1. Semi 2014: Drei Mal dabei, bitte weiterwählen!

Sie sind doch einfach jedes Mal für Überraschungen gut, diese Qualifikationsrunden und insbesondere die Antworten, die Europas Zuschauer und Juroren auf die Frage geben, welche der gezeigten Performances sie am Samstag im Finale wiedersehen wollen. So gut wie niemand hatte wohl ernsthaft Valentina Monetta auf seinem Tippzettel, und nachdem der unter langjährigen Leidensgenossen nur noch „der Unvermeidliche“ genannte Ralph Siegel diesmal auch noch prominent am Flügel saß, als sei er die Reinkarnation von Andrew Lloyd-Webber (UK 2009), sah ich offen gestanden endgültig schwarz für die sanmarinesische Lys Assia (CH 1956-1958). Ob die Verleihung der Finalkarte nun den Lohn für die Persistenz der Unermüdlichen darstellte oder das freundliche Abschiedsgeschenk der Juroren, da Valentina, so zu lesen war, in Kopenhagen angekündigt habe, dies sei ihr letzter Grand-Prix-Auftritt: „es muss uns für den deutschen Komponisten freuen“, so Peter Urban diplomatisch. Muss es das? Gut: ‚Maybe‘ war der beste seiner drei Versuche unter der Flagge der winzigen Republik, die ohne Frage Platz unter der Stoffmuschel fände, mit der er seine Künstlerin zur Venus von Milo aufzuhübschen gedachte. Und Frau Monetta wirkte diesmal gelöster als sonst und nicht so krampfhaft überperformativ. Dennoch bleibt es ein Titel, der 1974 (Siegels Erstteilnahme als Komponist) bereits als altbacken zu bezeichnen gewesen wäre. Der nun aber, so viel lässt sich schon jetzt vorhersagen, am Samstag besser abschneiden wird als der für den letzten Platz prädestinierte offizielle deutsche Beitrag von Elaiza. Womit Siegel über alle Modernitätsbemühungen des NDR der letzten zehn Jahre triumphiert. Kotz.


Welche Perle fanden die Juroren da nur? (SM)

Fast ebenso überraschend blieb hingegen Axel Hirsoux auf der Strecke, das schwergewichtige belgische Muttersöhnchen, das ich als hundertprozentigen Qualifikanten auf der Rechnung hatte. Ihm mag die zu seinem ödipalen Schmachtfetzen ‚Mother‘ völlig unpassende Windmaschine zum Verhängnis geworden sein, sowie die Ergriffenheit über sich selbst: im letzten Refrain seiner Ode an die Frau Mama fürchtete ich, dass er jede Sekunde in Tränen ausbricht, die ersten Schluchzer waren schon zu hören. Insgesamt wirkte seine Darbietung zu gewollt, zu überanstrengt, zu verzweifelt – da war von dem Ist-mir-Wurst-was-die-coolen-Kids-von-mir-denken-ich-stehe-zu-meiner-Mutterliebe-Attitüde, die ihn beim Eurosong noch zum berechtigen Erfolg führte, nichts mehr zu spüren. Ähnliches gilt leider auch für einen meiner Vorfeldfavoriten, den irre sympathischen Bochumer Jöran Steinhauer und seine lettischen Mitstreiter. Aarzemnieki wirkten ein kleines bisschen zu aufgeregt, zu hektisch, zu amateurhaft und verpassten zu oft ihre Kameraeinsätze: das wunderbare ‚Cake to bake‘ gehört vielleicht doch eher ans Lagerfeuer, wo es fraglos große Freude bereitet, als in eine High-End-TV-Show (jedenfalls, was die technische Ausstattung angeht) wie den Eurovision Song Contest. Dennoch danke, Jöran: ich mag Dich und Dein Lied sehr!


