Fina­le 2014: The Secret is Love

Schon der Ein­spie­ler hät­te es erah­nen las­sen kön­nen, in dem die Dänen die Euro­vi­si­ons­tro­phäe, das glä­ser­ne Mikro­fon, vom 14 Kilo­me­ter ent­fern­ten Mal­mö nach Kopen­ha­gen hol­ten – mit aben­teu­er­li­chen Stunts in bes­ter James-Bond-Manier und unter­legt von den jaz­zi­gen Klän­gen des 1963er Sie­ger­ti­tels ‘Dan­se­vi­se’ vom däni­schen Film­mu­sik­kom­po­nis­ten Jør­gen Ing­man. Den­noch: dass am Ende die­ses gran­dio­sen Abends eine öster­rei­chi­sche Diva mit Bart und einer shir­ley­bas­seyes­ken Bond-Bal­la­de sel­bi­ge Tro­phäe mit einem tri­um­pha­len “We are unstopp­a­ble!” in die Luft recken wür­de, hät­te ich in mei­nen kühns­ten Träu­men nicht zu hof­fen gewagt. Doch Euro­pa zeig­te sich an die­sem denk­wür­di­gen, geschichts­träch­ti­gen Sams­tag tole­ran­ter und offe­ner als erwar­tet. Und zwar – eben­falls ent­ge­gen der vor­he­ri­gen Befürch­tun­gen – regio­nen­über­grei­fend in Ost und West. Nur die Jurys erwie­sen sich mal wie­der als kon­ser­va­ti­ve Hor­te der Homo­pho­bie (ja, der Fin­ger zeigt auch auf Dich, Deutsch­land!), konn­ten aber den deut­li­chen Sieg von Con­chi­ta Wurst nicht ver­hin­dern. Und so dürf­te der 60. Jubi­lä­ums­jahr­gang im kom­men­den Mai in Wien statt­fin­den, wo er zuletzt 1967, in mei­nem Geburts­jahr, gas­tier­te.


Sis­si rel­oa­ded: die neue öster­rei­chi­sche Kai­se­rin regiert

Lan­ge Zeit stand die Grand-Prix-Teil­nah­me unse­res Nach­bar­lan­des unter kei­nem guten Stern: halb­ga­re Songs, ent­täu­schen­de Plat­zie­run­gen und belei­dig­tes Fern­blei­ben kenn­zeich­ne­ten die öster­rei­chi­sche Euro­vi­si­ons­bi­lanz der letz­ten zwei Deka­den. Dies­mal mach­te der ORF alles rich­tig: er bestimm­te die in bereits zwei Vor­ent­schei­dun­gen knapp geschei­ter­te Con­chi­ta intern zu sei­ner Ver­tre­te­rin, ließ ihr bei der Song­aus­wahl freie Hand (was übri­gens zur Fol­ge hat­te, dass wir zumin­dest ein biss­chen sieg­ten: zwei der vier Autoren von ‘Rise like a Phoe­nix’ stam­men aus Deutsch­land) und sorg­te im Ver­bund mit ihrem Mana­ger in Kopen­ha­gen für eine per­fek­te Prä­sen­ta­ti­on ihres Titels. Eine fünf­und­vier­zigs­ekün­di­ge Kame­ra­fahrt – in Zei­ten hek­ti­scher Schnit­te eine schon fast ana­chro­nis­tisch alter­tüm­li­che Erzähl­spra­che – lei­te­te ihren Auf­tritt ein und signa­li­sier­te sofort das Beson­de­re und Muti­ge an dem Titel. Kein Schnick­schnack, kei­ne Tän­zer, kei­ne Chor­sän­ger, kei­ne Gim­micks lenk­ten von der Per­son der Sän­ge­rin ab, die ihren – selbst­ver­ständ­lich auto­bio­gra­fi­schen und mit Bedeu­tung auf­ge­la­de­nen – Song mit Ernst­haf­tig­keit und Wür­de prä­sen­tier­te. Und, nicht zu ver­ges­sen, mit gro­ßer Stim­me sang. Das war, dem Bar­te zum Trotz, kein Spaß­bei­trag, kei­ne Freak­show: es war eine Hal­tung, die Frau Wurst hier zeig­te.


