2. Semi 2014: Europa liebt die Wurst!

Ganz ehrlich: euphorisierenderes Fernsehen als die gerade eben zu Ende gegangenen zwei Stunden Eurovision habe ich selten erlebt. Ich weiß gar nicht, wie ich meinen Dank an die Grand-Prix-Fans in den B&W-Hallerne in Kopenhagen in Worte fassen soll: so viel kollektive Liebe ist wohl noch nie über einer Grand-Prix-Teilnehmerin ausgeschüttet worden wie heute über Conchita Wurst. Dass der Saal der bärtigen Frau zujubeln würde, stand zu erwarten – dass die Stimmung dermaßen brodelte, dass man am TV-Schirm dachte, jeden Moment trägt es das Hallendach weg, machte mich sehr, sehr glücklich. Ebenso wie die Art und Weise, wie das dänische Fernsehen, stellvertretend für das liberale und aufgeklärte Europa, in der Form der Moderatorin Lise Rønne beim Green-Room-Interview die österreichische Drag Queen umarmte, sie als „Seelenverwandte“ apostrophierte, über ein gemeinsames Plattenprojekt scherzte (‚The Wiener takes it all‘), sich also öffentlich mit ihr verschwesterte und damit einen erneuten subtilen Mittelfinger an die Spießer und die Homophoben schickte. Klarer konnte die Botschaft nicht sein: wir begrüßen, schätzen und feiern Diversität, sie ist unverbrüchlicher Teil, ja Grundlage der europäischen Kultur! Danke dafür, Dänemark!


Der Star dieses Abends, dieses Jahrgangs: Conchita (AT)

Dass das dänische Fernsehen die Bekanntgabe des Finaleinzugs Österreichs bis zuletzt herauszögerte, war ebenso abzusehen, setzte dem Abend aber natürlich dennoch die Spannungskrone auf. Denn trotz der makellosen stimmlichen Leistung Conchitas, die Peter Urban nicht ganz zu Unrecht mit Shirley Bassey verglich, ihrer fabelhaften Bond-Ballade und der cleveren Bühnenshow, die meine Heldin als strahlende Mythengestalt mit feuernen Adlerschwingen inszenierte, und trotz der nicht zu übersehenden und überhörenden Begeisterung der Fans in der Halle blieb die bange Frage, ob Europas Televoter, insbesondere aber die Juroren, sich anstecken lassen würden – diverse Petitionen, unsägliche Äußerungen beispielsweise von Aram MP3 oder Alf Poier (AT 2003) und der schmerzlich homophobe Verbaldurchfall in vielen Kommentarspalten ließen im Vorfeld anderes befürchten. Nun wird es spannend, wie Conchita am Samstag, wo ja nochmal ein ganz anderes TV-Publikum abstimmt als heute, abschneiden wird – doch selbst, wenn sie dort Letzte würde (was ich nicht glaube, denn dieser Platz ist für Elaiza reserviert): den heutigen Finaleinzug als Fanal für den Sieg der Liberalität über die Dumpfheit kann ihr (und mir) keiner mehr nehmen! Danke dafür, Conchita!


Der sanfte Schreiner: heirate mich, Carl! (NO)

Doch der Abend bot noch weitere emotionale Momente: den norwegischen ‚Silent Storm‘ liebte ich zwar bereits im Vorfeld. Und doch berührte mich die Darbietung Carl Espens niemals so intensiv wie heute, gerade weil seine Stimme stellenweise beinahe kippte. Hier machte sich ein optisch starker Kerl vor einem Millionenpublikum verwundbar, legte schutzlos sein Innerstes offen, erzählte glaubhaft von seinen seelischen Narben und Gefühlsstürmen: mir flossen während seines Auftrittes die Tränen, und sie fließen wieder, jetzt, da ich diese drei Minuten schreibend rekapituliere. Ein fröhliches Dauergrinsen entlockten mir, im Gegensatz hierzu, die griechischen Trampolinspringer. Der Floorfiller ‚Rise up‘, musikalisch up to date, wenn auch nicht unbedingt ein Musterbeispiel für Anspruch oder Innovation, pumpte massenhaft Energie und Spaß in die Veranstaltung, und nichts hätte das so schön visualisieren können wie das lustige Umherspringen auf dem Turngerät: vielen Dank Freaky, vielen Dank Fortune, und vielen Dank Risky Kidd für diese großartige Einlage (und für eines der wenigen Beispiele, wo ein mit massiver Studiotechnik entstandener Dancetrack live deutlich besser klingt als auf Platte, und das trotz stimmlicher Stolperer).


