Die Jury-Dis­kus­si­on: Respekt für Hater?

Ein Shit­s­torm tobt seit Sams­tag­nacht über Deutsch­land, und er ent­zün­det sich am Voting der deut­schen Jury. Jen­ni­fer Weist (Jen­ni­fer Ros­tock), Musik­ma­na­ger Kon­rad Som­mer­mey­er, Andre­as Bou­ra­ni, USFD-Teil­neh­me­rin Made­li­ne Juno und Paul Wür­dig ali­as Sido stimm­ten als vom NDR beauf­trag­te Musik­ex­per­ten deut­lich anders ab als die Majo­ri­tät der Tel­e­vo­ter und sorg­ten so am Sams­tag bei der Ver­ga­be der Län­der­punk­te – dem Herz­stück der Show – für ver­wun­der­tes Augen­rei­ben und par­ti­el­le Beschä­mung bei den Zuschau­ern zuhau­se. Hat­ten doch die meis­ten von Ihnen, wie das rest­li­che Euro­pa, sich von Con­chi­ta Wurst bezau­bern las­sen und für sie gestimmt. Und nun ver­las Schla­ger­kö­ni­gin Hele­ne Fischer im strö­men­den Regen der Ham­bur­ger Open-Air-Grand-Prix-Par­ty kei­ne Dou­ze Points für die neue Kai­se­rin? Da konn­te doch etwas nicht stim­men! Das von der EBU in bei­spiel­haf­ter Trans­pa­renz umge­hend nach Ende der Sen­dung ver­öf­fent­li­che Split­vo­ting beleg­te es dann: den oben genann­ten Fün­fen, die Con­chi­ta irgend­wo zwi­schen dem neun­ten und drei­zehn­ten Platz ein­ord­ne­ten, ver­dan­ken wir die bla­ma­blen sie­ben Punk­te. Ins­be­son­de­re Sido, der schon im Vor­feld kei­nen Hehl aus sei­ner Abnei­gung gegen “Herrn Wurst” mach­te, sowie Frau Juno, die unge­schick­ter­wei­se im After­show­par­ty-Inter­view mit Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger noch log, sie habe “er/sie/es” auf dem fünf­ten Platz gehabt, ste­hen seit­her in der öffent­li­chen Kri­tik, die bis­wei­len im Rausch des Volks­zorns auch schon mal die Gren­zen über­schrei­tet. Sido, als ehe­ma­li­ger Aggro-Ber­lin-Rap­per har­te Wor­te gewohnt, scheint ent­spannt damit umzu­ge­hen, wäh­rend Made­li­ne Juno laut Ste­fan Nig­ge­mei­er bereits twit­ter­te: “Nie wie­der mach ich so was mit, ehr­lich!”


Macht eine unglück­li­che Figur: Frau Juno, hier beim Vor­ent­scheid

Der NDR-Ver­ant­wort­li­che Tho­mas Schrei­ber, der seit einem ähn­li­chen Shit­s­torm von LaBrass­Ban­da-Fans gegen die von Mary Roos ange­führ­te Jury beim deut­schen Vor­ent­scheid zuneh­men­de Schwie­rig­kei­ten zu haben scheint, über­haupt noch Pro­mis für die Jury zu fin­den, zeigt sich ver­ständ­li­cher­wei­se not amu­sed: Wenn der Sieg von Con­chi­ta Wurst als ein Zei­chen der Tole­ranz in Euro­pa betrach­tet wird, ist es eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, dem Urteil der ‘music indus­try pro­fes­sio­nals’ die­sel­be Tole­ranz ent­ge­gen­zu­brin­gen,” sag­te er. NDR-Hof­be­richt­erstat­ter Jan “God­win” Fed­der­sen schließt sich, wenig über­ra­schend, der For­de­rung nach mehr “Respekt vor der deut­schen Jury, bit­te” an und legt ver­bal noch eine Schip­pe drauf: Wer sich über eine Jury beschwert, wenn sie nicht wunsch­ge­mäß abstimm­te, will in Wirk­lich­keit kei­ne [Tole­ranz], son­dern folgt einer tota­li­tä­ren Logik”. Nein, Herr Fed­der­sen: öffent­lich geäu­ßer­te Kri­tik ist ein wesent­li­ches Kern­ele­ment von Demo­kra­tie, bedin­gungs­lo­se Zustim­mung hin­ge­gen ein vor allem in tota­li­tä­ren Sys­te­men ger­ne gese­he­nes Ver­hal­ten.


Ers­te im Inter­net­vo­ting, nur ein Punkt von der Jury: die Bay­ern sorg­ten für Dampf im Netz

Nun sind etwai­ge per­sön­li­che Belei­di­gun­gen natür­lich genau so wenig hin­nehm­bar wie das aus poli­ti­schen Grün­den erfol­gen­de Aus­bu­hen der rus­si­schen Tol­ma­che­vy Sis­ters durch die Fans in der Kopen­ha­ge­ner B&W-Halle. Eine har­te, öffent­li­che Kri­tik am Abstim­mungs­ver­hal­ten der Jury ist hin­ge­gen so berech­tigt wie erfor­der­lich! Auch ich nen­ne in mei­nem Blog Jurys ja ger­ne pau­schal “Wich­ser” und habe die ver­fem­ten Fünf in Kom­men­ta­ren abseits die­ser Sei­te auch schon als “Han­seln” bezeich­net. Das rich­te­te und rich­tet sich aber natür­lich gegen kei­nen Juror per­sön­lich, son­dern meint immer ihre öffent­li­che Funk­ti­on als Teil eines orga­ni­sier­ten Bevor­mun­dungs­in­stru­men­tes. Lang­jäh­ri­ge aufrechtgehn.de-Leser ken­nen aus leid­vol­ler Erfah­rung mei­nen Hang zur gebets­müh­len­ar­tig wie­der­ho­len Brand­re­de gegen das mafiö­se Gre­mi­um bei jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit. Um so erfreu­li­cher, dass das vom Zeit­geist so krass abwei­chen­de Abstim­mungs­ver­hal­ten der fünf Unwei­sen aus dem Abend­land nun auch die Mas­se für die Absur­di­tät des Voting­ver­fah­rens sen­si­bi­li­sier­te und für eine berech­tig­te Empö­rungs­wel­le sorg­te. Eigent­lich, ich will es nicht all zu laut sagen, müss­te ich Sido und Juno also sogar dank­bar sein!


Sie­ger dank skan­di­na­vi­scher Nach­bar­schafts­hil­fe: die Ing­mans (DK)

(Wieder-)Eingeführt wur­de die Jury bekann­ter­ma­ßen als Reak­ti­on auf das wei­ner­li­che Geschrei des Wes­tens über das angeb­li­che Block­vo­ting der ost­eu­ro­päi­schen Län­der – so, als sei es unlau­ter, aus kul­tu­rel­ler Ver­bun­den­heit für die Bei­trä­ge des Nach­bar­lan­des zu stim­men – und die emp­fun­de­ne Unter­wan­de­rung der Tele­fon­ab­stim­mung durch Immi­gran­ten, wie sie sich an ste­ti­gen zwölf Punk­ten für die Tür­kei aus Deutsch­land, aber auch aus ande­ren west­eu­ro­päi­schen Staa­ten mit hohem Ein­wan­de­rer­an­teil, bei­spiel­haft mani­fes­tier­te. Dabei bestand das ers­te Phä­no­men schon zu Zei­ten des rei­nen Jury­vo­tings, ent­schied aber (mit Aus­nah­me des ESC 1963) noch nie den Aus­gang des Wett­be­werbs. Und gegen das zwei­te hiel­fe eine simp­le tech­ni­sche Lösung: das Zäh­len von maxi­mal einem Anruf pro Land pro Tele­fon. Pro­blem erle­digt. Dass man den­noch an der Jury fest­hielt – und dass sie nun sogar ein ehe­mals erklär­ter Geg­ner wie Jan Fed­der­sen ver­tei­digt – liegt dar­an, dass ihr eigent­li­cher Zweck ein ganz ande­rer ist als der offi­zi­ell ver­brei­te­te: sie fun­giert als Sam­mel­be­cken und Stell­ver­tre­tungs­or­gan der Hater.


Auch 2008 schon Buh­ru­fe gegen Russ­land: Dima sorg­te für die Rück­kehr der Jurys

Bei sämt­li­chen Dis­kus­sio­nen, die ich mit Jury­freun­den in der Ver­gan­gen­heit führ­te, sei es hier, auf Face­book oder in inter­na­tio­na­len Fan-Foren, kris­tal­li­sier­te sich meist schnell her­aus, dass die här­tes­ten Ver­tei­di­ger des Gre­mi­ums in erdrü­cken­der Mehr­zahl zu den Bal­la­den­freun­den zäh­len: den mit den Rufern nach der Rück­kehr des Orches­ters und des Lan­des­spra­chen­zwan­ges eine erstaun­lich gro­ße Schnitt­men­ge bil­den­den Anhän­gern der eher klas­si­schen, getra­ge­nen Grand-Prix-Kost, die alles, was zu laut, zu schrill und zu modern daher­kommt, ableh­nen. Sie fühl­ten sich in den Jah­ren des allei­ni­gen Tel­e­vo­tings geschmack­lich nicht reprä­sen­tiert. Zeig­te es sich doch, dass bei einer rei­nen Zuschau­er­ab­stim­mung über­durch­schnitt­lich oft Acts mit spek­ta­ku­lä­rer Büh­nen­show und Songs mit hoher Schlag­zahl vor­ne lie­gen (und sich anschlie­ßend auch meist gut ver­kau­fen): die Mehr­heit mag es halt nun mal pep­pig.


