Über die Brücke gehn: Dänemark gewinnt beim ESC 2013

Sehr praktisch für alle nach Malmö angereisten Fans, die ihr aktuelles Hotelzimmer einfach für nächstes Jahr wieder buchen können: die als Favoritin gesetzte Emmelie de Forest gewann heute Nacht in Malmö, Schweden, den Eurovision Song Contest 2013. Es geht 2014 also nur einmal über den Øresund ins direkt gegenüberliegende Kopenhagen. Die dänische Waldfee konnte mit einem der erträglichsten Beiträge in der an qualbringender Songgrütze nicht armen Eurovisionsgeschichte unseres nördlichen Nachbarlandes und einer deutlich von den letzten zwei Siegertiteln inspirierten Präsentation reihum Punkte einsammeln und die nur zeitweilig nahe kommende Konkurrenz aus Aserbaidschan deutlich abhängen. Nun bleibt zu hoffen, dass die Dänen den vom schwedischen Fernsehen eingeschlagenen Kurs des Downsizing beibehalten und den nächsten Contest ebenfalls in einer kuschligen kleinen Halle veranstalten, was tatsächlich deutlich intimere Fernsehbilder erzeugt. Falls sie in Kopenhagen keine finden, können sie ja einfach ‚über die Brücke gehn‘ und in der Malmö Arena bleiben…


How many Times… do I have to hear this Line again?

So spannungsarm das bereits frühzeitig feststehende Ergebnis für den Siegertitel, so wenig überraschend auch die verdienten weiteren Medallienplätze: sowohl Glaskasten-Farid (AZ) als auch Shrek-Gefährtin Zlata (UA) vermochten mit ihren Shows im Gedächtnis haften zu bleiben, wobei ihre eingängigen (‚Hold me‘) bzw. kompetent gesungenen (‚Gravity‘) Songs nicht weiter störten. Ebenso erwartbar wie ärgerlich der fünfte Platz für die Übelkeit erzeugende, klischeetriefende russische Friedenskitschhymne ‚What if‘. Auf sehr erfreuliche Weise überraschend hingegen die zwölf deutschen Punkte für Ungarns sanftes, aber kuschelschönes ‚Kedvesem‘ sowie das verhältnismäßig gute Abschneiden des putzigen maltesischen Grinseäffchens Gianluca Bezzina und der holländischen Vögelmörderin Anouk, der Frau mit dem schönsten Cher-Lächeln seit… Cher. Und welch eine Schande, dass Deutschland nicht am Top-Ten-Platz der niederländischen Nachbarn beteiligt war!


Liegt es an den Haschischschwaden über Amsterdam?

Eine Schande allerdings auch das miserable Abschneiden von Cascada. Ich wollte das eigentlich erst mal gar nicht weiter kommentieren, weil mich der 21. Platz für ‚Glorious‘, meiner Meinung nach zwar kein Song, der das Genre Dance neu erfindet, aber immer noch einer der fünf besten Beiträge dieses Jahrgangs, ehrlich gesagt völlig ratlos und geschockt hinterlässt. So ratlos, dass ich fast geneigt bin, politische Gründe vorzuschieben (konkret: die verständliche Unbeliebtheit unseres Landes aufgrund der grundfalschen Austeritätspolitik, die Angela Merkel gerade zwangsweise halb Europa überhilft). Und das, wo ich solche Ausreden sonst immer hasse. Vielleicht stecke ich aber auch in einer Wahrnehmungsfalle, ähnlich wie bei Bonnie Tyler, deren Performance heute meine (sehr niedrigen) Erwartungen deutlich übertraf und der ich daher ebenfalls ein besseres Ergebnis vorhergesagt hätte.


Lag es vielleicht doch an der heftpflasterfarbenen Schleppe?

Daher will ich jetzt erst mal in Ruhe drüber schlafen, bevor ich mich noch weiter um Kopf und Kragen rede, so wie Lena Meyer-Landrut bei der deutschen Punktevergabe! 

Only Teardrops: ein verdienter Siegertitel?

