Deutschland 2014: Ist das richtig?

Immerhin: Stefan Raab und Viva braucht die ARD nicht mehr, um die versammelte Crème de la Crème der deutschen Musikindustrie öffentlich vorzuführen und die aktuellen Spitzen-Umsatzträger gegen völlige Nobodys abstinken zu lassen. Schon einmal, im Jahre 2004, hatte der NDR dieses Kunststück fertig gebracht: damals konnte man nach jahrelanger Vorarbeit und in Kooperation mit dem privaten Musikkanal Viva die seinerzeitigen Top-Acts wie Scooter, Sabrina Setlur oder Mia. aufbieten, nur damit der bis kurz vorm Vorentscheid noch völlig unbekannte, von Raab beigesteuerte Wildcard-Gewinner Max Mutzke diese mit einem 92%-Erdrutschsieg marginalisieren konnte. Neun Jahre und eine deutsche Eurovisionssiegerin brauchte es, bis das Format sich von diesem Debakel erholen konnte. Dieses Jahr war es erneut soweit: mit Unheilig, Santiano und Oceana versammelte der NDR einige der absoluten deutschen Umsatzriesen in seinem Line-up. Sowie das erst 2013 gegründete Mädchentrio Elaiza, Gewinnerinnen des NDR-Nachwuchswettbewerbes – und auch des gestrigen Vorentscheids Unser Song für Dänemark.


Sehr effektvoll: die Lametta-Ejakulation zum Refrain von ‚Is it right?‘

Mahnten im Vorfeld noch besorgte Stimmen, dass es doch unfair sei, solche Newcomer gegen etablierte Acts wie Unheilig mit ihren riesigen Fanclubs in die von vorneherein verlorene Schlacht zu schicken, so behielten diese Recht – allerdings andersrum als gedacht. Die Deutschen mit ihrem Hang zur Sozialromantik stimmen halt gerne für den Underdog! Und Elaiza machten es einem ja auch leicht: wohl niemand, der bei der im Einspieler gezeigten Szene, als Leadsängerin Elżbieta Steinmetz auf die direkt im Anschluss auf den Sieg im Vor-Vorentscheid gestellte Frage, wen sie jetzt als erstes anrufen wolle, mit „Meine Mama!“ antwortete, nicht „awwwww, wie süß!“ dachte und in den Welpenschutzmodus schaltete. Bei der Generalprobe am Mittag wirkten Elaiza im Angesicht der verhältnismäßig großen Halle, des professionellen Bühnenaufbaus und der Konkurrenz noch etwas eingeschüchtert, so dass ihnen die anwesenden Eurovisionsfans besonders kräftigen Mutmach-Applaus spendeten. Was sich am Abend wiederholte: getragen von einer riesigen Sympathie-Welle in der Kölnarena, spülte es die Mädels im dreiteiligen, unnötig komplizierten Votingverfahren überraschend an die Spitze.


Vom Kontinent, inkontinent: des Grafen ESC-Lied

Wobei auch dieses Verfahren seinen Anteil am Elaiza-Sieg haben dürfte, standen sich die Mädels in der Schlussrunde nur noch mit Unheilig Aug‘ in Aug‘. Und der Graf verfügt zwar über die größeren Fanclubs (wie man auch in und vor der Arena feststellen konnte), aber eben auch über das größere Spaltpotenzial: auf jeden bedingungslosen Anhänger seiner Düstere-Romantik-Schlager kommen sicherlich zwei ebenso bedingungslose Hater, die dann für das freundliche Gegenangebot stimmten und Elaiza eine 55-zu-45-Prozent-Führung sicherten. Gegen die drei Damen gibt es nun rein gar nichts einzuwenden: ihr Titel tut niemandem weh, liegt mit seiner besonderen Instrumentierung im aktuellen Neo-Folk-Trend und der ukrainisch-polnische Background der Frontfrau Elżbieta (oder Ela, wie sie sich selbst nennt) verleiht dem Trio etwas polyglottes. Ganz sicher blamieren wir uns mit ihnen auf internationaler Ebene nicht, auch wenn natürlich keine Spitzenplatzierung im Eurovisionsfinale zu erwarten sein dürfte.


Extrapunkte übrigens für den babybärchenniedlichen Drummer: MarieMarie

Als zweite große Siegerin des gestrigen USFD-Finales muss Moderatorin Barbara Schöneberger gelten, die trotz des etwas verunglückten Uli-Hoeneß-Witzes1)Die Sendung begann aufgrund eines eingeschobenen ARD-Brennpunktes zur Verurteilung von Bayern-München-Manager Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu einer mehrjährigen Haftstrafe eine Viertelstunde später als geplant. („der ist ja schon in ‚Sing-Sing'“) mit Esprit und Anmut durch den Abend führte. Wobei sie bei der etwas zäh verlaufenden Probe am Nachmittag ihre unglaubliche Schlagfertigkeit noch herzerfrischender unter Beweis stellen konnte. Sonderpunkte auch für die Klamotte: hier hätte sich beispielsweise die ansonsten fabelhafte MarieMarie gerne ein Beispiel nehmen können, die bei ihrem ersten Auftritt mit den sensationellen Elektro-Harfen-Kracher ‚Cotton Candy Hurricane‘ ihre Storchenbeine ausgerechnet in einen durchsichtigen Plastik-Duschvorhang wickelte, dafür aber mit einer futuristischen roten Krause frisürlich zu punkten wusste. Beim Zweitauftritt mit dem ähnlich guten2)Weswegen sich in der zweiten Abstimmungsrunde wohl auch die Stimmen gleichmäßig auf beide Songs verteilten und Elaiza, deren zweiter Titel klar gegen den ersten abstank, an ihr vorbeizogen. ‚Candy Jar‘ kleidete sie sich dann etwas weniger extravagant und wirkte auch weniger angespannt. Oceana weckte bei ‚Thank you‘ mit ihrem äußerst osteuropatauglichen Tabledancerinnen-Outfit Erinnerungen an Magdalena Tul (PL 2011) – immerhin konnte sie es im Gegensatz zur Polin aber tragen! Doch es nützte nichts: zu glatt der Sound, als dass sich das Lied hätte im Gehörgang festkrallen können.