Erhielt in Kopen­ha­gen den Preis für den sil­bers­ten Auf­tritt: Ver­ka (UA 2007)

Statt sich aber nun, wie ein guter Demo­krat, mit der Mehr­heits­ent­schei­dung abzu­fin­den, kra­keel­ten sie, das habe ja mit Musik nichts mehr zu tun, und for­der­ten ein Kor­rek­tiv, wel­ches das Augen­merk stär­ker auf die “Qua­li­tät” der Songs legen soll­te. Wie absurd: als gäbe es bei Pop­mu­sik – abseits von Dezi­bel und Beats per Minu­te – objek­tiv nach­prüf­ba­re Maß­stä­be. Sehr schön brach­te die­ses vor­ge­scho­be­ne Argu­ment nun gera­de der in der Kri­tik ste­hen­de Sido zu Fall, der in sei­ner Replik auf die Vor­wür­fe gegen ihn sag­te: Die ein­zi­ge Dis­kus­si­on, die man also zulas­sen kann, ist die, war­um mir die Kom­po­si­ti­on und die Per­for­mance des Her­ren aus Öster­reich nicht gefal­len hat. Wobei das wie­der­um eine rei­ne Geschmacks­fra­ge ist.“ Eben! Rein per­sön­li­cher Geschmack: etwas ande­res spielt beim Jury­vo­ting auch kei­ne Rol­le, kann es auch gar nicht. Noch­mals dan­ke, Sido! So lang­sam wirst Du mir schon bei­na­he wie­der sym­pa­thisch!


Kann Qua­li­tät beur­tei­len: Rap­per Sido

Und auch in der aktu­el­len Dis­kus­si­on sprin­gen in aller Regel jene am vehe­men­tes­ten der Jury bei, die mit ihrem Votum ein­ver­stan­den sind. Dabei soll­te ‘Rise like a Phoe­nix’, sowohl was die Kom­po­si­ti­on, als auch was die Insze­nie­rung mit einer still ste­hen­den, ein­zel­nen Sän­ge­rin ohne jed­we­den Schnick­schnack angeht, eine gera­de­zu vor­schrifts­mä­ßi­ge Grand-Prix-Bal­la­de aus dem gro­ßen Vicky-Lean­dros-Lehr­buch, gera­de ihnen doch am aller­bes­ten gefal­len! Doch da kann vom Kleid über den erns­ten Gesichts­aus­druck bis zur gro­ßen Stim­me alles per­fekt sein: schon allei­ne der pro­vo­ka­ti­ve Damen­bart genüg­te den Tra­di­tio­na­lis­ten, Con­chi­tas Dar­bie­tung in der Rubrik “Kla­mauk” abzu­le­gen. Also das Gegen­teil von “Qua­li­tät”. Und nein: ich unter­stel­le damit nie­man­dem irgend­et­was Böses, der ‘Rise like a Phoe­nix’ ein­fach nur als Song nicht moch­te. Der dürf­te aber auch mit Con­chi­tas Sieg im Publi­kums­vo­ting kei­ne Pro­ble­me haben und befrie­digt ver­kün­den, die Jury habe mit ihrem Down­vo­ting in vor­bild­haf­ter Wei­se ihre Arbeit getan. So, wie sich der kol­lek­ti­ve Auf­schrei gegen das Jury­vo­ting auch nicht gegen den per­sön­li­chen Musik­ge­schmack der fünf Juro­ren rich­tet. Son­dern dage­gen, dass eben die­ser, wie Sido zugab, rein per­sön­li­che Musik­ge­schmack fünf ein­zel­ner Per­so­nen genau so viel zählt wie der von über einer Mil­li­on Anru­fer.


Das exak­te Gegen­teil eines Spaß­bei­trags: Con­chi­tas Grand-Prix-Bal­la­de

Oder, genau genom­men, sogar noch mehr. Denn, die peni­ble Ver­öf­fent­li­chung aller Ein­zel­vo­tings macht es erst rich­tig augen­fäl­lig: die Jurys ver­ge­ben, anders als die Tel­e­vo­ter, Punk­te an alle 26 Lie­der (abzüg­lich natür­lich dem des eige­nen Lan­des). Und beein­flus­sen auf die­se Wei­se die Wer­tung noch stär­ker als bei dem noch bis 2012 prak­ti­zier­ten 50/50-Ver­fah­ren, bei dem nur die liebs­ten zehn Songs der Juro­ren Berück­sich­ti­gung fan­den. Plas­tisch wird das am Bei­spiel des Ver­ei­nig­ten König­reichs: dort bestimm­ten die Anru­fer den pol­ni­schen Bei­trag ‘We are Sla­vic Girls’ zu ihrem Favo­ri­ten. Die fünf bri­ti­schen Juro­ren setz­ten den Song auf ihren letz­ten, den 25. Platz, und ver­hin­der­ten so eine Punk­te­ver­ga­be an Polen (1+25 = 26, im Gesamt­ran­king der elf­te Platz = 0 Punk­te). Nach dem alten Berech­nungs­ver­fah­ren hät­ten sich Dona­tan & Cleo im Jury­vo­ting den kol­lek­ti­ven elf­ten Rang mit den rest­li­chen 15 nicht in der Top Ten der Juro­ren plat­zier­ten Songs geteilt, was im Ver­bund mit den 12 Punk­ten der Tel­e­vo­ter für eine, wenn auch ein­stel­li­ge, Punk­te­ver­ga­be Groß­bri­tan­ni­ens an Polen gereicht hät­te (12+0=12, geteilt durch 2=6 Punk­te). Ähn­lich lief es auch für die Wurst in Arme­ni­en, wo die Jury mit einem kol­lek­ti­ven 24. Rang für die beim Publi­kum zweit­plat­zier­te Kai­se­rin eine Punk­te­spen­de erfolg­reich ver­hin­der­te.


Oh Gott, drei hüb­sche Ker­le mit einem Dance-Brett, die Spaß auf der Büh­ne haben – das gehört bestraft! (GR)

Das Jury­vo­ting wird so zu einer Art nega­ti­ver Punk­te­ver­ga­be, einem Minus-Voting, das vor allem den Zweck erfüllt, Publi­kums­fa­vo­ri­ten Stim­men weg­zu­neh­men. Das Publi­kum selbst kann hin­ge­gen stets nur FÜR ein bestimm­tes Lied anru­fen, nie­mals aber dage­gen. Wes­we­gen ein rei­nes Tel­e­vo­ting kon­tro­ver­se Bei­trä­ge (wie bei­spiels­wei­se Lor­dis ‘Hard Rock Hal­le­lu­jah’ [FI 2006]) ten­den­zi­ell belohnt, weil Befür­wor­ter sol­cher Titel die Mög­lich­keit haben, in Mas­sen für den Bei­trag anzu­ru­fen, die Hater aber nicht dage­gen stim­men kön­nen. So, wie bei jeder demo­kra­tisch orga­ni­sier­ten Wahl: schrei­be ich auf mei­nen Wahl­zet­tel “Ich has­se die CDU, mache ich ihn ungül­tig und er wird nicht gezählt. Mir bleibt nur die Mög­lich­keit, für die Pira­ten oder die Lin­ke zu stim­men, wenn ich die CDU nicht will1)Beispiel zufäl­lig gewählt.. Die Jury hin­ge­gen erfüllt, gera­de unter der 2013 neu ein­ge­führ­ten Zähl­wei­se, vor allem den Zweck, GEGEN ein Lied zu stim­men, in dem die Songs expli­zit auch unter­halb der für die Wer­tung rele­van­ten Posi­tio­nen eins bis zehn gerankt wer­den müs­sen. Eine nega­tiv aus­ge­rich­te­te Kul­tur­tech­nik, die bei dem auf freund­li­chen Wett­streit aus­ge­rich­te­ten Con­test so nie­mals vor­ge­se­hen war. Und damit eine erheb­li­che Ver­än­de­rung sei­nes Grund­ge­dan­kens. Kein Wun­der also, dass ihre Aus­wir­kun­gen nun Shit­s­torms her­vor­brin­gen: man nennt das Kar­ma, Herr Schrei­ber!


Könn­ten Lor­di heu­te gegen die Jurys noch gewin­nen? (FI)

Und gera­de der oben bei­spiel­haft erwähn­te pol­ni­sche Bei­trag fällt mus­ter­gül­tig in die Kate­go­rie des vom Publi­kum gelieb­ten Spaß­bei­trags (End­ergeb­nis bei rei­nem Tel­e­vo­ting: Platz 5), den die Juro­ren hass­ten (und auf Rang 14 scho­ben). Denn Spaß set­zen sie mit Trash gleich, mit anspruchs­lo­ser, ver­blö­den­der Unter­hal­tung. Dabei spiel­te die mit dick­bu­si­gen But­ter­mäd­chen in länd­li­chen Dirndln und mit pracht­vol­len Zöp­fen auf­trump­fen­de Insze­nie­rung auf herr­lich iro­ni­sche und lust­vol­le Wei­se mit den alt­be­kann­ten Kli­schees des moder­ni­täts­frem­den Polen und sei­ner Kata­log­bräu­te, nahm die­se durch Über­trei­bung treff­lichst auf die Schip­pe und mach­te mit dem selbst­be­wuss­ten Auf­tre­ten der Rap­pe­rin Cleo deut­lich, dass es hier kei­nes­wegs um Sexis­mus geht – im Gegen­teil! Für mei­ne Begrif­fe war die Brüh­pol­ni­sche eben­so eman­zi­pa­to­risch wie die öster­rei­chi­sche Wurst. Aber Iro­nie ist ein den Spaß­brem­sen der Jurys und ihrer Anhän­ger wohl eher frem­des Kon­zept.


Por­no oder Pop? Bei­des, und fort­schritt­lich dazu! (PL)

Und aus eben jenem Grund geht die Debat­te um die Not­wen­dig­keit und Sinn­haf­tig­keit der Jurys wei­ter, auf bei­den Sei­ten. Ich ent­schul­di­ge mich an die­ser Stel­le bei all mei­nen lang­jäh­ri­gen Lesern, die ich mit mei­nem per­pe­tu­el­len Auf­grei­fen die­ses The­mas ermü­de – aber wann, wenn nicht jetzt, soll sie geführt wer­den, da das schänd­li­che Sie­ben-Punk­te-Voting für die Kai­se­rin der Her­zen die von die­sem Gre­mi­um aus­ge­hen­de Bevor­mun­dung für die brei­te Mas­se so dras­tisch und zorner­re­gend erfahr­bar mach­te? Und ich weiß natür­lich auch, dass nicht alle Jury­fans zum Lachen in den Kel­ler gehen und aus­schließ­lich E-Musik hören. Und dass es nur ein alber­ner Lied­wett­be­werb ist, bei dem es um nichts geht – und den sogar mit Jurys ein kon­tro­ver­ser Act gewin­nen kann. Will ich kei­nen Arti­kel schrei­ben, der die nach unten offe­ne Spal­ten­tie­fe mei­nes Blogs erschöpft, muss ich aber zwangs­läu­fig ein biss­chen zuspit­zen und ver­kür­zen. So wie nun auch in mei­nem abschlie­ßen­den Fazit, das da lau­tet: wer von mir (zu Recht) Respekt und Tole­ranz für abwei­chen­de Mei­nun­gen erwar­tet, von dem erwar­te ich Respekt für demo­kra­ti­sche Gepflo­gen­hei­ten und die posi­ti­ve Grund­hal­tung des Con­tests, die sich bis­lang – auch zu Zei­ten der rei­nen Jury­wer­tung – stets dar­in mani­fes­tier­te, dass nur FÜR ein Lied gestimmt wer­den konn­te und nicht dage­gen.