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41 Gedanken zu “Über die Brücke gehn: Dänemark gewinnt beim ESC 2013

  1. Also ich sitze hier mitten in der Nacht immer noch ratlos da, wieso sind
    wir so abgeschlagen auf Platz 21 gelandet, das erinnert irgendwie sehr
    an 2002. Das schwedische Fernsehen hat auf Lebenszeit bei mir
    verschissen, wie kann man denn den Sieger vor Ende des Votings küren und
    dann wärend der Reprise abschalten????? Das gabs in 57 Jahren ESC
    nicht. Gefreut haben mich allerdings die 5 Punkte aus Israel, denn da
    hab ich so gar keine erwartet. Richtig stinkig macht mich aber der
    wiederholte Erfolg Aserbaidschans mit einem derart beschissenen Lied,
    ist doch wahr! So langsam hege ich echte Zweifel, ob ich mir das
    nächstes Jahr noch antue…

  2. Das sagen wir uns jedes Jahr, weil wir einfach nicht begreifen können, wie manche Sachen passieren (warum kommt der billige Krempel aus Weißrussland auf fast dreimal so viele Punkte wie Cascada?!), und dann sind wir doch wieder dabei, wenn es losgeht. Die Enttäuschung wird verblassen – wobei das generell kein gutes Jahr für die Big Five war, Italien mal außen vor.

    Außerdem: Ja, die Stimmen für Aserbaidschan und (in geringerem Maß) die Ukraine kamen wohl eher von Augenmenschen – oder von der türkischen Diaspora, wobei ich mich dann wie schon 2011 frage, warum so wenig aus Deutschland kam. Aber es freut mich aufrichtig, dass Georgien mit dem Versuch, Dänemark 2010/Aserbaidschan 2011 zu klonen, so dermaßen auf die Nase geflogen ist. Ein verdienter Nasenstüber, nachdem die beiden San Marino im Finale verhindert haben (Elfter im Semi. Ich könnte so kotzen). Und dazu: Niederlande auf der 9 (und das mit dem Startplatz direkt nach der Unterbrechung), Ungarn auf der 10 (haben wir so viele Hipster in Deutschland, oder wo kamen die 12 Punkte her? Meine zwei SMS werden es ja wohl nicht allein gewesen sein), Griechenland auf der 6 und Malta auf der 8. Ich kann mit diesem Ergebnis sehr viel besser leben als zum Beispiel 2008 oder 2011. Selbst das schlechte Ergebnis von Island wurde durch die 8 Punkte aus Deutschland zumindest erträglich.

  3. „Sehr praktisch für alle nach Malmö angereisten Fans, die ihr aktuelles Hotelzimmer einfach für nächstes Jahr wieder buchen können.“

    Ich hab erwartet, dass das irgendwo kommt! 🙂
    _____________________________________________
    OK, OK, wir hatten kein Siegerlied, aber 21. Platz ??? Es war ja schon fragwürdig genug, warum die armenische Möchtegern-Rockband dem authentischen Rockduo aus Albanien mit der Gitarre, aus denen Funken rausschossen (das hat im Finale meiner Meinung nach neben San Marino am meisten gefehlt). Und dann das Finale!
    Irres Ergebnis – Malta Achter, Ungarn Zehnter, Cascada auf dem 21. Platz, nur ein Punkt von Georgien an Litauen, nur vier Punkte von San Marino an Italien (das werden ja von Jahr zu Jahr immer weniger Punkte) und FÜNF PUNKTE FÜR CASCADA AUS ISRAEL !!! Noch nicht einmal Lena hat Punkte aus Israel bekommen!
    Bei Israels Punktevergabe kalkuliere ich Punkte für Deutschland grundsätzlich nicht ein (Vergangenheit, usw.) und finde es toll, dass sie sich zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder mal entschlossen haben, uns ein paar Punkte zu geben.

    Und an alle, die da uns mal wieder sagen, dass Cascada ein Plagiat am Start hatte: Emmelie de Forest hatte auf der Bühne zunächst genauso da gesessen wie Loreen und war barfuß (war das Loreen nicht auch?) und hatte gesungen wie Lena. Mit freundlichen Grüßen!

  4. „Ja, die Stimmen für Aserbaidschan und (in geringerem Maß) die Ukraine kamen wohl eher von Augenmenschen“

    Auf jeden Fall! Farid hat ja richtig Liebe mit der Kamera gemacht und Zlata sieht sehr gut aus, was sie ja auch zu ihrem Vorteil nutzen konnte.
    Wobei ich mich ja frage, was bei Aserbaidschan die Show mit dem Lied zu tun hatte.

  5. Mal ehrlich: Cascada festgewachsen auf diesem Gerüst, das mit einer Showtreppe so viel zu tun hat wie Weißrussland mit Demokratie, musste ja schief gehen. Nattys Auftritt war nicht optimal, die Stimme in den Höhen brüchig. Das hat auch mich enttäuscht! Ich dachte, die Frau wäre eine „Rampensau“ wie es so schön heißt!
    Für mch die besten und authentischsten Acts: Niederlande, Ungarn, Griechenland.
    Wobei ich keine Lust hätte, in Herrn Orbáns Budapest den ESC zu feiern.