Drei große Kinder auf der Eurovisionsbühne: wie geil! (GR)

Mit herber Trauer erfüllt mich hingegen das unverdiente Ausscheiden Israels. Mei Feingold sang ihren wütenden Trennungskracher ‚Same Heart‘ mit einer auf den Punkt dosierten Mischung aus reibeisiger Aggression und ohrenschmeichelnder Anmut. Ihre zwei Tänzerinnen und die Lightshow unterstützten die Darbietung, ohne übertrieben zu erscheinen, sie selbst wirkte so selbstbewusst wie freundlich. Lediglich den etwas an Madonnas ‚Open your Heart‘-Outfit erinnernden Stripschuppenfummel hätte es nicht zwingend gebraucht. Es machte in den letzten Tag das Gerücht die Runde, dies sei wohl aller Voraussicht nach der letzte hebräische Beitrag zum Eurovision Song Contest: so sehr mich das schmerzt, es wäre zu verstehen. Deutlicher könnte Europa seiner nahöstlichen kulturellen Enklave nicht die kalte Schulter zeigen als mit der fortgesetzten Ignoranz gegenüber ihren meist hervorragenden und kriminell unterbewerteten Eurovisionssongs. Schande!


Gianna Nannini trifft Madonna: was soll Israel denn noch aufbieten?

Stichwort Schulter: spontanes Erbrechen verursachte mir der Einfall des rumänischen Sangespaares Paula Seling und Ovi (RO 2010), ihre inhaltsleere, ausschließlich auf oberflächliches Showsingen gebürstete Nummer ‚Miracle‘ durch die wohl unglaubwürdigste und fremdschämattackenerzeugendste Umarmung in der Eurovisionsgeschichte optisch aufzupeppen, wobei sie noch über die Schulter des Anderen hinweg weiter sangen schrien. Als ob all der vorangegangene Flitter und Chichi, angefangen vom Hologramm Paulas über den beleuchteten Rimmstuhl Ovis bis hin zum pyrotechnischen Overkill und dem achtzehnsekündigen Kreischen der Balkanwalküre unsere Geschmacksnerven nicht bereits bis auf das Äußerste strapaziert hätten. Die gewaltfantasienerzeugenden Grimassen des glubschäugigen Ovi möchte ich erst gar nicht weiter erwähnen. Ich kann nur hoffen, dass das im Finale abkackt, auf dass Rumänien künftig wieder guten Trash senden möge und nicht diesen ranzigen Eurovisionsmüll.


Beam her up, Scottie: Paula (RO)

Nur fünf Semifinalisten konnten heute hängen bleiben, und bei Vieren verwunderte das Ausscheiden nicht: wer, wie Georgien, ein wirres Potpourri der unpopulärsten Musikstile der Welt präsentiert, dargeboten von einem minutenlang jodelnden Trommler (Part von The Shin) und einer Wallehaarhexe im giftgrünen Kleid (Mariko), möchte ganz offensichtlich die Übernachtungskosten bis Sonntag sparen. Wer, wie Mazedonien, eine wasserstoffblonde Discotranse mit einem Albumtrack schickt, die schamlos Jane Comerfords (Texas Lightning, DE 2006) niedliche Lassoweitwurfgeste als Choreografie klaut, und nämlicher Tijana Dapčević dann einen als der Tod maskierten Tänzer hintendran stellt, wohl ebenso. Und Irland half auch die verzweifelte Erinnerung an seine Riverdance-Glanzzeiten nichts, da die Leadsängerin Kasey Smith im steten Wechsel mit ihrem überforderten Chor praktisch jeden einzelnen Ton versemmelte. Die wenigen Male, wo sie nicht betreten zur Seite blickte, wenn die Kamera ihr Gesicht einzufangen versuchte, konnte man in ihren Augen dann auch sehr deutlich ein „Hilfe! Holt mich hier runter!“ lesen.


