Elaiza gewinnen die Wildcard für USFD

Zehn kaum auseinander zu haltende Variationen desselben lauwarmen Gitarrengegreines präsentierte uns der NDR am Donnerstagabend beim Clubkonzert im Hamburger Edelfettwerk. Nach dem im Vorfeld alleine eine Jury bestimmte und aus den über 2.400 Youtube-Bewerbungen diese zehn „Schattierungen von beige“ (Roy Delaney) vorauswählte, hatten beim Nachwuchswettbewerb für den deutschen Vorentscheid USFD Gott sei Dank die Televoter alleine das Zepter in der Hand. Zielsicher pickten sie die beiden einzigen Beiträge mit einem Hauch von Eigenständigkeit heraus: die in Paris geborene Röckröhre Caroline Rose (Platz 2) sowie das siegreiche Mädchentrio Elaiza, die ihrem selbst geschriebenen Neo-Folk-Titel ‚Is it right?‘ mit dem großzügigen Einsatz des Akkordeons und einer leicht rotzig gesungenen Hook das gewisse Extra verpassten.


Muss ihre Mama anrufen: Frontsängerin Ela

Die vom Metal zum Pop gewechselte Caroline, die mit ihrer rauen Stimme und ihrer starken Persönlichkeit meine Favoritin gewesen wäre, und die nicht minder berechtigten Siegerinnen um die quirlige Deutsch-Ukrainerin Ela erreichten beim Voting als einzige Prozentzahlen im zweistelligen Bereich. Die restlichen acht Teilnehmerinnen (fast ausschließlich Mädels, bis auf den knuffigen Max Krumm und das hübsch bebartete Quartett Bartosz) verschmolzen mit mehr oder minder gleichen Wertungen zu einer amorphen Masse, was auch ihren musikalischen Darbietungen entsprach. Um nicht ungerecht zu erscheinen: unter den zehn Songs des von Barbara Schöneberger angenehm moderierten Nachwuchsabends befand sich nicht ein wirklich schlechter oder peinlicher – alles radiotauglich, alles fehlerfrei präsentiert, alles zeitgemäß, aber eben alles auch total lahm.


Musikalisch nicht so meins, aber wenigstens rockt sie: Caroline Rose

Der NDR übertrug die Show ganz multimedial im Netz, auf N3 und auf dem Digitalspartensender EinsPlus, wo man im Splitscreenverfahren live Tweets und Facebook-Kommentare einblendete – angesichts der relativ gleichförmigen, gepflegten Langeweile beim Konzert tatsächlich eine willkommene Abwechslung und gar nicht so peinlich um Jugendaffinität bemüht wirkend, wie ich im Vorfeld dachte. Das Social-Media-Dings will man beibehalten: auch den deutschen Vorentscheid am 13. März und den Eurovision Song Contest im Mai überträgt EinsPlus auf diese Art und Weise userkommentiert. Einen peinlichen Augenblick gab es am Donnerstag dann aber doch noch: zu meinem großen Bedauern ausgerechnet der Pausenauftritt unseres Babybärchens von Baku, Roman Lob, der seine neue Single ‚All that matters‘ vorstellte (leider genau so beige wie die Nachwuchssongs) und in seinem verzweifelten Bemühen, das (durchaus mitgehfreudige) Publikum zum Ausrasten zu animieren, den Marshall Mathers gab, was so überhaupt gar nicht zu ihm passte. Schade.


Optisch sweet, musikalisch leider arg cheesy: Max Krumm

Elaiza dürfen nun am 13. März in der Kölnarena bei Unser Song für Dänemark gegen die sieben etablierten Acts antreten und dort zweifellos unterliegen. Immerhin bietet sich den drei sympathischen Mädels die Chance auf etwas Promotion zur besten Sendezeit – unglückseligerweise erneut gegen die Untote Heidi Klum und ihre menschenverachtende Bulimiewerbesendung programmiert. Nach Dänemark fahren aber natürlich Unheilig. Oder?

Haben Elaiza beim Vorentscheid in Köln eine Chance?

  • Klar, warum nicht? Ist eine schöne Nummer, könnte was reißen. (37%, 31 Votes)
  • Auf das Ticket nach Kopenhagen? Nein. Auf Plattenverkäufe: ja. (36%, 30 Votes)
  • No no never. Und mit Recht. (20%, 17 Votes)
  • Der Song ist nicht so meins, aber ausschließen würde ich nichts. (7%, 6 Votes)

Total Voters: 84

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14 Gedanken zu “Elaiza gewinnen die Wildcard für USFD

  1. Ich glaube zwar nach wie vor ebenfalls an den Sieg von Unheilig, aber Elaiza würden sich immerhin perfekt in den diesjährigen Folk-Trend beim ESC einreihen. Wer weiß, ob die deutschen Zuschauer nicht auch schon so ticken wie die Isländer, Malteser, Schweizer und Letten.

  2. Danke, bester Oliver. Damit ist alles treffendst gesagt. Und bei Roman Lobs Animierversuche wechselte ich in den Fremdschäm-Modus. Zu schade, aber der gute Roman braucht einfach noch ein paar Jahre, ehe er wirklich seinen eigenen Stil gefunden hat, noch ist er immer noch zu sehr in der Nachahmungsphase. Hoffentlich kriegt er die Zeit – nicht von Thomas D. usw., sondern vom Publikum.