  6. Sprachlos bin ich schon noch über den sehr schlechten Platz für Deutschland und sprachlos bin ich, dass NULL POINTS für Holland dabei waren. Gratulation an Dänemark

  7. Stimmt, bester Peter Ebstein. Das sehe ich genauso. Im Gegensatz zum schönen Video war da alles viel zu statisch und als ich dieses hands up Animierklatschen in den Proben gesehen habe, habe ich laut aufgeheult. Und ja, Nathalie hatte definitiv Stimmprobleme und die Treppe fand ich schon immer überflüssig und ihre viel zu großen Glitzerschuhe hätte sie ebenfalls entsorgen sollen, auch wenn sie diese mit viel Hingabe selbst mit Glitzersteinchen beklebt hatte. In diesen Schuhen konnte sie sich einfach nicht gut bewegen. Man muss da nichts auf politische Gründe schieben. Es war ein klarer Fall von overacted. Dänemark war auch overacted, aber das hat in Europa halt gefallen.

    Insgesamt fand ich dieses Finale in dieser Form nicht optimal. Zumindest sollten die Startplätze wieder ausgelost werden …

  8. PS.: Man sollte jetzt nicht nach falschen Gründen suchen. ‚Glorious‘ ist von uns ausgewählt worden und damit auch das Gesamtpaket Cascada, das eben Gltitzer und Glamour beinhaltet. Es ist Nathalies Stil und gehört zu ihrer Persönlichkeit, wie die Mützen zu Roman Lob gehören. Ihn hätte ich mir auf der ESC-Bühne auch lieber ohne Mütze gewünscht, aber was soll’s. Man sollte auch nicht den Stab über Cascada brechen, denn Nathalie war während des ESC in Malmö eine großartige Botschafterin für Germany. Ich vermute, die vielen Interviews, Auftritte usw. haben ihrer Stimme einfach nicht gut getan und warm war’s in Malmö ja auch nicht.

  9. ICH habe Cascada ganz bestimmt nicht gewählt und erst recht nicht gewollt. Lass mich da bitte raus. 😉

  10. Sorry, aber die eigentliche Frechheit sind die deutlich höheren Punktzahlen für Armenien und Weißrussland, die man nur mit Blockvoting erklärt bekommt (im Falle Armeniens kommt noch ein bisschen Diaspora dazu). Könnte bitte mal jemand das mit den ehemaligen Sowjetrepubliken (insbesondere dem Kaukasus-Zweistrahl Georgien-Armenien-Aserbaidschan) machen, was bei den ehemaligen Jugos so schön geklappt hat? Viele Abstimmungen sind nicht mehr ganz so vorhersehbar wie früher, aber diese Achsen sind so intakt wie eh und je, und bei dem Gedanken, dass diese Sülze aus Georgien deswegen, und NUR deswegen, überhaupt im Finale war, könnte ich zuviel kriegen.

  11. Ich persönlich habe für LaBrassBanda gevotet, weil ich deren Musik mag und es erstklassige, authentische Musiker sind.

  12. Ich hätte zwar ganz bestimmt nichts dagegen gehabt, wenn Georgien im Halbfinale ausgeschieden wäre, aber ich glaube nicht, dass für deren Positionierung Blocks oder Achsen als Erklärung herangezogen werden müssen. Für derartigen Schmonz gibt es durchaus eine nicht zu unterschätzende Klientel, auch in Westeuropa.

  13. „… weil Natalie Horler ja selbst Britin ist …“.
    Lese ich da einen Aufruf zum Block- oder Nachbarschaftsvoting?
    Über derartige Redewendungen ärgere ich mich genauso wie über Kommentare von Urban und Co., die auch immer ihre Verwunderung oder gar Missfallen ausdrücken, wenn es mit der Nachbarschaft mal nicht klappt.
    Das konterkariert die (naiv wie ich bin) immer noch von mir gehegte Hoffnung, dass eines Tages wirklich nur nach Gefallen (nach welchen Kriteria auch immer) an Song und Performance gewählt wird — ohne Ansehen des Landes.