Guck mal, der Santiano-Sänger an der Gitarre: Oceana dankt uns

Im Gegensatz zu Santiano, die bei der Generalprobe mit den zeitraubenden Auf- und Abbauarbeiten für ihr bühnenfüllendes Segelschiff mehrfach den Betrieb zum Erliegen brachten (Babsi Schöneberger: „Nur wenn der Mast richtig steht, macht es auch Spaß!“). Sowohl das extrem mitklatschfreundliche, englischsprachige Seefahrershanty ‚Fiddler on the Deck‘ als auch der textlich fremdschämpeinlich großmachtromantische Heimweh-Schlager ‚Wir werden niemals untergehn‘ brachten einen auch dann zum Mitwippen, wenn man – wie ich – die Band aus ästhetischen Gründen nicht mochte. Dass die kernigen Mannen dennoch vor dem Superfinale ausschieden, dürfte ebenso dem Spaltpotenzial ihrer beiden Beiträge geschuldet sein: der ‚Fiddler‘ verfügte über die größere Eingängigkeit und den Spaßfaktor, ‚Niemals untergehn‘ war eines der drei deutschsprachigen Angebote des Abends, neben den zwei Songs des Grafen, von denen ich übrigens ‚Als wär’s das erste Mal‘ deutlich packender und gehörgangschmeichelnder fand als das an die dunkelsten Zeiten deutscher Eurovisions-Texter-Kunst erinnernde ‚Wir sind alle wie Eins‘, das noch nicht mal an der obligaten (und von den internationalen Jurys noch nie beschrittenen) „Brücke“ sparte.


See-, See-, Segelkahn: Santiano erlitten Schiffbruch

Bleiben noch die Zählkandidaten: Das (vom Schicksal) Gezeichnete Ich gab mit dem verträumten Elektroschlager ‚Weil Du da bist‘ den Ben Ivory (DVE 2013) des Jahrganges: an sich ein schönes Lied, zerstört durch die mangelnde Bühnenpräsenz des Interpreten. Die international erfolgreichen The Baseballs funktionieren nur auf ironischer Ebene gut, wenn sie aktuelle Hits im Rockabilly-Sound covern. Mit ernst gemeinten Rock-n-Roll-Songs wie ‚Mo hotta mo betta‘ (Babsi Schöneberger: „Klingt a weng fränkisch“) wirken sie gestrig und zäh. Und die vom SWR mit großem Einsatz gepushte Madeline Juno schoss sich mit der vermutlich von der Plattenfirma vorgegebenen Risikostrategie, mit ihrer aktuellen Single, dem beliebig dahinplätschernden ‚Like Lovers do‘, zu eröffnen und sich das deutlich eingängigere ‚Error‘ für die zweite Runde aufzuheben, in die sie dann aber nicht kam, selbst ins Knie.


Feuer brennt nicht nur im Kamin: die Baseballs

Ausdrücklich zu loben ist übrigens die Experimentierfreude der ARD in Sachen Showgestaltung und Votingverfahren, denn nur Versuch macht klug. Dass man das zu Recht für seine Unübersichtlichkeit kritisierte dreiteilige Abstimmungsverfahren des Vorjahres mit Radio-, Jury- und Televoting nun durch ein nicht minder kompliziertes – wenigsten aber demokratisch legitimiertes – dreiteiliges Verfahren ersetzte und den Zuschauer mit gleich mehreren Titeln pro Künstler noch zusätzlich verwirrte, mag nicht die glücklichste Idee gewesen sein, aber immerhin wissen wir nun, dass sie nicht funktioniert. Spannend dürfte nun werden, wer sich nächstes Jahr noch für den deutschen Vorentscheid zusammentreiben lässt: 2005 folgten auf die Größen des deutschen Musikbusiness ausschließlich Chancenlose (wie Siegels Duo Süßmilch & Mathias) und Abgehalfterte (wie Gracia Baur). Erwarten uns 2015 also Daniel Kaiser-Küblböck und Valentina Monetta?


Das wäre mein Song für Dänemark gewesen: Als wär’s das erste Mal

Deutscher Vorentscheid 2014

Unser Song für Dänemark. Donnerstag, 13. März 2014, aus der Kölnarena in Köln-Deutz. 8 Teilnehmer, Moderation: Barbara Schöneberger.
#InterpretTitelRd 1Rd 2Rd 3Charts
01Das Gezeichnete IchWeil Du da bistX------
02OceanaThank youX------
03SantianoFiddler on the DeckQX--69
04MarieMarieCotton Candy HurricaneQX--39
05The BaseballsMo hotta mo bettaX------
06ElaizaIs it right?QQ0104
07UnheiligAls wär's das erste MalQX--10
08Madeline JunoLike Lovers doX----96
09SantianoWir werden niemals untergehn--X----
10MarieMarieCandy Jar--X--82
11ElaizaFight against myself--X--50
12UnheiligWir sind alle wie Eins--Q0229

Is it right? Haben die deutschen Zuschauer mit Elaiza richtig gewählt?