Befreie Dich aus dem Hams­ter­rad der Kon­ven­tio­nen, Mari­ya! (UA)

Eine Hal­tung, die in besag­tem Bart und im Künst­ler­na­me der Büh­nen­fi­gur Wurst bereits zum Aus­druck kam: Geschlecht ist ein sozia­les Kon­strukt, eine gesell­schaft­li­che Kon­ven­ti­on, mit der es sich auch spie­len und die sich auf­bre­chen lässt. In Zei­ten kri­sen­be­dingt zuneh­men­den Has­ses gegen alles, was anders ist; in Zei­ten des “Anti-Pro­pa­gan­da-Geset­zes” in Russ­land, das schon das Reden über Normab­wei­chung unter Stra­fe stellt; in Zei­ten, wo auch in Deutsch­land Dumpf­kon­ser­va­ti­ve Sturm gegen die Behand­lung von Homo­se­xua­li­tät im Schul­un­ter­richt lau­fen und homo­pho­be Hass­pre­di­ger wie Akif Pirinçci Best­sel­ler lan­den und ihren wir­ren Stumpf­sinn unwi­der­spro­chen in ARD-Sen­dun­gen kip­pen dür­fen, eine drin­gend not­wen­di­ge Hal­tung und wich­ti­ge Bot­schaft. Um so schö­ner die Bestä­ti­gung, die Euro­pa der glaub­wür­dig gerühr­ten Drag­queen zuteil kom­men ließ und die mir wenigs­tens ein klei­nes biss­chen den Glau­ben an die Mensch­heit zurück­gab.


Bart- und Bot­schafts­brü­der Con­chi­tas: Pol­la­pönk (IS)

Bedau­er­lich hin­ge­gen, dass die in der Hal­le anwe­sen­den, vor­sich­ti­gen Schät­zun­gen zufol­ge zu min­des­tens 75% aus schwu­len Män­nern bestehen­den Fans, die Con­chi­ta auf einer Wol­ke aus Lie­be und Applaus durch das Semi und das Fina­le tru­gen (einen der­ar­tig ohren­be­täu­ben­den Jubel habe ich, seit den den Grand Prix mit­ver­fol­ge, noch nicht erlebt!) die von ihrer und mei­ner Hel­din aus­ge­sand­te Bot­schaft der Tole­ranz und des gegen­sei­ti­gen Respekts gleich­zei­tig auf so schänd­li­che Wei­se mit Füßen tra­ten, in dem sie bereits beim Ein­marsch der Tol­ma­che­vy Sis­ters aus Russ­land zu Show­be­ginn laut­hals buh­ten, noch bevor die sieb­zehn­jäh­ri­gen frü­he­ren Juni­or-Euro­vi­si­ons-Sie­ge­rin­nen den ers­ten Ton gesun­gen hat­ten. Als ob die bei­den jugend­li­chen Wie­der­gän­ge­rin­nen der Kess­ler-Zwil­lin­ge (DE 1959) irgend­et­was für die Poli­tik ihres Prä­si­den­ten könn­ten! Alle Appel­le der Orga­ni­sa­to­ren zur Fair­ness gegen­über den Künst­lern ver­hall­ten lei­der unge­hört, statt­des­sen aggres­si­ve Miß­fal­lens­be­kun­dun­gen auch bei der Punk­te­ver­ga­be – am absur­des­ten das Aus­bu­hen der rus­si­schen Punk­te­fee und Ver­tre­te­rin von 2000, Alsou. Wel­che Bot­schaft glaub­ten die Fans, damit an die Zuschau­er im eins­ti­gen Sowjet­rei­che zu sen­den? Die des Frie­dens, der Lie­be und der Tole­ranz? Ich schä­me mich für mei­ne Schwes­tern!