  14. Ich muss gestehen, dass ich vom Ausgang des Finales weit weniger überrascht (und erst recht nicht entsetzt) war als bei beiden Halbfinalabenden.
    Die meisten sehr hoch platzierten Beiträge stehen zu Recht dort (trifft zumindest auf DK, UA, N, RUS, I zu, vermutlich auch GR, auch wenn mir das persönlich weniger gefallen hat).
    Nur die Positionierung von AZ verstehe ich ganz und gar nicht. Wer ruft denn für eine derartige Sülze an? Es können doch nicht überall auf der Welt Exiltürken rumschwirren, die mangels echter Türkei für die kleine Alternative angerufen haben (dagegen spricht auch die deutsche Wahl). Oder müssen hier wirklich Verschwörungstheorien her, dass AZ die halbe Welt bestochen hat?

    I und H gönne ich das gute Abschneiden, bei M überrascht es mich etwas, ist auch nicht mein Geschmack, geht aber völlig in Ordnung.
    Sehr schön auch, dass Anouk zeigen konnte, dass man mit einem authentischen Beitrag wirklich besser abschneiden kann als all die Jahre zuvor. Gleiches hätte ich von ganzem Herzen Valentina und Siegel gegönnt. Deren Ausscheiden im Semi macht mich jetzt noch fertig.
    Gut war, dass GE, BY und S wenigstens nicht über das Mittelfeld hinauskamen. Wenn’s nach mir ginge, wären die viel weiter unten gelandet, aber auch das geht noch in Ordnung.
    Ziemlich unverständlich ist mir, wie B ins Finale gelangen konnte und dann nicht mal letzter wurde. Rumänien dagegen ist zwar nicht mein Ding, aber sehr speziell und definitiv top dargeboten. Da werde ich bestimmt nicht mosern.
    Was die „Big 5“ betrifft: I ist ja gut platziert, GB war weniger schlimm als befürchtet, aber zieht wirklich nicht die Wurst vom Teller, E war vor der Show entgegen der allgemeinen Stimmung einer meiner Favoriten, ist dann aber dank zittriger Stimme (für die ich dann auch nicht anrufen wollte) verdient weit unten gelandet. Auch bei D entspricht das Abschneiden zwar vielleicht nicht den Erwartungen der Mehrheiten, ist aber völlig verdient: Dance ist in meinen Augen (Ohren) sowieso langsam out, die Show war nix (auch wenn ich Natalie selbst durchaus sympathisch finde) und der schlimmste Fehler war die Auswahl dieser 0815-Boom-Boom-Version ohne Struktur (wie bei der Echo-Verleihung) statt der wesentlichj besseren, wie sie sich auf der CD findet.
    Also auch hier alles in Ordnung. Fast. Rasend macht mich das schlechte Abschneiden Frankreichs. Ich habe mir für Amandine die Finger wundgewählt, hat aber leider nix genutzt. Sollte das wirklich allein an dem miesen Startplatz gelegen haben.
    Alles in allem hat mich der Ausgang des Finales wieder ein wenig mit den schrecklichen Ergebnissen der Halbfinalshows versöhnt. Und es ist ja noch mal gut gegangen, insofern als es nächstes Jahr nicht wieder nach AZ geht. Hoffentlich dann aber wieder so kuschelig und nicht etwa Parken-Stadion.

  15. Nachträge:
    Klasse finde ich, dass sofort nach dem Finale die Ergebnisse der Semis veröffentlicht wurden.
    Positiv überrascht hat mich, dass IRL und FIN so weit hinten gelandet sind. Hätte ich echt nicht gedacht. Wenn man *gegen* einen Song hätte anrufen können (vielleicht erfindet das ja mal jemand) wären das bei mir mit Sicherheit das nervige FIN und AZ gewesen. Im einen Fall war es offennsichtlich gar nicht nötig, im anderen wäre es wohl vergeblich gewesen …

  16. Zlata kann aber außerdem noch sehr gut singen, und das hat sie getan. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

  17. Sieh dir die Punktetabelle des Semis an, und dann sag das nochmal. 12 aus Armenien, 10 aus Aserbaidschan, ansonsten nichts höher als 7 Punkte. Das IST eine Achse, und da gehe ich nicht von ab. (Aus dem „alten“ ESC-Westeuropa hatte das Teil im Semi ganze 13 Punkte.)

  18. Das ist kein Aufruf, sondern eine Tatsachenfeststellung. Die No Angels hatten 2008 auch 12 Punkte aus Bulgarien, was allein an der Medienpräsenz von einer von ihnen dort lag.