  • Absolut. Bester Song des Abends. Ich freu mich für die Mädels. (48%, 89 Votes)
  • Vielleicht nicht der beste Song, aber Hauptsache nicht der schlimme Graf! (29%, 53 Votes)
  • Och nö! Das ist doch wieder kleinster gemeinsamer Nenner. Menno! (15%, 28 Votes)
  • War ja knapp: ich denke, mit 'Als wär's das erste Mal' hätten Unheilig gewonnen. (8%, 15 Votes)

Total Voters: 185

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Fußnote(n)   [ + ]

1. Die Sendung begann aufgrund eines eingeschobenen ARD-Brennpunktes zur Verurteilung von Bayern-München-Manager Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu einer mehrjährigen Haftstrafe eine Viertelstunde später als geplant.
2. Weswegen sich in der zweiten Abstimmungsrunde wohl auch die Stimmen gleichmäßig auf beide Songs verteilten und Elaiza, deren zweiter Titel klar gegen den ersten abstank, an ihr vorbeizogen.

19 Gedanken zu “Deutschland 2014: Ist das richtig?

  1. Und Italien zeigt, wie es auch gehen kann. Emma hatte zumindest im TV eine tolle Bühnenpräsenz, ist zwar nicht mein Geschmack, der Rocktitel, aber alle Achtung.
    Leidet Emmilie de Forest an Asthma? Du meine Güte. Ich mochte das Lied schon 2013 nicht, aber so kehlich gehaucht, geht es ja gar nicht.

  2. Ich habe mich für die drei Ladies echt gefreut. Und es war schön zu sehen, dass auch „Stars“ rausgekickt werden, die vermeintlich als Sieger galten. Den Song mag ich, habe ihn gerade im Radio gehört und er geht irgendwie nicht mehr aus dem Ohr – ich denke auch, ganz schlecht werden wir nicht abschneiden.

  3. „It is right“ – irgendwie erfrischend. Elaiza kann jedenfalls singen. „Das gezeichnete Ich“ (omG schon dieser Name) war ja übler als beim DSDS Casting, checkt man die Kandidaten nicht vorher? Es wäre zwar interessant gewesen, ob der Graf auch international funktioniert, aber es hat halt nicht sollen sein. Absoluter Tiefpunkt „Baseballs“. Rockabilly nennt sich das Aufwärmen uralter Rhythmen, spätestens seit Shakin‘ Stevens nur noch langweilig. Santiano der Machobierkeller grölend in der Segelschiffkulisse – was wirkt gegen die da zwangsläufig aufkommenden Kopfschmerzen? Korn oder Aquavit? Oceana: kannste vergessen, nahm nur teil, weil sie mal die EM-Hymne sang und soll auch künftig lieber Fußball- statt ESC-Fans auf die Nerven gehen.

  4. Worüber bist Du eigentlich genau sauer? Dass etablierte Acts wie Unheilig abgeschmiert sind, würde ich so gar nicht sagen. Abgeschmiert ist Madeline Juno, die vor Nervosität keinen geraden Ton getroffen hat. Auch die Baseballs sind unter ihrem Esprit geblieben, hatten womöglich doch etwas zu viel Kölsch konsumiert. Santiano hatten mit dem Schiff eine schöne Bühne mit toller Beleuchtung, da hat sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen viel Mühe gegeben. Ebenso auch mit Unheiligs Bühnenauftritt. Gut, dass doch keine Pyrhoeffekte zum Einsatz kamen.

    Was wäre Dir denn lieber gewesen? Unheilig mit ‚Als wär’s das erste Mal‘ versus Santianos ‚Fiddler‘? Ich weiß einfach nicht, was das Beste gewesen wäre.Ich hätte am liebsten zwischen MarieMarie mit einem von beiden Songs versus Elaiza mit einem von beiden Songs gewählt. Ich hätte für Unheilig gevotet, wenn mich seine Lieder wirklich überzeugt hätten. Haben sie aber letztlich nicht. Ich mag ‚Als wär’s das erste Mal‘ in Verbindung mit dem Video, das eine so schöne Geschichte erzählt, wirklich gerne. Ohne dieses narrative Korsett bleibt das Lied mir nur sporadisch im Gehörgang haften. Ich hatte schon gesagt, dass ich mir einfach mehr kompositorische Raffinesse gewünscht hätte. Denn auf der ESC-Bühne ist die deutsche Sprache ohnedies eine Hürde, die es anderweitig zu kompensieren gilt.

    Und ‚Wir sind alle eins‘ finde ich nicht minder schwierig, denn musikalisch finde ich diesen Song gelungener als ‚Als wär’s das erste Mal‘, über den Text sind wir uns hier ganz einig. Was mich allerdings wirklich ansäuert, ist das Bohei um das Veröffentlichungsdatum. Dieses Zurückhalten bis zum jüngsten Bühnengericht macht ja nur wirklich Sinn, wenn es, wie im letzten Jahr bei Anouk, mit einem wirklichen Knallerlied verbunden ist, beziehungsweise der Künstler eine neue Richtung einschlägt. Dies gibt ‚Wir sind alle eins‘ nun wirklich nicht her. Man merkt hier die kalkulierte Absicht und ist verstimmt. Das Video ist ebenfalls visuell sehr ansprechend, die Bilder erklären das Gesungene. Indes hätte man dies auch schon wesentlich früher veröffentlichen können. Ich denke, diese Marketingstrategie ist nach hinten losgegangen.

    Ach ja, in irgendeinem Interview, ich glaube im Rahmen vom ARD Morgenmagazin, sagte Der Graf, er will den ESC gewinnen, weil er dann international Konzerte geben kann. Das ist mir unangenehm aufgestoßen. Das klang halt doch sehr kalkuliert. Ich finde es in Ordnung, den ESC als Sprungbrett zu nutzen, jedoch kann dies auch nach hinten losgehen, wie wir wissen. Im Grunde, ist Unheilig gut bedient, denn ein guter zweiter Platz im nationalen Vorentscheid ist nicht karrierehemmend, ein zwanzigster Platz im ESC würde aber doch an den Knochen nagen.

