Nor­we­gen 2014: Ruf Ted­dy­bär eins-vier

So kurz davor war ich, den Jahr­gang 2014 kom­plett abzu­schrei­ben: voll von Bei­trä­gen, die alle­samt nicht wirk­lich schlecht sind, mich aber größ­ten­teils nicht im gerings­ten Maße berüh­ren. Und jetzt kom­men auf den letz­ten Metern der Ziel­ge­ra­den Arme­ni­en und Nor­we­gen mit zwei unfass­bar star­ken Gän­se­haut-Bal­la­den daher, die mir den Glau­ben an den Grand Prix wie­der zurück­ge­ben. Carl Espen gewann soeben das Gold­fi­na­le des nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix: ein Bär von einem Kerl, der im simp­len Jeans­hemd und mit sei­nen Unter­arm­tä­to­wie­run­gen und der Nar­be über dem Auge (die von sei­ner frü­he­ren Pro­fes­si­on als Tür­ste­her her­rührt) aus­sieht wie ein Sträf­ling. Und der mit wun­der­bar zer­brech­li­cher Stim­me eine geni­al instru­men­tier­te, übri­gens von sei­ner Cou­si­ne geschrie­be­ne Bal­la­de über die Ein­sam­keit und die Suche nach Zuge­hö­rig­keit singt, sich gewis­ser­ma­ßen schutz­los offen­bart. Gott, mir rol­len noch immer die Trä­nen über die Wan­gen vor Ergrif­fen­heit!


In Erman­ge­lung des Live­mit­schnit­tes hier vor­erst das Lyric-Video

Dabei spielt es über­haupt kei­ne Rol­le, dass er gele­gent­lich nuschelt oder gera­de bei höhe­ren Tönen den einen oder ande­ren von ihnen nicht trifft – ganz im Gegen­teil: gera­de das Unper­fek­te ver­leiht sei­nem Auf­tritt das berüh­rend Authen­ti­sche. Ich glau­be, ich erwähn­te es bereits in ande­ren Zusam­men­hän­gen: nichts drückt so ziel­si­cher mei­ne Knöp­fe als ein but­cher Kerl, der sei­ne sof­te Sei­te zeigt. Kein ande­rer Song durf­te gewin­nen heu­te Abend, auch wenn es durch­aus gute Kon­kur­renz gab – so zum Bei­spiel in Form der exqui­si­ten Lin­nea Dale, deren ‘High Hopes’ sich nicht erfüll­ten, oder des offi­zi­el­len Too­ji-Nach­fol­gers Mo, einer aller­liebst fri­sier­ten schwar­zen Tun­te mit einem hübsch getanz­ten Dis­co­schla­ger, der anders als sein Vor­bild sogar über eine Stim­me ver­füg­te – und eine zum Song­ti­tel ‘Heal’ pas­sen­de Sto­ry, han­delt es sich bei ihm doch um einen Über­le­ben­den des furcht­ba­ren Mas­sa­kers von Utøya. Er beleg­te den zwei­ten Rang hin­ter Carl, mei­nem neu­en offi­zi­el­len Favo­ri­ten für den Jahr­gang 2014. Dan­ke, Nor­we­gen!


Wie ich die­se You­tube­sper­ren has­se!

Hat Nor­we­gen mit Carl Espen den lan­ge erwar­te­ten Sie­ger­ti­tel gelie­fert?

  • Ob das für den Sieg reicht, bezweif­le ich, dafür spal­tet der Song zu sehr. Top Ten auf jeden Fall. (47%, 16 Votes)
  • Auf jeden Fall! Ich bin total emo­tio­na­li­siert – wehe, das gewinnt nicht! (26%, 9 Votes)
  • Die­ser grei­nen­de LKW-Fah­rer? Das kommt doch noch nicht mal durchs Semi. (26%, 9 Votes)

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4 Gedanken zu “Nor­we­gen 2014: Ruf Ted­dy­bär eins-vier

  1. Viel erwar­tet hat­te ich mir ehr­lich gesagt von Nor­we­gen sowie­so nicht mehr, da mich von sämt­li­chen Bei­trä­gen der Semis eigent­lich über­haupt kei­ner abge­holt hat (im Gegen­satz zum gleich anlau­fen­den Por­tu­gal). Gehofft hat­te ich noch auf Lin­nea. Aber bes­ser Carl Espen als einer von den ande­ren bei­den. Deran vie­len Stel­len gehyp­te Knut wäre schreck­lich gewe­sen. Und Mo, geht es eigent­lich nur mir so, dass ich mich unan­ge­nehm an Dima Bilan’s “Belie­ve” erin­nert füh­le?

  2. End­lich! Ich dach­te schon, ich wür­de mich ver­hö­ren. Aber ich fühl­te mich da auch an “Belie­ve” erin­nert. Was dann auch mein ein­zi­ger Kri­tik­punkt an Mo ist. Das hat sei­nem Bei­trag etwas die Eigen­stän­dig­keit geraubt. Ansons­ten hät­te ich ihn (oder Lin­nea) lie­ber für Nor­we­gen gese­hen als Carl. Was das “but­cher Kerl zeigt sof­te Sei­te” angeht, hat mir Linus in Schwe­den viel bes­ser gefal­len und was den Song angeht, so habe ich das Glei­che bereits aus Arme­ni­en nur in bes­ser und in moder­ner.

  3. Also mir ist das ne Spur zu hoch und zu wei­ner­lich, der Refrain ist jetzt auch nicht so der Knül­ler, ein rich­ti­ger dra­ma­ti­scher Höhe­punkt fehlt sowie­so. Das plät­schert doch ins­ge­samt ein wenig. Soli­de, aber jetzt auch kein rich­ti­ger Knül­ler. Nach den Ent­täu­schun­gen die­ses Jahr­gangs ist man aber mit so was schon zufrie­den.

  4. oje – ich hat­te ja noch gehofft, aber die­ses jahr kommt aus skan­di­na­vi­en nur zweit­klas­si­ges – nett eben – und das ist ja wie wir wis­sen, die klei­ne schwes­ter.……
    umso bes­ser – da haben elai­za grö­ße­re chan­cen 😉

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