Startplatz 2 hat zugeschlagen: keine Kuchenbäcker im Finale (LV)

Man sollte doch immer seinem ersten Eindruck vertrauen: im Vorfeld sah ich die Estin Tanja nämlich als genau das, als was sie wohl auch die meisten Anrufer und / oder Juroren empfanden: ein billiges, ideenloses Loreen-Imitat (ja, ich weiß, Cascada. Glashaus. Dennoch). Zwischenzeitlich jedoch ließ ich mich durch die Hebefiguren und den Fußdip so beeindrucken, dass ich dachte, sie schafft es doch noch. Zumal sie im Anschluss an das baltische Nachbarland um so professioneller wirkte. Womöglich fiel am großen TV-Bildschirm bei entsprechendem Sound aber zu deutlich auf, dass erhebliche Teile des ‚Amazing‘-Gesangs eben doch nicht von der rundlichen Estin mit russischen Wurzeln (ist das dann eine Restin?) stammten, sondern von ihren an den Seitenstreben des Bühnenbildes versteckten Chorsängerinnen. Cristina Scarlat, der seine eigene Gnadenlosigkeit besingende Borg aus Moldawien, schrieb Eurovisionsgeschichte: als die erste Grand-Prix-Teilnehmerin, die sich auf der Bühne ein angestecktes Haarteil vom Kopfe riss – nur, warum sie das tat, blieb unergründlich. Mit kurzer Frisur sah sie zwar ein µ weniger matronenhaft aus; das rettete ihr klägliches, in den tiefen Tönen gruselig gesungenes Pseudo-Dubstep-Irgendwas aber auch nicht mehr.


Eine neue Form des Eurovisionsstrips: der Fiffi-Abwurf (MD)

Allgemein erwartet und entsprechend mit wenig Verwunderung aufgenommen auch das Ausscheiden der portugiesischen Lambada-Transe Suzy (wenn Du mit dem durchsichtigen, nur an wenigen Stellen mit roter Paillettenkruste überzogenen Kleid beweisen wolltest, dass es sich bei Dir trotz herber Gesichtszüge um eine biologische Frau handelt, dann ging das leider schief, Liebes), obschon ihre fröhliche Nummer deutlich reibungsloser und taffer choreografiert über die Bühne ging als noch im Festival da Cançaõ, sowie der Albanerin Herciana Matmuja, deren Zwergenwüchsigkeit durch das Aufs-Podest-Stellen erst so richtig ins Auge fiel: leider hatten die Skipetaren aus ihrem Beitrag in der Kopenhagen-Fassung alle ansprechenden Teile (wie die verschwenderische Orchestrierung aus dem FiK, das harte Auftakt-Gitarrensolo und die Muttersprache) herausoperiert, so dass nur noch ein rauchender Trümmerhaufen von Song übrig blieb.


So hüftgeschmeidig wie Sarbel (GR 2007): Suzy (PT)

Der wilde, wilde Westen fängt gleicht hinter Heerlen an: zu meiner freudigen Überraschung schafften es Dolly Parton (in einer besonders rustikal-ländlichen Bluse) und ihr Amish-Mitstreiter… Verzeihung: die niederländischen Common Linnets ins Finale. Sie scherten sich einen Dreck darum, dass Country beim Grand Prix als Kassengift gilt und ihr ‚Calm after the Storm‘ für den Wettbewerb viel zu entspannt herüberkam: offensichtlich eine gute Einstellung! Noch entzückender das Weiterkommen der isländischen Teletubbies alias Pollapönk. Ihr ‚No Prejudice‘ strahlte exakt den selbstbewussten, wohlmeinenden und dennoch sorglosen Spaß aus, der ‚Cake to bake‘ auf der Bühne leider abging, und konnte so die Stimmen der fröhlichen Fraktion auf sich vereinen. Auch das Karma stand auf ihrer Seite, nach dem sie in der ganzen Probenwoche in immer neuen Kostümen in ihrem Stammfarben – vom Trainingsanzug über teils offen getragene Bademäntel bis hin zu Conchita-Wurst-Solidaritätskleidern – in Kopenhagen für viele schöne Fotomomente gesorgt und ihre Fabelhaftigkeit und besondere Mögbarkeit unter Beweis gestellt hatten. Dass vollbärtige Isländer nun mal sexy aussehen, kam erleichternd hinzu.