Love, oh Love: lasst posi­ti­ve Ener­gie um uns sein! (DE 2010)

Wer, wie die EBU (unter Mit­wir­kung des NDR) Jurys zu kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren Gän­ge­lungs­or­ga­nen umfunk­tio­niert, muss mit mei­nem erbit­ter­ten – und auch mal mit har­ten Wor­ten geäu­ßer­ten – Wider­stand rech­nen. Oder, noch ver­kürz­ter: kein Respekt für Hater! Und, dies ganz zum Schluss: wenn der aktu­el­le Shit­s­torm gegen Sido und Made­li­ne Juno nur dafür sorgt, dass der NDR künf­tig nie­man­den mehr für die Jury fin­det, dann hat er sei­nen Zweck schon erfüllt.

Nach dem deut­schen Con­chi­taga­te: gehört die Jury wie­der abge­schafft?

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1. Beispiel zufäl­lig gewählt.

22 Gedanken zu “Die Jury-Dis­kus­si­on: Respekt für Hater?

  1. Gespro­chen als einer der hier nie­der­ge­mach­ten Jury­be­für­wor­ter (sor­ry, aber nach 2007/8 ging es ein­fach nicht mehr – irgend­was muss­te damals pas­sie­ren, sonst wären wir heu­te bei einem Teil­neh­mer­feld, gegen das sich der JESC divers aus­nimmt): Das ange­spro­che­ne Ran­king aller 25/26 Bei­trä­ge gehört defi­ni­tiv auf den Müll­hau­fen. Wenn ich als Tel­e­vo­ter nicht die Mög­lich­keit habe, gegen einen bestimm­ten Bei­trag zu stim­men – was Lor­di, Con­chi­ta oder auch Dona­tan and Cleo garan­tiert so eini­ge Votes gekos­tet hät­te -, dann darf auch die Jury die­se Mög­lich­keit nicht haben. (Wobei auch die Tel­e­vo­tin­g­er­geb­nis­se von 1 bis 25 auf­ge­führt sind, dort also ein ähn­li­ches Ran­king statt­fin­det, aber eben aus­schließ­lich pas­si­ver Art, weil ich nicht aktiv etwas nach unten zie­hen kann.) Ich bin kein aus­schließ­li­cher Bal­la­den­freund, ich bin kein Befür­wor­ter eines rei­nen Jury­vo­tings (oh Gott, bloß nicht!), und ich bin auch kein Für­spre­cher einer Wie­der­ein­füh­rung der Sprach­re­gel. Ich las­se mich ledig­lich in die Schub­la­de der “auch lang­sa­men Bei­trä­gen eine Chance”-Leute ste­cken.

    Die Fra­ge, die sich mir hier stellt: was ist in den letz­ten sie­ben oder acht Jah­ren eigent­lich pas­siert? War­um ist das Nach­bar­schafts- und Dia­spor­a­vo­ting so mas­siv zurück­ge­gan­gen, von eini­gen hart­nä­cki­gen Aus­nah­men abge­se­hen? (Mol­da­wi­en und Rumä­ni­en wer­den immer min­des­tens 10 Punk­te aus­tau­schen, wenn sie kön­nen, genau wie Griechenland/Zypern oder Türkei/Aserbaidschan.) Wäh­rend die Ergeb­nis­se von 2005 bis 2008 kaum anders zu erklä­ren sind, ins­be­son­de­re unter­halb der Top 3 und im damals noch ein­glei­si­gen Semi (bis 2007), hat sich das Bild inzwi­schen auch beim rei­nen Tel­e­vo­ting so mas­siv gewan­delt, dass den Jury­be­für­wor­tern immer mehr die Argu­men­te aus­ge­hen. Wäh­rend ich das Hoch­punk­ten einer Patri­cia Kaas, eines Tom Dice oder eines Rapha­el Gualaz­zi nicht anders bewer­ten kann und will als posi­tiv, gab es in den letz­ten drei Wett­be­wer­ben nicht einen ver­gleich­ba­ren Fall die­ser Art, außer man rech­net Pas­to­ra Soler oder Carl Espen dazu. Und wo ich das Run­ter­punk­ten von musi­ka­lisch so erbärm­li­chen Bei­trä­gen wie “My Slo­wia­nie” oder “Rise Up” (ble­argh!) noch nach­voll­zie­hen kann, ent­zieht sich mir die fast eben­so har­te Straf­wer­tung gegen “Hun­ter of Stars” jeden Ver­ständ­nis­ses. Was ist pas­siert? Ist das nur das Feh­len von ein paar ost­eu­ro­päi­schen Län­dern? Wohl kaum, denn der größ­te und meis­tens ein­heit­lichs­te Block, die Ex-Sowjets, ist immer noch kom­plett anwe­send. wäh­rend den Ex-Jugos auch ihre Vier-von-Fünf-Prä­senz im ers­ten Semi 2013 kein Stück gehol­fen hat (oder wie ist es zu erklä­ren, dass wir die­ses Jahr zwei Ex-Jugos im Fina­le hat­ten, und damit zwei mehr als in Mal­mö?).

    Setzt die Macht der Jurys run­ter. Für die, die beim Gedan­ken an 2007er-Ver­hält­nis­se Aus­schlag bekom­men (und ja, da rech­ne ich mich ohne wei­te­res zu – wäre 2007 anders gelau­fen, wäre Andor­ra viel­leicht noch dabei), lasst sie mei­net­we­gen bei 25 oder 33 Pro­zent, aber schafft das gott­ver­damm­te Ran­king ab. Sucht die Top 10 für bei­de Sei­ten raus, und schaut dann nach, wie die Songs, die bei einer Sei­te nicht auf­tau­chen, zu arran­gie­ren wären – wenn bei­spiels­wei­se bei den Tel­e­vo­tern auf Rang 4, 5 und 9 Lie­der auf­tau­chen, die die Jury nicht in den Top 10 hat, wird halt nach­ge­schaut, wo die­se drei im Jury­ran­king sind, und die dann mit den “effek­ti­ven” Plät­zen 11, 12 und 13 im Jury­ran­king ver­rech­net. (Klingt kom­pli­zier­ter, als es ist; ich bin nicht beson­ders dar­in, Din­ge ver­ständ­lich zu erklä­ren.) Die Tel­e­vo­ter Euro­pas haben über die letz­ten Jah­re bewie­sen, dass man ihnen im Gro­ßen und Gan­zen tat­säch­lich mehr ver­trau­en kann als noch vor sechs oder sie­ben Jah­ren – wer damals vor­aus­ge­sagt hät­te, dass wir im Jahr 2014 ein Ren­nen um Platz 1 zwi­schen Öster­reich und den Nie­der­lan­den haben wer­den, wäre – aus dama­li­ger Sicht berech­tigt – für ver­rückt erklärt wor­den. Aber es war so, und es war gut so.

    Ein letz­tes: Du kannst so oft und so vehe­ment behaup­ten, “Han­seln” und “Wich­ser” sei­en kei­ne per­sön­li­chen Belei­di­gun­gen, aber die Spra­che steht da lei­der nicht auf dei­ner Sei­te. Mir ist klar, dass “Jurys sind Wich­ser” inzwi­schen zu einer Art Run­ning Gag mutiert ist, aber die “Han­seln” müs­sen wirk­lich nicht sein.

  2. Ach Oli­ver, dass Schö­ne an die­ser Sei­te ist, dass ich mich hier total ver­stan­den füh­le. Vie­len lie­ben Dank für den Arti­kel, ich kann jedem Wort zu 100 Pro­zent zustim­men!

    Die Jah­re 2005–2007 wur­den ein­fach kom­plett falsch ange­gan­gen – wenn man alle ost­eu­ro­päi­schen Län­der in ein gro­ßes Semi mit 27 Teil­neh­mern steckt ist doch klar, dass ein Ungleich­ge­wicht beim Voting ent­steht. Die Auf­tei­lung in zwei gleich­ver­teil­ten Semis 2008 war ein rich­ti­ger Schritt – dass dann trotz­dem kaum ein westeu­opäi­sches Land einen Stich machen konn­te lag dar­an, dass deren Lie­der schlicht­weg Schrott waren (“Ire­lan­de Dou­ze Points”, “Bai­la El Chi­ki Chi­ki”, “Disap­pe­ar” ). Ich glau­be jeden­falls, dass man dank die­ser Auf­tei­lung und der Regel, dass nur die Teil­neh­mer des jewei­li­gen Semis abstim­men kön­nen, in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren bis heu­te zumin­dest in den Semis auch gut ohne Juries gefah­ren wäre.

    So ger­ne ich die Juries abschaf­fen wür­de, even­tu­ell könn­te man, um auch die Jury-Befür­wor­ter zufrie­den zu stel­len, einen Kom­pro­miss schlie­ßen:

    - Wech­sel vom 50/50-Sys­tem zu einem 25/75-Sys­tem
    – Abschaf­fung des momen­ta­nen Jury-“Rankings”
    – grö­ße­re Jury-Grup­pen (z.B. 20 Pro­fes­sio­nel­le statt 5)

  3. 20 Pro­fes­sio­nel­le statt 5 (Pro­mi­nen­te)”. das wäre mMn schon eine gute Lösung des Pro­blems. Außer­dem die Beschrän­kung der Wer­tung auf 10 Songs (statt alle Teil­neh­mer)
    Die Jurys soll­ten wei­ter als Koo­rek­tiv bestehen blei­ben, denn im Zuschau­er­vo­ting wier­den doch nach wie vor zu sehr die opti­sche Prä­sen­ta­ti­on und der Knall­ef­fekt der Songs, und nicht deren musi­ka­li­sche Qua­li­tät bewer­tet.
    Man kann das dies­jäh­ri­ge Urteil der deut­schen Jury nicht pau­schal ver­ur­tei­len, und noch fal­scher ist es damit alle Jurys inter­na­tio­nal über einen Kamm zu sche­ren.
    Eini­ge Songs wur­den mMn unter qua­li­ta­ti­ven Gesichts­punk­ten zu Recht run­ter­ge­wer­tet, ande­re zu Unrecht
    (zu Unrecht zB, die Bei­trä­ge von Isra­el und San Mari­no).
    Die aktu­el­len Jurys sind also kein Garant für Qua­li­tät. Des­halb soll­ten sie anders besetzt wer­den, wie oben vor­ge­schla­gen. Und viel­leicht auch über Jah­re hin­weg mit den­sel­ben Per­so­nen.