Hi-hüpf: bei schö­nen Grie­chen springt das Herz im Lei­be

Nach so viel Poli­tik nun end­lich zu den Bei­trä­gen: für die Ukrai­ne eröff­ne­te Mari­ya Yarem­chuk den Abend mit einem ein­gän­gi­gen, aber auch wenig erin­ne­rungs­wür­di­gen Pop­song namens ‘Tick Tock’. War­um sie einen schwarz geklei­de­ten Her­ren in einem Hams­ter­rad mit­brach­te, bleibt wohl ihr Geheim­nis – er lenk­te ziem­lich von dem Song und Mari­yas tadel­lo­ser gesang­li­cher Leis­tung sowie ihren schlan­gen­frau­haf­ten Bewe­gun­gen ab. Natür­lich muss­te auch sie kurz aufs Rad – hier war­te­te ich dar­auf, dass sich ihr lan­ges, im Wind­ma­schi­nen­sturm flat­tern­des Kleid in den Holz­spei­chen ver­fin­ge. Der unschö­ne Unfall blieb (lei­der?) aus. Das Nage­tier spiel­te auch im nächs­ten Bei­trag aus Weiß­russ­land eine Rol­le, sang der schnit­ti­ge Teo doch “I don’t wan­na be your trip­py Hams­ter Date”. Oder etwas in der Art, man ver­stand es nicht so genau. Mit sei­ner Tanz­stun­den­vor­füh­rung wirk­te er etwas weni­ger Robin-Thi­c­ke-sexis­tisch als noch im Vor­schau­vi­deo: eher Robin Thin­ne also. Auch Aser­bai­dschans Dila­ra Kazi­mo­va setz­te auf opti­sche Ablen­kung: bei ihr turn­te eine Tra­pez­künst­le­rin durchs Bild, was kei­ner­lei Bezug zu ihrer zähen Bal­la­de ‘Start a Fire’ auf­wies. In der Cas­ting­show Böyuk Seh­ne, aus der sie sieg­reich her­vor­ging, stach Dila­ra mit einer völ­lig abge­fah­re­nen Cover­ver­si­on des Pro­pel­ler­head-Klass­si­kers ‘Histo­ry repea­ting’ her­vor, die ahnen ließ, dass man ihr bes­ser eine schrä­ge Uptem­po­num­mer à la ‘Kukush­ka’ (Vor­ent­scheid UA 2011) gege­ben hät­te als die­sen ran­zi­gen Schleim.


Plus­punk­te für die Dir­ty-Dan­cing-Refe­ren­zen im Text! (BY)

Es folg­ten zwei skan­di­na­vi­sche High­lights: die als Teletubbies ver­klei­de­ten islän­di­schen Erzie­her / Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten / sexy Voll­bart­trä­ger Pol­la­pönk mit der lus­ti­gen Fun­punk­hym­ne gegen Stot­te­rer­ver­spot­tung, ‘No Pre­ju­di­ce’ (was für ein coo­les Volk die Islän­der sein müs­sen, das aus­zu­wäh­len!), und mein künf­ti­ger Ehe­mann, der Nor­we­ger Carl Espen. Ein, wie Peter Urban wäh­rend des Ein­spie­lers (übri­gens eine pri­ma Idee des däni­schen Fern­se­hens, die Künst­ler ihre Lan­des­flag­gen hand­werk­lich nach­bau­en zu las­sen, das hat­te Charme) erzähl­te, ehe­ma­li­ger Koso­vo-Sol­dat, Schrei­ner und Tür­ste­her und optisch mit Voll­bart, Fle­sh­tun­nelohr­ring und groß­flä­chi­gen Unter­arm­tat­toos eher der ker­ni­ge Typ, der uns mit sanf­ter, zit­tern­der Stim­me von sei­nen Sehn­süch­ten und Ängs­ten, von sei­nem inner­lich toben­den ‘Silent Storm’ erzähl­te. Und das mit einem Höchst­maß an Glaub­wür­dig­keit und Authen­ti­zi­ti­ät, gewis­ser­ma­ßen nackt und schutz­los auf der gro­ßen Büh­ne. Mich rühr­te das sehr an, die Juro­ren auch. Ledig­lich beim Publi­kum kam Carls Bal­la­de nur mit­tel­gut an: es scheint noch ein wei­ter Weg, bis auch nicht als Frau­en ver­klei­de­te Män­ner straf­los über ihre Gefüh­le reden dür­fen.


