Ukrai­ne 2014: das befrie­digt mei­ne Trie­be

Fan­tas­tisch: das ers­te ordent­li­che natio­na­le Fina­le der lau­fen­den Sai­son ende­te heu­te in der Ukrai­ne gleich in mehr­fa­cher Hin­sicht in einem hand­fes­ten Skan­dal. Mit der Höchst­wer­tung sowohl im SMS-Voting als auch bei der Jury gewann Mari­ja Jaremtschuk (eng­li­sche Schreib­wei­se: Maria Yarem­chuk) die Vor­ent­schei­dung. Ihr mit­tel­mä­ßi­ger Dance-Pop-Song ‘Tick Tock’ beginnt mit der legen­dä­ren Zei­le: “We belong to each other like a Sis­ter to a Bro­ther”, fei­ert also die von den Ärz­ten bereits 1986 besun­ge­ne (und in Deutsch­land auf dem Index gelan­de­te) ‘Geschwis­ter­lie­be’. Der viel grö­ße­re Skan­dal besteht jedoch in Mari­jas fischig rie­chen­dem Sieg: bereits weni­ge Minu­ten nach Eröff­nung des SMS-Voting führ­te sie mit 2.400 Stim­men, gegen­über 800 für den Zwei­ten und 30 für den Letz­ten. Am Ende des Abstim­mungs­zeit­raums sieg­te sie mit 3.500 Voten, der mehr als drei­fa­chen Anzahl des Nächst­plat­zier­ten. Nach Infor­ma­tio­nen von ESCk­az ver­fü­ge Mari­ja über sehr viel Geld (z.B. für das Ver­tei­len kos­ten­lo­ser SMS-Gut­ha­ben­kar­ten) und soll angeb­lich letz­tes Jahr, wo sie im ukrai­ni­schen Vor­ent­scheid Fünf­te wur­de, ver­sucht haben, die Jury zu bestechen. Das scheint wohl dies­mal geklappt zu haben.


She works hard for her Money: Mari­ja Jaremtschuk (UA)

Nun muss man fai­rer­wei­se zuge­ste­hen, dass ihr ‘Tick Tock’ zu den raren Bei­trä­gen die­ses Vor­mit­tags gehör­te, bei denen man tat­säch­lich von einem Pop­song im klas­si­schen Sin­ne spre­chen konn­te, also einer als Lied erkenn­ba­ren Dar­bie­tung mit so etwas wie einer Melo­die und einem Refrain, wäh­rend 90% der Kon­kur­renz­ti­tel nur aus schmerz­brin­gen­dem, struk­tur­lo­sem Geschrei bestan­den. Zudem singt sie ein ver­gleichs­wei­se erträg­li­ches Eng­lisch (wirk­lich! Sie hät­ten die Ande­ren mal hören müs­sen!), und die gei­len schwar­zen Mus­kel­schnit­ten, die sie bei ihrem Auf­tritt umtan­zen und gele­gent­lich in die Lüf­te lif­ten, plä­sie­ren zumin­dest dem Auge. Es mag viel­leicht dar­an lie­gen, dass es sich um die ers­te Vor­ent­schei­dung der Sai­son han­delt und die Geschmacks­knos­pen noch nicht abge­stumpft genug sind, aber der aus zwan­zig Titeln bestehen­de Vor­ent­scheid bot ansons­ten so viel Grot­ti­ges, das man bereits für Klei­nig­kei­ten dank­bar ist.


Für Penis­an­be­tung ist man mit 16 wohl alt genug: Vik­to­ria

Platz zwei im Gesamt­vo­ting beleg­te die mitt­ler­wei­le sech­zehn­jäh­ri­ge ukrai­ni­sche Juni­or-ESC-Ver­tre­te­rin von 2008, Vik­to­ria Petryk, die ihre Dar­bie­tung damit begann, mit auf­ge­spritz­ten Duck­face-Lip­pen und zurück­ge­leg­tem Kopf von unten in ein über ihr hän­gen­des Mikro­fon zu sin­gen, was sicher­lich nicht von unge­fähr aus­sah, als betrie­be sie Fel­la­tio. Ihre ent­setz­lich geknö­del­te, halb­ga­re Dis­co-Bal­la­de ‘Love is Lord’ ließ von der Wind­ma­schi­ne bis hin zu einer mehr als halb­her­zi­gen Dub­step-Ver­zie­rung kein alt­ba­cke­nes Euro­vi­si­ons­kli­schee aus. Rang 3 teil­ten sich Vik­tor Romant­schen­ko, ein ganz schmu­cker Goth mit einer zumin­dest sau­ber gesun­ge­nen Rock­bal­la­de und der ukrai­ni­sche Tho­mas Anders, Vlo­di­mir Tka­chen­ko, ein Croo­ner mit ver­bo­te­ner Fri­sur, der in einem Meer aus Büh­nen­ne­bel vor sich hin sülz­te. Sowohl er als auch die Petryk kün­dig­ten bereits an, am Mon­tag gegen den Aus­gang des Vor­ent­scheids vor Gericht zu zie­hen.