  5. „Die Deutschen mit ihrem Hang zur Sozialromantik stimmen halt gerne für den Underdog!“ … auf den Punkt, werter Blogger. Ich hätte halt gern gesehen, wie es gegen MarieMarie (die mit dem Regenschutz fürs Röckchen) wunderbaren Süßigkeiten-Laden gelaufen wäre. Ich kann leider mit „is it right?“ noch nichts anfangen, vielleicht höre ich mir das bis Mai noch schön… aber wenn es für Moldawien am Start wäre, würde ich es sicherlich kein weiteres Mal hören wollen. Aber natürlich gönne ich den Dreien das sehr, interessante Instrumente, schöne ausdrucksstarke Stimme, toller Auftritt. Das wird auf keinen Fall blamabel… aber TOP 5, wie jetzt überall geunkt wird? hmmm…. und der 2.Song von Elaiza wäre ja ohne die Tuba völlig versunken. Insgesamt war die VE doch mit einigen schwachen Beiträgen bestückt.

  6. Also ich kann deinen Kommentar nicht verstehen, das die Leute, die Elaiza gewählt haben nur Sozialromantiker sind. Vielleicht liegts auch einfach daran, das den Leuten das Lied von Elaiza einfach am besten gefallen hat. Ich war für Unheilig, aber irgendwie haben mich seine beiden Lieder einfach nicht so berührt. Hätte er Songs am Start gehabt, im Stil von „Geboren um zu Leben“ oder „So wie du warst“ dann hätte er vielleicht gewonnen. Ich fand Is it right einfach origineller als die beiden Songs von Unheilig. Ich hätte auch mit Fiddler on The Deck und mit Marie Marie leben können. Die Lieder von Oceana, Baseballs waren einfach nix. Und das gezeichnete Ich und Madeline Juno haben ihren Liveauftritt total versemmelt. Gesanglich haben die vergeigt. Bezüglich Platzierung von Elaiza in Kopenhagen kann ich keine Vorhersagen machen. Entweder weit vorne oder weit hinten, dazwischen gibt es nix. Ich drücke den 3 sehr sympathischen Mädels jedenfalls die Daumen. Auf jeden Fall sind es würdige Vertreterinnen.

  7. „Sauer“, wenn man davon reden kann, bin ich darüber, dass ich befürchte, dass Acts in der Preisklasse von Unheilig jetzt für die nächsten zehn Jahre wieder den Vorentscheid meiden wie der Teufel das Weihwasser, aus Angst, dort von Nobodys vorgeführt zu werden. Und wir dann wieder nur Chancenlose und Has-Beens kriegen. Ich finde es grundsätzlich falsch, Newcomer und Etablierte in einem Vorentscheid zu mischen. Dann lieber reine Nachwuchsförderung – es gibt ja genügend guten Nachwuchs, wie der Youtube-Wettbewerb gezeigt hat. Aber vielleicht steckt mir da auch nur 2004 noch zu sehr in den Knochen, diesmal war es ja nicht ganz so brutal. Santiano gehen, denke ich, unbeschädigt aus USFD hervor und mal sehen, wie es für den Grafen weiter läuft. Ich würde mich ja freuen, wenn ich Unrecht behalte und wir auch nächstes Jahr A-Listen-Acts bekommen.

    Vielleicht bin ich auch nur ein bisschen verstimmt, weil für meinen Geschmack im Superfinale nichts dabei war – „Als wär’s das erste Mal“ war ja mein Favorit, das vom Publikum ausgesuchte „Wir sind alle wie eins“ spricht mich aber überhaupt nicht an, und Elaiza finde ich ja okay, aber kaufen würde ich mir den Song nicht. Persönlich hätte ich mir ein Superfinale von „Als wär’s das erste Mal“ gegen „Candy Cotton Hurricane“ gewünscht, wobei ich sogar auch mit dem „Fiddler“ hätte leben können (keinesfalls jedoch mit „Niemals untergehn“).

    Und ja, das Theater um „Wir sind alle wir eins“ war wirklich albern. Dass der Graf seine Fanbasis via ESC verbreitern wollte, ist aber doch nur natürlich, wer will das von den teilnehmenden Künstlern denn nicht? Da ist für mich kein Geschmäckle. Anyway – tolle Show der ARD ingesamt, da sind wir uns einig!

  8. Ja, ein Superfinale von “Als wär’s das erste Mal” gegen “Candy Cotton Hurricane” hätte mir auch sehr gut gefallen. Ich hätte aber in jedem Fall für MarieMarie gevotet, die ich auch lieber in Kopenhagen gesehen hätte. Nun ja. Elaiza sehe ich eher gelassen, ich freu mich für die Mädels. Persönlich gefällt mir auch „Fight Against Myself“ besser. Ich kann mit diesem „Is It Reijeijeijeijeijeijeit“ nicht so viel anfangen.

    Angeblich ist Herr Schreiber für’s nächste Jahr ja schon mit A-Listen-Acts in Kontakt. Ich sehe das nicht so negativ wie Du, denn ich denke, unabhängig von einer Fahrkarte zum ESC kann auch eine nationale Teilnahme für A-Listen-Acts interessant sein. Ich habe heute den Bericht gelesen, den die dänischen Journalisten vom gestrigen Abend geschrieben hatten. Je nach rührigem Management der A-Listen-Acts können sich auch so internationale Möglichkeiten ergeben. Es sind ja nicht immer die Gewinner diejenigen, die langfristig erfolgreich sind und bleiben. Für mich ist Anouk das Paradebeispiel, wie Auch A-Listen-Acts eine nationale Teilnahme nutzen könnten, ihre Karriere weiterzubringen.