  4. Ich weiß nicht, ob die EBU oder wenigs­tens der NDR (als Teil­neh­mer der Refe­renz-Grup­pe) die­se Blogs und auch deren Kom­men­ta­re liest, aber schön wäre es.

    Das kom­plet­te Durch-Ran­ken für die Wer­tung ist höchst­gra­dig unge­recht – schaut euch nur mal die Jury-Wer­tung Bel­gi­ens im Semi 1 für Arme­ni­en an: natür­lich möch­te das Land nicht immer als Ein­wan­der­er­land auf dem Tableau erschei­nen, aber einen Bei­trag der zum Zeit­punkt des 1. Semis noch als Favo­rit auf den Gesamt­sieg galt und tat­säch­lich ein moder­nes, ruhi­ges Stück ohne Spe­renz­kes (also typi­scher Jury-Lieb­ling eigent­lich) so gemein­schaft­lich auf den letz­ten Platz zu jurie­ren nur in der Annah­me, dass es im Tel­e­vo­ting auf 1 lie­gen wird – und rums… kei­ne Punk­te aus Bel­gi­en für Arme­ni­en. Das fin­de ich unglaub­lich. Und das im Semi­fi­na­le, wo ja in Bel­gi­en auf­grund der eigent­lich guten Pro­gno­sen für Axel und sei­ne Mut­ter nicht nur arme­ni­sche Ein­wan­de­rer vor den Fern­seh­ge­rä­ten und Tele­fo­nen geses­sen haben dürf­ten. Eigent­lich wäre heu­er erst­ma­lig eine hohe Wer­tung Bel­gi­ens für Arme­ni­en rich­tig plau­si­bel gewe­sen. Und das könn­te (ohne $-Zei­chen in den Augen) mit einer strin­gen­te­ren Begren­zung der Tele­fon­an­ru­fe doch in den Griff zu bekom­men sein.

  5. Kann man ein­fach nicht akzep­tie­ren, das die deut­sche Jury halt einen ande­ren Geschmack hat­te als alle ande­ren. Wer Tole­ranz für ande­re Lebens­wei­sen for­dert, dem soll­te Tole­ranz gegen­über einer Jury, die ein­fach was ande­res bes­ser fand, nun wirk­lich nicht schwer fal­len. Fin­de das gan­ze Bohei ein­fach nur albern. Öster­reich hat uns sogar 0 Punk­te gege­ben, war­um wird dar­über nicht dis­ku­tiert?

  6. Viel­leicht, weil 0 Punk­te für Deutsch­land die­ses Jahr alles ande­re als unge­wöhn­lich waren? (Ach, und nur so neben­bei: auch das war den Jurys zu ver­dan­ken. Bei den öster­rei­chi­schen Tel­e­vo­tern lagen Elai­za auf Platz 5. Und wenn man sich das Ergeb­nis so ansieht: mehr Arbeit für Stel­la Jones, den Mave­rick der öster­rei­chi­schen Jury!)

    Und ja, die Jury hat­te viel­leicht einen ande­ren Geschmack, aber das genau ist doch der Kern­punkt der Argu­men­ta­ti­on: war­um zählt deren Geschmack grob geschätzt zwei­hun­dert­tau­send­fach stär­ker als der von Herrn oder Frau Mus­ter­mann? Mit wel­cher Berech­ti­gung? Däne­mark mag ja ein ganz anstän­di­ger Song gewe­sen sein (wenn auch hart an der Gren­ze zum Pla­gi­at, aber das ist bei einem Bru­no-Mars-Ver­schnitt nun wirk­lich zu erwar­ten – “Locked Out of Hea­ven” klang auch schwer nach The Poli­ce), aber mit wel­cher musi­ka­li­schen Begrün­dung (die ein­zi­ge, die die Exis­tenz der Jurys recht­fer­ti­gen könn­te) haben alle fünf das Ding gemein­sam auf Platz 1 gesetzt, womit sie in Euro­pa ziem­lich allein dastan­den? Wenn selbst die Juro­ren nur mit “per­sön­li­cher Geschmack” argu­men­tie­ren, unter­mi­nie­ren sie damit ihre eige­ne Daseins­be­rech­ti­gung.

    Die Jury hat kei­ne auto­ma­ti­sche Exis­tenz­be­rech­ti­gung. Sie wur­de 2009 wie­der ein­ge­führt, weil das Maß an Nach­bar­schafts- und Dia­spor­a­vo­ting ein für die West­eu­ro­pä­er gefühlt uner­träg­li­ches Maß erreicht hat­te und etwas gesche­hen muss­te, sonst wären wohl diver­se von ihnen aus­ge­stie­gen. Da die­ses Pro­blem, wie das Ergeb­nis die­ses Jahr deut­lich auf­zeigt (vier von zehn Songs der Top 10 kamen auch beim rei­nen Tel­e­vo­ting aus West­eu­ro­pa, dar­un­ter so “block­freie” und ver­meint­lich aufs Dau­er­ver­sa­gen abon­nier­te Län­der wie die Nie­der­lan­de, die Schweiz oder Öster­reich, wäh­rend eini­ge klas­si­sche Dia­spora­pro­fi­teu­re wie Grie­chen­land oder Aser­bai­dschan auch im Tel­e­vo­ting – Aser­bai­dschan sogar beson­ders dort – abge­raucht sind), in dem Maß nicht mehr exis­tiert, müs­sen die Jurys sich jetzt eben recht­fer­ti­gen, war­um man sie noch braucht. Das ein­zi­ge für mich noch ver­blie­be­ne Argu­ment zu ihren Guns­ten ist das Pushen von lang­sa­me­ren Lie­dern (das Leit­bei­spiel die­ses Jahr ist Nor­we­gen) und das Aus­sie­ben von Sound-and-Fury-Bei­trä­gen ohne musi­ka­li­sche Sub­stanz (was die­ses Jahr in mei­nen Augen mas­siv über­trie­ben wur­de; wäh­rend Grie­chen­land es ver­dient hat­te, von den Jurys kaputt gevo­tet zu wer­den, eben­so wie Por­tu­gal im ers­ten Semi, kann man das von Polen oder gar der Schweiz nun wirk­lich nicht behaup­ten). Die­se Auf­ga­be ist für mei­ne Begrif­fe wich­tig, aber müs­sen die Jurys dafür 50 Pro­zent der Stimm­ge­walt haben und oben­drein ein Werk­zeug an die Hand bekom­men, um effek­tiv ver­hass­te Bei­trä­ge run­ter­stim­men zu kön­nen? Und die Ant­wort dar­auf lau­tet für mich: nein, müs­sen sie nicht.

  7. Der Shit­s­torm gegen­über den Juries lässt sich doch ganz ein­fach damit erklä­ren, dass die Leu­te sich bevor­mun­det füh­len, denn sie haben erkannt, dass die sub­jek­ti­ve Mei­nung unter dem Deck­man­tel von “Exper­ten­mei­nun­gen” von 5 Leu­ten genau­so viel zählt wie die Mei­nung von tau­sen­den Anru­fern. So fest wie man sich auch anstren­gen mag, ist es letzt­end­lich nicht mög­lich, Musik auf objek­ti­ve Wei­se zu beur­tei­len. Es gibt immer irgend­wel­che Umstän­de, die einen ins Sub­jek­ti­ve glei­ten las­sen. Das hat sich doch die­ses Jahr sehr stark gezeigt. Ich will kei­nem Juror unter­stel­len homo­phob zu sein, aber neh­men wir an es gab sol­che Juro­ren; denkt irgend­je­mand wirk­lich, dass jene bei Öster­reich ihre Homo­pho­bie kom­plett aus­ge­blen­det haben und nur das Lied beur­teilt haben? Das ist ein­fach nicht mög­lich!

    Wenn man die Juries den­noch als kor­rek­tiv für Dia­spo­ra und Nach­bar­schafts­vo­ting bei­be­hal­ten will (was ich auch irgend­wie ver­ste­he), dann soll­te man drin­gendst die Anzahl der Juro­ren min­des­tens ver­dop­peln! Man könn­te es eben­so ein­rich­ten, dass die Hälf­te der Juro­ren aus dem Musik­ge­schäft stam­men und die ande­re Hälf­te ganz nor­ma­le Leu­te sind, die sich um einen Platz in der Jury bewer­ben. Oder wie wär es die Jury mit Poli­ti­kern und Diplo­ma­ten zu beset­zen. Die­se kön­nen sich nicht erlau­ben in ihren Votes irgend­wel­che Ten­den­zen erken­nen zu las­sen 😉

  8. Noch­mal: selbst­re­dend akzep­tie­re ich, dass Frau Juno und Herr Wür­dig einen ande­ren Musik­ge­schmack haben als ich. Und dass sie ent­spre­chend abge­stimmt haben. Das ist ihr gutes Recht und völ­lig okay. Was ich nicht akzep­tie­re und nie­mals akzep­tie­ren wer­de, ist, dass ihr Voting zwei­hun­dert­tau­send­mal so viel zählt wie meins. Das ist unde­mo­kra­tisch, denn es gibt kei­nen für mich akzep­ta­blen Grund, war­um der per­sön­li­che Musik­ge­schmack die­ser Per­so­nen wert­vol­ler oder wich­ti­ger ist als mei­ner. Da das aber momen­tan noch so gehand­habt wird, neh­me ich mir auch das Recht her­aus, ihren Geschmack, der ja anschei­nend eine Art erle­se­nen Staats­ge­schma­ckes dar­stel­len soll, der über dem des gewöhn­li­chen Zuschau­er­pleb­ses steht, zu kri­ti­sie­ren. Das geht nicht gegen die Per­son, es geht gegen die Insti­tu­ti­on.

