Wie ärgerlich: Albanien versaut sich den Song

Seit wenigen Minuten ist die von Anfang an fest eingeplante englischsprachige Fassung des albanischen Beitrags ‚Zemërimi i një Nate‘ von Herciana Matmuja, akkurat in ‚One Night’s Anger‘ übersetzt, bekannt. Musikalisch gab es keine all zu großen Änderungen – bis auf eine, allerdings entscheidende: der dreißigsekündige, mit großer Streicherbesetzung und harten Rockgitarren live gespielte Prolog zum eigentlichen, dreiminütigen Lied fällt ersatzlos weg. Und damit leider auch der beste Part des Beitrags, der dem Zuhörer schon mal die Ohren öffnete und die Neugier auf den folgenden Titel weckte. Der plätschert nun anderthalb Minuten unentschieden und strukturlos vor sich hin; bis dann endlich wieder die Rockgitarren hinzukommen und der Song an Fahrt gewinnt, ist es schon zu spät und der Zuhörer eingeschlafen.


Wie schon Bonnie Tyler wandelt auch Hersi nah am Wasser

Viel schlimmer aber: mit dem Wechsel von albanisch auf englisch, in dem sich Hersi hörbar nicht zu Hause fühlt, geht der ursprüngliche (begrenzte) Charme des Liedes vollständig flöten. Frau Matmuja quäkt und nuschelt, als habe sie heiße Knödel verschluckt, und zum Flow des Songs passt der englische Text auch kein bisschen. So sehr ich ja Verfechter der freien Sprachwahl bin, weil ich glaube, dass diese die Kreativität fördert: manchmal wünschte ich mir doch, bestimmten Ländern die Verwendung ihrer Muttersprache zwingend vorschreiben zu können, wie eben auch Albanien (außer, sie schicken einen Dance-Kracher wie ‚Carry me in your Dreams‘, wo das Englische tatsächlich besser geeignet scheint).


Hier die albanische Fassung: viel, viel besser!

Aber warum sollte das Balkanland nicht denselben Fehler begehen dürfen wie in diesem Jahr – ebenso zum wiederholten Male – Island, das sich mit der anglisierten Fassung von ‚Enga Fordóma‘ ebenfalls um sämtliche noch so marginalen Chancen bringt, sein Semi zu verlassen. Manchen ist halt nicht zu helfen!


Total charming: Pollapönk mit der isländischen Fassung


Schöner Clip, klingt aber kacke: No Prejudice

Nach dem Desaster um Albanien und Island: Rückkehr zur Muttersprachenpflicht?

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7 Gedanken zu “Wie ärgerlich: Albanien versaut sich den Song

  1. Och nööööö. War zwar leider fast zu erwarten, entsetzt mich aber stets aus neue. Albanien war (wie nahezu jedes Jahr) eigentlich mein persönlicher Spitzenplatz, aber wie oben beschrieben, sind zwei sehr wichtige Punkte zum Negativen verändert worden, so dass ich das noch neu überdenken muss. Ich verstehe wirklich nicht, dass es bei den Verantwortlichen nicht ankommt, dass oftmals die eigene Sprache wirklich geeigneter wäre. Gilt übrigens auch für den polnischen Beitrag, ich hoffe, die haben noch ein Einsehen.

  2. Dieses Jahr sind die nicht-englischen Beiträge sowieso sehr spärlich gesät – laut Wikipedia nur Frankreich (je ein Satz auf Englisch und Spanisch, sonst Französisch), Montenegro und Italien. Dazu kommen die halb-und-halb-Beiträge aus Polen, Spanien, Portugal (!!), Slowenien und Israel. Da bei den Tolmachevy Twins und ihren Songschreibern eher nicht mit Russisch zu rechnen sein dürfte, ebensowenig bei Conchita Wurst, und soweit ich sehe auch die belgischen Finalisten allesamt auf Englisch gesungen werden, ist die Sprachvielfalt sehr begrenzt.

    Andererseits: letztes Jahr konnten sich von 14 nicht-englischsprachigen Songs in den Semis nur fünf qualifizieren. Vielleicht will Europa Englisch? Oder vielleicht doch nur keine schlechten Songs in anderen Sprachen?