    „Ich finde es grundsätzlich falsch, Newcomer und Etablierte in einem Vorentscheid zu mischen. Dann lieber reine Nachwuchsförderung – es gibt ja genügend guten Nachwuchs, wie der Youtube-Wettbewerb gezeigt hat.“ An Deinen Überlegungen ist schon was dran, allerdings würden bei einem finalen Vorentscheid doch wieder Newcomer und Etablierte aufeinandertreffen. Dem Dilemma entgeht man wohl nie. Ansonsten müsste man den ESC zum reinen Newcomer-Förderprogramm erklären. Will man das wirklich? Ich denke, es wäre wichtiger, den Etablierten den ESC als Möglichkeit zu präsentieren, die Chancen eröffnet und nicht verbaut. Ein Experimentierfeld, wo man auch Neues ausprobieren kann.

    Ich denke, der gestrige Abend hat gezeigt, dass das Publikum sehr genau diskriminieren kann und Chancenlose und Has-Beens auch nicht weiterwählen würde. Vielleicht braucht’s einfach mehr Vertrauen in die ästhetische Kompetenz der kritteligen Germans.

    Ja, das Jahr 2004. Vergiss nicht, dass Stefan Raab ja von einem unbedingten Siegeswillen beseelt ist, der keinesfalls verlieren will. Damals war es einfach eine andere Stimmung, wenn ich mich dunkel erinnere, waren alle Kandidaten seines „SSDSGPS“-Castings richtig gut. Und er hat Max Mutzke damals enorm protegiert. Der ESC als Stefan Raabs nationale Aufgabe, im Grunde als Sängerkrieg. Da war es doch gestern wesentlich entspannter.

    Ich denke auch, dass Santiano unbeschädigt aus USFD herausgehen werden. Der Graf wird wohl ein wenig dran knabbern, aber letztlich ist ein zweiter Platz keine persönliche Schande. Es war ein Vabanquespiel und ich bleibe dabei – stärkere Lieder hätten ihm gut getan und with a little help from his friends wäre da auch mehr möglich gewesen.

    https://www.youtube.com/watch?v=WB_JtYqtMaE

    Was ich auch schon bei Cascada angemerkt habe ist, dass A-Listen-Acts die ESC-Bedingungen nicht recht ernst zu nehmen scheinen. Lieder für den ESC lassen sich nicht mal so nebenbei komponieren. Ich denke, es kommt zukünftig darauf an, dass die ARD dabei auch den A-Listen-Acts vermittelt, dass es für den Vorentscheid Qualität braucht …

    Erkennst Du den Schauspieler? Es ist einer der Santanos …
    https://www.youtube.com/watch?v=LiezC6huLFc

    Das hier geht in die Richtung der norwegischen Margaret Berger …

  9. Naja, mal abwarten. Der Bauchklatscher des etablierten Acts Cascada letztes Jahr in Malmö – gut, nicht im Vorentscheid, aber „von Nobodys vorgeführt“ trifft es auch da ganz gut – hat ja auch nicht dazu geführt, dass dieses Jahr keine „richtigen“ Bands und Sänger teilnehmen wollten. Und bei Elaiza steckte eben kein Medienprofi wie Stefan Raab dahinter, der einen Max Mutzke so massiv promoten konnte, dass die Sache am Ende so ausging, wie sie eben ausging – das dürfte damals zur Frustration bei den etablierten Acts geführt haben, und das ist diesmal ja nicht gegeben. Letztes Jahr hat der bekannte Name gewonnen, dieses Jahr haben die Newcomer die Überraschung geschafft. Bisheriges Fazit: Alles ist möglich. So gehört sich das.

    Und eine Randbemerkung: Ich hab mir das gerade nochmal angesehen (die Siegerverkündung), und obwohl ich mit Unheilig nicht viel anfangen kann: Respekt, Herr Graf, so geht Verlieren mit Stil. Wenn die Enttäuschung nicht am nächsten Tag noch voll zugeschlagen hat, glaube ich, dass wir die Herrschaften bei USFX nicht zum letzten Mal gesehen haben.

  10. Das will ich ja auch nicht behaupten. Natürlich hätte die Underdog-Position den drei Mädels nix genutzt, wenn ihr Song scheiße gewesen wäre. War er ja nicht, der Sieg von Elaiza geht ja völlig in Ordnung. Ich glaube nur, dass dieses Welpenschutzprogramm und das David-gegen-Goliath-Märchen-Ding denen schon geholfen hat. Was ich ja nicht kritisiere, ich stelle es nur fest. Ich bin ja selbst Sozialromantiker, das ist nicht abwertend gemeint. Mich hat halt „Als wär’s das erste Mal“ deutlich stärker berührt als „Is it right?“ (und als alle bisherigen Unheilig-Songs), aber das ist halt reine Geschmackssache. Und ja, natürlich sind das würdige Vertreterinnen, denen auch ich die Daumen drücke, völlig selbstredend.

  11. Sehr enttäuschender Vorentscheid gestern mit x-beliebigen Liedern und Barbara Schönebergers peinlichen Witzen.

    Da war kein Lied dabei, das dem diesjährigen Jahrgang den Stempel hätte aufdrücken können. Aber schön, dass es am Ende „Elaiza“ waren. „Wir Sind Alle Wie Eins“ geht ja garnicht, das hat mich irgendwie an „Stone & Stone“ denken lassen (weiß nicht warum).

  12. Also, mir hat’s gefallen gestern, muss ich sagen. 🙂

    Und ja, ich finde, der beste Beitrag hat gewonnen, obwohl ich MarieMarie nur sehr, sehr knapp dahinter auf dem Zettel hatte.