  9. Außer natür­lich arme­ni­sche und ase­ri­sche Poli­ti­ker, die könn­ten es sich ver­mut­lich gera­de nicht leis­ten, kei­ne Ten­den­zen in den Votes zu haben (oder genau­er, eine bestimm­te Ten­denz nicht zu haben). Aber das lei­di­ge The­ma ist so oder so ein Quell ste­ti­ger Freu­de.

  10. Fürs Pro­to­koll: die Zwei­hun­dert­tau­send war nur eine zufäl­li­ge Zahl, die ich unter der Annah­me in die Run­de gewor­fen habe, dass es in Deutsch­land eine Mil­li­on Tel­e­vo­tes gab (also zwei­hun­dert­tau­send Tel­e­vo­tes auf jeden Juror). Ich habe kei­ne Ahnung, wie vie­le es wirk­lich sind. Nur um zu ver­hin­dern, dass sich hier ein Meme bil­det. 😉

  11. Da sieht man mal, was für Dumpf­ba­cken das doch sind. Viel­leicht hät­te man die Jury-Mit­glie­der mal dar­über auf­klä­ren sol­len, dass NICHT ihr eige­ner Geschmack (dafür ist ja das Tel­e­vo­ting da) gefragt ist, son­dern der künst­le­ri­sche Aspekt. Es kann mir kei­ner erzäh­len, dass ALLE 4 den däni­schen Bei­trag für künst­le­risch wert­voll fan­den, dass er von JEDEM auf Platz 1 gesetzt wur­de (riecht schon nach ABspra­che) – ich fand die­sen Song nach zwei­ma­li­gem Hören schon ner­vig. Man kann eine Jury ruhig bei­be­hal­ten, aber bit­te nicht mehr 50:50 und dann soll­te man wie­der die Jury-Mit­glie­der in ver­schie­de­nen Alters­klas­sen zusam­men­stel­len. Bei der dies­jäh­ri­gen Jury und ihre Abstim­mung kann ich nur den Kopf schüt­teln.

  12. Lie­be ESC-Fans, Jury-Hater und Jury-Ver­fech­ter,

    mit gro­ßem Inter­es­se ver­fol­ge ich die­sen Blog und ins­be­son­de­re die wie­der­keh­ren­den Dis­kus­sio­nen über das Regel­werk und die tech­ni­schen Details. Als Funk­tio­när eines inter­na­tio­na­len Sport­ver­ban­des habe ich gewis­se Erfah­run­gen mit der Ent­wick­lung von Ran­king-Sys­te­men und der sta­tis­ti­schen Aus­wer­tung von Wett­kämp­fen und erfreue mich an Dis­kus­sio­nen über Wer­tungs­sys­te­me jeder Art – sei es im Sport oder beim ESC.

    Zunächst ein­mal beken­ne ich mich als Ver­fech­ter der Jury und tei­le die Argu­men­te eini­ger Vor­red­ner, dass sie als Instru­ment gegen Bei­trä­ge ohne musi­ka­li­sche Sub­stanz, auf opti­sche statt musi­ka­li­sche Prä­senz getrimm­te Per­for­man­ces und Dia­spo­ra-Voting unver­zicht­bar ist.

    Die Ver­öf­fent­li­chung der Split-Votings bis auf die Ebe­ne der Ein­zel­ju­ro­ren ist ein wert­vol­ler Zuge­winn an Trans­pa­renz und ein abso­lut rich­ti­ger Schritt. Ich hof­fe, dass die EBU trotz der media­len Offen­si­ve gegen eini­ge Juro­ren / Juries dar­an fest­hält.

    Auch wenn das mathe­ma­ti­sche Gewicht zwi­schen Tel­e­vo­ting und Jury-Wer­tung beim 2014er Sys­tem for­mal iden­tisch war (bei­de Insti­tu­tio­nen ver­ge­ben die glei­che Rang­sum­me und die glei­chen Abstu­fun­gen), schafft die iso­lier­te Opti­on zur AKTI­VEN Abwer­tung von Bei­trä­gen durch Ver­ga­be einer schlech­ten Platz­zif­fer auf Jury-Sei­te ein auch für die hier in der Min­der­heit befind­li­chen Jury-Fans wohl kaum zu recht­fer­ti­gen­des Ungleich­ge­wicht. Das bis 2012 prak­ti­zier­te Sys­tem mit aus­schließ­li­cher Berück­sich­ti­gung der jewei­li­gen Top 10 bevor­zugt jedoch pola­ri­sie­ren­de Bei­trä­ge und gibt der Jury kein wirk­lich effi­zi­en­tes Instru­ment zur ver­nich­ten­den Abwer­tung von Kla­mauk an die Hand, da 5 bis 7 Punk­te auch ohne Jury-Top 10-Platz zu erzie­len waren.

    Mein Vor­schlä­ge wür­de ein drei­ge­teil­tes Sys­tem nach fol­gen­den Rege­lun­gen umfas­sen:

    1.) Die Juries wer­den bei­be­hal­ten und auf 10 Exper­ten pro Land auf­ge­stockt. 5 die­ser Per­so­nen sol­len die Musik­wis­sen­schaft reprä­sen­tie­ren (Diri­gen­ten von phil­har­mo­ni­schen Orches­tern oder Rund­funk­or­ches­tern, Musik­wis­sen­schaft­ler, Musik­päd­ago­gen etc.), die ande­ren 5 sol­len die Musik­in­dus­trie reprä­sen­tie­ren (kei­ne Künst­ler, son­dern Plat­ten­la­bels, Rund­funk, Musik­ver­la­ge etc.). Wäh­rend ers­te­re sicher­lich mehr Wert auf musik­theo­re­ti­sche Kom­po­nen­ten wie Har­mo­nie­leh­re, Instru­men­ta­ti­on, Arran­ge­ment etc. legen, kön­nen letz­te­re das Ver­mark­tungs­po­ten­ti­al der Dar­bie­tun­gen eva­lu­ie­ren. Bei­de Popu­la­tio­nen sol­len eini­ger­ma­ßen alters- und geschlechts­aus­ge­wo­gen sein.

    Jeder Juror ver­gibt den klas­si­schen Punk­te-Break­down (12, 10, 8–1) an die Top 10.

    Eine sol­che Jury mag für die Kri­ti­ker ein Bevor­mun­dungs­in­stru­ment blei­ben, die oben genann­te Zusam­men­set­zung wür­de jedoch ein höhe­res Gewicht der Ein­zel­stim­me gegen­über dem gemei­nen Tel­e­vo­ting­teil­neh­mer recht­fer­ti­gen. Ein Musik­wis­sen­schaft­ler beur­teilt einen Bei­trag sicher­lich fun­dier­ter und eher los­ge­löst von per­sön­li­chen Prä­fe­ren­zen, zumin­dest wenn er gewis­sen­haft vor­geht und sei­ne Ver­ant­wor­tung als Juror ernst nimmt – auch im Inter­es­se sei­nes guten Namens, der durch die Ver­öf­fent­li­chung der Split-Votings auf dem Spiel steht.

    2.) Die ESC-Fan­clubs der jewei­li­gen Län­der bil­den die zwei­te Säu­le. Sie füh­ren eine Abstim­mung über ein Inter­net­for­mu­lar auf einer EBU-Platt­form (ger­ne auch via Smart­pho­ne-App) wäh­rend der TV-Über­tra­gung aus, in dem sie jeden Bei­trag bepunk­ten (z. B. von 0 bis 12). Die Teil­nah­me soll­te eine min­des­tens zwei­jäh­ri­ge Mit­glied­schaft im ent­spre­chen­den Fan­club und eine min­des­tens zwei­ma­li­ge Teil­nah­me an der Jah­res­haupt­ver­samm­lung / Mit­glie­der­ver­samm­lung vor­aus­set­zen. Aus den Mit­tel­wer­ten aller Teil­neh­mer wird dann eine Rang­fol­ge gebil­det. Die Top 10 erhal­ten Punk­te nach dem Break­down 60, 50, 40, 35, 30, 25, 20, 15, 10, 5.

    Alter­na­tiv könn­te der natio­na­le Fan­club auf eige­nen Wunsch eine 5-köp­fi­ge Jury stel­len, die dann ein­zeln abstimmt für die jewei­li­gen Top 10 (12, 10, 8–1).

    Also noch ein Bevor­mun­dungs­gre­mi­um mit höhe­rem Voting-Gewicht? Auch wenn ich nicht selbst Mit­glied eines sol­chen Fan­clubs bin, wäre es für mich abso­lut nach­voll­zieh­bar, wenn ESC-Hard­core-Fans, die Geld für eine Mit­glied­schaft bezah­len, regel­mä­ßig News­let­ter und Mit­glie­der­zei­tun­gen lesen, die Mit­glie­der­ver­samm­lung besu­chen, sich sicher­lich wesent­lich inten­si­ver mit dem ESC und den Bei­trä­gen im Vor­hin­ein beschäf­ti­gen (z. B. wegen des OGAE-Polls) und zudem im Gegen­satz zum Tel­e­vo­ter jeden Bei­trag gezielt bepunk­ten ein höhe­res Gewicht erhal­ten.

    Die OGAE-Polls der ver­gan­ge­nen Jah­re zei­gen, dass durch­aus eine qua­li­ta­tiv akzep­ta­ble und bun­te Mischung an Bei­trä­gen auf den Top-Posi­tio­nen lan­det.

    3.) Das Tel­e­vo­ting-Ergeb­nis bringt den Top 10 Punk­te nach fol­gen­dem Break­down (120, 100, 80, 70, 60, 50, 40, 30, 20, 10). Natür­lich darf jeder Zuschau­er beim Tel­e­vo­ting von jedem Anschluss aus (bzw. von einem Mobil­te­le­fon per SMS) nur ein ein­zi­ges Mal für ein Land abstim­men. Jeder darf ger­ne (im Extrem­fall 25 mal) für unter­schied­li­che Län­der abstim­men, falls meh­re­re Bei­trä­ge gefäl­lig sind, aber nur ein­mal für jeden Bei­trag. Dia­spo­ra-Voting wird damit nicht ver­hin­dert (da auch dann noch Votes von Migran­ten die musi­ka­li­schen Prä­fe­ren­zen des eigent­li­chen Kern­lan­des ver­fäl­schen), aber zumin­dest ein­ge­dämmt und der Anreiz für Mani­pu­la­tio­nen (à la Aser­bai­dschan 2013) gegen null geht, da das Kos­ten-Nut­zen-Ver­hält­nis dann kaum noch gege­ben ist.

