sän­ger. Also nicht deren, son­dern die, die sie ins Publi­kum war­fen, sie wis­sen schon) mit jeder Faser mei­nes Her­zens has­se, so muss ich mir an die­ser Stel­le ein gewis­ses Heuch­ler­tum selbst ein­ge­ste­hen: mag ich doch bei­spiels­wei­se das kei­nen Jota weni­ger ver­lo­ge­ne ‘We are the World’ von USA for Afri­ca. Oder, um beim Grand Prix zu blei­ben, Nico­les ‘Ein biss­chen Frie­den’. Und die Rus­sen haben ja nicht Unrecht: Auf­ga­be der Jurys ist es, ihnen Punk­te zu klau­en. Die Tür­ken haben das bereits gemerkt, ich bin gespannt, wie lan­ge Putin die euro­vi­sio­nä­re Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft noch hin­nimmt.


Hat die Zukunft auf der Zun­ge (schluckt sie auch?)

Mar­ga­ret Ber­ger wirk­te am Sams­tag gar nicht mehr so fros­tig wie sonst, bei­na­he schon ein wenig ange­taut. Reich­te es des­halb trotz des her­vor­ra­gen­den Start­plat­zes für ‘I feed you my Love’ nur für den vier­ten Platz? Ihren SM-Song hät­te ich ger­ne am Ende des Abends noch ein­mal gehört, aber auch so trug sie zur musi­ka­li­schen Moder­ni­sie­rung des Wett­be­werbs bei. Bit­te, lie­be Ukrai­ne: Prin­zes­sin Zla­ta müsst ihr bei Gele­gen­heit wie­der schi­cken! Fan­tas­ti­sches Aus­se­hen, eine gran­dio­se Stim­me und eine bei­na­he schon über­ir­di­sche Aus­strah­lung: wenn sie das nächs­te Mal einen noch etwas run­de­ren, in sich stim­mi­ge­ren Song mit­bringt als das etwas ver­spon­ne­ne (“Not­hing comes from Pri­de but Pri­de”) ‘Gra­vi­ty’, bringt sie Euch die Tro­phäe wie­der heim. Den sanf­ten Rie­sen könnt ihr dann zu Hau­se las­sen, der lenkt näm­lich nur ab. Und das hat­te die­ser Song nicht nötig!


Ups, ein Fleck auf der Hüf­te! (Bei 0:40 Min)

Im Gegen­satz zu ‘Hold me’. Den haupt­säch­lich von gut ver­steck­ten schwe­di­schen Chor­sän­gern inter­pre­tier­ten Pop­song aus grie­chi­scher Feder gehört zu der Sor­te Lie­der, die man sofort kennt, auch wenn man sie zum ers­ten Mal hört. Den­noch erwies sich der Titel als gut gewählt, lenk­te er nicht wei­ter von der spek­ta­ku­lä­ren Büh­nen­show ab, in der Mus­kel­pa­ket Farid Mam­ma­dov vol­ler Inbrunst sei­nen in einem Ple­xi­glas-Kubus ste­cken­den Dop­pel­gän­ger antanzt und sich auch von der her­an­na­hen­den roten Gefahr namens Frau nur kurz ablen­ken lässt. Mit ande­ren Wor­ten: der Ase­ri ist ein selbst­ver­lieb­ter Schrank­schwu­ler, in dem sich vie­le der in Mal­mö anwe­sen­den Fans selbst erken­nen dürf­ten. Nur, dass die­se den Schrank mehr­heit­lich schon längst ver­lie­ßen, mit Aus­nah­me viel­leicht von Vlat­ko Loza­no­ski.