Der Carcrash-Moment 2014: Brokat-Xena schlachtet den Song (IE)

Bleibt Litauen. Schade, Šarūnas Kirdeikis hätte ich gerne wieder gesehen. Der lederbepackte, vollbärtige Tänzer aus dem Tom-of-Finland-Lehrbuch hatte meine ungeteilte ‚Attention‘ während der kompletten drei Minuten. Lediglich dieser komische, schreiende menschliche Pfeifenreiniger, der da – warum auch immer – mit auf der Bühne (und unnötigerweise öfters im Fokus der Kamera) stand, störte ein wenig. Zumal Vilija Matačiūnaitė, so wohl der Name des Pfeifenreinigers, nicht nur in unregelmäßigen Abständen laut ‚Attention!‘ brüllte, als ob gleich ein ICE vorbeidonnern würde, sondern dazwischen auch noch, so ich das mitbekam, andere Worte sang, die nicht auf den maschinenstampfigen Hintergrundtrack passten, der dazu lief. Beim Weißrussen Teo hatte ich diesmal meinem ersten Eindruck vertraut und ihn ins Finale gewettet, was auch klappte. Obwohl sein Auftritt mit dem Chor der „bei der Damenwahl Sitzengelassenen“ (Peter Urban) live tatsächlich wenig überzeugte.  Kann er für den Samstag nicht vielleicht noch Šarūnas in sein Team holen? Als seinen „sweet Cheesecake“?


Guck mal, da sind ja Löcher im Petticoat: Vilija ist keine gute Hausfrau (LT)

ESC 2. Semifinale 2014

Eurovision Song Contest 2014 - Zweites Semifinale. Donnerstag, 8. Mai 2014, aus den B&W-Hallerne in Kopenhagen, Dänemark. 15 Teilnehmer, Moderation: Lise Rønne, Nikolaj Koppel und Pilou Asbæk.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Rkg
TV
Pl
TV
01MTFirelightComing home0630901614
02ILMei FeingoldSame Heart0191402113
03NOCarl Espen ThorbjørnsenSilent Storm0770604608
04GEThe Shin + Mariko EbralidzeThree Minutes to Earth0151501515
05PLDonatan & CleoMy Słowianie0700811302
06ATConchita WurstRise like a Phoenix1690114901
07LTVilija MatačiūnaitėAttention0361103711
08FISoftengineSomething better0970305207
09IECan-linn + Casey SmithHeartbeat0351204010
10BYTeoCheesecake0870507206
11MKTijana DapčevićTo the Sky0331302612
12CHSebalterHunter of Stars0920409704
13GRFreaky Fortune + RiskyKiddRise up0740708805
14SITinkara KovačRound and round0521004409
15ROPaula Seling + Ovidiu CernăuţeanuMiracle1250211203

29 Gedanken zu “2. Semi 2014: Europa liebt die Wurst!

  1. Was ist denn jetzt los? Neun von zehn Finalisten richtig getippt? Und mit Nummer 10 (Finnland anstatt Israel) kann ich auch leben? Europa, würdest du bitte aufhören, meinen Geschmack zu teilen? Du machst mir Angst.

  2. So, dann lasse ich nochmal diesen großartigen Abend Revue passieren:

    MALTA: Ein sehr schönes Lied zum Reinkommen ins Halbfinale und auch sehr sympathisch vorgetragen. Vielleicht nochmal Top 10?

    ISRAEL: Mei Feingold hat stimmlich geschwächelt, aber ihr Ausscheiden überrascht mich dann doch.

    NORWEGEN: Als ich den jammernden Türsteher sah und hörte, sagte ich mir nur: „Carl, das war’s für dich, du bist raus“. Er hat sehr viele Nerven gezeigt und wird am Samstag definitiv eher nicht gewinnen.

    GEORGIEN: Schade, kein Weltmusikwunder. Aber es war klar, dass Georgien rausfliegt. Leichte Verstörung hat sich besonders durch die Grüntöne wie schon im Vorschauvideo dann doch breit gemacht. Dennoch danke an Georgien für dieses Lied! 🙂

    POLEN: Wenigstens eine Frau hat dann doch tief blicken lassen. Sehr verdient im Finale und sehr stimmungsvoll. Das wird im Osten abräumen. Man kennt ja „My Slowanie“ ja schon.

    ÖSTERREICH: Conchita wurde ja bejubelt, als ob sie nicht für den Gastgeber von 1967 sondern für den jetztigen sänge. Und ich habe bis zum Schluss gezittert und wirklich bei der Bekanntgabe der Finalisten gedacht, dass es vorbei sein könnte. Aber dieser Auftritt war phänomenal. Man konnte Conchita Wurst nicht gehen lassen.
    Angeblich soll Weißrussland den Auftritt nicht gezeigt haben!