Pollapink (der Drummer) gehört mir! (IS)

Oh, bei dieser Gelegenheit übrigens auch ein herzliches Dankeschön an Moderator Pilou Asbæk, wegen dem ich die hervorragende dänische Politserie Borgen so gerne schaue (er gibt dort den durchtriebenen Spindoctor Casper Juul), dass er sich den Vollbart wieder hat stehen lassen – nacktgesichtig, so konnte man es im Pausenfüllerfilm über „einen ganz normalen Tag in Kopenhagen“ sehen, schaut er nämlich aus wie ein ausgelaufener Briekäse. Eine schöne Idee auch der um die Bühne herumgebaute Wassergraben: ohne die Elemente Feuer(-werk) und Wind(-maschine) wäre ein Eurovision Song Contest schon seit Jahren nicht mehr denkbar. Da war es an der Zeit, auch das dritte, das nasse Element hinzuzufügen: es verleiht dem Abend tatsächlich eine zusätzliche Tiefe, irgendwie. Fehlt nur noch Erde! Aber das kann sich das magyarische Fernsehen dann auf die To-do-Liste schreiben: zumindest nach dem heutigen Abend dürfte es 2015 nämlich wohl nach Budapest gehen. Während der Wettbüro-Favorit Aram MP3 ein bisschen kränklich aussah und im langsamen Balladenteil von ‚Not alone‘ stimmlich stellenweise schwächelte (als Gesamtpaket aber natürlich dennoch überzeugte), machte András Kállay-Saunders einfach alles richtig: Gesang, Inszenierung – der interpretative Tanz setzte das Songsujet der familiären Gewalt dezent, aber unübersehbar in Szene – und natürlich mit der gewagten Idee, solch ein düsteres Thema in einen drum’n’bass-lastigen Titel zu packen!


Ungarn kann gerade einen Image-Boost gebrauchen, und András besorgt den

ESC 1. Semifinale 2014

Eurovision Song Contest 2014 - Erstes Semifinale. Dienstag, 6. Mai 2014, aus den B&W-Hallerne in Kopenhagen, Dänemark. 16 Teilnehmer, Moderation: Lise Rønne, Nikolaj Koppel und Pilou Asbæk.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01AMAram MP3Not alone1210409604
02LVAarzemniekiCake to bake0331303810
03EETanjaAmazing0361201314
04SESanna NielsenUndo1310209803
05ISPollapönkNo Prejudice0610804309
06ALHerciana MatmujaOne Night's Anger0221500615
07RUTolmachevy TwinsShine0630605707
08AZDilarə KazimovaStart a Fire0570901513
09UAMaria YaremchukTick Tock1180509605
10BEAxel HirsouxMother0281403111
11MDChristina ScarlatWild Soul0131600416
12SMValentina MonettaMaybe0401004908
13PTSuzyQuero ser tua0391106506
14NLThe Common LinnetsCalm after the Storm1500113001
15MESergej ĆetkovićMoj Svijet0630702612
16HUAndrás Kállay-SaundersRunning1270310302

26 Gedanken zu “1. Semi 2014: Drei Mal dabei, bitte weiterwählen!

  1. Hier haben wir ihn, meinen Dafuq-Finalisten 2014 …… SAN MARINO!
    (2013 war es Belgien, 2012 Malta, 2011 die Schweiz und 2010 Zypern)
    Lieber Ralphie, man soll doch aufhören wenn es am schönsten ist, oder?

  2. Ich glaube, den Esten hat hauptsächlich ihre Bühnenbeleuchtung das Genick gebrochen. Zu einem Song nach „Euphoria“-Strickmuster mit nur zwei Leuten (sichtbar) auf der Bühne passt eine Beleuchtung wie Fitnessstudio um halb drei Uhr nachmittags einfach nicht. Sowas verlangt einen wenigstens halbdunklen Hintergrund, um den Blick auf die Performer zu lenken, und das haben die Esten schlicht total vergeigt.

    Generell kann ich mit dem Ergebnis sehr gut leben (Lettlands Ausscheiden mal außen vor). Alle Songs, die ich wirklich nicht mochte und/oder die mir nichts gaben, sind weg: Estland, Albanien, Moldawien, Portugal, Belgien. Tausche Lettland gegen Russland, und das Ergebnis wäre nahe an optimal gewesen. Aber es muss wohl jedes Jahr einen Favoriten von mir geben, der die Semis nicht überlebt (Irland 2009, Kroatien 2010, Belgien 2011, Niederlande und Schweiz 2012, San Marino und Albanien 2013 – hoffentlich ist es dieses Jahr wieder mal nur ein Song).