    Natürlich war klar, dass nicht beide ins Finale kommen konnten…

  13. Mich ebenfalls. Ich hab im Finale auch nur für Elaiza angerufen, weil ich hochgradig allergisch auf solche Weltverbesserungs-Texte reagiere. Deshalb stehe ich auch mit dem diesjährigen britischen Beitrag auf Kriegsfuß. Hätten Unheilig mit ihrem ersten Lied im Finale gestanden, hätte ich auch für Unheilig oder womöglich für keinen von beiden angerufen. Gerade in der ersten Runde kam mir „Als wär’s das erste Mal“ im Direktvergleich mit „Is it right“ musikalisch doch etwas seicht vor. Hat mich so geärgert, dass Unheilig mit dem zweiten Song im Finale standen. Es hätte mich echt interessiert, wie er international angekommen wäre.

  14. Wie ich den Vorentscheid erlebt habe, kann man wohl ganz gut bei den Kommentaren im Prinz-Live-Blog nachlesen. Aber dennoch muss ich hier auch noch mal kommentieren. Es wurde zwar schon alles gesagt, aber eben noch nicht überall. 😉

    DGI und Madeline haben ihre Auftritte ganz klar verhauen. Bei ersterem ist es etwas schade, bei letzterer bin ich froh drum. Sie hat mir einfach zu wenig Neues geboten. Wie man hört soll es ja auch in jeder Votingrunde einen anderen Sieger gegeben haben. War bei mir genauso.

    1. Baseballs (gefiel mir im Vorfeld schon, war auch ganz ordentlich performt und ich hätte nicht gedacht, dass MarieMarie überhaupt Chancen auf die zweite Runde hat)
    2. Cotton Candy Hurricane (MarieMarie hätte ich noch lieber im Finale gesehen wie Elaiza)
    3. Elaiza (weil mir der zweite Song des Grafen einfach nicht gefallen hat)

    Etwas traurig bin ich nur, dass Oceana es nicht in die zweite Runde geschafft hat, weil ich ausgehend von den Probenvideos „All Night“ viel besser fand als „Thank you“. Aber für sie anrufen, nur um ihren zweiten Song zu hören, wollte ich dann irgendwie auch nicht.

    Im Endeffekt bin ich mit dem Abend ganz zufrieden. Mit Elaiza hat mein drittliebster Act des Abends gewonnen. Wie sie in Kopenhagen abschneiden werden, kann ich hingegen absolut nicht einschätzen. Das ging mir damals bei Lenas Satellite schon genauso. Ob das ein Zeichen ist? Vermutlich nicht. Aber mit der handgemachten Musik liegen wir voll im Trend des diesjährigen Jahrgangs und im Direktvergleich mit Malta, Island, Lettland, Georgien, Schweiz und den Niederlanden bieten wir sicher nicht das Schlechteste aus diesem Bereich auf.

  15. So sehe ich das auch, lieber Ospero. Die Siegerverkündung hat ihn als Verlierer mit Stil gezeigt. Ich habe auch den Eindruck, dass Herr Graf mit dem USFX noch nicht abgeschlossen hat. Mit Frau Humpe und Schiller gäbe es noch Optionen auf wirklich starke Lieder …

  16. Also, bevor man jetzt hier wieder sauer wird, weil eine Wildcard die Großen nassgemacht hat: Elaiza haben diesen Abend vollkommen zu Recht gewonnen! Schaut man sich mal die ersten Auftritte aller Künstler an, so war das eindeutig das beste Gesamtpaket! Ich hab mich bei den Etablierten teilweise heftig fremdgeschämt, und auch der Graf, so sehr ich ihn mag und schätze, vermochte mich in beiden Runden nicht zu überzeugen. Den Fiddler-Song von den Santianos finde ich natürlich das beste, was in den letzten 10 Jahren in die Gehörgänge deutscher Vorentscheidungsgucker entsendet wurde (Texas Lightning notwithstanding), aber das ist eher meinem vergurkten Geschmack geschuldet. International hätten wir damit nix gerissen.

    Jetzt mal ehrlich: Wer von den acht Acts hat Euch wirklich geflasht????

    Mich hat KEINER geflasht, aber von dem, was im Angebot war, hat mich Elaiza am meisten überzeugt. Bei MarieMarie hat mich leider die Optik total abgeschreckt. Und der Graf, den ich, wie gesagt, toll finde, hätte international keine Chance gehabt.

    Die Frage, die man sich stellen muss, ist, warum zB jemand wie Oceana mit einem dermaßen schwachen Song antritt. Was erhofft sie sich davon? International wohl der größte Name, aber wie wir aus der Vergangenheit doch inzwischen leidlich wissen, zählt das überhaupt nix, wenn der Song nicht stimmt. Und das Outfit erinnerte mich auch eher an ganz andere Dinge… Ich finde, wenn man schon die Etablierten in den Vorentscheid holt, müssen sie daselbst auch liefern! Wenn dann so Auftritte kommen wie von Das Gezeichnete Ich oder Madeline Juno (wie DÄMLICH kann man eigentlich sein???), dann müssen sie sich nicht wundern, wenn sie in der ersten Runde rausfliegen. Und dieser gestrige Sound wie von den Baseballs war meines Wissens international noch nie erfolgreich. Warum schicken wir nicht gleich die Ace Cats?

    Nee, nee, nee, das passt schon so. Die Mädels hatten wirklich tolle Auftritte, der Song reißt mit, und ich freue mich sehr für sie! Ich denke nicht, dass sie eine Chance auf den Sieg haben, halte aber bei guter Performance, günstiger Startnummer und schwacher Konkurrenz (die ich bekanntlich erst noch sichten muss, bei Emma und dem Querflug durch die bestehenden Beiträge hab ich aus bekannten Gründen mal kurz den Ton ausgemacht) ein Roman-Lob-Ergebnis durchaus für möglich. Auf jeden Fall blamieren wir uns mit den dreien nicht, und sie haben in Kopenhagen nichts zu verlieren und alles zu gewinnen!

