Schluss mit lus­tig: Grie­chen­land schal­tet den Rund­funk ab

Es ist ein bei­spiel­lo­ser Vor­gang: auf Betrei­ben der grie­chi­schen Regie­rung – genau­er genom­men: als Fol­ge des Spar­dik­ta­tes von EZB, EU und IWF – stellt der staat­li­che Sen­der ERT mit Ablauf des heu­ti­gen Tages den Betrieb ein und schal­tet das Sen­de­si­gnal ab. Damit ver­sor­gen ab Mit­ter­nacht nur noch Pri­vat­sen­der die Hel­le­nen. Alle 2.900 ERT-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ren ihre Jobs. Die EBU leg­te bereits Pro­test gegen die Still­le­gung eines ihrer Grün­dungs­mit­glie­der ein und appel­lier­te an den grie­chi­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Anto­nis Sama­ras, die Ent­schei­dung umge­hend zu revi­die­ren. Sama­ras traf nach Infor­ma­tio­nen des Spie­gel die Anord­nung im Allein­gang und gegen den Wil­len sei­ner Regie­rungs­part­ner. Der Sen­der soll im Herbst wie­der eröff­nen – dann aller­dings in deut­lich abge­speck­ter Vari­an­te, ver­mut­lich nur noch mit einem Vier­tel des heu­ti­gen Per­so­nals. Ob das Land unter die­sen Vor­zei­chen am Euro­vi­si­on Song Con­test 2014 teil­nimmt, darf bezwei­felt wer­den.


Dra­ma­tisch geht es der­zeit zu in Athen!

So scho­ckie­rend die­ser Schritt erscheint, so fol­ge­rich­tig stellt er sich dar: es ist der leich­tes­te Weg, einen Groß­teil der von der Geld­ge­ber-Troi­ka vor­ge­schrie­be­nen Ent­las­sung von 4.000 Staats­be­diens­te­ten durch­zu­set­zen. Wie der Spie­gel schreibt, sei der staat­li­che Rund­funk als ver­schwen­de­risch und über­be­setzt ver­schrien. Grie­chi­sche Haus­hal­te zah­len rund 50 Euro Rund­funk­ge­bühr pro Jahr. Wäh­rend der Abschal­tung wer­den die Gebüh­ren der Regie­rung zufol­ge aus­ge­setzt – hin­ter­her sol­len sie deut­lich nied­ri­ger sein.” Der Pro­test der Bevöl­ke­rung dürf­te also ver­hal­ten aus­fal­len. Für Sama­ras stellt es zudem die per­fek­te Gele­gen­heit dar, regie­rungs­kri­ti­sche Jour­na­lis­ten los­zu­wer­den und den Sen­der auf Strom­li­nie zu brin­gen. Zustän­de wie in einer Dik­ta­tur! Und das, obwohl selbst der IWF mitt­ler­wei­le ein­räumt, dass das auf Betrei­ben Mer­kels ver­ord­ne­te Spar­pa­ket ein Irr­weg ist.

8 Gedanken zu “Schluss mit lus­tig: Grie­chen­land schal­tet den Rund­funk ab

  1. Was mich dabei am meis­ten ent­setzt, ist der Tenor in den Kom­men­ta­ren auf Spie­gel Online, von wegen Vor­bild für Deutsch­land und das sol­le man doch hier auch mal machen, nur ohne die Wie­der­eröff­nung. Ich kann die Empö­rung über den gan­zen Rund­funk­bei­trag-Schwach­sinn ja nach­voll­zie­hen, aber die­se Leu­te ken­nen offen­bar über­haupt kei­ne Gren­zen mehr.

  2. Natür­lich ist dies ein rein sub­jek­ti­ver Blog und jeder von uns schätzt die Mei­nungs­viel­falt: Aber genau so will ich auch nicht ver­heh­len, dass ich bei der Mer­kel-Schel­te, die sich durch die Bei­trä­ge die­ses Blogs zieht wie ein roter Faden (und viel­leicht auch auf ein rotes Par­tei­buch hin­weist?), immer wie­der schmun­zeln muss. Ich hal­te den Mer­kel-Spar­kurs nicht für falsch, den Umgang mit Grie­chen­land und ande­ren Euro-Pro­blem­län­dern für rich­tig und für die ein­zi­ge Mög­lich­keit, dort gege­be­nen­falls so etwas wie Haus­halts­dis­zi­plin ein­zu­füh­ren. Es kommt ja alles nicht von unge­fähr.

  3. Ja, das ist des­il­lu­sio­nie­rend. Berech­tig­te Kri­tik an der Auf­ge­bläht­heit und Reform­un­fä­hig­keit der ARD ist das eine, das völ­lig unre­flek­tier­te Preis­ge­ben die­ses für eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie so wich­ti­gen Kor­rek­tivs das ande­re. Aber die Kom­men­tar­spal­ten in den Online­por­ta­len der gro­ßen Medi­en las­sen mich ohne­hin am Geis­tes­zu­stand der hie­si­gen Bevöl­ke­rung ver­zwei­feln. Ich trös­te mich immer mit der vagen Hoff­nung (oder Illu­si­on), dass das nur Trol­le und Pöb­ler sind, die nicht die Mehr­heit dar­stel­len. Sonst ist das Gan­ze nicht aus­zu­hal­ten.

  4. Wenn man die Wahl­er­geb­nis­se mit dem ver­gleicht, was in den Foren so hin­ge­hau­en wird, dann ist die Kom­ment­ar­trup­pe alles ande­re als reprä­sen­ta­tiv. Die­se Leu­te sind offen­bar auch ernst­haft über­zeugt, die AfD hät­te bei den Wah­len im Herbst Chan­cen auf bis zu 30 Pro­zent, und Deutsch­land stün­de ohne­hin kurz vor der Revo­lu­ti­on gegen “Euro­pa” (was auch immer die­ses Wort als Kampf­be­griff bedeu­ten soll). Die Hoff­nung stirbt als letz­tes.

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