  3. Leider ja. Ich hatte die Hoffnung für San Marino zwischenzeitlich verloren, obwohl ich eigentlich von Anfang an gesagt hatte, dass es Siegels bester Beitrag für das kleine Land ist und mich der Auftritt letztendlich auch überzeugt hat (nach Moldawien zu starten war wohl doch ein Pluspunkt, der jetzt im Finale leider wegfällt). Mich persönlich hat Islands Qualifikation am meisten überrascht, obwohl auch das nicht ganz unvorhersehbar war.

  4. Ach ja, und wenn einer geklaut hat, dann wohl eher Webber bei Siegel. Siegel saß schließlich schon öfters und früher mit auf der Bühne. Da könnte man eher von back to the roots sprechen. 😉

  5. Na na na, jetzt wollen wir aber erst schreien, wenn es wehtut, bittschön. Dass Valle und Ralle vor Elaiza landen, seh ich so bisher noch nicht. Und bis Samstag kann noch viel passieren.

    Ansonsten war das ein überaus feiner Abend gestern, ich bin natürlich besonders happy mit dem Finaleinzug von Montenegro. Und Ungarn ist ab sofort der Gejagte; wenn im Semi 2 nicht noch Norwegen, Österreich und Israel total aufdrehen, wird es wohl nächstes Jahr nach Budapest gehen. und nein, liebe UK-Fans, die Molly ist es nicht!

    Auf jeden Fall drück ich Elaiza am Samstag die Daumen – und Carl und Conchita morgen.

  6. Ich muss sagen, dass ich mit dem Ausgang dieses ersten Semis eigentlich ganz zufrieden bin. Nicht nur, dass ich wieder meine übliche „8 von 10“-Trefferrate bei den von mir als Weiterkommer Getippten habe, nein diesmal trifft „8 von 10“ auch auf die von mir *Gewünschten* zu. Das mag natürlich vor allem daran liegen, dass ich diesmal so nahe am Mainstream war wie sonst selten, tauchen doch ganze 7 Titel sowohl auf meiner Wunsch- als auch der Tippliste auf (S, NL, MNE, ARM, AZ, H und UA). Sanna hat fantastisch gesungen, noch wesentlich besser als im Mello, und ich könnte mir das wirklich als Gesamtsieger vorstellen. Das gilt allerdings auch für Andras aus Ungarn. Dilara kam bei mir wesentlich sympathischer rüber als beispielsweise im Video, auch wenn der Gesang an manchen Stellen schwächlicher war. aber sie hat nicht so kalt gewirkt wie sonst. Absolut gefreut hat mich das (von mir allerdings erwartete) Weiterkommen der Holländer.
    Wie erwartet, sind meine persönlichen Favoriten Albanien und Moldawien raus. Das ist natürlich ein Wermutstropfen, kam aber natürlich nicht unerwartet. Außerdem war Hersi tatsächlich weniger stimmsicher als gewohnt.
    Nicht geglaubt, aber gewünscht hatte ich das Weiterkommen von Valentina. Aber ich finde es hochverdient. sie hat wirklich gut gesungen, nicht so übertrieben pathetisch wie vorher.
    Falsch getippt hatte ich im Falle von Belgien. Das freut mich aber ehrlich gesagt eher. Wie schon von anderen geschrieben, kam Axel diesmal auch wesentlich unauthentischer und etwas verwirrt rüber.
    Lettland war eh nur geraten. Da hatte ich euinfach einen von 3 Beiträgen (LV, IS, RSM) quasi blind gezogen. Nun sind es BEIDE anderen geworden und für beide freue ich mich.

    Wenn das zweite Semi auch so gut ausgeht, bin ich sehr zufrieden. Ich kann nur nicht so recht daran glauben, denn hier sind die Differenzen zwischen meinen Tipps und Wünschen größer. Aber wir werden sehen.

  7. Kann ich nur im Fall Roberto Prettypink nachvollziehen. Die anderen Genannten finde ich lediglich Nichtssagend, aber nicht schlimm. Und valentina richtig gut.

