Litauen möchte unsere Aufmerksamkeit

Einen wirren Weg beschritt in diesem Jahr mal wieder der Baltenstaat Litauen, dessen Vorentscheidungsverfahren irgendwann in einer grauen Vorzeit damit begann, dass man eine unüberschaubare Anzahl an Kandidaten vor einer Jury teils sehr schauderhafte Interpretationen ehemaliger Eurovisionsklassiker singen ließ. Zahllose Runden waren angekündigt, und als das litauische Fernsehen merkte, dass es mit dieser Car-Crash-Strategie für wenig Geld viel Sendezeit füllen und Zuschauer anlocken kann, schob es gar noch zusätzliche ein. Wie die meisten Grand-Prix-Fans fokussierte ich meine Aufmerksamkeit unterdessen auf andere Länder mit klarer strukturierten Prozeduren. Doch genau diese Aufmerksamkeit fordern die Litauer nun wieder ein, denn gestern Abend entschieden sie sich – übrigens, nach dem das Semi wegen der aktuellen politischen Ereignisse in der Ukraine von Samstag auf Sonntag verschoben wurde – für den Titel ‚Attention‘ als ihren Eurovisionsbeitrag 2014. Nur, wer das Stück singt, wissen wir nicht, denn es befinden sich aktuell noch immer drei Künstler im Rennen um die Fahrkarte nach Kopenhagen. Doch, wirklich, wenn ich es Ihnen sage!


Schrieb den Titel und gilt als Favoritin: Vilija Matačiūnaitė (Song ab 1:40 Minuten)

Vilija Matačiūnaitė gehört zu dem Kreis dieser Happy Few – und alles andere wäre auch absurd, denn wenn meine Informationen stimmen, schrieb sie den ein wenig aggressiv und experimentell klingenden Song, den sie, recht lässig gekleidet, gemeinsam mit einem kahlköpfigen, geschmeidigen Tänzer präsentiert. Dabei verfügt das basslastige Uptempostück über eine gar nicht mal üble Hookline. Auch der hart an der Grenze zum Anschreien verlaufende, kompetente Gesang Vilijas passt gut dazu. Nur an der ein oder anderen Stelle wirkt der Song unfertig, als bedürfe er noch der Nachbearbeitung. So, wie in der Fassung von Mia (nein, nicht verwandt mit der deutschen Elektro-Pop-Elfe), die zwar stimmlich weniger druckvoll klingt als Vilijas, dafür aber eine runde, stimmigere musikalische Variante des Titels darbietet. Und zwar im roten Abendkleid, eingerahmt von zwei jungen Herren. Dennoch bollert das Stück bei ihr genau so wie bei seiner Autorin.


Singt das Ganze etwas smoother: Mia

Nur noch als Zählkandidat dürfte indes der einzige Mann des Triumvirates gelten: der schmucke Vaidas Baumila macht aus der Nummer ein halbgares, miserabel gesungenes Akustikgitarrenstück, bei dem hinten und vorne nichts zusammenpasst. Zudem klingt der aus weiblicher Perspektive geschriebene Text aus seinem Munde ein klein wenig creepy („I’m gonna / gonna get you Girl / down down down / on your Knees“). Baumila habe aber, so berichtet es der Internet-Klatsch, ohnehin keine Lust mehr auf die ganze Geschichte – er sei derzeit Teil eines Musical-Castes in London (äußerst sehenswerte Bilder hier) und angepisst, weil die litauische Vorentscheidung länger dauert als geplant und er ständig hin und her fliegen müsse. Nächstes Wochenende wissen wir hoffentlich mehr, so nicht das litauische Fernsehen wieder in letzter Minute alles umschmeißt – und bis dahin können wir uns schon mal den Song schön hören.


Verkackt die Nummer wohl mit Absicht: Vaidas Baumila (Song ab 1:25 Minuten)

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  • Das Original von Vilija. (38%, 16 Votes)
  • Keine von denen. Mach's bitte weg! (31%, 13 Votes)
  • Die Akustikfassung des leckeren Vaidas. (21%, 9 Votes)
  • Die smoothere Version von Mia. (10%, 4 Votes)

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