    LITAUEN: Verdient draußen. Könnte Moldawien bei der Vergabe des „Barbara-Dex-Award“ Konkurrenz machen. Und auch schwach gesungen. Tschüss.

    FINNLAND: Der Einspieler von der Schule war eine nette Idee. Die Jungs müssen auf viele jugendliche Zuschauer und Anrufer hoffen, so gut ihr Auftritt auch war. Die Juries werden wohl auch davon abstimmen, denn vielleicht lässt das Lied die eine oder andere Kasse klingeln.

    IRLAND: „Only Teardrops“ 2.0 ist weg vom Fenster! Das war zwar ganz gut vorgetragen, aber es erinnerte dann doch zu sehr an das letztjährige Siegerlied. Deswegen: Goodbye, Ireland!

    WEISSRUSSLAND: Ich hoffe, dass das bereits erwähnte Gerücht über die Nichtausstrahlung von Conchita unwahr ist. Denn das war ein sehr erfrischender Auftritt. Und ich spreche hier von Weißrussland mit seinen verkrampften Sängern! Aber ich möchte nicht in TEOs Haut stecken bei den vielen Regeln, die er befolgen muss.

    MAZEDONIEN: Erwartungsgemäß draußen. Auch wenn das durchaus zeitgemäß ist. Aber da war viel von Pink und auch von sonstwoher noch geklaut. Ich vermisse diese 0815-Nummer nicht wirklich.

    SCHWEIZ: Das wurde ja inszeniert wie ein Siegertitel! Ich bin etwas überrascht über den Finaleinzug, aber das wird sicher viele Schweizer Zuschauer bringen, die dann hoffentlich den hier erwähnten letzten Platz von Elaiza notfalls verhindern können (wobei ich persönlich nicht glaube, dass Elaiza Letzte werden. Dieses Jahr ist alles möglich!)

    GRIECHENLAND: Geil, geil, geil! Da hat man sich trotz aller bekannten Schwierigkeiten mächtig ins Zeug gelegt und auch noch auf einem Trampolin ausgetobt. Sehr gut gemacht!

    SLOWENIEN: Dieser ESC beginnt mir noch Angst zu machen. Peter Urban findet das Lied zwar mittelmäßig, aber das klingt sogar ein wenig wie ein Siegertitel. Nächstes Jahr Ljubljana? Klingt zwar wenig wahrscheinlich, aber ich wiederhole mich hier gerne nochmal: Dieses Jahr ist alles möglich!

    RUMÄNIEN: Da erscheint Paula am Bildschirm und löst sich plötzlich in Luft auf! :O Aber ich hoffe, dass Rumänien trotz kreisrundem Klavier nicht gewinnt. Wenn man schon Cascada ignoriert, dann sollte man auch bei Rumänien geizen, so hart das auch klingen mag.

  3. Das Ausscheiden von Frau Feingold lässt sich bedauerlicherweise recht einfach erklären, finde ich: es fängt mit „A“ an und hört mit „ntisemitismus“ auf. Ganz so sehr hat es Europa dann doch nicht mit der Toleranz und der „Diversität“.

  4. Ein Abend für die Geschichte, sehr bewegend! Am Ende auch, weil Israel nicht weiter kam – aber vor allem wegen der unglaublichen Wurst und dem, was das dänischen Fernsehen draus gemacht hat. Ein Lehrstück!

  5. Ich fühle mich im Moment sehr an 2006 erinnert. 2006? Da war doch mal was… mit einem außergewöhnlichen Beitrag… was war das noch….

  6. Ich fasse es nicht! Dass mein persönlicher 12er nicht mal das Finale erreicht, hat es seit deren Einführung noch nie gegeben.

    Oh, Europe – we don’t beat from the same heart!

  7. Das mit Weißrussland war nur ein Gerücht, Sietse Bakker hat inzwischen getwittert, dass Conchi auch im Reiche Lukaschenkos zu sehen gewesen sein soll.

  8. Gibt es dafür irgendwelche Beweise oder auch nur Hinweise, oder wollte da mal wieder jemand „Antisemitismus!“ in den Raum brüllen, nachdem „Transphobie!“ nach Conchitas Weiterkommen nicht klappt? Außerdem waren die wohl virulentesten Antisemiten Europas in diesem Semi überhaupt nicht stimmberechtigt, also was soll das bitte?