  8. Bei „Lost+Forgotten“ kann ich voll zustimmen. „So lucky“ fand ich einfach genial (wie Zdob si zdub sowieso), die armenischen Dorians als Rockfan auch ziemlich gut. Can Bonomo hat mich jetzt auch nicht so angesprochen, aber es gab weitaus Schlimmeres.

  9. Hast Du’s gut. Bei mir überleben normalerweise höchstens 2 meiner Top 10 die Semis. Und Albanien ist praktisch jedes Jahr dabei.
    Insofern bin ich richtig glücklich, dass es bei mir dieses Jahr erst 1-2 meiner Faves (je nachdem, wie weit runter man geht: Albanien ist meine Nummer 1 gewesen, Moldawien lediglich in diesem Semi unter meinen Top 10, ansonsten nicht) zersägt hat.

  10. Das kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Steckt da vielleicht die Logik dahinter, dass das die Niederlande sind, und wenn die sich schon qualifizieren, muss das mit einem Song sein, der um den Titel mitspielt? (Das war zwar weder bei „Birds“ noch bei „Without You“ der Fall, aber hey, ich habe nie behauptet, die Logik sei wasserdicht…)

  11. Jepp, bei mir genauso… Moldawien und Lettland haben sich gestern schon verabschiedet, morgen wird’s dann noch Polen und Litauen erwischen, so dass ich mir, wie letztes Jahr, wieder irgendeinen Not-Favoriten für’s Finale suchen muss…

  12. Polen wird es nicht erwischen. Das hoffe ich zumindest, bin aber recht zuversichtlich in diesem Urteil.

  13. So, dann fang ich mal hier meine Besprechung dieses unglaublichen Semifinals an:

    ARMENIEN: Ich habe hier keinen Siegerauftritt gesehen. Gut, der Dubstep hatte schon ein wenig fesseln können, aber das plötzliche Ende hat alles wieder kaputt gemacht. Wahrscheinlich könnte Aram MP3 wieder an die alten Erfolge Armeniens anknüpfen, aber ein Sieger ist er für mich nicht.

    LETTLAND: Traurig, traurig 🙁 Leider waren Aarzemnieki an ihrer Aufregung gescheitert. Und im Schnelldurchlauf kamen sie erst recht schlecht rüber. Aber ich fand es trotzdem gut. Cep, cep, cep, cep, cep, kuuku!

    ESTLAND: Ich war sehr, sehr erstaunt, als klar war, dass Estland draußen ist. Also kein 2001 reloaded am Samstag. Dabei war alles perfekt und fehlerfrei und deswegen auch für mich sicher im Finale. Aber jetzt, wo ich gerade diese Zeilen schreiben, erinnere ich mich wieder daran, wie langweilig ich dieses Lied beim Eesti Laul fand. Wie wäre es damit gewesen: http://www.youtube.com/watch?v=7v1VwV8FunI ?

    SCHWEDEN: Jetzt auf Platz 1 bei den Buchmachern (Armenien ist auf die 2 abgerutscht) und damit noch überbewerteter. Sanna Nielsen und ihr „Undo“ lassen mich irgendwie kalt. Ich sehe mich schon selbst dabei, wie ich dafür bete, dass sie NICHT gewinnt. Ich war nicht restlos begeistert.

    ISLAND: Dieses Land überrascht mich immer und immer wieder. Das ist nicht das erste Mal, dass der isländische Beitrag für mich chancenlos war. Ich fragte mich, wie ein Lied gegen Vorurteile in Osteuropa ankommen soll. Aber Schweden und Dänemark haben gestern ja auch mitgestimmt. Deswegen am Samstag wieder Lala-lalala! 😉

    ALBANIEN: Das war nett, das war unauffällig. Ich finde das Lied zwar nicht schlecht, aber das Ausscheiden überrascht mich nicht all zu sehr.

    RUSSLAND: Natürlich riesengroß inszeniert und am Samstag auch im Finale. Punktabzug für die Zuschauer. Erst die Russinnen höflich empfangen und dann ganz laut „Buh“ rufen, als bekannt wird, dass sie weiter sind?! Wenn ihr was gegen Russland habt, warum pfeift Ihr sie nicht gleich vor dem Auftritt aus, so wie das lettische Publikum das vor elf Jahren bei t.A.T.u. gemacht hat?