    Der erste Block ist dieses Jahr kaputt gegangen – sobald Bosnien nicht dabei ist, bricht Ex-Jugoslawien anscheinend mehr oder weniger auseinander. Jetzt muss das nur noch bei den Ex-Sowjets und den Skandinaviern klappen – einzelne Länderpaare, die sich gegenseitig toll finden, sind unvermeidlich, die größeren Blocks sind das Problem.

  19. Ich bestreite nicht die Existenz der Achse. Natürlich kamen die Top-Voten aus AZ und ARM. Aber eben nicht nur. Die anderen wren zwar niedriger, aber es gab im Semi eine ganze Menge davon, und Kleinvieh macht eben auch Mist, wenn es in einer gewissen Menge auftaucht, hier 6×4 Punkte u.a. aus E, IS, LV. Im Finale waren es deutlich weniger Länder, hier überraschen nur die 8 Punkte aus LT.

  20. Litauen-Georgien war eine Überraschung? Schau dir mal die Punktetabellen der letzten Jahre an; das ist eine der seltsameren Achsen der neueren Wettbewerbe, aber sie ist definitiv da. Die Überraschung für mich war eher, dass Litauen dieses Jahr nur einen Punkt zurückbekam.

    Und das Kleinvieh ist nicht der Punkt – das hatten San Marino oder Bulgarien auch (wobei mich da die zehn Punkte aus Armenien wirklich überraschen). Aber ohne die Achse wäre Georgien in diesem um-die-40-Punkte-Teich mitgeschwommen, und das ist das eigentlich Ärgerliche – Songs, die eigentlich verdient ausscheiden, kommen dann doch weiter (siehe auch die Televotingergebnisse der Diasporaprofiteure 2011, Armenien und Türkei voran). Das genau sollen die Jurys korrigieren, und das klappt im Kaukasus offenbar noch nicht richtig. Und komme mir jetzt bitte niemand mit kulturellen Ähnlichkeiten, derentwegen die Juroren Nachbarländer hochvoten; „Hold Me“, „Waterfall“ und „Lonely Planet“ waren so kulturspezifisch wie eine Packung Pommes von McDonalds.

  21. LT-GE: hat da irgend jemand eine Erklärung?

    Und die kulturellen Ähnlichkeiten: die sehe ich natürlich bei den genannten Beiträgen (im Gegensatz zu etlichem aus dem Balkan-Block, der nun mal beispielsweise Turbo-Folk liebt) auch nicht. Das ist eher politisch gelenkt, was dann leider sowohl Tele- als auch Jury-Stimmen betrifft.
    Das einzige Mal, wo wirklich kulturelle Ähnlichkeiten bei einigen Wählern durchsetzten, die dann aus AZ für Inga und Anush (ARM) anriefen, weil das der eigenen Kultur ähnlicher war als der eigene eingekaufte Quark, führte dann zum Einschreiten der Staatsmacht …

  22. Tschuldigung, es hätte halt mich und besonders Natalie gefreut, wenn sie Punkte aus dem UK gekriegt hätte so wie Sürpriz 1999 von der Türkei.

  23. Schicken wir doch wieder die No Angels. 12 Punkte aus Bulgarien garantiert. 😉

  24. Ich finde Aserbaidschan nicht so unverständlich. Ich gehöre allerdings zu den Sympathisanten des Lieds (hauptsächlich wegen den dramatischen Einsprengseln) und kenne jemanden, für den es das zweitbeste in diesem Jahr war. Fakt ist, der Song war gefällig (gefälliger als die landessprachlichen Balladen aus Italien und Island, die eben kein Kuula waren und die einzige Konkurrenz bei der Männerballade darstellten), Farid sieht gut aus, Gesang war okay und bei der Inszenierung lassen die sich auch immer etwas Neues einfallen, während andere Länder sich bei ihnen bedienen (Projektionskleid, Treppe). Möglicherweise ein Johnny-Logan-Effekt, nur ein paar Jahrzehnte später. Da möchte ein hübscher, junger Mann in den Arm genommen werden, also tun wir das doch einfach. Manchmal sind Menschen eben auch ganz unkompliziert. 😉

  25. Zu Ungarn: wenn ich Lenas Andeutungen richtig verstanden habe, könnten wir das der Jury zu verdanken (meine ich wörtlich) haben.