  9. Nein, sorry, Carl, so dramatisch und gefühlvoll der Silent Storm auch gewesen sein soll, ich hab da leider nur sehr viele ganz schiefe Töne gehört. Hat mich ja auch geärgert, ich hoffe, er übt bis Samstag noch. Den das Lied hat eindeutig was.

  10. Ja, auch für mich das alles überschattende Ereignis des Abends.
    War der Song zu untraditionell fürs normale Publikum ?

  11. Heute stimme ich dir in allem zu – in fast allem 🙂 Attention ist für mich zurecht ausgeschieden 🙂 Norwegen hat mich auch völlig berührt und ich habe mich gefreut wie Bolle, dass die ganze Halle und die Moderatorin Conchita so liebte und unterstütze – jetzt freue ich mich wie Sau auf morgen – richtig traurig bin ich über das Ausscheiden Israels – liebte den Song

  12. Ich bin entsetzt! Auch wenn ich beim Weiterkommen meiner Wunschkandidaten besser liege als sonst (8 im ersten Semi, immerhin 6 gestern), wobei das wohl eher daran liegt, dass prozentual dieses Jahr natürlich eh mehr weiterkommen und ich außerdem 3 der Big 5+ in meinen Top 10 habe (was sonst eher selten ist), das Ausscheiden Israels hat mich gestern wahrhaft entsetzt. Das war ja nicht nur einer *meiner* Faves, sondern von vielen sehr wohlwollend kommentiert worden. Mei wirkte zwar etwas statischer als noch während der Proben, aber finalwürdig war das doch allemal. Ich hoffe nicht, dass da viele so ähnlich gedacht haben wie ich („das kommt sowieso weiter, ich konzentriere meine Anrufe lieber auf die Wackelkandidaten, die weniger Mainstream sind“). Ich muss gestehen, dass ich nur 3 meiner 20 Stimmen für Mei verwendet habe (ansonsten je 5 für SLO, PL und GE, 2 Mitleidsanrufe für LT).
    Riesig gefreut habe ich nich natürlich über das Weiterkommen von Tinkara.

    Die Tippquote dagegen ist wie immer: 8 von 10. Hatte IL und IRL geglaubt, dafür M und FIN bekommen. Was beides nicht so schlimm wäre, wenn ich dafür nicht IL und (erwartungsgemäß) GE eingebüßt hätte.

    Aber ich will nicht meckern. Immerhin sind von meinen ursprünglichen Gesamt-Top 10 noch ganze 6 im Rennen (ausgeschieden sind AL, IL, IRL (um die es nicht schade ist, live hat mir das auch nicht gefallen) und GE; verbleiben PL, SLO, S und die Big5 I, E und GB).
    Ich würde mir aber auch ein Loch ins Hemd freuen, wenn überraschenderweise die Holländer gewinnen (und kann mit H oder notfalls auch N leben, wenngleich ich letzteren echt zu nölig finde. Er ist nach dem gestrigen Auftritt auch ordentlich bei den Wettquoten eingebrochen).

  13. ach Quatsch. Israel hat es schon öfter nach vorne geschafft und sogar öfter gewonnen. Das Lied war gut performt, die Stimme gut, aber wirklich ins Ohr ging es nicht.

  14. „Außerdem waren die wohl virulentesten Antisemiten Europas in diesem Semi überhaupt nicht stimmberechtigt“ Diese Ressentiments gegen Osteuropäer verleihen deiner Antwort auf mein Kommentar eine gewisse Ironie.
    Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! :3