    ASERBAIDSCHAN: Da merkt man, welcher Druck auf Dilara gelastet hat. Sie hat sogar einmal kurz gelacht zwischendurch. Aber es wurde leider kein Feuer entzündet, auch wenn sie das ihrer Begleitperson befohlen hat.

    UKRAINE: Sie hat gesungen wie irgendeine Tussi, aber trotzdem noch irgendwie souverän. Allerdings hat mich auch das nicht beeindruckt o.O
    Schauen wir mal, wie viele Punkte die Ukraine aus Russland gekriegt hat.

    BELGIEN: Das war gut! Paul Potts hat… äh, nein… Axel Hirsoux hat ALLES gegeben. Ich war richtig begeistert von diesem Mann. Wahrscheinlich muss es wieder mit einem verunglückten Auftritt klappen so wie im letzten Jahr.

    MOLDAWIEN: Für mich DIE Enttäuschung des Abends. Ja genau, die Enttäuschung des Abends war Moldawien, denn „Wild Soul“ ist auf dem Sampler große Klasse. „Mercy, I have no feelings of mercy…“ ich mag die Bewegungen dieses auf und ab gehenden Liedes, das sogar eine Rückung bereithält.
    Aber der Auftritt… zu dem, was die Sängerin trug, sag ich mal besser nichts und ihre Ausstrahlung war fürchterlich. Dat war nix!

    SAN MARINO: Für mich DIE Überraschung des Abends. Und nicht nur für mich. Valentina Monetta war komplett chancenlos für mich, auch wenn der Auftritt brillant war. Aber was hat Ralph Siegel denn genommen?
    Aber San Marino hat es verdient, ins Finale zu kommen. Es hat mich richtig gefreut. Und war das wirklich der letzte Grand-Prix-Auftritt von Valentina Monetta? Nun ja, Ralph Siegel hat ja auch 2002 zum letzten Mal am Grand Prix teilgenommen.

    PORTUGAL: Naja, hauptsache es hat der guten Suzy Spaß gemacht. Das Lied kam halt 20-25 Jahre zu spät und war irgendwie außer Konkurrenz. Das Finale war nicht eine Sekunde erreichbar.

    NIEDERLANDE: Die zweitgrößte Überraschung nach San Marino. Aber es war grandios inszeniert gewesen und wird am Samstag auch noch in der zweiten Hälfte starten. Ich sehe jetzt schon, dass das Finale und auch das 2. Halbfinale wieder Riesenüberraschungen bereithalten werden.

    MONTENEGRO: Der Griff in die Ljubavi-Kiste hat also gewirkt. Der Finaleinzug ist natürlich verdient, ohne Frage. Aber das wird Montenegro gute Gründe dafür liefern, weiter Balkanballaden zu schicken statt moderne Musik wie z.B. „Igranka“ letztes Jahr. Schade.

    UNGARN: Ja, das wird um den Sieg mitspielen. „Running“ ist halt mit das zeitgemäßeste Lied beim ESC 2014 und der US-Boy aus Budapest kann bei aller Austauschbarkeit (er könnte mit seinem Lied für so ziemlich jedes Land starten) seine Sache gut machen und hat auch ein eingängiges Lied. Das könnte was werden für Andras am Samstag.

  14. Insgesamt kann ich mit dem Ergebnis leben, auch wenn ich glaube, dass ich der einzige bin, der mit Schweden nicht wirklich viel anfangen kann.. Es ist einfach eine schnöde Ballade, hat mich nicht vom Hocker gerissen. Genauso wenig wie Russland, das mich schon eher fast auf die Palme gebracht hat, weil es einfach so aufgesetzt gewirkt hat..und dann auch noch dieser Text.. Da ich alle Lieder zum ersten Mal gehört habe, war ich recht enttäuscht von Armenien, die als Favorit gehandelt werden. Kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ungarn jedoch sehe ich als großen Siegaspiranten. Gefreut hat es mich für Montenegro und Island, die ich auch vorhergesagt habe. Ebenfalls freut es mich für San Marino! Habe 9 von 10 richtig getippt, nur Estland ist stecken geblieben anstatt San Marino.

