Türk­vi­zyon: da waren es 24!

Es geht immer gro­tes­ker zu bei der Pre­miè­re des Song­wett­be­werbs des osma­ni­schen Kul­tur­krei­ses: knap­pe zwei Tage vor dem Semi­fi­na­le der Türk­vi­y­zon am Don­ners­tag prä­sen­tier­te der ver­an­stal­ten­de Sen­der TRT heu­te die vor­läu­fi­ge Teil­neh­mer­lis­te mit allen Künst­lern und Song­ti­teln. Und mal wie­der jeder Men­ge Über­ra­schun­gen: die Gesamt­teil­neh­mer­zahl stieg erneut an, auf 24. Und das, obwohl vier der ursprüng­lich gemel­de­ten Län­der abspran­gen (oder wegen feh­len­der Bei­trä­ge zwangs­ab­ge­mel­det wur­den?), näm­lich Turk­me­ni­stan, Xin­jiang, Tschu­wa­schien und Russ­land. Wobei, im letz­ten Fall han­delt es sich ver­mut­lich nur um eine Prä­zi­sie­rung: die bis heu­te Nach­mit­tag noch als rus­si­sche Ver­tre­te­rin annon­cier­te Sai­lyk Ommun tritt nun offi­zi­ell für die auto­no­me, in Sibi­ri­en lie­gen­de Repu­blik Tuwa an, aus der sie auch stammt und in der das Turk­volk der Tuwa­ner die Bevöl­ke­rungs­mehr­heit stellt. Dazu kom­men gan­ze vier Last-Minu­te-Neu­zu­gän­ge.


Ganz neu dabei und doch schon was älter: der ira­ki­sche Bei­trag

Dabei han­delt es sich um zwei wei­te­re rus­si­sche Repu­bli­ken, näm­lich Cha­kas­si­en und die Oblast (Ver­wal­tungs­be­zirk) Keme­ro­wo – in den bei­den Nach­bar­re­pu­bli­ken lebt (als Min­der­heit) das indi­ge­ne Turk­volk der Scho­ren (nicht zu ver­wech­seln mit dem Ruhr­pott-Wort für Die­bes­gut oder stark gestreck­te Dro­gen). Abge­run­det wird die Lis­te durch zwei, sagen wir mal, poli­tisch beson­ders sta­bi­le Län­der, näm­lich das völ­ker­recht­lich umstrit­te­ne Koso­vo sowie den Irak, prä­zi­ser gesagt durch Türk­men­e­li, das im Nord­irak um die Stadt Kir­kuk gele­ge­ne Sied­lungs­ge­biet der Tur­ko­ma­nen. Und so heißt der ira­kisch-tur­ko­ma­ni­sche Bei­trag auch ‘Kerkük’ten Yola Çıkak’ oder ‘Von Kir­kuk aus’ – und wur­de, wie Euro­voix her­aus­fand, von sei­nem Sän­ger Ahmed Duz­lu bereits 2011 bei einem Fes­ti­val tür­ki­scher Musik öffent­lich auf­ge­führt. Aber gut, an die Drei-Minu­ten-Regel hält sich bei der Türk­vi­zyon auch kei­ner, war­um soll­te dann das Vor­ver­öf­fent­li­chungs­ver­bot gel­ten! Die Song­ti­tel-Über­set­zun­gen auf der deut­schen Wiki­pe­dia offen­ba­ren uns noch wei­te­re text­li­che Klein­odi­en: ‘Mein Apfel’ (Ukrai­ne), ‘Die Ber­ge der Wege’ (Krim), ‘Der fol­gen­de Aus­lass’ (Koso­vo) oder, beson­ders schön, ‘Tus­tin in einer unkom­pli­zier­ten Schwan­ger­schaft’ (Cha­kas­si­en). Mein abso­lu­ter Favo­rit aber ist das ‘Mehl von Şori­ya’ (Keme­ro­wo). Damit wer­den die Pfann­ku­chen bestimmt beson­ders fluffig!