  26. Eigentlich müsste ich mit dem Ergebnis zufrieden sein. Aus meiner persönlichen, vor dem Finale aufgestellten Top Ten haben es 7 Beiträge in die wirkliche Top Ten geschafft. Bedenkt man, dass ich Dänemark damals beim ersten Hören auch super fand, sind es sogar 8. Aber genau hier greifen die Nachteile des Fan-Seins. So wie ich mich an Only Teardrops in den letzten Wochen satt gehört habe, habe ich mir Glorious schön gehört und war dementsprechend diese Nacht auch ziemlich enttäuscht über das Ergebnis (zumal ich Favoritensiege generell immer langweilig finde). Aber im Grunde hat der gestrige Abend die Welt nur wieder gerade gerückt, denn als damals unser Vorentscheid war, hätte ich Cascada mit ihrem Lied nie und nimmer zum ESC geschickt (habe auch nicht dafür angerufen). Auf jeden Fall hat diese Ausgabe drei eherne Regeln des ESC weiter zementiert.

    1. Fische stilistisch niemals in den Gewässern der Vorjahressieger! Ist sowohl uns (2012-Kopie) als auch den Georgiern (2011-Kopie) schlecht bekommen.
    2. Der ESC ist berechenbar! Abgesehen von Norwegen finden sich nur typische ESC-Songs in der Top 5. Grandprix am Reißbrett (wenn auch – im Gegensatz zu San Marino – an einem guten). Eigenständigkeit wird zwar anerkannt (Top-Ten-Plätze für Niederlande, Ungarn, Malta, Griechenland, Italien), aber nicht wirklich belohnt.
    3. Animiere das Publikum während des Vortrags niemals zum Mitklatschen! Ich bin sicher, dass wir ohne Top 20 gewesen wären und Malta an der Top 5 gekratzt hätte.

    Und obwohl ich das Ergebnis jetzt im Nachhinein ziemlich in Ordnung finde, mag ich das Zeichen nicht, das dieses Ergebnis setzt. Top 5 besteht nur aus skandinavischen und Ex-Sowjetländern. Da darf sich West- und Mitteleuropa mal wieder in den Arsch getreten fühlen trotz der guten Platzierungen von Ungarn, Malta, Italien und der Niederlande. Mindestens eines dieser Länder hätte in die Top 5 gemusst. Oder zumindest Griechenland. Auf jeden Fall ist das leider wieder Futter für die Blocktheoretiker und das stinkt mir.

    Besonders gespannt bin ich ja auch auf das getrennte Ergebnis von Jury und Televoting. Gerade auch weil es ja dieses Jahr das neue System mit dem kompletten Ranking gab. Keine Überraschung hingegen der letzte Platz für Irland. Der Ire hat so schlecht gesungen, dass mir das noch während des Vortrags klar war. Dann doch lieber wieder Jedward, wo die Backgroundsänger durch den Song tragen.

    Bei der Show gab es einiges, was mir gefallen hat (Raupe, Einzug der Sänger, Teile des Humors), anderes war jedoch ganz schlechter Stil (Fehler bei den Votingeinblendungen, frühzeitiges Küren der Siegerin). Grob gesagt: Gute Ansätze waren da, aber an der Ausführung hapert es noch. Meine 20 Anrufe gingen übrigens komplett an Norwegen. Meine Higlights: Carola wird von der Bühne gefegt, 12 deutsche Punkte an Ungarn. Schade, dass letzteres kein gesamteuropäischer Trend war. Das wäre ein Zeichen gewesen, beim ESC mehr Individualismus zu wagen. So befürchte ich für das nächste Jahr nur noch mehr Reißbrett.

    Mein Ranking während der Show (in Schubladen, ohne Deutschland):
    01. Norwegen +++++
    02. Malta, Niederlande, Island +++
    05. Frankreich, Russland, Ungarn, Dänemark, Griechenland, Italien ++
    11. Moldau, Belgien, Schweden, Aserbaidschan +
    15. Litauen, Armenien, Rumänien, Georgien ~
    19. Finnland, Spanien, Estland, Weißrussland, Großbritannien, Ukraine, Irland –

  27. Bliebe noch Rolle von Herrn Urban zu durchleuchten. Er gilt bei den meisten als sakrosankt und unfehlbar. Texte aus den Semis 1:1 im Finale (und zum Teil wortwörtlich aus dem Pressmaterial!) zu wiederhloen und (wieder einmal) Länder zu verwechseln GEHT EINFACH NICHT! Ich will meinen Rundfunkbeitrag zurückerstattet, wenn er weiterhin den ESC kommentieren darf. Das er seine persönlichen Meinung kundtut, geht ja an, aber ein ESC-Moderator soll mehr als nur Jazz und italienische Canzoni gut finden.