    Was mir aber diesmal negativ aufgefallen ist, ist der Kommentar von Peter Urban. Wie gewohnt konnte er etliche Namen und Titel nicht aussprechen (ich gehe davon aus, dass er sowieso eine Lust hat diese richtig aussprechen zu wollen), aber manche Kommentare zu Liedern fand ich einfach unangebracht. Mehr Objektivität täte ihm vielleicht doch ganz gut. Dass Lettlands Song kein Drum und Bass hat, gehört eben zum Song, fehlte aber auch bei den Niederlanden und da fand er es ganz toll, aber Lettland hat er deswegen runtergemacht.. Ich denke es wird Zeit für einen neuen Kommentator! Wie wärs mit Hape Kerkeling? 😉

  15. Es war auch nicht immer „schlimm“, wenn es ein Dafuq-Qualifikant geschafft hat. Es war eher als „extrem überraschender“ (á la hätte ich nie erwartet) Finaleinzug gemeint. Ich finde „Maybe“ klasse und habe mir das Video seit gestern Abend mindestens 30x angeschaut, ohne Witz.

  16. Ich will auch mal meinen Senf abgeben…
    Insgesamt ein schönes Semifinale, das mir sehr viel Spaß bereitet hat! Habe eigentlich das zweite für stärker gehalten, aber in der Show selbst relativiert sich sowas ziemlich oft bei mir.
    Armenien fand ich zwar gut, glaube aber kaum, dass es gewinnen wird. Lettland fand ich wirklich schön, es war fröhlich und frisch und irgendwie amateurhaft – schade, dass es nicht dabei ist. Bei Estland bin ich dagegen froh – so schamlos den Backgorundchor auszunutzen – BUUUUH!
    Schweden halte ich für überbewertet. Zwar ist der Song ein absoluter Ohrwurm, Sanna Nielsen sehr hübsch und der Auftritt gut inszeniert, aber ich halte es ebenso wie Armenien nicht für siegwürdig. Dass Island dabei ist freut mich sehr, es war ein toller Auftritt, bei dem man gut mitgehen konnte. Albanien fand ich scheußlich – ich mag das Lied einfach nicht – und bin daher froh, es nicht noch einmal hören zu müssen.
    Die Russinnen haben einen etwas überladenene, stimmlich sauberen Auftritt hingelegt. Die Buh-Rufe bei ihrem Weiterkommen finde ich nicht gerechtfertigt – sehr schön war dagegen die Regenbogenflagge, die kurz durchs Bild wehte, als die beiden Mädchen in ihrer Endpose standen. Am Samstag wird das aber nicht in die Top 10 kommen, der Song ist viel zu belanglos.
    Aserbaidschan fand ich einfach nur LANG-WEI-LIG und glaube, dass es in diesem Jahr ziemlich knapp gewesen ist hinsichtlich der Qualifikation. Der Song und auch die Präsentation geben mir nichts. Die Ukraine dagegen war nett anzuschauen und der Song ist eingängig – das spielt vorne mit, da bin ich mir sicher.
    Belgien fand ich ziemlich öde und Moldawien grausam – was ein Outfit. Zurecht ausgeschieden! Und zwar beide.
    Die Qualifikation San Marinos hat mich in Staunen und Freude versetzt – JUHU! Ein Zwergenstaat hat es geschafft! Wieso auch immer – der Auftritt war nett, das Lied ist es ebenfalls. Und man weiß ja, dass die nett die kleine Schwester von… naja wie auch immer. Für das Land und Valentina freue ich mich!
    Portugal machte Laune, war aber grausig gesungen. Die Niederlande supertoll inszeniert – ganz verdient weitergekommen! Mal schauen, was am Samstag rumkommt. Ich glaube, die können vorne mitspielen – wäre mal endlich wieder eine faustdicke Überraschung! Montenegro war hübsch anzusehen – dabei ein Lob für die grandiose Bühne! Einfach GENIAL!
    Ungarn zu guter Letzt war bombig – steigt in meiner Liste der Wettaspiranten vor Österreich und Großbritannien auf Rang 1. Der Song fetzt – trotz des ernsten Themas – und ist meiner Meinung nach auch relevant, gerade wegen des Themas.

    Insgesamt eine tolle Show mit okayen Moderatoren, einer tollen Eröffnung und einer – ich sag’s gerne nochmal – supertollen Bühne!

