Never tender, always rough: Cezar gibt den Harten

Er liefert fraglos einen der unterhaltsamsten Beiträge dieses von eurovisionärer Konfektionsware beherrschten Jahrgangs ab: der Rumäne Cezar Ouatu, der mit seinem mit hoher, krächzender Fistelstimme intoniertem Discoschlager ‚It’s my Life‘ für einen der leider raren „Was zur Hölle haben die sich nur dabei gedacht?“-Momente sorgt. Vor allem, da er die trashtastische KrassimirAvramovGedächtnisnummer mit völligem Ernst und mit vor Anstrengung verkniffenem Gesicht performt. Noch einen drauf setzt der Countertenor im dieser Tage nachgereichten offiziellen Musikvideo, wo er sich als testosteronstrotzender Actionheld inszeniert, der zwischen seinen Freizeitaktivitäten (Fallschirmspringen, Speedbootfahren, Nötigungsdelikte im Straßenverkehr) nie vergisst, die Kleidung zu wechseln, um uns seinen muskelgestählten Oberkörper zu präsentieren. Ich bin schon ganz karussellig!


Rechts überholen bringt nicht nur Punkte, sondern auch Frauen: Cezar

‚Believe in me‘ (‚Glaub an mich‘) heißt bekanntlich der diesjährige britische Beitrag, gesungen von der Popveteranin Bonnie Tyler. Eine Aufforderung, der die erste Eurovisionssiegerin des Vereinigten Königreiches, Sandie Shaw, nicht so recht folgen mag. Vom Boulevardblatt Metro gefragt, ob sie glaube, dass die Achtzigerjahresirene mit dem Titel in ihre Fußstapfen treten könne, spricht sie die Wahrheit furchtlos aus: „Nein, natürlich nicht. Sie hat einen furchtbaren Song.“ Bonnie sei natürlich „eine tolle Person“ mit einer „fabelhaften Stimme“, dennoch plädiert Sandie für einen öffentlichen Vorentscheid. Zwar habe man sie 1967 ebenfalls intern ausgewählt, sie sei zu dem Zeitpunkt aber „populär“ gewesen. Wohl im Gegensatz zur Tyler heutzutage, der böse Zungen bereits ein ‚Holding out for a Zero‘ hinterherrufen, lautet die Botschaft zwischen den Zeilen…


Hat etwas mehr Bumms als Bonnie: „Hampelfräulein“ Sandie

Und zum Abschluss noch ein Schmankerl von meinem persönlichen Liebling dieses Jahrgangs, der wunderbar aufgedrehten Finnin Krista Siegfrids. Die muss im Interview mit Eurovisions-Handpuppen-Legende Terry Vision einige harsche Worte über sich ergehen lassen, weil sie im Backstagebereich von Eurovision in Concert in Amsterdam so laut war, dass sie die Interviews mit anderen Künstlern übertönte, zahlt es Terry nach einer angemessen zerknirschten Entschuldigung aber bravourös zurück, in dem sie ihm die Erklärung, was denn bitte der in ihrem Song ‚Marry me‘ angesprochene „Walk of Shame“ sei, mit den Worten verweigerte: „dafür bist Du zu alt“. Ein großartiges Interview, ich möchte Krista auf der Stelle heiraten!


Weiß nicht, was eine Einstweilige Verfügung ist: Krista

Sandie Shaw glaubt nicht an einen Sieg von Bonnie Tyler. Zu Recht?

  • Klar hat sie Recht, aber so was sagt man doch nicht laut. (47%, 29 Votes)
  • Natürlich. Der Song ist furchtbar, da stimme ich Sandie zu. (44%, 27 Votes)
  • Sandie wer? (10%, 6 Votes)

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5 Gedanken zu “Never tender, always rough: Cezar gibt den Harten

  1. Schön (nicht!) zu sehen, dass Nicole nicht die einzige Siegerin ist, die meint, aktuelle Kandidaten des Contests schlechtreden zu müssen. Die feine englische Art geht jedenfalls anders, Ms Shaw.

  2. *röchel* Also dieses rumänische Video ist ja genauso unfassbar wie der Beitrag selber… Wenn man den Ton ausmacht, ist es ein ganz normales Video, aber dazu diese Kastratengesänge… AUA! Die spinnen, die Rumänen! Hoffentlich nur dieses Jahr, nächstes Jahr schickt gefälligst wieder was Gescheites!

  3. Vollkommen richtig. Und solche Aussagen verraten mehr über den, der sie tätigt, als über den, um den es geht. Bonnie, zeig den Leuten, was ne Harke ist!

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