About to explo­de: Farid steht mäch­tig unter Druck

Bleibt noch der bereits bei der fünft­letz­ten Län­der­wer­tung fest­ste­hen­de Sie­ger­ti­tel ‘Only Teard­rops’. Vom ers­ten Tag an als Favo­rit gesetzt (die Dänen lie­ßen sogar schon vor­her “Nächs­tes Jahr in Däne­mark”-Pla­ka­te zum Auf­hän­gen in Mal­mö dru­cken), hass­te ich den Song zunächst, wie so ziem­lich alle Seicht­songs der letz­ten 20 Jah­re aus dem Land der røden Pøl­ser, wobei der Titel noch zu den erträg­li­che­ren Bei­trä­gen Däne­marks zählt. Je näher der Con­test rück­te, des­to mehr schloss ich mei­nen Frie­den mit dem ver­mut­lich bei einer Grup­pen­sex­or­gie zwi­schen Lore­en (Out­fit), Elit­sa & Stoyan (Trom­meln), Secret Gar­den (Kel­ten­ge­flö­te) und Hele­na Papa­riz­ou (repe­ti­ti­ve Lyrics) ent­stan­de­nen Grand-Prix-Bas­tard von Emme­lie de Forest. Denn so rich­tig etwas aus­zu­set­zen gibt es an dem Titel nicht: es ist nett gemach­ter Durch­schnitts­pop, der nie­man­dem weh tut und auch bei mir nicht den drin­gen­den Impuls aus­löst, den Sen­der zu wech­seln. Son­dern mich schlicht­weg kalt lässt. Ande­rer­seits bin ich auch irgend­wie froh, dass der Con­test 2014 in Skan­di­na­vi­en, also dem demo­kra­tisch zivi­li­sier­ten Teil Euro­pas, bleibt. Daher: Glück­wunsch, Emme­lie!

ESC Fina­le 2013

Euro­vi­si­on Song Con­test 2013 – Fina­le. Sams­tag, 18. Mai 2013, aus der Mal­mö Are­na in Mal­mö, Schwe­den. 26 Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Petra Mede.
#LKInter­pretTitelPkt
gs
Pl
gs
Rkg
TV
Pl
TV
01FRAman­di­ne Bour­geoisL’Enfer et moi0142321,6825
02LTAndri­us Poja­visSome­thing0172216,7321
03MDAlio­na MoonO Mie0711116,5719
04FIKris­ta Sieg­fridsMar­ry me0132416,6820
05ESEl Sue­ño de Mor­feoCon­ti­go has­ta el Final0082522,9226
06BERober­to Bel­la­ro­saLove kills0711216,0317
07EEBir­git ŐigemeelEt uus saaks algu­se0192019,5924
08BYAlyo­na Lanska­yaSolayoh0481614,1113
09MTGian­lu­ca Bez­zi­naTomor­row1200810,9709
10RUDina Gari­po­vaWhat if1740506,8405
11DECas­ca­daGlo­rious0182115,8116
12AMDori­ansLone­ly Pla­net0411815,1115
13NLAnouk Teu­uweBirds1140911,7011
14ROCezar Oua­tuIt’s my Life0651307,4907
15UKBon­nie TylerBelie­ve in me0231917,0322
16SERobin Stjern­bergYou0621416,1918
17HUBye­AlexKedve­sem0841008,1908
18DKEmme­lie de ForestOnly Teard­rops2810104,9701
19ISEyþór Ingi Gunn­laugs­sonÉg á Líf0471713,0512
20AZFarid Mam­ma­dovHold me2340205,8603
21GRKoza Mos­tra + Aga­tho­nas Iako­vi­disAlco­hol is free1520606,0004
22UAZla­ta Ogne­vichGra­vi­ty2140305,6602
23ITMar­co Men­go­niL’Essenziale1260711,7010
24NOMar­ga­ret Ber­gerI feed you my Love1910407,1406
25GESopho Gelo­va­ni + Nodi­ko Tatish­vi­liWater­fall0501517,0823
26IERyan DolanOnly Love sur­vi­ves0052614,6214

13 Gedanken zu “ESC Fina­le 2013: Bei jedem Kuss

  1. Aber Däne­mark ist immer noch bes­ser als ein Land wie Russ­land oder Aser­bai­dschan, wes­we­gen wir dann auch im nächs­ten Jahr ver­mut­lich kei­ne poli­ti­schen Dis­kus­sio­nen über das Gast­ge­ber­land füh­ren müs­sen. Dann lie­ber das “schlim­me Sie­ger­lied” (obwohl es so schlimm gar nicht ist, im Ver­gleich zu Geor­gi­en z.B.).

