UK 2014: Have you seen Mol­ly?

Die 26jährige, bis­lang wei­test­ge­hend unbe­kann­te bri­ti­sche Sin­ger-Song­wri­te­rin Mol­ly Smit­ten-Dow­nes ver­tritt das Ver­ei­nig­te König­reich in Kopen­ha­gen mit dem selbst geschrie­be­nen Mid­tem­po­song ‘Child­ren of the Uni­ver­se’, wie die BBC heu­te Abend offi­zi­ell ver­kün­de­te. Der Name der Künst­le­rin, die bereits seit zehn Jah­ren im Geschäft ist und als Kom­po­nis­tin und Stu­di­o­sän­ge­rin klei­ne­re Erfol­ge mit Dance-Tracks ver­bu­chen konn­te, ohne bis dato einen fes­ten Plat­ten­ver­trag akqui­rie­ren zu kön­nen, sicker­te bereits ges­tern Abend durch. Trat­schen­de Grand-Prix-Fans, wel­che die BBC unter Ver­pflich­tung auf strik­tes­te Geheim­hal­tung (als ob!) als Klatsch­vieh zum Video­dreh für ‘Child­ren of the Uni­ver­se’ in eine ehe­ma­li­ge Kir­che in einem noblen Lon­do­ner Stadt­teil ein­ge­la­den hat­te, twit­ter­ten die Nach­richt sofort wei­ter, und die BBC News kol­por­tier­ten das Gerücht – auch in Groß­bri­tan­ni­en arbei­ten die ver­schie­de­nen Abtei­lun­gen des Staats­fern­se­hens anschei­nend eher gegen- als mit­ein­an­der, wovon die ARD wohl eben­falls ein Lied sin­gen kann.


Love shi­ne a light: Mol­ly Smit­ten-Dow­nes

Die Benen­nung einer unbe­kann­ten, per­pe­tu­el­len Nach­wuchs­künst­le­rin stellt einen radi­ka­len Bruch zur bis­he­ri­gen, von wenig Erfolg gekrön­ten Stra­te­gie der BBC dar, gro­ße Namen aus längst ver­gan­ge­nen, glor­rei­chen Tagen des bri­ti­schen Pop zum Euro­vi­si­on Song Con­test zu dele­gie­ren, sei­en es Song­schrei­ber wie Andrew Lloyd-Web­ber (2009) und Pete Water­man (2010) oder fast schein­to­te Sän­ger wie Engel­bert Hum­per­dinck (2012) und Bon­nie Tyler (2013). Das kün­dig­te sich bereits auf dem Euro­vi­si­ons­blog der BBC an, wo Pro­du­zent Guy Free­man am Frei­tag die neue Her­an­ge­hens­wei­se erläu­ter­te: “Wir war­fen einen unvor­ein­ge­nom­me­nen Blick auf die aktu­el­len Sie­ger­ti­tel und stell­ten fest, dass es schlicht gute Songs waren, die es ver­dien­ten, zu gewin­nen.” Das ist schon mal ein beacht­li­cher Erkennt­nis­schritt, denn bei Vie­len (sie­he Lin­da Mar­tin) herrscht ja nach wie vor die Mei­nung vor, der böse Osten gewön­ne durch fie­ses Block­vo­ting. “Wir waren der Mei­nung, dass wir einen auf die beson­de­ren Anfor­de­run­gen des Wett­be­werbs maß­ge­schnei­der­ten, zeit­ge­mä­ßen Song bräuch­ten” – näm­lich einen, der zu den stimm­li­chen Fähig­kei­ten des Inter­pre­ten passt.


Dance kann sie auch: 2009 hat­te ein Mas­hup von Mol­lys Song ‘Rain­drops’ mit Sashs ‘Encore une fois’ Erfolg

Als Quel­le besann man sich auf das haus­ei­ge­ne Nach­wuchs­för­de­rungs­pro­gramm BBC Intro­du­ce (ähn­li­ches ver­sucht in Deutsch­land bei­spiels­wei­se die Sen­dung Start­ram­pe des Baye­ri­schen Rund­funks, wel­che die USFD-Teil­neh­me­rin Marie­Ma­rie unter­stützt). Eine der kon­tak­tier­ten Künst­le­rin­nen war Frau Kit­ten-Down aus Midd­le Frit­ham, und die schrieb extra für den Anlass einen mit­tel­lah­men, nie­man­dem weh tuen­den Song, – in Zei­ten des hälf­ti­gen Jury­vo­tings und der sta­tis­ti­schen Bevor­zu­gung von Kon­sens­wa­re durch das neue Aus­zäh­lungs­ver­fah­ren ein kla­rer Vor­teil – der zudem durch die uni­ver­sel­le Bot­schaft, den mehr­stim­mi­gen Gos­pel­chor und den äußerst geschickt zum Auf­takt wie als Schluss­punkt ein­ge­streu­ten Schlacht­ruf “Power to the Peop­le” eine ver­füh­re­risch hym­ni­sche Qua­li­tät erlangt. Man fühlt sub­ti­le Anklän­ge an Kat­ri­nas ‘Love shi­ne a light’, Groß­bri­tan­ni­ens letz­ten Sie­ger­ti­tel von 1997, den­noch behält der Song sei­nen eige­nen, leicht hand­ge­strick­ten, Cha­rak­ter. Könn­te also durch­aus was wer­den für das Mut­ter­land des Pop. Oder?  

Wie beur­teilst Du die Chan­cen des bri­ti­schen Bei­trags 2014?

  • Sehr gut – reicht auf jeden­fall für die lin­ke Hälf­te des Scoreboards. (36%, 36 Votes)
  • Nicht so meins, aber ich begrü­ße den neu­en Ansatz der BBC. Wei­ter­ma­chen! (28%, 28 Votes)
  • Das ist ein ernst­haf­ter Anwär­ter auf den Sieg. (23%, 23 Votes)
  • Griff ins Klo, so wird das auch nichts. (12%, 12 Votes)

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2 Gedanken zu “UK 2014: Have you seen Mol­ly?

  1. Ich befürch­te auch, dass Jury und Aus­wer­tungs­ver­fah­ren einen guten Platz für die­ses Lied garan­tie­ren. Trotz (oder gera­de wegen) sei­ner Möch­te­gern-Hym­nen­haf­tig­keit und der mei­nun­ge­res­ken Kitsch-Bot­schaft ist die­ser Bei­trag sehr kon­sens­fä­hig. Ich selbst kann sowas aber abso­lut nicht ab und wür­de einen Sieg für das UK als einen wei­te­ren Rück­schritt für den ESC sehen. In Bezug auf die Sän­ge­rin ist der neue Weg der BBC ja gar nicht so ver­kehrt, aber beim LIed hat sich man doch nur wie­der am Glanz ver­gan­ge­ner Tage (Love shi­ne a light, Power to all our friends etc.) bedient und fes­tigt damit nur wie­der sei­nen Sta­tus als Groß­mut­ter­land des Pop..

  2. Ich fin­de den Titel auch ziem­lich lahm. Ich mag aller­dings die Stim­me sehr. Ich hät­te Frau Mol­ly ger­ne mit einem Uptem­po-Song dabei gese­hen.

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