  15. Israel hat, man muss es wohl so klar festhalten, keine Freunde. Denn unabhängig vom persönlichen Geschmack muss man doch die musikalische Qualität und die der Performance hoch einschätzen, wenigstens wenn man zum Vergleich Nummern hinzuzieht, die es ins Finale geschafft haben wie Rumänien (volle Zustimmung zu Olivers Anmerkungen) oder Polen (das ich ja einigermaßen witzig finde, ja, aber Gesang und Gesamtdarbietung blieben doch weit hinter dem zurück, was das Video erwarten ließ). Das Ausscheiden hat mich ziemlich erschüttert, Was hilft´s – wer glaubt, Israel wüde es „sowieso“ schaffen, verkennt die politische Lage. Für Israel muss man anrufen oder man entscheidet sich gegen den israelischen Beitrag. Einwand: leider haben meine SMS das Ausscheiden auch nicht verhindert…
    Ansonsten bin ich zufrieden, auch wenn mir fast das Herz stehenblieb angesichts der dänischen Dramaturgie bezüglich Conchita (und auch da volle Zustimmung: die Show war herzerwärmend, sowohl was die Ideen des „join us“ betrifft als auch die Symbolik in Bezug auf Toleranz, die Oliver als „subtilen Mittelfinger“ bezeichnet hat). Auch für mich ist Norwegen nach diesem Vortrag erstmal aus der Favoritenrolle raus, während Österreich eine wirklich glamouröse Galavorstellung geboten hat, bei der vom Gesang über die Inszenierung und das Bühnenbild bis zur Robe einfach alles stimmte. Der Applaus in der Halle war bisweilen so stark, dass er fast die Übertragung des Liedes beeinträchtigte. Leider ist der Startplatz im Finale nicht der beste, was auch für Schweden gilt. Aber es gibt ja auch Beispiele für Siege, die in der ersten Hälfte der Show errrungen wurden. Jedenfalls rücken nun Ungarn, die Niederlande und – ja, auch – die britische Hymne in den Fokus der Aufmerksamkeit (wobei letztere erstmal ordentlich auf die Bühne gebracht werden muss). Leider wird wohl auch Dänemark zu den ernstzunehmenden Favoriten zu zählen sein, mit dessen Schubidu ich nicht viel anfangen kann. Gefreut habe ich mich schließlich besonders für die pfiiffige Gutelaunemucke aus der Schweiz. Und auch Italien und Frankreich würde ich durchaus eine vorderePlatzierung gönnen, bin aber gerade bei „Moustache“ nicht sicher, ob das live gut klingen kann. Ich bin sehr gespannt!

  16. Das stimmt, das war gerade in der ersten Hälfte des Titels oft wirklich sehr schief – interessanterweise hat gerade das mir den Song noch mehr ins Herz gerückt, weil es so authentisch wirkte, so als könne er vor lauter Kloß im Hals nicht richtig singen. Dass es im zweiten Teil dann kraftvoller klang, hatte etwas Befreiendes… jedenfalls krieg ich immer noch Gänsehaut, wenn ich an den Auftritt denke!

  17. Tausche Schweiz gegen Israel, dann bin ich glücklich. Meine Hassbeiträge 2014 sind (außer Russland, Schweiz und Dänemark) gottlob raus. Die Krone für Conchitta ist im Rahmen des Möglichen. Warum auch nicht. Wien 2015 wäre toll.

  18. Insgesamt kann ich mit dem Ergebnis leben. Es wurde mir im Laufe der Show immer bewusster, dass das eine extrem enge Kiste werden wird. Ich habe selbst auf meiner Liste einige Mal ein paar Titel verschoben.. Richtig getippt habe ich 8 von 10. Ich hatte Israel und Litauen auf meiner Liste anstatt Malta und Weißrussland (kotz!). Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, warum alle Litauen so schlecht fanden. Ich fand es immer besser und am Ende war es dann die Nummer 4 auf meiner Liste. OK, das Kleid war natürlich total unnötig, aber das Lied war um Längen besser als andere Uptempo-Nummern wie aus der Ukraine, Israel oder Rumänien.. Naja so ist eben der ESC, niemand wird jemals restlos zufrieden gestellt werden 😉
    Der Auftritt von Conchita war klasse! Es passte einfach alles! Das Lied ist klassisch, aber nicht zu langweilig und sie verstand es einfach das Beste aus der Komposition rauszuholen. Die Lichtshow war sehr gut und einfach alles stimmig. Natürlich wurde sie als letzte Qualifikantin verkündet, das war doch wohl jedem klar. So „random“ wie die Reihenfolge sein soll, ist das doch auch nicht. In so einer Show ist eben alles durchinszeniert, damit ein möglichst hoher Spannungsbogen erzeugt wird.
    Mein Favorit aus diesem Semi war jedoch die Schweiz. Das war pure gute Laune, unbeschwert und lustig. Ich mag das Lied sehr!
    Ich denke der Gewinner dieses Halbfinals ist Griechenland vor Norwegen oder Österreich. Dahinter wird es schon sehr knapp mit der Vorhersage, ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass Irland den letzten Platz belegt. Das Lied ist nicht schlecht, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das jemand so toll finden könnte, um dafür anzurufen. Ein klassiches Lied im persönlichen Mittelfeld von jedermann und deswegen kümmert sich auch niemand wirklich darum..Es war auch klar, dass Mazedonien keine Chance haben wird, auch zurecht. Für Israel tut es mir schon Leid, aber bei ihrer tiefen Stimmlage kann es eben leichter passieren mal einen Ton nicht zu treffen.. Das Lied ist gut, woran es letztendlich gelegen hat, kann wohl niemand wirklich sagen..