    In diesem Sinne: Alles Gute für Kopenhagen, Ela,Yvonne und Natalie! Rock da house!

  17. Also ich kann mit Elaiza gut leben, weil sie meine persönliche Nummer 2 waren. Santiano wäre mir allerdings lieber gewesen. „Fight against myself“ fand ich ebenfalls besser, aber wie gesagt: wenn schon nicht Santiano, dann ist Elaiza die beste Wahl.
    Was mich am Sieg von Elaiza stört, ist etwas anderes: Herr Schreiber wird sich nun in seinem Konzept bestätigt sehen und es nächstes Jahr genau so wieder machen, obwohl das Konzept einige Mängel hat, die behoben werden müssten.

    1. Dass sich mit Elaiza der absolute Außenseiter durchgesetzt hat, obwohl Newcomer bei dieser Veranstaltung eigentlich chancenlos wären (erst recht ohne Jury. Der letztjährige Vorentscheid oder der Vorentscheid 2008, wo sich Populärität gegen Qualität durchgesetzt hat, zeigen das recht deutlich), ist eine wahrscheinlich einmalige Ausnahme, die durch eine Reihe glücklicher Umstände begünstigt wurde, die auch zu den Schwächen der Veranstaltung gehören. Der Erfolg Elaizas täuscht über diese Mängel aber hinweg und erschwert sinnvolle Änderungen. Mit Unheilig hatte man im Superfinale den dankbarsten Gegner, den man kriegen konnte. Unheilig hat im Vorfeld schon polarisiert. Auch seine eigenen Fans. Ich glaube, dass Elaiza den Sieg dem Umstand zu verdanken hat, dass im Finale viele, die vorher für einen der anderen 6 gestimmt haben, nur Unheilig verhindern wollten. Jedenfalls dürften das gut und gerne 5% gewesen sein, die ja letztlich den Unterschied ausgemacht haben. Ohne jetzt die sympathische Art und die anerkennenswerte Qualität der Musik der Mädels schmälern zu wollen: aber hätte man als Gegner Juno oder Santiano gehabt, dann hätten sie wohl nicht gewonnen, weil die beiden die Zuschauerschaft deutlich weniger gespalten haben. Unheilig dagegen dürfte ausschließlich wegen seiner Lobby in die letzte Runde gekommen sein, denn die Lieder von ihm waren beide ausgesprochen schwach, oder um es frei nach Unheilig zu sagen: „Bei mir klingt alles wie eins.“ Der Einzug Elaizas dürfte ferner dadurch begünstigt gewesen sein, dass Juno nen schweren taktischen Fehler gemacht hat, indem sie das deutlich schwächere und unbekanntere „Like Lovers do“ in Runde 1 gesungen hat und auch Oceana mit einem deutlich schwächeren Titel begonnen hat. Schließlich hat ihnen noch das ungerechte Abstimmungssystem geholfen, auf das ich gleich noch eingehe.

    2. Das Clubkonzert kann man getrost als Flop bezeichnen. Das wurde auch auf einigen Blogs zu Recht schon kritisiert. Von über 2000 Beiträgen wurden 10 ausgewählt, von denen man zumindest 8 (nämlich genau die Plätze 10-3) reiner Mainstream und austauschbar waren, obwohl ich persönlich beim Clubkonzert auch den Mainstream um Max Krumm und Valentina favorisiert habe. Die Vorauswahl war schwer nachvollziehbar. Da muss dringend was geändert werden. Man kann allerdings auch nicht im Netz über 2000 Beiträge zur Wahl stellen. Das kann niemand leisten, das alles anzuhören und zu bewerten. Zu sagen, dass im Vorfeld 100 Lieder ausgesucht werden, von denen man dann im Netz (ähnlich wie in der Schweiz) 10 Stück auswählen lässt, würde das etwas entschärfen, aber nicht ganz lösen, weil der NDR dann eben statt 10 100 Mainstream-Stücke aussuchen könnte. Die andere Möglichkeit wäre, die Jury zu verpflichten, aus jedem Genre 1-2 Beiträge auszuwählen, um zumindest musikalische Vielfalt sicherzustellen. Zum Konzert selbst dürfen dann nur noch Eigenkompositionen oder Fremdkompositionen für den ESC zugelassen werden. Keine Coverversionen mehr, weil man sonst Gefahr läuft, eine Mogelpackung zu wählen.

    3. Das Abstimmungsverfahren war viel zu kompliziert und nicht gerecht. Vor allem schien es so verwirrend zu sein, dass die Künstler selbst es nicht verstanden haben. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Oceana, DGI und Juno wussten, dass es im Prinzip gar nicht darauf ankommt, welches Lied man als 2. singt, sondern nur darauf, welches man als 1. singt, um in die 2. Runde zu kommen, weil da dann ohnehin beide Lieder zur Wahl stehen. Und schlimmer noch: wer 2 gleichstarke Titel am Start hatte, war gegenüber der Konkurrenz im Nachteil, weil nicht etwa die Ergebnisse beider Titel addiert und der bessere ins Finale geschickt wurde, sondern es ausschließlich auf die besten Einzelergebnisse ankam. Das dürfte besonders Santiano in der 2. Runde das Genick gebrochen haben. The Fiddler hat insgesamt sehr gute Rückmeldungen bekommen – auch von Leuten, die Santiano nicht mögen. „Wir werden niemals untergehen“ dagegen war Futter für das typische Santiano-Publikum, das gerne deutsche Musik hört. Zwar behauptet Schreiber, dass in der 2. Runde bei allen ein Lied klar vor dem anderen geführt hätte, aber das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Elaiza mit beiden Liedern zusammen vor den beiden von Santiano lag, sondern „Is it right“ eben knapp (und nach Angaben von Santiano soll es in der 2. Runde knapp gewesen sein) vor einem der beiden Santiano-Lieder lag. Da nach Angaben des NDR in jeder Runde jemand anderes vorne lag, wird es so gewesen sein, dass Santiano in Runde 1, Unheilig in Runde 2 und Elaiza in Runde 3 geführt hat. Da ich die Zahlen noch nirgendwo sehen konnte, kann ich nur spekulieren: aber ich bin davon überzeugt, dass der Abstand zwischen den beiden Santiano-Titeln deutlich geringer war als bei den anderen 3. Und selbst wenn es nicht so war, wäre diese Schwäche doch zumindest in dem System angelegt und schlicht und ergreifend ungerecht. Schließlich hat der NDR noch beim Clubkonzert den Umstand, dass Coverversionen erlaubt sind, damit gerechtfertigt, dass es eben (auch) auf den Künstler und nicht (nur) auf das Lied ankäme. Wieso hat man dann in Köln das einzelne Lied so viel stärker gewichtet als das Gesamtpaket? Das wird im nächsten Jahr die Teilnehmer dazu animieren, ein starkes und ein schwaches Lied darzubieten und das starke Lied in der 1. Runde zu singen, um in der 2. die Stimmen auf das bessere Lied konzentrieren zu können. Zu einer Qualitätssteigerung wird das kaum führen.