    Abschlie­ßend wer­den die Punk­te aus allen drei Sys­te­men addiert. Bei Gleich­stand zählt der bes­se­re Tel­e­vo­ting-Rang. Die bes­ten 10 erhal­ten dann die Punk­te nach dem tra­di­tio­nel­len Sche­ma.

    For­mal führt das Sys­tem zu einer Punk­te­ver­tei­lung von 40% durch Tel­e­vo­ting, 20% durch ESC-Fan­club-Juro­ren und 40% durch Exper­ten-Juries. Durch die kon­zen­trier­te Wer­tung der Punk­te beim Tel­e­vo­ting und beim Fan­club-Voting (falls nicht das Jury-Modell prä­fe­riert wird) bei gleich­zei­tig zu erwar­ten­der Diver­si­fi­zie­rung der Jury-Punk­te (bei aus­blei­ben­den Abspra­chen und deren kon­se­quen­ter Sank­tio­nie­rung) wird der Ein­fluss des Tel­e­vo­tings effek­tiv höher sein. Wenn sich die Juro­ren sehr unei­nig sind, sinkt der Ein­fluss des Jury­vo­tings, im ungüns­tigs­ten Fall auf annä­hernd 0%, wenn die Juro­ren die Punk­te so sehr streu­en, dass die Dif­fe­renz zwi­schen dem Jury-Sie­ger und dem Jury-Letz­ten maxi­mal 5 Punk­te beträgt. Sind sich die Juro­ren hin­ge­gen beim Favo­ri­ten einig, bei den wei­te­ren Plät­zen jedoch nicht, kön­nen sie einem Song zusam­men mit den Fan­clubs im Extrem­fall sogar ohne einen ein­zi­gen Tel­e­vo­ting-Punkt zu 12 Gesamt­punk­ten ver­hel­fen.

    Es wird bei Betrach­tung die­ser Über­le­gun­gen also offen­sicht­lich, dass der Zweck einer sol­chen Jury-Rege­lung weni­ger die Abstra­fung unge­lieb­ter Bei­trä­ge, son­dern die Auf­wer­tung von qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Bei­trä­gen wäre. Um den­noch Kla­mauk zu bestra­fen, könn­te das Sys­tem daher noch um fol­gen­de Ergän­zung ver­se­hen wer­den:

    Bei­trä­ge, die von kei­nem ein­zi­gen der 10 Juro­ren einen Punkt erhal­ten haben, wer­den zwangs­wei­se zurück­ge­reiht, und erhal­ten selbst bei Tel­e­vo­ting- und Fan­club-Sieg ein Maxi­mum von 4 fina­len Wer­tungs­punk­ten. Es wer­den also so vie­le Bei­trä­ge mit weni­ger Roh­punk­ten um einen (ggf. auch meh­re­re, falls mehe­re Bei­trä­ge unter die­se Regel fal­len wür­den) Rang nach oben ver­scho­ben, bis der abzu­stra­fen­de Bei­trag auf dem 7. Platz = 4 Punk­te lan­det. Zur Ver­mei­dung von Miss­brauch die­ser Regel (die Jury könn­te sich im Extrem­fall auf 10 Bei­trä­ge eini­gen, die von allen, ggf. in unter­schied­li­cher Rei­hen­fol­ge zur Ver­mei­dung eines Aus­schlus­ses, bepunk­tet wer­den) soll sie nur grei­fen, wenn die 10 Juro­ren ins­ge­samt an min­des­tens zwei Drit­tel der Bei­trä­ge min­des­tens einen Punkt ver­ge­ben und somit ein diver­si­fi­zier­tes Voting sicher­ge­stellt haben.

    Bei Anwen­dung mei­nes vor­ge­schla­ge­nen Punk­te­sys­tems, unter Bezug­nah­me auf bei­de deut­schen OGAE-Votings (EC 40%, OGAE 60%) und bei Ver­dopp­lung der Jury-Punk­te (da nur 5 statt 10 vor­ge­schla­ge­nen Juro­ren), wäre fol­gen­des Ran­king für die deut­sche Abstim­mung zu Stan­de gekom­men (Total – Jury / EC / OGAE / Tel­e­vo­te – Fina­le Punk­te).

    1 Nie­der­lan­de (200 – 96 / 4 / 0 / 100 – 12 points)
    2 Öster­reich (178 – 4 / 24 / 30 / 120 – 10 points)
    3 Däne­mark (152 – 120 / 10 / 12 / 10 – 8 points)
    4 Polen (146 – 66 / 0 / 0 / 80 – 7 points)
    5 Arme­ni­en (103 – 44 / 0 / 9 / 50 – 6 points)
    6 Nor­we­gen (101 – 52 / 14 / 15 / 20 – 5 points)
    7 Grie­chen­land (94 – 0 / 6 / 18 / 70 – 4 points)
    8 Schwe­den (94 – 38 / 20 / 36 / 0 – 3 points)
    9 Finn­land (72 – 72 / 0 / 0 / 0 – 2 points)
    10 Russ­land (60 – 0 / 0 / 0 / 60 – 1 point)
    11 Schweiz (52 – 12 / 0 / 0 / 40)
    12 Ungarn (36 – 0 / 12 / 24 / 0)
    13 Island (34 – 4 / 0 / 0 / 30)
    14 UK (31 – 28 / 0 / 3 / 0)
    15 Spa­ni­en (22 – 16 / 0 / 6 / 0)
    16 Aser­bai­dschan (20 – 20 / 0 / 0 / 0)
    17 Mon­te­ne­gro (8 – 0 / 8 / 0 / 0)
    18 Mal­ta (4 – 4 / 0 / 0 / 0)
    19 Ita­li­en (2 – 2 / 0 / 0 / 0)
    20 Frank­reich (2 – 2 / 0 / 0 / 0)
    21 Ukrai­ne (0)
    22 Rumä­ni­en (0)
    23 Weiß­russ­land (0)
    24 San Mari­no (0)
    25 Slo­we­ni­en (0)

    EC- und OGAE-Punk­te für unter­le­ge­ne Halb­fi­na­lis­ten (Isra­el, Lett­land) blie­ben außen vor.

    Zum Musi­ka­li­schen (und hier endet natür­lich jede wis­sen­schaft­li­che Dis­kus­si­on): Ich oute mich als Anhän­ger der klas­si­schen Euro­vi­si­ons-Bal­la­den. Die wich­tigs­te Regel­än­de­rung wäre für mich die umge­hen­de und ver­pflich­ten­de Wie­der­ein­füh­rung des Live-Orches­ters, damit die groß­ar­ti­ge Grand Prix-Ära mit Sie­ger­bei­trä­gen wie Mona­co 1971, Schwe­den 1974, Irland 1987, Schwe­den 1991 oder Irland 1994 zurück­kehrt. Dann wäre der Wer­tungs­mo­dus letzt­lich sekun­där, da kom­plett unwür­di­ger Schrott (falls es ihn dann über­haupt noch gäbe) leicht zu ent­lar­ven wäre. Über die Spra­chen­re­ge­lung könn­te man hin­ge­gen dis­ku­tie­ren.

    Wäh­rend ich 7 deut­sche Punk­te die­ses Jahr für Öster­reich durch­aus noch als ange­mes­sen betrach­te­te, stör­te mich bei den deut­schen Juro­ren und v. a. Tel­e­vo­tern die gerin­ge Wert­schät­zung des schwe­di­schen Bei­trags, wäh­rend ich Polen doch als über­be­wer­tet betrach­te. Euro­pa­weit miss­fällt mir die Gering­schät­zung von Slo­we­ni­en. Den Kri­ti­kern an der Jury-Abwer­tung der Schweiz kann man wie­der­um ent­geg­nen, dass der Auf­tritt im Fina­le stimm­lich doch sehr von Ner­vo­si­tät geprägt war und rhyth­misch nicht unbe­dingt 100% prä­zi­se vor­ge­tra­gen wur­de. Ich habe noch kei­ne Auf­nah­me vom Jury-Fina­le gese­hen. Soll­te das dort ähn­lich gewe­sen sein, darf das von Music Indus­try Pro­fes­sio­nals schon als Grund für deut­li­che Abwer­tun­gen betrach­tet wer­den. Auch wenn der Song und nicht die Inter­pre­ta­ti­on im Vor­der­grund ste­hen soll­te, kann und wird man das nicht tren­nen kön­nen.

    Ich hof­fe, den Autor des Blogs mit mei­nen Ansich­ten nicht all­zu sehr ver­är­gert habe.

    Vie­le Grü­ße
    Sebas­ti­an

  13. Nur der Form hal­ber: das müss­te wohl “ALLE 5” hei­ßen. Und ja, wenn die Jurys blei­ben (und ich sehe im Moment kaum Anzei­chen für eine bal­di­ge Abschaf­fung), dann dür­fen und soll­ten sie viel­leicht ein biss­chen diver­ser zusam­men­ge­stellt wer­den. Wenn vier von fünf Juro­ren unter 35 und Musi­ker sind, obwohl es sich laut den Sta­tu­ten nur um Pro­fes­sio­nel­le der Musik­in­dus­trie im wei­tes­ten Sin­ne ohne irgend­wel­che Alters­gren­zen han­deln muss, dann ist irgend­was falsch gelau­fen. Hat­te Nico­le gera­de kei­ne Zeit? Oder von mir aus Gun­ter Gabri­el, Hei­no oder Frank Zan­der? (Das sind bis auf den Letzt­ge­nann­ten alles kei­ne Künst­ler, mit denen ich groß­ar­tig was anfan­gen könn­te, aber man kann kaum bestrei­ten, dass die­se Herr­schaf­ten wohl einen ande­ren Musik­ge­schmack an den Tag legen als eine Made­li­ne Juno oder ein Sido.)

  14. Inter­es­san­ter Vor­schlag, aber ich hal­te ihn nicht für umsetz­bar! Die Votings wer­den nach dem Ende des Tel­e­vo­tings zusam­men­ge­zählt, wie man die­ses Jahr gese­hen hat, gab es schon eine Ver­zö­ge­rung bis veri­fi­zier­te Ergeb­nis­se vor­la­gen. Wenn nun eine drit­te Abstim­mungs­säu­le hin­zu­kommt ist das Cha­os viel zu groß!