  19. Verzeihung, aber dass in, sagen wir mal, Ungarn Antisemitismus salonfähiger ist als in Deutschland, ist kein Ressentiment gegen Osteuropäer, sondern eine schlichte Tatsache. Für das, was sich in weiten Teilen Osteuropas rechte Parteien an judenfeindlichen Parolen leisten, würde man hierzulande vermutlich Strafanzeigen wegen Volksverhetzung kassieren.

  20. Das Liedchen aus Irland kann man auf der CD durchaus anhören. Wenn man sich aber bei Inszenierung und Garderobenwahl schon dermaßen versemmelt, sollte wenigstens der Gesang stimmen. Oliver hat´s in seiner Bildunterschrift wunderbar getroffen: „Brokat-Xena schlachtet den Song“. Mehr muss man zu Irland kaum sagen..

  21. Vergessen: Weil es so richtig gruselig ist: Rumänien. Für mich die erste Station in der Geisterbahn. Worst Entry 2014! Hoch lebe die Wurst!

  22. Und was noch unheimlicher ist. Genau denselben Tipp wie du hatte ich auch. Neun Richtige außer Finnland/Israel. So gut habe ich schon ewig nicht mehr getippt, erst recht nicht im ersten Semi.

  23. Für meine Begriffe hätte der gute Mann sich seine Tattoos überschminken sollen. So hübsch der Kontrast harter Mann/sanfte Ballade rüberkommen kann, gibt es da eine Grenze, wie hart der Mann erscheinen darf. Eythor Ingi war noch auf der richtigen Seite der Grenze; Carl Espen steht definitiv auf der falschen.

  24. Hm. Wer nach inzwischen vier DNQs in Folge glaubt, „Israel schafft es sowieso“, hat aber auch nicht wirklich aufgepasst. Über die letzten vier ESCs hat Israel fast so schlechte Ergebnisse wie Lettland, und das ist nun wahrlich keine distinguierte Gesellschaft…

  25. Irgendwie musste ich in Bezug auf Conchita im Vorfeld an die alte Simpsons-Folge denken, wo sich Bart zur Klassensprecherwahl aufstellt. Alle lieben ihn, aber keiner wählt ihn. Was mir in jedem Fall klar war, war dass Conchita als letzte verkündet wird. Überhaupt war dieses Semi für mich viel klarer: 9 von 10 Qualifikanten richtig getippt. Ausnahme: Finnland/Israel. Hier nun mein ganz subjektives Ranking von gestern Abend.

    01. Griechenland (geniale Nummer, spaßig, mitreißend, zeitgemäß)
    02. Österreich (ebenso genial, ganz großes Kino und wie immer toll gesungen)
    03. Schweiz (erfrischend natürlich und unaufdringlich, bleibt aber trotzdem haften)
    04. Malta (je länger das Lied ging, desto lieber habe ich es gehört)
    05. Slowenien (gerade als ich dachte, die Inszenierung ist zu kühl, wurde es plötzlich golden)
    06. Israel (nicht wirklich neu, aber gut)
    07. Weißrussland (nach der irischen Nummer sehr erfrischend, dennoch wollte der Funke letztendlich nicht überspringen)
    08. Georgien (wäre eine Bereicherung für das Finale gewesen, Lied und Auftritt einfach nur komplett wtf)
    09. Polen (trashig, aggressiv, aber nicht ohne Charme)
    10. Irland (unsympathische Möchtegerndiva, aufdringliche „Irish-by-Numbers“-Nummer, aber eingängig)
    11. Finnland (kam nach Litauen extrem gut herüber, wenn auch musikalisch und von der Lichtshow her etwas zu laut und krachig)
    12. Norwegen (wieder tolle Lichtshow im Publikum, aber viel zu weinerlich, man hört, dass kein professioneller Sänger am Werk ist – ja, ich weiß, für einige macht genau das den Charme der NUmmer aus, für mich aber nicht)
    13. Litauen (anstrengend)
    14. Rumänien (billiger Kopfschmerzbeat, unfreiwillig komische Props, alles was das niederländische Duo richtig gemacht hat, machen die beiden falsch)
    15. Mazedonien (noch so eine aggressive Nummer, mag ich immer noch nicht)

    Da ich Griechenland als sicheren Qualifikanten gesehen habe (deutsche Punkte auch nur reine Formsache), gingen meine 20 Anrufe sämtlich an Conchita. Schwieriger wird die Entscheidung am Samstag fallen. Noch ist der Ungar bei mir ganz vorne, aber die Verfolger sind stark.

