Griechenland 2014: The only Way is up

Mit einem Tag Verspätung erreicht die Meldung über das Ergebnis des griechischen Eurosong 2014 meine geschätzten Leserinnen und Leser – ich bitte um Nachsicht, aber ich sah mich nach der gestrigen Darbietung einer gewissen Josephine (gemeinsam mit dem DJ Mark Angelo die Vierte im Starterfeld) genötigt, wegen eines nicht mehr abklingenden Tinnitus die Klinik aufzusuchen. Nein, so schlimm war es natürlich nicht – wobei die verzweifelten und stets fehlgehenden Versuche der jungen Blondine (bei der sich alle Fragen erübrigen, wie sie wohl zu dem Job kam), den richtigen Ton zu treffen, dem Zuschauer durchaus durch Mark und Bein gingen. Doch abgesehen von diesem unschönen Gesangsunfall endete der Abend anregend: mit einem, dem eigenen Künstlernamen zufolge, risikofreudigen Kind mit einer beängstigenden Glückssträhne, der etwas „aufrichten“ wollte – was sich anhört wie der Plot zu einem Bareback-Streifen, entpuppte sich als äußerst satisfaktionsfähiger Club-Heuler, mit dem die Hellenen speziell im eher behäbigen Umfeld dieses Jahrgangs problemlos recht weit vorne mitspielen dürften.


Sie rappten um die Wette mit dem Steppenkind: Freaky Fortune + RiskyKidd

Das Duo Freaky Fortune (ein DJ plus ein strubbelbärtiger Sänger) und der eher mit dem Charisma eines Pizzalieferanten ausgestattete Rapper RiskyKidd präsentierten mit ‚Rise up‘ eine tanztaugliche Melange aus vintagisierten House-Trompeten über bollernden Beats – eine Mischung, die ich in der letzte Woche vorgestellten Studiofassung, wo die Stimmen in einem See aus Autotune-Effekten untergingen und die Bässe den Song erschlugen, noch langweilig fand. In der gestern präsentierten Live-Variante hingegen kam auf einmal ein wenig Soul ins Spiel – zwar nicht bei dem hölzernen Rapper, aber dafür beim Sänger, der sich richtig ins Zeug legte und dabei nicht vom Autotune-Korsett erdrosselt wurde. Persönlich hätte ich zwar dennoch die vom schönsten jemals auf einer Eurovisionsbühne gestanden habenden Mann, Ilias Kozas (Koza Mostra, GR 2013), verfasste Rockballade ‚Kanenas de me stamata‘ bevorzugt, die litt jedoch ein wenig unter der nicht so recht glaubhaften Interpretation des ziemlich affektiert wirkenden Schönlings Kostas Martakis.


Fit but he knows it: Kostas Martakis

Unter dem fadenscheinigen Vorwand des vierzigjährigen Teilnahmejubiläums Griechenlands am Eurovision Song Contest streckte der veranstaltende Musiksender Mad TV die Vorstellung der vier Titel mit einem feierlichen Rahmenprogramm, in dem so gut wie jeder jemals für das Land der Mythen gestartete Titel in einem halbgaren Techno-Remix nochmals zu Gehör gebracht wurde, oftmals von den damaligen Originalinterpretinnen playback gesungen, die dank der Fortschritte der plastischen Chirurgie meist jünger aussahen als bei ihrem Erstauftritt, auf über zwei Stunden. Ein alles in allem vergnüglicher Abend – bis auf den Tinnitus…


Gut, umrahmt von so vielen schönen Männern hätte wohl auch meine Stimme versagt: Josephine

Wie steht es mit den Finalchancen für FF + RiskyKidd?

  • Athen 2015 wird es wohl nicht, aber für das Finale reicht es. (53%, 38 Votes)
  • Finale versteht sich von selbst, könnte sogar für den Gesamtsieg reichen. (33%, 24 Votes)
  • Diese durchschnittliche Nummer könnte Griechenland das erste Semifinal-Aus bringen. (14%, 10 Votes)

Total Voters: 72

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4 Gedanken zu “Griechenland 2014: The only Way is up

  1. Das ist endlich die Frische, die dieser Jahrgang so dringend benötigt hat. Ich glaube, Griechenland hat diesen Contest gerade für mich gerettet. Jetzt hoffe ich nur, dass er nicht durch ein Fortune-Gate wieder verloren geht. Dass das ins Finale gehört, erkennt hoffentlich auch der letzte Gerontenjuror. Ich weiß zumindest jetzt für wen ich in unserem Semi anrufen kann. 🙂

  2. Naja, frisch ist was anderes. Bis auf den echt furchtbaren letzten Beitrag fand ich eigentlich alles ziemlich seicht. Im Vorfeld war mein „Favorit“, wenn man das überhaupt so nennen kann, eigentlich Krystallia, real sah ich dann eher Kostas vorn, aber es stimmt, live ist Risky the Kid tatsächlich besser als der Einspieler vorab.
    Wenn’s nach mir ginge, kann das allerdings gern aus dem Finale draußen bleiben, wird aber wohl nicht passieren.

  3. Ich finde den Song ziemlich simpel, aber er wird wohl ins Finale kommen.

    @Olli: Irgendwie scheint dir vollkommen entgangen zu sein, das Dänemark seinen Song schon ausgesucht hat.Jedenfalls habe ich noch keinen Kommentar dazu von dir gefunden. Für mich ist der Dänische Song der absolute Topfavorit für den Sieg. Würde gern deine Meinung dazu hören.

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