    Dage­gen, dass die Juries ausfge­stockt wer­den sol­len, hat wohl nie­mand was. Aber Diri­gen­ten von phil­har­mo­ni­schen Orches­tern und Musik­päd­ago­gen? Nee, das führt dann doch irgend­wie an der Sache vor­bei und man wüss­te doch eigent­lich immer genau, wen die­se Leu­te dann bevor­zu­gen. Es soll ja noch so blei­ben, dass es kein Rezept gibt, wie man den ESC gewinnt. Wenn man nun Leu­te abstim­men lässt, die in einem bestimm­ten Musik­stil arbei­ten und sich eigent­lich nur da aus­ken­nen, dann nimmt man der gan­zen Sache doch die Über­ra­schung!

    Eben­so ist das bei den ESC-Fan­clubs. Ich sehe nicht, dass die letz­ten OGAE-Polls soo unglaub­lich unter­schied­lich sind. Dass San­na Niel­sen die­ses Jahr abräumt, das war doch wohl jedem klar. Die ESC-Fan­clubs bevor­zu­gen eben leich­te Kost, seich­ter Pop, nichts kom­pli­zier­tes… Und das ist auch wie­der vor­her­seh­bar.

    Das Orches­ter hat aus­ge­dient! Was hät­te ein Orches­ter bei Lie­dern wie z.B. von Cas­ca­da letz­tes Jahr zu tun gehabt? Nichts! Eben­falls wür­de es mei­ner Mei­nung nach einen Vor­teil für Lie­der bedeu­ten, die ein Orches­ter benö­ti­gen könn­ten. Denn, wenn das Orches­ter spielt, dann wird es auch ein­ge­blen­det, aber wenn das Orches­ter nichts zu tun hat, dann wird es nicht von der Kame­ra gefilmt. Das hat einen ganz ande­ren Effekt und ver­schiebt die Wahr­neh­mung und wür­de auch in gewis­ser Wei­se gegen die Regel ver­sto­ßen, dass nur 6 Leu­te auf der Büh­ne sein dür­fen.

    Zum Schluss: Der Schwei­zer Bei­trag war rhyth­misc nicht prä­zi­se? Du weißt schon, dass die Musik vom Band kommt? Wenn der Beat bzw. Rhyth­mus irgend­wie feh­ler­haft war, dann lag das am Band, aber nicht am Gesang. Und wenn das so wäre, dann wäre das ein Skan­dal! 😉

  15. Ein wei­te­res Argu­ment gegen die Ein­be­zie­hung der Fan­clubs: man­che Wer­tun­gen der OGAE-Abstim­mung haben mit musi­ka­li­schen Argu­men­ten ver­mut­lich eher weni­ger zu tun. Das mise­ra­ble Abschnei­den San Mari­nos die­ses Jahr zeugt aus mei­ner Sicht von ent­täusch­ter Lie­be für “Cri­sal­i­de”, nicht von einer der­art dras­ti­schen Ableh­nung von “May­be”. Und dann muss man natür­lich noch den Schwe­den­bo­nus dazu­rech­nen, der zumin­dest immer dann zum Tra­gen kommt, wenn ein Dau­er­teil­neh­mer des Mel­lo und/oder ein ech­ter Sieg­kan­di­dat für Schwe­den antritt – San­na Niel­sens Bewer­tung die­ses Jahr hat­te mit der Rea­li­tät jeden­falls nur tan­gen­ti­ell etwas zu tun.

    Und das Orches­ter? Nein. Bit­te nicht. Nie wie­der. Wer sich mal die Stu­dio­fas­sun­gen der Bei­trä­ge von (nur zwei Bei­spie­le) 1978 oder 1982 ange­hört hat und das mit den Live­auf­trit­ten in Paris respek­ti­ve Har­ro­ga­te ver­gleicht, der weiß, wie ein schlecht gelaun­tes Orches­ter einen Song kaputt spie­len kann. Ich hät­te per­sön­lich nichts dage­gen, wenn man den Künst­lern gestat­ten wür­de, live Instru­men­te zu spie­len – das hät­te bei eini­gen Auf­trit­ten die­ses Jahr mit Sicher­heit inter­es­san­te Kon­se­quen­zen gehabt, zum Bei­spiel bei den Nie­der­lan­den, der Schweiz oder Finn­land – , aber bit­te zwingt die Künst­ler nicht dazu. Abge­se­hen von Alex’ gutem Argu­ment, dass Elec­tro­ni­ca-Künst­ler davon über­haupt nichts hät­ten, wenn sie ihren Stil nicht kom­plett umwer­fen, ist es schlicht unfair gegen­über den Per­for­mern, sich bin­nen kür­zes­ter Zeit auf ein ihnen vor­her mit aller­höchs­ter Wahr­schein­lich­keit unbe­kann­tes Orches­ter ein­stel­len zu müs­sen. Das wür­de ein Zufallsele­ment ein­brin­gen, das zumin­dest ich nicht haben muss.

  16. Hier noch­mals eini­ge Anmer­kun­gen:

    1.) Als tech­nisch undurch­führ­bar wür­de ich das drei­tei­li­ge Sys­tem nicht betrach­ten. Ich hat­te schließ­lich ange­regt, dass die Fan­clubs die Bei­trä­ge wäh­rend des Con­tests sofort bewer­ten (indem z. B. die Bewer­tung des jewei­li­gen Bei­tra­ges nur wäh­rend des Auf­tritts und der nächs­ten 30 Sekun­den frei geschal­tet ist, damit stellt man auch sicher, dass die Fan­club-Voter ein Höchst­maß an Auf­merk­sam­keit für den Con­test und das Voting auf­brin­gen müs­sen), sodass die Ergeb­nis­se deut­lich vor denen des Tel­e­vo­tings vor­lie­gen wür­den. Die tech­ni­sche Plau­si­bi­li­tät und ver­steck­te Abspra­chen könn­te man leicht mit sta­tis­ti­schen Test­ver­fah­ren auto­ma­ti­siert detek­tie­ren, ein EBU-Schieds­rich­ter müss­te nur bei Unre­gel­mä­ßig­kei­ten ein­grei­fen. Auch die Aus­wer­tung und Kon­ver­tie­rung in Punk­te könn­te man eben­so wie beim Jury-Voting auto­ma­ti­sie­ren, sodass nach Aus­zäh­lung und Plau­si­bi­li­täts­prü­fung des Tel­e­vo­tings nur noch des­sen Ergeb­nis­se hin­zu­ge­zählt wer­den müss­ten. Eine zeit­li­che Ver­zö­ge­rung soll­te im Regel­fal­le nicht ent­ste­hen. Dass man so ein Sys­tem vor­her tes­ten muss (z. B. beim JESC oder im Rah­men der Pro­ben) ist klar.

    2.) Mein Kom­men­tar zu den “vor­de­ren Plät­zen” beim OGAE-Poll bezog sich nicht nur auf die Sie­ger, son­dern auf die abwechs­lungs­rei­che Bestü­ckung der Top 10.

    3.) Die Diri­gen­ten und Musik­päd­ago­gen waren natür­lich nur ein Bei­spiel für Berufs­grup­pen, in denen Musik­wis­sen­schaft­ler zu fin­den sind. Ers­te­re (oder z. B. auch Gene­ral­mu­sik­di­rek­to­ren von Musik­thea­tern, Opern­häu­sern oder Musi­cal-Büh­nen) machen natür­lich im Zusam­men­hang mit einem Live-Orches­ter beson­ders viel Sinn, da sie dar­auf trai­niert sind, das Zusam­men­wir­ken von Voka­lis­ten mit einem Orches­ter zu kri­ti­sie­ren und zu opti­mie­ren. Die Viel­falt der reprä­sen­tier­ten musik­theo­re­ti­schen Berufs­grup­pen und “Musik-Indus­tri­el­len” in der Jury soll den beson­de­ren Reiz aus­ma­chen und eben den ESC nicht bere­chen­bar machen. Eine Opern-Arie mag den Gene­ral­mu­sik­di­rek­tor des Opern­hau­ses und ggf. den Musik­päd­ago­gen beein­dru­cken, den Ver­tre­ter des Plat­ten­la­bels (und wohl auch den durch­schnitt­li­chen Tel­e­vo­ting-Teil­neh­mer) jedoch unbe­ein­druckt las­sen. Bei Lor­di mag es umge­kehrt sein. Eine der­ma­ßen diver­si­fi­zier­te Punk­te­ver­ga­be mit viel­fäl­ti­gen Berufs­grup­pen in der Jury, Fan­club-Voting und Tel­e­vo­ting wür­de den Con­test zumin­dest anfangs wohl rela­tiv unbe­re­chen­bar machen und sicher­lich unter­schied­li­che Phi­lo­so­phi­en und Her­an­ge­hens­wei­sen her­bei­füh­ren. Ich könn­te mir gut vor­stel­len, dass das musi­ka­li­sche Spek­trum durch das vor­ge­schla­ge­ne Wer­tungs­sys­tem zumin­dest anfäng­lich brei­ter wür­de.

    4.) Alex’s Vor­schlag die Hälf­te der Jury mit ganz nor­ma­len Leu­ten zu beset­zen, wür­de doch den Jury-Kri­ti­kern noch mehr Öl ins Feu­er gie­ßen. Wel­che beson­de­re musi­ka­li­sche Fach­kom­pe­tenz außer des per­sön­li­chen Geschmacks soll denn ein nor­ma­ler ESC-Zuschau­er zur Jury-Bewer­tung bei­tra­gen, die eine u. U. 100.000-fach höhe­re Stim­men­ge­wich­tung im Ver­gleich zum Tel­e­vo­ting-Teil­neh­mer recht­fer­tigt? Das wür­de wie­der­um nur Sinn machen und berech­tigt sein, wenn man ESC Hard­core-Fans mit lang­jäh­ri­ger Exper­ti­se und inten­si­ver Beschäf­ti­gung mit den Bei­trä­gen aus­wählt. Die­se fin­det man dann eben v. a. in den OGAE-Fan­clubs.