    4, Wenn man das Gesamtpaket – also die Zustimmung zu beiden Titeln zusammen – bewertet, dann wird es für Newcomer deutlich schwieriger, sich durchzusetzen. Erst recht dann, wenn das Teilnehmerfeld undankbarer ist und weniger polarisiert. Dann drohen Zustände wie in vergangenen Jahren, wo sich eben die stärkste Lobby durchsetzt. Das ist dann aber eben der Preis für Gerechtigkeit. Dem ließe sich nur durch eine Jury entgegen wirken, die man hier aber kaum vorschlagen darf.

    Fazit: Das Vorentscheidskonzept hat durchaus seine Vorzüge und ist in seinen Ansätzen brauchbar, hat in den Details aber gravierende Mängel und ist insbesondere zu kompliziert und führt nicht zu gerechten Ergebnissen. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf, der wohl aber nur dann erkannt und vorgenommen werden dürfte, wenn entweder Elaiza in Kopenhagen total floppt oder wenn es nächstes Jahr ein Debakel gibt.

  18. Es hat sich gezeigt dass auch die Stars der Szene, wenn sie sich doch mal beim deutschen Vorentscheid blicken lassen, richtig abliefern müssen um zu bestehen. Und die Erwartungshaltung ist bei etablierten Künstlern zurecht höher, auch wenn niemand in Deutschland die Hits nur so aus dem Ärmel schüttelt. Die Unheilig-Lieder im Vorentscheid klangen eben wie ein Aufguss ihrer bekannten Songs, und das wurde zurecht nicht belohnt. Dennoch muss man es ihnen hoch anrechnen dass sie am nach wie vor eher verpönten Vorentscheid teilgenommen und sich als faire Verlierer gezeigt haben. Knapp geschlagen auf Platz 2 sieht ja auch wesentlich freundlicher aus als die 92%-Klatsche die es vor 10 Jahren für das Establishment gesetzt hat.
    Wirklich überzeugt hat mich außer „Is It Right“ eigentlich nur „Fiddler on the deck“, „Like lovers do“ hatte auch ESC-Format war aber zu schwach vorgetragen. Ansonsten waren die Lieder zwar allesamt qualitativ nicht schlecht, sind aber eher so vor sich hingeplätschert statt richtig mitzureißen. Mit „Fiddler on the deck“ hätten wir in Kopenhagen höchstens ein paar Gaudipunkte von den britischen Inseln und aus Skandinavien geholt.

    Unsere Chancen in Kopenhagen sind wie immer schwer auszurechnen, eine Blamage dürfte uns mit Elaiza aber erspart bleiben. Die Gesamtkonstellation liest sich denke ich nicht schlecht: ein junges, sympathisches, musikalisches Frauentrio (keine Girlgroup) mit Wiedererkennungswert tritt an mit einem modernen Lied mit klassischen und osteuropäischen Einflüssen sowie einem gewissen Ohrwurmcharakter. Lediglicht bezüglich der Eingängigkeit des Liedes hab ich Bedenken. Diese Wahrnehmung mag den Regeln und dem Verlauf des Vorentscheides geschuldet sein, aber ich hatte den Eindruck dass das Lied erst mit mehrmaligem Hören beim Publikum immer besser ankam (so empfand ich die Stimmung in der Halle, ich war live vor Ort dabei). Das wäre natürlich ein kleines Manko fürs ESC-Finale, wo Elaiza sofort überzeugen müssen, ohne die Möglichkeit sich im Halbfinale schon mal zu präsentieren.

    Mein Wunschzettel fürs Finale wäre ja ein Top-Ten-Resultat mit ca. 100 Punkten, und – endlich – wieder mal 12 Punkte aus einem Land zu bekommen. Das war uns tatsächlich seit Lenas Sieg 2010 nicht mehr vergönnt – es ist jedoch durch die Jury-Einflüsse auch wirklich schwer geworden wenn man nicht gerade einen Überflieger-Song oder gewisse regionale Sympathien vorweisen kann. Elas Herkunft darf man auf keinen Fall als automatischen Sympathiebonus in Polen und der Ukraine ansehen, aber wenn es ein paar Besuche bei den ausländischen Fernsehsendern in der ESC-Woche gibt, ließe sich das sicher gewinnbringend nutzen. Dafür könnten wir jetzt Stefan Raab gut gebrauchen, er hat ja 2010 bei den skandinavischen Fernsehanstalten ordentlich die Werbetrommel für Lena gerührt – mit Erfolg.

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