    Ich hät­te es ja Finn­land am Meis­ten gegönnt, aber wenn es kei­nen Mons­ter­fa­vo­ri­ten wie “Eupho­ria” gibt, gewinnt eben der kleins­te gemein­sa­me Nen­ner und das war Gott sei Dank nicht Aser­bai­dschan oder Russ­land oder gar Geor­gi­en!

  2. Das ist ein rund­um gutes und gerech­tes Resü­mee!

    Lenas Ver­spre­cher ist zu ver­schmer­zen, sie hat schließ­lich in Nor­we­gen gewon­nen, da ist ihr Pat­zer nur all­zu ver­ständ­lich.
    Zu mei­nem Favo­ri­ten hat sich in den Tagen vor dem Event tat­säch­lich Ungarn etwi­ckelt. (Wer ist eigent­lich der nied­li­che Gitar­rist?) Der Titel hat Sog­kraft, der Text ist tat­säch­lich lus­tig Ninc, mast mosch… Ver­ste­he zwar nur “Bett­wä­sche”, aber egal.

  3. @Peter Ebstein: der aus­ge­spro­chen gut­aus­se­hen­de Gitar­rist heißt Dani­el Kővágó.

    Wobei mir Farid Mam­ma­dov rein optisch bes­ser gefällt. 😀

  4. Thnx für die Infor­ma­ti­on! Dani­el Kővágó gehört da mehr in mein Beu­te­sche­ma. Mam­ma­daov: ich weiß nicht, stö­ren mich da die all­zu­sehr aus­ge­präg­ten Augen­brau­en oder das azer­baitscha­ni­sche Geha­be… Wobei die Grie­chen auch lecker anzu­se­hen waren. Abtur­ner waren für mich – sor­ry, wenn ich es so direkt sage – die Paus­ba­cken aus Bel­gi­en und Schwe­den.

  5. Mal wie­der sehr tref­fend beob­ach­tet.

    Super Hal­le – Super Show.
    Von mir aus darf die Büh­ne noch klei­ner sein!
    Innen­raum, Mode­ra­ti­on, Caro­la, Schwe­den­mu­si­cal, Win­ner takes all von Sarah Dawn Finer – alles super!

    Sie­ger­lied lang­wei­lig aber o.k.

    Nata­lie hat den Auf­tritt lei­der ver­kackt. Und? Platz 10 wäre für sie sicher schö­ner gewe­sen aber ob 10 oder 21, eigent­lich völ­lig egal!

    Der Islän­der hat das Gegen­teil voll­bracht und gezeigt wie man aus einem lang­wei­li­gen Lied­chen Live ordent­lich was raus­ho­len kann. Alle Ach­tung!

    Mei­ne favo­rits Mar­co und Anouk auf Platz 7 und 9 🙁
    Aber auch hier: Ob Platz 3 oder 7 is jetzt auch nicht wirk­lich wich­tig!

    Geor­gi­en, Spa­ni­en und Rumä­ni­en – die schlimms­ten Auf­trit­te des Abends. Und “A-Sehr-Bai­dschan” auf 2? Ver­steh ich gar nicht. Muss ich ja auch nicht =P Außer­dem schlimm: Die Hose vom Iren, Robins Jacke.

    Dan­ke für viel neue Musik, vie­le neue Künst­ler (auch aus den VEs)

    Freu mich auf nächs­tes Jahr – mit oder ohne Frank­reich, mit oder ohne Tür­kei!

  6. Pingback: ESC Finale 2009: It comes as no Surprise

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