  28. Die 12 Punkte vielleicht, aber ohne ein bisschen Televoterunterstützung wäre es selbst bei Platz 1 der Jury nicht so weit oben gelandet. Und das ist mehr, als ich für das Lied eigentlich erwartet hätte (nicht, dass mich das stört, ganz im Gegenteil).

  29. Nachtrag zum Thema Punkteverteilung: nachdem ich anderswo lesen konnte, dass das Ergebnis der beiden großen „Blöcke“ Ost und West dieses Jahr erstmals auseinander ging, habe ich (danke an Wikipedia) mal selbst nachgesehen.

    Kurz und gut: Wer glaubte, dieser Wettbewerb trüge etwas zur Einigung zwischen Ost und West bei, der muss das Tableau dieses Jahres mit leichter Verzweiflung sehen. Der Westen sah Dänemark ganz vorne; im Osten hätte es dafür nicht mal die Silbermedaille gegeben (Platz 3 hinter Aserbaidschan und der Ukraine). Umgekehrt sah der Westen Aserbaidschan nur auf Platz 3 hinter Dänemark und Norwegen (für die der Osten nur Platz 5 übrig hatte).

    Richtig bezeichnend wird es allerdings erst dahinter. Georgien war im Westen geteilter Letzter mit nur fünf Punkten (aus Griechenland, das im ESC-Sinn „Westen“ ist). Der Osten hatte dafür so viel mehr Liebe übrig, dass es am Ende für den zehnfachen Wert reichte – und für einen Platz in den Top 10. Das sind fünfzehn Plätze Unterschied; außerdem gibt es noch einen Fall von dreizehn Plätzen Unterschied (Weißrussland) sowie einmal acht (Moldawien) und einmal sieben (Armenien, was ohne die Punkte aus Frankreich noch wesentlich rabiater aussähe). In die Gegenrichtung ist die höchste Differenz sechs Plätze, was allerdings gleich viermal passiert ist – Finnland, Belgien, Deutschland und die Niederlande. Osteuropa ist auch intensiver in seiner Ablehnung – gleich dreimal hätte es von dort die Höchststrafe gegeben, für Irland, Finnland und Spanien; Westeuropa hatte keinen einzigen Nulpointer.

    Keines der genannten Länder hatte ein stark kulturell geprägtes Lied im Angebot – der georgische Beitrag stammte immerhin von dem Mann, der letztes Jahr ganz Europa in Begeisterung einen konnte. Das fällt als Begründung also aus. Die Herkunft spielt selbst dann eine entscheidende Rolle, wenn das Lied (und in den meisten Fällen auch die Interpreten) selbst keine Spuren derselben zeigt. Schade eigentlich.

  30. Größtenteils kann ich dem ja zustimmen (auch wenn mindestens zwei Drittel des Publikums die Halbfinal-Ansagen gar nicht kennen), aber was soll der letzte Satz? Muss man Fanboy sein, um den ESC kommentieren zu dürfen? Ich finde keinen Sieger der letzten sechs Jahre wirklich toll – muss ich jetzt meinen Fanausweis zurückgeben?

  31. ja, wahrhaftig schade. Aber leider läuft das ja bei „uns“ genauso. Damit meine ich nicht die Fankreise, sondern die Bekundungen im öffentlichen Fernsehen, dass doch Österreicher und Schweizer sich hoffentlich solidarisch zeigen (und umhekehrt), auch wenn deutsche Beiträge oftmals wenig spezifisch kulturell Deutsches haben.

  32. Die perfekte Abstimmung, bei der Televoter und Juries nur und ausschließlich für die Lieder stimmen, die ihnen gefallen (und dabei womöglich noch ihre kulturelle Prägung rausrechnen), ist ein unerreichbares Ideal, aber das heißt nicht, dass man nicht daran arbeiten sollte, ihm näher zu kommen. Wenn die Ex-Jugos das halbwegs schaffen konnten, glaube ich daran, dass auch die Ex-Sowjets das irgendwann hinkriegen (bei den Balten geht es ja schon halbwegs).

  33. Nein, das müssen Sie natürlich nicht! Sie werden aber nicht in die Verlegenheit kommen, den ESC für über 8 Millionen Zuschauer kommentieren zu müssen.

  34. Das beantwortet die letzte Frage, aber nicht die davor – was hat Fansein mit dem „Recht“ zu tun, diese Veranstaltung zu kommentieren? Terry Wogan fand auch vieles an ihr zu Recht lächerlich und durfte sie sogar 1998 moderieren.