    5.) Das Orches­ter wird natür­lich immer ein Lieb­lings-Streit­the­ma zwi­schen ein­ge­fleisch­ten Grand Prix-Fans und der moder­nen ESC-Bewe­gung blei­ben. Es hat aus­ge­dient? Beim San Remo-Fes­ti­val glück­li­cher­wei­se noch nicht und man kann wahr­lich nicht behaup­ten, dass dort nur ein­fäl­ti­ge, rück­stän­di­ge oder bal­la­di­ge Dar­bie­tun­gen zu sehen sind. Es ist durch­aus beab­sich­tigt, dass Bei­trä­ge, wel­che ein Orches­ter sinn­voll ein­bin­den, durch die Wie­der­ein­füh­rung geför­dert wür­den. Ich wür­de aber noch einen Schritt wei­ter gehen und die Play­backs kom­plett ver­bie­ten. Alle Instru­men­te sind live zu spie­len. Das kann und soll natür­lich auch Instru­men­te umfas­sen, die nicht in einem phil­har­mo­ni­schen Orches­ter zu fin­den sind, wie z. B. ein Pia­no, ein Key­board, einen Syn­the­si­zer, einen E-Bass oder ein digi­ta­les Drum­kit.

    Die Tat­sa­che, dass zuneh­mend mehr Inter­pre­ten Instru­men­te auf die Büh­ne schlep­pen und dann ein Pseu­do-Spiel zum Play­back dar­bie­ten, führt doch die Musik ad absur­dum und ist letzt­lich als lächer­lich und effekt­ha­sche­risch zu ver­ur­tei­len. Das soll­te man viel eher ver­bie­ten als den Live-Ein­satz der Instru­men­te.

    Gleich mit ver­bie­ten soll­te man Büh­nen­feu­er­werk, Kon­fet­ti-Orgas­men, Trick­klei­der und meter­ho­he digi­ta­le Pro­jek­ti­ons­wän­de – zumin­dest für den eigent­li­chen Con­test, beim Ope­ning und Inter­val Act mag das noch sei­ne Berech­ti­gung haben. Wür­de ohne Play­back ohne­hin deut­lich schwie­ri­ger zu pro­gram­mie­ren und zu timen sein. Die Beein­flus­sung des gemei­nen Tel­e­vo­ting-Teil­neh­mers durch sol­che Effek­te ist nicht zu leug­nen, sonst wür­den sie nicht bei nahe­zu jedem Bei­trag ein­ge­setzt. Es ergibt sich wohl der Ein­druck, dass die Büh­nen­ge­stal­tung und der Effekt­ein­satz all­mäh­lich zur Leis­tungs­schau der aus­rich­ten­den Broad­cas­ter mutiert und immer mehr über­hand nimmt. Hier könn­te man eini­ges an Geld ein­spa­ren, das dann bei der Auf­recht­erhal­tung und För­de­rung der Rund­funk­or­ches­ter gut ange­legt wäre.

    Es han­delt sich um einen Song Con­test, nicht um einen Büh­nen­show-Con­test. Im Hör­funk oder beim Kauf einer CD oder eines mp3-Files steht schließ­lich auch kein Feu­er­werk oder Trick­kleid zur Ver­fü­gung um den Hörer zu ver­füh­ren. Der ESC kam 40 Jah­re lang ganz gut ohne all dies aus. Nur mit Orches­ter, Diri­gent, Interpret(en) und Audi­to­ri­um.

    Con­chi­ta mit Live-Orches­ter (und guter Kame­ra­füh­rung) wäre sicher­lich wesent­lich genia­ler gewe­sen. Vor dem letz­ten Refrain fängt die Kame­ra das Schlag­werk ein, es erschallt ein Pau­ken­wir­bel, ein Becken­schlag, der Schwenk zurück auf die Inter­pre­tin, das Anschwel­len der Stim­me, ent­sprecht ges­tisch unter­mau­ert, an stra­te­gi­schen Stel­len wer­den die Blech­blä­ser gezeigt, zur glei­chen Sekun­de tra­gen die über­all in Euro­pa vor den Bild­schir­men sit­zen­den enthu­si­as­ti­schen Fan­club-Juro­ren 12 Punk­te ins Online-For­mu­lar ein …

    Sehr zu emp­feh­len zum Orches­ter-The­ma ist auch http://www.esclivemusic.com/index.php/history

    6.) Beim Schwei­zer Bei­trag bezog sich mei­ne Kri­tik auf die nicht ganz per­fek­te rhyth­mi­sche Über­ein­stim­mung zwi­schen Play­back und Gesang. Das kann jedoch auch am jewei­li­gen Video lie­gen. Ich habe mir das heu­te noch­mals in einem ande­ren Video ange­hört und fand eigent­lich nur zwei Unsau­ber­kei­ten.

  17. OK, jetzt ver­ste­he ich, was du möch­test. Einen Con­test, der allein auf das Lied fokus­siert ist.

    Aber ehr­lich gesagt glau­be ich nicht, dass das wirk­lich jemals der Fall beim ESC gewe­sen ist. Wenn es nur um das Lied gin­ge, dann hät­ten die Orga­ni­sa­to­ren einen Con­test im Radio ver­an­stal­tet. Aber nein, sie haben ihn bewusst als Fern­seh­show insze­niert, wo die Juro­ren die sin­gen­den Teil­neh­mer sehen, nicht nur hören, kön­nen. Und das von Anfang an! Klar, damals gab es noch kein Feu­er­werk und Pyro etc., aber es ist doch auf der ande­ren Sei­te immens wich­tig, dass sich etwas wei­ter­ent­wi­ckelt. Wer wür­de denn heu­te noch die Show von vor 60 Jah­ren sehen wol­len? Also jetzt nicht als nost­al­gi­sche Wie­der­ho­lung, son­dern ernst gemeint in dem Stil von damals. Man darf eins nichts ver­ges­sen, auch beim ESC spie­len die Finan­zen (für die Orga­ni­sa­to­ren) die ers­te Rol­le! Und heut­zu­ta­ge bekommt man die Leu­te nur vor den Fern­se­her, wenn man etwas Außer­ge­wöhn­li­ches bie­tet. Und wie gesagt, die Optik bzw. die Show hat schon immer eine gewis­se Rol­le gespielt. Fran­ce Gall, zum Bei­spiel, damals 1965. Ihr kind­li­ches Lied hat sie per­fekt mit ihrer unschul­di­gen, kind­li­chen Mimik und Ges­tik unter­stri­chen! OK, kei­ne Pyro, aber den­noch ein wirk­lich star­kes opti­sches Signal, das jedem irgend­wie sym­pa­thisch war! Und in den 70ern kam doch wirk­lich die Idee der “Show” auf Hoch­tou­ren. Es wur­de getanzt und geschau­spie­lert… Also davon zu spre­chen, dass man zu den guten alten Zei­ten zurück­keh­ren soll­te, ist ein­fach nicht wahr, denn der Con­test war immer sowohl für das Ohr als auch für die Augen bestimmt.

    Und noch ein Kom­men­tar zu der Idee mit den ESC-Fans-Juries: Auch die­ser Idee wür­den spä­tes­tens die Finan­zen einen Strich durch die Rech­nung machen. Für jeden Juror oder jede Jury einen sta­tis­ti­schen Test berech­nen las­sen, der sicher zeigt, ob jemand betrügt oder nicht kos­tet immens viel Geld! Und kein Land wird so dumm sein und eine gan­ze Jury bestechen, son­dern, wenn dann ledig­lich ein­zel­ne Per­so­nen und die wer­den dann nicht durch sta­tis­ti­sche Tests auf­flie­gen. Eben­falls fin­de ich, wenn man die Fan­clubs mit­ein­be­zieht, dann för­dert man “ESC-typi­sche Musik”. Mei­ner Mei­nung nach darf es die­se aber nicht geben! Die­ser Con­test soll­te irgend­wann errei­chen, dass jeder Musik­stil will­kom­men ist! Wenn man nun Leu­te in die Juries setzt, von denen man weiß, dass sie einen bestimm­ten Musik­stil bevor­zu­gen, dann ver­hin­dert man die Viel­falt im Con­test!

  18. Moment…vierzig Jah­re lang? Das hie­ße also, dass wir bis 1996 kei­ner­lei Mätz­chen hat­ten, die vom Song ablen­ken – oder, wie ich das freund­li­cher aus­drü­cken wür­de, ihn unter­strei­chen – soll­ten?

    Sor­ry, aber das ist ziem­li­cher Unsinn. Alex hat schon Fran­ce Gall erwähnt, und auch San­die Shaw 1967, Dana 1970, ABBA 1974 oder (um mal etwas zu erwäh­nen, das nicht gewon­nen hat) Ire­en Sheer 1978 hat­ten jeweils ihre Tricks und Knif­fe, die im strik­tes­ten Sin­ne nichts mit der Musik zu tun hat­ten. Das ist bei einer Fern­seh­show schlicht unver­meid­lich, und um ehr­lich zu sein, sehe ich kei­nen Grund dafür, sowas zu ver­bie­ten – im Gegen­teil, das wäre aller Wahr­schein­lich­keit nach der Todes­stoß für die Ver­an­stal­tung. Man kann nicht 2015 Fern­se­hen nach den Maß­stä­ben von 1965 machen. Wenn es wirk­lich nur um das Lied geht, kann man die Leu­te auch gleich live ein­ge­sun­ge­ne Auf­nah­men bewer­ten las­sen, damit das Aus­se­hen des/der Vor­tra­gen­den nicht unnö­tig ablenkt und man sich die Büh­nen­de­ko spart. Nur wäre das eben auch sturz­lang­wei­lig und hät­te kei­nen Platz im Fern­se­hen – der Euro­vi­si­on Song Con­test hat sei­ne eige­nen Tro­pes und Geset­ze, und die haben sich im Lau­fe der Zeit eben gewan­delt. Man kann natür­lich dar­über dis­ku­tie­ren, wie viel Glit­ter, LED-Kram und Feu­er­werk “sein muss”, aber es kom­plett ver­bie­ten? Nein.

  19. OK, wen’s nach mir geht, ent­schei­den nur noch die Anru­fer und SMS-Tip­per in alles Län­dern über die ESC-Ergeb­nis­se. Die Juries gehö­ren abge­schafft. Sie sind zu unfair, zu intrans­pa­rent, unde­mo­kra­tisch und – wie im Fall Geor­gi­en und Aser­bai­dschan höchst mani­pu­la­tiv. Also: Weg damit und freie Wahl für’s Volk !

    http://www.change.org/de/Petitionen/european-broadcasting-union-abolish-jury-votes-and-replace-them-by-100-televoting-results

Oder was denkst Du?