    Für Donnerstag bleibt mir nur zu sagen: GOOOOO AUSTRIA! GOOOO CONCHITA!

  17. Dann will ich jetzt auch mal meine Rangliste von gestern Abend geben.

    01. Ungarn (nach wie vor, muss einfach gewinnen, auch wenn ihm mehrmals fast die Stimme weggebrochen wäre – aus Nervosität oder aus Ergriffenheit?)
    02. Montenegro (Rollerbladerin hat irritiert, aber das Lied schön verträumt und der Sänger sehr charismatisch)
    03. Schweden (ich weiß, ich war immer dagegen, aber der Auftritt hat mich dann doch gepackt, tolles Lichtermeer im Publikum)
    04. San Marino (schönes Setting, guter Songaufbau, das ständige Herumgefuchtel bei der ansonsten sehr statischen Darbietung vielleicht etwas irritierend)
    05. Russland (Staging etwas blass, aber ich liebe das Arrangement von dem Lied)
    06. Belgien (nicht sein bester Tag, klang beim Vorentscheid besser, aber ich habe einen soft spot für Dramatisches)
    07. Niederlande (erfrischend anders in der Inszenierung, aber irgendwie doch ein zu amerikanischer Sound)
    08. Ukraine (coole Kameraeinstellung zu Beginn, aber der Funke wollte nicht so Recht überspringen)
    09. Lettland (Fun!)
    10. Moldawien (eigentlich mag ich das Lied, aber dieser Auftritt ließ mich zwischen Lachattacke und verständnislosem Kopfschütteln zurück)
    11. Armenien (underwhelming, wie der Engländer sagen würde, und hat die Regie den Anfang verpatzt und die falsche Kamera übertragen? Sehr peinlich)
    12. Portugal (abgestandene Latinoklänge, aber immerhin etwas fröhliches)
    13. Albanien (die Rampe störte und wirklich gefallen hat mit nur der Schlussteil des Songs)
    14. Estland (auch hier eine tolle Einstellung beim Start, auf Dauer aber zum Hören und zum Sehen eher anstrengend)
    15. Aserbaidschan (schöne Musik, aber immer noch einschläfernd)
    16. Island (alles ist super … bis zum Refrain, den kann ich irgendwie nicht ab)

    Über das Endergebnis ärgere ich mich nicht. Das finde ich durchaus sehr nachvollziehbar. Ich ärgere mich nur über mich selbst, da ich bei einem Tippspiel in vorletzter Minute die Hoffnung in San Marino verloren habe. Manchmal sollte man eben auf seine erste Intuition hören. Die hatte mir gesagt, dass Maybe Siegels bester Beitrag für San Marino und Mother ein fürchterlicher Kitschsong ist und dennoch habe ich am Ende genau umgekehrt getippt. Liegt wohl an der legendären ESC-Blase, in die man kurz vor den Shows gerät. Aber immerhin war schon mein erster Eindruck, dass Ungarn gewinnt. Das darf jetzt gerne auch so kommen.

  18. Bloß nicht! Der war ja noch schlimmer. Ich finde Urban ja auch grässlich, weniger wegen seinen eigensinnigen Kommentaren, mehr deswegen, weil er es wirklich nur ganz selten schafft, mal einen Namen oder auch nur Liedtitel korrekt zu bringen (entweder er gibt sich wirklich gar keine Mühe (glaube ich inzwischen nicht mehr) oder er ist eventuell Legastheniker?). Aber wenigstens hat Urban schon eine gewisse Ahnung von der Materie.

  19. *gacker* Ja ja, die bösen Jurys – wählen die doch einfach San Marino: RAUS! Der TELEVOTER wollte Valle und Ralle im Finale sehen! Was sagen wir denn eigentlich dazu?! *immer noch kicher*

  20. Hehe. Soviel außerdem dazu, dass das Teil garantiert vor Deutschland landet. War im Kielwasser des Zweiten wohl keiner. Apropos: warum haben sich eigentlich so viele über den Erfolg eines Countrysongs gewundert? Erinnert sich noch jemand, wer 2001, als wir das letzte Mal in Kopenhagen waren, Zweiter wurde?

Oder was denkst Du?