‘Fol­low me’ 2014: die ukrai­ni­schen NoAn­gels

Die Ukrai­ner schei­nen im Übri­gen nicht nur eine Vor­lie­be für Inzest zu haben, son­dern sind auch Gen­der-Ben­der-Din­gen nicht abhold: Rang 3 im SMS-Voting ersang sich Evge­ny Lit­vin­ko­vich, ein leicht fül­li­ger X-Fac­tor-Teil­neh­mer aus Weiß­russ­land und optisch der Wie­der­gän­ger der ser­bi­schen Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin von 2007, Mari­ja Šerif­o­vić, bei dem sich auch an der Stim­me nicht aus­ma­chen ließ, ob er nun ein Mann ist oder eine bur­schi­ko­se Les­be. 300 Stim­men schlech­ter schnit­ten mein Favo­ri­tin­nen ab, das direkt nach Evge­ny auf­tre­ten­de Dis­co-Duo NeAn­ge­ly und die Wie­der­gän­ge­rin­nen von Aman­da Lear – hier konn­te man sich ob der her­ben Optik und der schon pelz­tier­haft tie­fen Stim­men nicht sicher sein, ob es nun Drag Queens waren oder bio­lo­gi­sche Frau­en. Ihr von Alex­an­der Bard (Army of Lovers) geschrie­be­ner Dis­co­schla­ger ‘Cou­ra­ge­ous’ (gesun­gen: “Kuh-ray-juice”) war das ein­zig wirk­li­che mit­rei­ßen­de Ela­bo­rat die­ser früh­mor­gend­li­chen Sen­dung.


Nicht nur das Kleid ist ihr vier Num­mern zu groß: Lisa Wasa­bi

Der Rest schmilzt zusam­men zu einem schmerz­haft lau­ten, schmerz­haft schief gesun­ge­nen Sound­brei in schmerz­haft schlech­tem Eng­lisch (lasst es doch bit­te ein­fach, wenn ihr es nicht könnt!). Erwäh­nens­wert blei­ben allen­falls noch der mit sei­nen süßen Segelöhr­chen äußerst nied­lich anzu­schau­en­de, aller­dings grau­en­er­re­gend schief träl­lern­de Stas Shurins und das – wie soll man es nen­nen? – Kunst-Hap­pe­ning, das die einen schar­fen Namen tra­gen­de Lis­sa Was­s­a­bi ver­an­stal­te­te: unstruk­tu­rier­tes Elek­tro­ge­wa­ber, kei­ne Hook, völ­lig unsyn­chron zur Musik vor­ge­brach­tes Geschreie und gele­gent­li­che Asia-Restau­rant-Gitar­ren. Oh, und natür­lich das Tscher­no­byl-Kleid von Illa­ri­ya: ein mit tau­sen­den hell­weiß leuch­ten­der LED-Lämp­chen über­sä­tes Büh­nen­kos­tüm, das sowohl die unvor­teil­haft gro­ße Nase der Sän­ge­rin über­strahl­te als auch ihr Nichts von einem Song.


Saf­u­ra (AZ 2010) hat ange­ru­fen und will ihr Kleid zurück!

Tik tok’ oder ‘Drip drop’?

  • Drip drop. Das hier ist ja selbst für die Ukrai­ne schlecht! (49%, 23 Votes)
  • Tik tok. Gute Num­mer, könn­te rich­tig Chan­cen haben. (32%, 15 Votes)
  • Ding A Dong. 2014 wird das schlech­tes­te Jahr aller Zei­ten, wenn es schon so los­geht! (19%, 9 Votes)

Total Voters: 47

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9 Gedanken zu “Ukrai­ne 2014: das befrie­digt mei­ne Trie­be

  1. Na ob die Ukrai­ne mit dem Song weit­kom­men wird? Fina­le auf jeden Fall, aber dann. Da muß man die Kon­kur­renz abwar­ten.

  2. Ich mag den Song. Für mich ein per­fek­ter Start in die Sai­son. Wenn es denn beim Sieg bleibt. Irgend­wie kuri­os: Auf der einen Sei­te wird – gemut­maßt – viel Geld für Bestechun­gen aus­ge­ge­ben, wäh­rend ande­re Län­der hän­de­rin­gend nach Spon­so­ren suchen. Lie­ße sich da nicht irgend­wie ver­mit­teln? Ist doch egal, wenn dann eine Ukrai­ne­rin für Andor­ra star­tet, die Mehr­zahl der Songs kom­men ja eh aus Schwe­den.^^

  3. Naja, wenn das so läuft wie immer, wird der Song sowie­so wie­der auge­tauscht. Die Ukrai­ner sind dies­be­züg­lich ja fast so wan­kel­mü­tig wie ihre nörd­li­chen Nach­barn.

  4. War das in der Ukrai­ne nicht erst ein­mal der Fall? 2010 mit Vasyl Laza­ro­vych und Alyo­sha? Da von ‘immer’ zu spre­chen, hal­te ich für sehr über­trie­ben.

  5. Und schon habe ich einen Hass-Song, weil das ein gro­ßer Rück­schritt in das Tsche­chi­en des Jah­res 2008 ist. Und mei­ne Hass­lie­der lan­den grund­sätz­lich recht weit vor­ne. Geht ja schon gut los!

  6. Naja, viel­leicht hab ich da mal wie­der nicht hun­dert­pro­zen­tig nach­ge­dacht 😉

    Wobei das aber sti­lis­tisch auf jeden Fall in Rich­tung “Have Some Fun” geht. Erst die­ses kur­ze Eth­no-Intro und dann jede Men­ge Bil­lig­pop. Falls wir ein Jahr vol­ler Belang­lo­sig­kei­ten bekom­men soll­ten, dann dürf­te das sehr weit kom­men. Dan­ke, Zla­ta, es war schön mit dir!

  7. Wenn die­se bei­den Songs so ähn­lich sind, fra­ge ich mich, war­um ich ‘Tick Tock’ lie­be, ‘Have some fun’ aber grau­sam fin­de. Wenn ich einen Ver­gleich zie­hen müss­te, wür­de ich ‘Tick Tock’ noch am ehes­ten als tra­shi­ge Vari­an­te von Russ­land 2007 bezeich­nen.

Oder was denkst Du?