  35. Kulturelle Prägung herausrechnen fände ich nicht einmal wünschenswert. Man kann das zwar im Effekt nicht von Blockvoting unterscheiden, aver DAS fiinde ich absolut legitim.
    Ich selbst habe in dieser Hinsicht viel Neues beim ESC kennengelernt, das ich anfangs vielleicht befremdlich fand, aber inzwischen wirklich lieben gelernt habe.
    Deswegen finde ich es auch sehr bedauerlich, wenn beispielsweise in deutschen (Kurz-)Kommentaren Fremdartiges lächerlich gemacht wird, nur weil es nicht dem westlichen Mainstrem entspricht.

  36. Naja, den Mann im Glaskasten hatte Schweden nun schon 2011, so originell war das auch nicht. Aber stimmt schon, vielleicht sollten sich ein paar Länder mal ukrainische oder aserische Bühnenshow-Experten einkaufen – wenn man nicht das ganze Geld für schwedische oder belgische Songschreiber rausjagt, sollte sich das doch finanzieren lassen. 😉

  37. Naja, also bitte, liebe Freunde in Deutschland. Man kann auch mal mit der Jammerei aufhören und zugeben: Glorious war langweilig. Ich gehöre als langjähriger Deutschland-Urlauber mit Freunden, Verwandten und aufregenden sonstigen – ähem – Sozialkontakten in Deutschland sicher nicht zu denen, die irgendwelche Vorbehalte gegen Euer Land hegen. Ganz im Gegenteil. In den letzten Jahren gehörten die deutschen Beiträge auch überdurchschnittlich oft zu meinen Top-10-Favoriten. Aber mit Glorious kann ich absolut nichts anfangen. Das geht beim einen Ohr rein und beim anderen raus. Ratlos war ich höchstens bei Eurem nationalen Vorentscheid. Ich weiß noch, da hab ich mir gedacht: „Wie jetzt? Meinen die das ernst? So viele tolle Songs und dann DAS?“
    Man neigt halt dazu, den eigenen Beitrag zu überschätzen, weil man ihn öfter hört als die anderen. Vielleicht kam bei Euch noch hinzu, daß man Cascada in Deutschland halt auch kennt. (Bei uns schon eher weniger.) Aber das wars dann auch schon. Vorschußlorbeeren für die Sängerin und eine übertriebene emotionale Nähe zum Song.
    Bei meiner privaten ESC-Party landete Glorious nach dem Zusammenzählen der Punkte auf Platz 20. Es scheint, daß der Song dort einfach hingehört.

  38. Dafür spricht auch, dass beim australischen ESC-Televoting (ja, das gibt es wirklich. Die Aussies schauen die Sendung zwar zeitversetzt, aber die echten Fans meiden vorher extra das Internet, um nicht von den realen Ergebnissen beeinflusst zu werden) der Titel auf Platz 18 landete.
    Übrigens hat auch dort Dänemark gewonnen.

  39. Ich glaube, es ist tatsächlich so, dass viele Mehrfachvoter z.B. drei Mal für Norwegen angerufen haben und einmal für Ungarn. Ich habe von erstaunlich vielen Menschen gehört, dass sie den ungarischen Beitrag mochten, und ich kann mir vorstellen, dass der einfach überall ein bisschen eingesammelt hat. Ich mochte ‚Kedvesem‘ ja auch, und ich bin kein Hipster. Ich tippe mal, ByeAlex war vielleicht Sechster beim Televoting und Erster im Juryvoting – kann für 12 Punkte reichen. Jedenfalls freut mich das Ergebnis.

  40. Und ein auch nicht eben erfolgloses direkt südlich der Niederlande. Und ein weiteres südlich davon.

  41. Drei dieser vier „West“-Länder waren Skandinavier. Ich werde auch nie begreifen, warum ganz Europa so scharf darauf ist, denen selbst für mittelmäßige Nummern *hust* In a Moment Like This *hust* die Punkte hinterherzuwerfen, aber es ist anscheinend so. Die Top-3-Plätze sind jedenfalls ziemlich gleichmäßig zwischen Ost und West aufgeteilt (7 für den Westen, 7 für den Osten, dazu der zweite Platz für die Türkei 2010, die von der Anwesenheit einiger östlicher Länder durchaus profitiert – hallo, Aserbaidschan! -, aber zur „klassischen“ Eurovision zählen darf).

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