Armenien 2014: You are not alone

Nach monatelanger, atemloser Spannung war es heute Abend endlich soweit: der armenische Mohamed Compact-Disc, Verzeihung: Aram MP3, stellte am Ende eines Fernsehspecials, in dem sämtliche bisherigen Eurovisionsvertreter des Landes auftreten und ihre aktuelle Scheibe zu Gehör bringen durften, seinen Song für Kopenhagen vor. Und was soll ich sagen: das Warten hat sich gelohnt! ‚Not alone‘ ist eine extrem spannungsreich und geschickt aufgebaute, hochdramatische Ballade, die mich in großen Gefühlen baden lässt. Als sanfter Klavierreigen anfangend, steigert er sich mit schwelgerischen Streichern und hübschen Marschtrommel-Verzierungen langsam, aber unaufhaltsam zu einem furiosen Höhepunkt empor, bei dem sogar aggressiver Dubstep zum Einsatz kommt, der – von Arams Stimme perfekt interpretiert und vom düsteren Videoclip mit entsprechenden Bildern eindrucksvoll unterlegt – die bislang angesammelte Verzweiflung in blanke Wut umschlagen lässt und den Zuhörer mit Wucht mitreißt. Da spielt es gar keine Rolle mehr, dass dem Song ein klassischer Refrain fehlt und er textlich fast ausschließlich aus tranceartigen Wiederholungen der Zeile „You are alone“ beziehungsweise „You’re not alone“ besteht. Ein zartes, fast zerbrechliches Klavier-Outro fängt den aufgewühlten Rezipienten kurz vor Ende wieder ein und begleitet ihn sanft aus dem Lied heraus. Bleibt nur die Frage, ob das live ähnlich gut klingt, denn in der heute Abend präsentierten Studiofassung kommt hörbar Autotune zum Einsatz. Davon mal ab: Respekt, Armenien! Das ist ein Brett!


Ein grandioser Gefühlssturm: Aram MP3 & die nassen Autofahrer

Bleibt Armenien mit diesem Song alleine im Semi zurück?

  • Nein. Sicher im Finale, wenn nicht gar ein Sieganwärter. Großer Song! (57%, 83 Votes)
  • Mal abwarten, wie das live klingt. (26%, 38 Votes)
  • Ja. Das ist schlecht gemachter Gefühlskitsch und der Dubstep passt gar nicht hin. (17%, 25 Votes)

Total Voters: 146

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10 Gedanken zu “Armenien 2014: You are not alone

  1. Stefan, warum biste denn nicht bei Bloggenhagen dabei? Und zum Song: Definitiv der mit der besten Instrumentalisierung dieses Jahr!

  2. Der frankophile Gefühlssturm hat einen zeitgemäßen Nachfolger gefunden. Sehr schön. Nachdem ich den Jahrgang fast schon aufgegeben hatte, bricht in dieser Woche doch noch dringend benötigte Moderne und Frische in das Teilnehmerfeld ein. Ich bin schon sehr auf die Inszenierung gespannt. Sieg? Ich weiß nicht. Da rechne ich dann doch dem etwas gefälligerem Ungarn ein wenig mehr Chancen aus.

    Guter Rat an Norwegen und Belgien: Wählt bloß nicht ‚Silent Storm‘ oder ‚Mother‘. Gegen Aram können Carl und Axel einpacken!

  3. Kann die Begeisterung überhaupt nicht verstehen. Ist zwar ganz ordentlich gemacht (ob das live auch so wird, muss sich natürlich erst zeigen), laaaaaaaaaaaangweilt mich aber total. Eigentlich mag ich Stücke mit sehr langsamer Steigerung (können auch 20 Minuten sein) bis zum furiosen Ende, aber hier ist zum einen nix furios und außerdem berührt es mich in keiner Weise. Natürlich auch kein Hasstitel, dazu ist es mir einfach zu egal.

  4. Ich weiß einfach nicht, was ich von der Nummer halten soll. Ich hab sie mir jetzt schon mehrfach angehört und finde sie zweifellos gut gemacht (ob er das live stemmen kann, wird man erst mal sehen müssen). Es hat auch seinen Reiz, wenn’s unter Zuhilfenahme der Dubstep-Elemente „laut“ wird. Aber mir fehlt da einfach ein richtiger Refrain und das Lied fällt meiner Meinung nach zu früh wieder in seine leisen Töne zurück. Es sollte mit einem richtigen Paukenschlag enden. Zudem berührt es mich emotional nicht, ich bin da mit meinem Vorredner durchaus einig. Finale ist damit wohl gebucht, aber wo es dort landen wird, ist völlig offen. Ich rechne aber eher mit der linken Hälfte des Tableaus.

  5. Von mir aus könnte das Lied doppelt so lang sein, die drei Minuten sind einfach viel zu kurz. So ist es gerade mal ein Appetizer, da fehlen noch drei weitere Menügänge zum Sattsein. Ich find’s wirklich gut.

    @Stefan Niggemeier: Ja!!! Eine Jerewlog, darauf freue ich mich!

  6. Och, ich sehe mir lieber diverse Ausgaben vom Lissablog, Dublog, Helsingblog, Blogljana, Blogislawa, Blogarest, Jereblog und wie sie auch immer heißen mögen an, als mir auch nur einen einzigen Text von Feddersen anzutun. So viele schlechte Wortspiele könnt ihr gar nicht versemmeln, das ist immer noch weniger Stuss als Feddersen in jedem seiner Beiträge schreibt. 😉

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