Türk­vi­zyon: Tür­kei star­tet eige­nen Gegen-Grand-Prix

Nach der Ankün­di­gung von letz­ter Woche, sich aus Pro­test gegen das Big-Five-Pri­vi­leg und die Jurys auch 2014 nicht am Euro­vi­si­on Song Con­test betei­li­gen zu wol­len, gab das tür­ki­sche Fern­se­hen TRT ges­tern bekannt, Ende des Jah­res einen eige­nen Musik­wett­be­werb namens Türk­vi­zyon durch­füh­ren zu wol­len, wie Hür­ri­y­et berich­tet. 20 eura­si­sche Län­der und Regio­nen mit star­ken tür­ki­schen Min­der­hei­ten, wie die auto­no­me rus­si­sche Repu­blik Tatar­stan west­lich des Ural oder die ukrai­ni­sche Schwarz­meer-Halb­in­sel Krim, eben­falls eine auto­no­me Repu­blik, sol­len an der Show teil­neh­men, die am 19., 21. und 23. Dezem­ber 2013 in der ana­to­li­schen Pro­vinz­haupt­stadt Eskişe­hir, der aktu­el­len Kul­tur­haupt­stadt der “tür­ki­schen Welt”, statt­fin­det. Dort stell­te ges­tern der tür­ki­sche Bil­dungs­mi­nis­ter Nabi Avcı das Pro­jekt in Anwe­sen­heit von  Nigar Jamal, auch bekannt als Nik­ki (AZ 2011) und Farid Mam­ma­dov, dem aser­bai­dscha­ni­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter 2013, vor. Die Show sol­le jedoch kein Ersatz für den Grand Prix sein: “Ob wir an der Euro­vi­si­on teil­neh­men oder nicht – ich hof­fe, die Türk­vi­zyon wird ihren eige­nen Weg fin­den und jedes Jahr wei­ter wach­sen. Sie wird ihren Platz in der tür­ki­schen Welt und ihren eige­nen Mar­ken­wert haben,” sag­te Avcı.


Hät­te er die Türk­vi­zyon gewon­nen? Farid Mam­ma­dov, Zwei­ter beim ESC 2013

Der Wett­be­werb sei als Pro­jekt­rei­he der tür­ki­schen Kul­tur­haupt­städ­te gedacht: “Wir hof­fen, dass die nach­fol­gend zur kul­tu­rel­len Metro­po­le gewähl­ten Städ­te die Ver­an­stal­tung wei­ter­füh­ren,” ergänz­te Avcı. Fas­sen wir die Abläu­fe mal kurz zusam­men: ver­gan­ge­nes Wochen­en­de kün­dig­te TRT an, beim Euro­vi­si­on Song Con­test nur wie­der mit­zu­ma­chen, wenn die Big-Five-Rege­lung und das Jury­vo­ting fällt. Die­sen Frei­tag gab die EBU bekannt, das Jury­vo­ting bei­be­hal­ten – und (gera­de im Hin­blick auf Vor­wür­fe des Stim­men­kaufs gegen­über Aser­bai­dschan) trans­pa­ren­ter gestal­ten – zu wol­len. Nur einen Tag spä­ter ver­kün­det TRT, einen eige­nen Song Con­test im tür­ki­schen Kul­tur­raum zu ver­an­stal­ten. Kei­ne beson­ders erfreu­li­che Ent­wick­lung im Hin­blick auf den gera­de in Zei­ten der öko­no­mi­schen Kri­se um so wich­ti­ge­ren kul­tu­rel­len Zusam­men­halt Euro­pas. Aller­dings sind wir lei­der die Letz­ten, die der Tür­kei hier irgend­et­was vor­wer­fen dür­fen: gaben wir mit Ste­fan Raabs rein inner­deut­schem Bun­des­vi­si­on Song Con­test doch erst das Vor­bild zur Schaf­fung der euro­vi­sio­nä­ren Par­al­lel­ge­sell­schaft. Wei­te­re Anre­gung könn­te das ABU Song Fes­ti­val (auch bekannt als Asia­vi­si­on) gewe­sen sein, das seit 2012 unter den Län­dern des asia­tisch-pazi­fi­schen Raums aus­ge­tra­gen wird (und für das die EBU Lizenz­ge­büh­ren kas­siert).


Der ers­te Spalt­pilz: Max’ ach­ter Platz in Istan­bul führ­te zum par­al­le­len BuVi­So­Co 

Nun hat TRT die Türk­vi­zyon sicher­lich nicht inner­halb eines Tages aus dem Boden gestampft, ent­spre­chen­de Plä­ne gibt es schon län­ger. Und sie haben natür­lich nicht nur mit den aus tür­ki­scher Sicht seit Wie­der­ein­füh­rung der Jurys unbe­frie­di­gen­den Ergeb­nis­sen des Lan­des beim Euro­vi­si­on Song Con­test zu tun, son­dern sind der Teil der von der aktu­el­len Regie­rung unter Erdoğan for­cier­ten Abwen­dung von Euro­pa. Die einen aber auch nicht ver­wun­dern muss, wenn man den Osma­nen so wenig Anrei­ze und Aus­sich­ten zur dau­er­haf­ten Auf­nah­me in die Gemein­schaft gibt. Was auch beim ESC gilt: natür­lich sind die Vor­wür­fe, dass die Tür­kei in Zei­ten des rei­nen Tele­vo­ting vom Dia­spora­vo­ting stark pro­fi­tier­te, berech­tigt. Wenn man das aber (und ich weiß, ich klin­ge hier wie ein Schall­plat­te mit Sprung) damit beant­wor­tet, dass man mit der Jury ein Instru­ment schafft, des­sen Auf­ga­be offen­sicht­lich dar­in besteht, Län­der mit star­ker Dia­spo­ra her­un­ter­zu­wer­ten, damit der Con­test schön in West­eu­ro­pa ver­bleibt, leis­tet man der Abspal­tung Vor­schub. Ich fin­de das scha­de.

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