  3. Ich finde das mit der Verenglischung sehr schade. Dieses Jahr haben wir wirklich fast einen English Song Contest. Ich kann die Länder und Interpreten echt nicht verstehen, dass sie so auf englisch setzen. Habe echt keine Lust, am ESC-Abend 26 ähnlich klingende engl. Lieder zu hören. Leider sind auch meine beiden Favoriten Spanien und Slowenien dieses Jahr nur z. T. in der Landessprache.
    Bei Island dachte ich allerdings, dass das gemischt beim ESC gesungen wird? Noch schlimmer finde ich es bei Albanien, da versteht man bei der engl. Version gar nichts, also ich kann mir nicht vorstellen, dass das erfolgreicher sein soll als die Original-Version.
    Seit 1999 mit Wegfall der Sprachpflicht hat der ESC sowieso deutlich an Qualität verloren. Was waren das für tolles ESCs in den 80ern und 90ern.

  4. Kontra. Aber ganz massiv. Die ESCs von 1984 bis 1995 gehören zu den schwächsten überhaupt, was auch einige wirklich tolle Songs nur schlecht übertünchen können. Die Sprachregel wurde damals hauptsächlich abgeschafft, weil die englischsprachigen Länder selbst mit Mittelmaß hervorragende Ergebnisse hatten (insbesondere bei Malta fällt das auf) – und ehrlich, wenn man sich die Ausscheide-Quoten für nicht-englische Songs in den Semis ansieht, würde das heutzutage kaum anders aussehen.

  5. Vielleicht habe ich mir das ja nur schöngehört, aber nach einigem Zögern habe ich beschlossen, dass Hersi trotzdem noch meine Nummer eins bleibt. Das Intro vermisse ich schmerzlich, das mit der Sprache wird dadurch gemildert, dass ich ihr Englisch genauso schlecht verstehe wie albanisch. Nur dass letzteres klangvoller ist.

  6. Island war so oder so Murks, weil die Typen einfach keine guten Sänger sind und uns da allen Ernstes ein Kinderlied andrehen wollen, dessen einzige Qualitäten seine Eingängigkeit und der Charme der isländischen Sprache waren. Auf Englisch ist es erst recht ein Totalausfall, weil die Silben überhaupt nicht zum Rhythmus passen und das Ganze doch mehr bemüht als gekonnt wirkt.

    Von Albanien war ich auch sehr enttäuscht. Auf das Intro kann ich zwar gut verzichten, aber ich habe von ihrem Englisch so gut wie nichts verstanden. Und auch Albanien wirkt relativ bemüht (say, say, say, say), auch wenn’s besser gelungen ist als Island. Nach dem 3. Mal hören hab ich mich aber daran gewöhnt und finde es mittlerweile fast so gut wie das Original. Dennoch war die albanische Fassung besser, weil das einfach besser geklungen hat. Insbesondere der Ausklang war in der albanischen Version um Welten besser und hat das Lied für mich massiv aufgewertet. Das „keep calm and think twice“ der Background-Sänger im Hintergrund, die immerhin den Schlusspunkt des Liedes setzen, klingt einfach viel kälter als „harroje këtë natë“ (oder wie man das auch immer schrieben mag, die Lyric-Seiten sind sich da nicht einig). Wobei das vor allem daran liegen dürfte, wie es gesungen ist. Abgesehen davon hatte das Original einfach mehr Tiefgang.

    Grundsätzlich bin ich gegen Zwänge, aber beim ESC wäre der Sprachzwang mal wieder fällig, um die Länder vor sich selbst zu schützen.

  7. Der Sprachzwang wäre allerdings auch ein wenig problematisch – dann kriegen wir wieder solche Tricksereien wie bei „Rock me“ oder „Nocturne“ – so wenig Text wie möglich und/oder eine einzelne Phrase, die bis zum Erbrechen wiederholt wird. Es ist ja nun mal leider so, dass die nicht-englischsprachigen Songs eine deutlich höhere Ausscheide-Quote haben (einige wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel eher).

Oder was denkst Du?