  26. Was ist denn jetzt eigentlich „Osteuropa“? Das muss mir jetzt mal jemand definieren. Ungarn ist für mich ja eher Mitteleuropa und auch ein Pole würde jedem ins Gesicht springen, der ihn als „Osteuropäer“ bezeichnet… die fühlen sich als Mitteleuropäer.

  27. @Maxi: Verzeihung für die Begriffsverwirrung. Ich habe den Eisernen Vorhang noch bewusst miterlebt, also fängt für mich „Osteuropa“ da an, wo früher Warschauer Pakt (oder Jugoslawien/Albanien) war. Können wir uns auf „Ostmitteleuropa“ verständigen?

  28. Das wird echt spannend heute Abend – vieles entscheidet sich tatsächlich im Moment, da kann man sich die Songs im Vorfeld schön- oder schlechtgehört haben, wie man will. Dennoch sage ich intuitiv und lege mich hiermit fest: es wird der Abend der Conchita. Also Wien 2015 – hab mich schon einquartiert.

    Zum engeren Favoritenkreis gehören für mich auch Ungarn (da finde ich das Gesamtpaket am besten), Armenien (das sich ins bombastisch steigernde macht mich immer noch an) und Island (das funzt, ansonsten gibt’s ja wenig Happy Music dieses Jahr).

    Mit Schweden muss wohl auch gerechnet werden – obwohl ich das Gejammer der Frau mittleren Alters nicht mag, kann ich der Komposition was abgewinnen. Wäre nur schade, wenn der ESC wieder ins alte Fach zurückfallen würde. Soll also nicht gewinnen. Punkt.

    Elaiza wünsche ich von Herzen einen Platz unter den ersten zehn.

    Das dänische Fernsehen mach einen sehr, sehr guten Job – tolle Einfälle, der Internetchor, die Tänzer aus allen Lebenslagen, die selbstgebastelten Fahnen, die Moderatoren entspannt und herzlich. Meine Lieblingsszene war auch als sich Lise Chorizo mit Conchita Wurst befreundete. Und der selbstironische Stadtspaziergang durch Kopenhagen. Dazu die sublitle Einblendung der Regenbogenfahne beim russischen Beitrag, schlau.

    Danke auch dem Verfasser dieses Blogs, macht Spaß, sich hier durchzulesen.

  29. Die *noch* einfachere Erklärung ist halt, daß der Song eher zäh war. Der hatte was Frankensteinhaftes an sich: viele Einzelteile, die nicht zusammenpassen wollen. Die beängstigende Bühnenshow hat auch nicht geholfen.

    Die Favoritenrolle, die Israel im Vorfeld hatte, kommt wohl daher, daß sich Wochen vor der Show hauptsächlich schwule Männer über ihre persönlichen Lieblinge austauschen. Und Mei Feingold bedient dieses Klientel recht gut. Die nie enden wollende Liebe der schwulen Community zur großen Diva mit der starken Stimme… In der echten Welt nützt aber die tollste Stimme nichts, wenn der Song nicht paßt. Und der *hat* nicht gepaßt. (Tatsächlich paßt der Song bei Israel schon seit Jahren nicht mehr. „Time“ von Izabo war der einzige gute Beitrag der letzten Jahre, war aber wohl zu wenig massentauglich. Ansonsten hinkt die IBA bei der Auswahl ihrer Beiträge immer ein paar Jahrzehnte hinten nach. „Hallelujah“ war damals moderner als „Same Heart“ heute.)

    Natürlich ist aber Antisemitismus eine praktische Ausrede. Bekanntermaßen existiert der ja auch erst seit 2011, als die Pechsträhne Israels begann. Welche Erklärungen darf ich mir als Österreicher für unser schlechtes Abschneiden in den letzten Jahrzehnten suchen? Wollen wirs Antiaustriazismus nennen? Oder einigen wir uns doch darauf, daß auch der ORF nicht so entsetzlich kreativ war in der Songauswahl?

Oder was denkst Du?