  3. Was bitte gibt es da zu gruseln? Wenn wir die Unheilig von früher hingeschickt hätten vielleicht, die von vor „Geboren um zu leben“. Aber jetzt? Der Graf ist in etwa so angsteinflößend wie die Hauptcharaktere von „My Little Pony“, und der Song wird ganz bestimmt keine entsetzten Abwehrreaktionen auslösen.

  4. Alle Beiträge: „Kanonenfutter“! Ich kann mir nicht helfen, es war eine Alibiveranstaltung. Frau Schöneberger fand ich jetzt auch nicht gerade umwerfend, „… das Ticket nach Kopenhagen schießen“, mein Gott, sie hatte schon sprizigere Abende zu moderieren, und sie musste ja jeden Act großartig finden. Gähn.

  5. Das wir tatsächlich mal praktisch völlig gleicher Meinung sind, erstaunt mich denn doch. Die >Mädels gehen völlig in Ordnung. Elaiza und Caroline Rose waren tatsächlich die beiden, für die ich angerufen habe. Caroline wäre mir um einen Tick lieber gewesen, aber so ist das auch ok. Natürlich chancenlos in Köln, wo ich wohl für Unheilig hoffen muss um nicht bei Santiano zu enden.
    Kleine Anmerkung noch: so weit ich das beurteilen kann, ist Simon Glöde ja wohl auch männlich.

  6. Ups! Das war wohl eine Kombination aus seinen langen Haaren und seinem besonders langweiligen Lied, weswegen ich ihn vergessen habe. Sorry!

  7. Wie erwartet musste ich 3 mal hart mit den Augenlidern kämpfen. Melanie Schlüter hat mich durch Gänsehaut im negativen Sinne geweckt und Caroline mit Gänsehaut im Positiven. Auch mir wäre Caroline lieber gewesen, aber Elaiza als 2te Wahl komplett o.k. Alles andere war wirklich mittelbeige und eine Frechheit den vielen Bewerbern gegenüber. Die Entwicklung von Roman Lob sehe ich eher positiv, er ist lebendiger geworden, klar eingener Stil kommt schon noch. Im nächsten Jahr bitte bitte ein deutsches Mello und nicht irgendwo im Programm versteckt sondern Sa abend 20.15! Unheilig wird niemand aufhalten können, aber er wird uns schon gut vertreten. ELAIZA könnte von mir aus mit diesem Stück gerne teilnehmen, aber datt wird wohl nix.

  8. Erfrischend für die Ohren – die meisten der anderen Songs waren langweilig und farblos. Fast schon als Frechheit empfand ich den Auftritt vonne Schlüter, die Stimmen ergattern wollte, in dem sie eine miese und langweilige Kopie von Run versucht – gut das das „bestraft“ wurde. Simon Gödde war ebenfalls eine sehr interessante Erscheinung und es war schön ihm zuzusehen.

  9. Jooooou… nett. Nett im Sinne von der kleinen Schwester von …., Ihr wisst schon. Elaiza und Caroline waren die beiden einzigen gestern, die ich wirklich gut fand, der Rest war, wie ein Kommentator im Prinz Blog schrieb, mehr so was für den Abiball. Und Chris hat recht, dieses „ein beiger 4-Chord-Song nach dem anderen“ ist wirklich eine Frechheit gegenüber so manchem anderen Bewerber, der nicht ins Edelfettwerk durfte. Die Idee ist grundsätzlich gut, aber da müssen noch ein paar Schräubchen gedreht werden!

  10. Hier muss ich auch mal die Jury des NDR kritisieren. Wenn ich über 2000 Bewerbungen habe, warum achte ich nicht dann mehr auf Vielfalt? Es gab doch sicherlich mehr als 3 brauchbare männliche Acts bei den Bewerbungen, oder? Aber wer weiß was für Auswahlkriterien da genommen wurden. Wenn man sieht, das 4 oder 5 junge Mädels mit ähnlichem Stil ausgesucht worden sind. Wo waren Gruppen, wo war Rockmusik. Die Mädelsgruppe Elaiza hätte ich übrigens auch ausgesucht. Denn die Mucke war außergewöhnlich, dazu auch noch gut gesungen. Das gesangliche Niveau der Künstler war zwar gut, aber es war mir zuviel Einheitsbrei dabei. Die einzigen die wirklich bei mir haften geblieben sind, waren Michael Glöde, Elaiza und Caroline Rose. Schade das nur Elaiza beim Vorentscheid antreten dürfen. Hätte Caroline Rose auch gerne beim Vorentscheid gesehen.

  11. Falls „all that matters“ die Erstauskoppelung seines Albums werden sollte befürchte ich, dass Roman kaum Airplay bekommen wird und mit seinem Album dann, ähnlich wie Ivy, in the middle of nowhere der Charts landet . Dieser Mechanismus ist auch deshalb fatal, weil es dann wohl nur eine kleine Tour im Bereich der 200 -400er Locations geben wird. Unklar ist auch, ob Universal bereit sein wird nennenswerte TV-Werbung zu schalten. Das Erste wird ihm aber vermutlich noch Plattformen für weitere TV Auftritte bieten. Vielleicht hat aber Universal noch etwas in der Hinterhand was sich als Anreißer etwas besser eignet.

Oder was denkst Du?