Türk­vi­zyon 2013: die Teil­neh­mer­lis­te

1. Song Con­test des tür­ki­schen Kul­tur­rau­mes. 19. und 21.12.2013 in Eskişe­hir, Tür­kei.
Land / Repu­blikTeil vonInter­pretSongÜber­set­zung
AltaiRUArtur Mar­lu­jo­kovAltayım MeninMein Altai
Aser­bai­dschanAZFərid Həsə­novYaşaLeben
Bal­ka­ri­enRUEldar Zha­ni­ka­evAdam­dı Biz­ni AtıbızSein Name ist Adam
Basch­kor­to­stanRUDia­na Ish­ni­ya­zo­vaKuray Şar­kısıDas Qurai-Lied
Bos­ni­enBAEmir & the fro­zen CamelsTers Bosan­kaZän­ki­sche Bos­nie­rin
Cha­kas­si­enRUVla­di­mir Dor­juTus çirin­deTraum
Gag­au­si­enMDLud­mi­la TukanVer­nis Lub­ovKomm, mein Schatz
Geor­gi­enGEEynar Bala­kişi­y­ev + Afik Novru­zovKal­bi­ni Saf TutHal­te dein Herz rein
IrakIQAhmed Duz­luKerkük’ten yola ÇıkakVon Kir­kuk aus
Kasach­stanKZRin’GoBir­lik­pen AlğaGemein­sam vor­an
Keme­ro­woRUÇıl­dız Tanna­keşe­vaŞoriya’nın UnuDer Klang Berg­scho­ri­ens
Kir­gi­si­enKGÇoroKay­gır­baSei unbe­sorgt
Koso­voKO (RS)Ergin Karaha­sanŞu Priz­renNach Priz­ren
KrimUAElvi­ra Sari­ha­lilDağların EllarıBerg­pfa­de
Maze­do­ni­enMKİlkay Yus­ufDüş­ler­de Yaşa­makLeben in Träu­men
Nord­zy­pernCYGom­m­a­larHavalanıyorAuf­stei­gend
Rumä­ni­enROGeng­hiz Erhan Cut­ca­laiAy Ak ShatırWei­ße Linie
Sacha (Jaku­ti­en)RUOlga Spi­ri­do­no­vaSulus Uon­na TuunFlie­gend
Tatar­stanRUAli­na Şarip­ja­no­vaÜpkelem­imIch bin nicht nach­tra­gend
Tür­keiTRMane­v­raSen, Ben, BizDu, ich, wir
TuwaRUSai­lyk OmmunCavi­dakOhne Sat­tel
Ukrai­neUAFazi­le Ibrai­mo­vaElmalımMein Apfel
Usbe­ki­stanUZNilüfer Usma­no­vaUnut­ginVer­giss mich
Weiß­russ­landBYGunesh Aba­so­vaSon hati­ra­larLetz­te Erin­ne­run­gen

5 Gedanken zu “Türk­vi­zyon: da waren es 24!”

  1. Für die deut­sche Wiki­pe­dia­sei­te bin ich ver­ant­wort­lich, ich hab ein­fach nur das hin­ge­schrie­ben, was Goog­le Trans­la­ter als Über­set­zung des tür­ki­schen Pen­dants aus­ge­spuckt hat. Köst­lich!

  2. Ver­lie­rer des Jah­res 2013: Ganz klar die Tür­kei mit ihrem Gegen-Grand-Prix. Das Halb­fi­na­le ist MOR­GEN und die Teil­neh­mer­lis­te ist immer noch VOR­LÄU­FIG?!
    Wenn das mal kei­ne Bla­ma­ge gibt!

  3. Nein, das “vor­läu­fig” stammt von mir, weil ich nach den Erfah­run­gen der ver­gan­ge­nen Wochen bei der Türk­vi­zyon nichts mehr für fix neh­me…

  4. deut­sche­land, du kürst schon mal den ver­lie­rer des jah­res ohne die show gese­hen zu haben? wow.
    ich bin grad vor ort in eski­se­hir und war heu­te bei der gene­ral­pro­be: es ist eine erfri­schend musi­k­ori­en­tier­te show ohne viel fir­le­fanz, ohne viel pyro­tech­nik und vor allem ohne viel büro­kra­tie. tol­le songs dabei, groß­ar­ti­ge stim­men und ein ziel­pu­bli­kum das nicht jeden ori­en­ta­li­schen ton als gejau­le abtut wie beim esc, und ost­eu­ro­päi­sche super­stars wie bspw. esma durch­fal­len lässt.
    ich fin­de es ist genug platz in der musik­welt für nen zwei­ten song con­test…

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