Zwei­ter Super­sams­tag 2014: vom Punk und dem All

Neben dem gefühlt acht­zehn­stün­di­gen Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le in Mal­ta und der unter­halt­sa­men zwei­ten Run­de des Mel­lo tra­ten beim gest­ri­gen Super­sams­tag auch in Ungarn und Island erneut eine Hand­voll Acts um die Chan­ce auf eine Fahr­kar­te nach Kopen­ha­gen an. Begin­nen wir dies­mal mit dem Söng­vakepp­nin, das mit drei von fünf zwar die glei­che Fina­lis­ten­quo­te vor­wei­sen kann wie A Dal, dafür aber die inter­es­san­te­ren Titel. Dazu gehört zwei­fels­oh­ne das ein­fach gestrick­te und dank der Hook­li­ne “Ral­la lal­a­la­la” pro­blem­los mit­gröl­ba­re ‘Enga for­dó­ma’ (doch nicht etwa ein Song über Phi­mo­se?) von Pol­la­pönk. Die vier Her­ren, dem Ver­neh­men nach im Haupt­be­ruf Grund­schul­leh­rer, tra­gen nicht nur einen lus­ti­gen Namen und äußerst schmu­cke Gesichts­be­haa­rung, son­dern auch ein­heit­li­che Trai­nings­an­zü­ge in RTL-Far­ben (plus, inter­es­san­ter­wei­se, rosa) und geben so gewis­ser­ma­ßen das kana­di­sche Vie­rer­bob-Team die­ses Euro­vi­si­ons­jahr­gan­ges. Und Syn­chrontanz beherr­schen sie auch! Die Num­mer macht unver­meid­lich gute Lau­ne und könn­te im Söng­vakepp­nin-Fina­le eine ernst­haf­te Kon­kur­renz zur blon­den Meer­jung­frau vom letz­ten Sams­tag wer­den.


Ich könn­te wet­ten, dass ich die Melo­die schon mal gehört habe: Pol­la­pönk

A pro­pos blond: per Wild­card zog außer­dem Sig­ríður Eyrún Frið­riks­dót­tir ins Fina­le, die in ‘Lífið kvi­k­nar á ný’ eben­falls auf ein­gän­gi­ge Laut­ma­le­rei (hier mal wie­der das von Mari­an­ne Rosen­berg [DVE 1975] erfun­de­ne “Na na na”) setzt und sich stre­cken­wei­se groß­zü­gig an der Melo­die des brit­schen Acht­zi­gerNeun­zi­ger­jah­rehits ‘I’ve got a litt­le some­thing for you’ von MN8 bedient. Ansons­ten gibt uns die blon­de Elfe mit ihrem bass­las­ti­gen Swing-Stück gewis­ser­ma­ßen die Tan­te von Chris­ti­na Agu­lie­ra wäh­rend derer ‘Back to Basics’-Pha­se. Gemein­sam mit fünf im Caba­ret-Schick beklei­de­ten Backings steht sie im Luft­strom der Wind­ma­schi­ne und bie­tet ihren Song feil. Gefällt mir – kön­nen wir sie und Pol­la­pönk nicht schnell noch in einem guter Bei­trä­ge bedürf­ti­ge­ren Land unter­brin­gen, sagen wir: Irland? Ist doch nur ein abwei­chen­der Buch­sta­be, merkt doch kei­ner!


Sig­gi weiß, was Grand-Prix-Fans wün­schen: eine Rückung!

Sechs von zehn Bei­trä­gen (und damit nomi­nal mehr, pro­zen­tu­al aber gleich viel) pas­sier­ten in Ungarn. Berech­tig­ter Jury­fa­vo­rit war Pál Dénes, der in ‘Bra­ve new World’ gemein­sam mit sei­nen gebär­den­den Backings einen melan­cho­li­schen Aus­flug ins Welt­all unter­nimmt. Sein Auf­tritt (jeden­falls der knapp ein­mü­ti­ge Aus­schnitt, den das unga­ri­sche Fern­se­hen gnä­di­ger­wei­se ins Netz zu stel­len bereit ist) ver­strömt einen gewis­sen ele­gant-mor­bi­den 2001-Flair (der Film­klas­si­ker, nicht das Jahr), obwohl auch Dénes an einem “Dam da dam da da” nicht vor­über­ge­hen kann. Ohne Laut­ma­le­rei­en schaff­te es die fünf­köp­fi­ge Aca­pel­la-Band Fool Moon, die ihre lei­der recht mit­tel­mä­ßi­ge Num­mer ‘It cant’ be over’ im Sit­zen absol­vier­te – und zwar auf IKEA-Bei­stell­ti­schen (Lack, das Stück je 9,99 €). Erwäh­nung ver­dient noch die Aus­ge­schie­de­ne Kirá­ly Lin­da: nicht für ihr ver­wa­schen vor­ge­tra­ge­nes, völ­lig über­flüs­si­ges Poprock­lied­chen ‘Ever­y­day’, son­dern für die drei äußerst ansehn­li­chen und sehr agi­len männ­li­chen Tän­zer, die sie beglei­te­ten.


Das nied­li­che Glat­zen­bär­chen ganz rechts bit­te für mich! Dénes & Friends


Hier bit­te alle drei: Lin­da & Tän­zer


Wie oft muss Aca­pel­la beim ESC noch schei­tern, damit es end­lich alle kapie­ren? Fool Moon

3 Gedanken zu “Zwei­ter Super­sams­tag 2014: vom Punk und dem All”

  1. Oh, oh, oh, ganz böser Ein­ord­nungs­feh­ler. MN8 waren in den Neun­zi­gern – und nicht mal am Anfang, eher um 95–96. (Das war mei­ne MTV-Zeit, des­we­gen ken­ne ich eine Men­ge Lie­der aus der Zeit, die ich lie­ber ver­ges­sen wür­de…)

  2. Die Uga­ri­schen bei­trä­ge kann man sehr wohl voll­stän­dig anschau­en ein­zelt auch als kom­plet­te sen­dung unter der adres­se
    http://www.adal2014.hu, also ordent­lich nach­schau­en und nicht immer rum­me­ckern.-))

  3. Kann man tat­säch­lich (unter dem Menü­punkt “Adás”). Das ist fein, dan­ke für den guten Hin­weis!
    Nur ver­lin­ken kann ich die Auf­trit­te hier lei­der nicht in vol­ler Län­ge, weil es die eben nicht auf You­tube gibt. Und dar­über mecke­re ich, soviel ich will. 😉

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