But­che Ker­le mit Gefühl: es gibt nichts Gei­le­res! (NO)

So authen­tisch der Nor­we­ger wirk­te, so auf­ge­setzt und künst­lich ent­fal­te­te sich die rumä­ni­sche Dar­bie­tung der Rück­keh­rer Pau­la Seling und Ovi (RO 2010) vor uns. “Libe­r­aces Toi­let­ten­sitz” nann­te ein brit­scher Blog­ger tref­fend das kreis­run­de Key­board Ovis, aus dem er gele­gent­lich her­vor­lug­te wie ein Och­sen­frosch aus dem Plumps­klo, wenn er nicht gera­de mit sei­ner Duett­part­ne­rin die wohl unglaub­wür­digs­te Umar­mung seit Cha­née & Never­green (DK 2010) auf­führ­te. Bezeich­nend auch, dass der – wie Blog­ger aus Kopen­ha­gen berich­te­ten – unter einem extrem auf­ge­bläh­ten Ego lei­den­de Ovi die ein­zi­gen 12 Punk­te des Abends – natür­lich aus dem Bru­der­staat Mol­da­wi­en – mehr oder min­der regungs­los zur Kennt­nis nahm. Ich hof­fe, wir sehen die Zwei nie mehr wie­der! Aram MP3, der arme­ni­sche Vor­ab­fa­vo­rit bis zum tri­um­pha­len Durch­marsch Con­chi­tas im zwei­ten Semi, soll laut Urban Apo­the­ker sein. War­um nahm er dann nichts gegen sein Unwohl­sein? Jeden­falls sah er ziem­lich fahl und kränk­lich, ja fast grün im Gesicht aus – lag es dar­an, dass er die rumä­ni­sche Dar­bie­tung mit anse­hen muss­te? Auch schwä­chel­te er in den lei­se­ren Parts sei­ner düs­te­ren Bal­la­de ‘Not alo­ne’ stimm­lich. Sein vier­ter Platz im Gesamt­klas­se­ment ist den­noch berech­tigt, dafür war sei­ne sanft begin­nen­de, sich dann lang­sam immer dra­ma­ti­scher stei­gern­de und nach einer brett­har­ten Dub­ste­pein­la­ge wie­der sanft aus­klin­gen­de Num­mer ein­fach viel zu gut.


Bei 0:37 Minu­ten: schö­ne Bro­sche! (AM)

Ser­gej Ćet­ko­vić aus Mon­te­ne­gro ver­darb sich jeg­li­che Chan­cen für sei­ne merk­wür­dig abge­hackt enden­de Bal­kan­bal­la­de ‘Moj Svi­jet’ durch die über­flüs­si­ge Eis­kunst­läu­fe­rin auf der Büh­ne, die nur ablenk­te und wie eine bil­li­ge Kopie von Dima Bilans Sieg­per­for­mance von 2008 wirk­te. Muss­te er den Juro­ren dank­bar sein, dass er über­haupt ins Fina­le ein­zog, so dür­fen die Polen zu Recht die Hass­kap­pe auf­set­zen: ihre fabel­haf­te Num­mer My Sło­wia­nie’ von Dona­tan & Cleo wer­te­te das Mani­pu­la­ti­ons­gre­mi­um bru­talst­mög­lich her­un­ter. Natür­lich: ein zeit­ge­mäß bass­bol­lern­der, her­aus­ra­gend gerapp­ter, mit Akkor­de­on neo­folk­lo­ris­tisch ange­rei­cher­ter, druck­vol­ler Song über die Vor­zü­ge sla­wi­scher Frau­en mit der Kern­aus­sa­ge “Schüt­tel, was Dei­ne Mama Dir gab” und in herr­lichst eigeniro­ni­scher Art und Wei­se prä­sen­tiert von selbst­be­wuss­ten Frau­en, die bezopft und im Dirndl alber­ne Land­frau­en­kli­schees durch Über­trei­bung der Lächer­lich­keit preis­ge­ben, und das Gan­ze noch auf spie­le­risch-lust­vol­le Wei­se – das kann ja nicht angehen!1)Die zehn deut­schen Punk­te kön­nen als wei­te­rer Beweis für die Absur­di­tät des Wer­tungs­ver­fah­rens gel­ten: beim deut­schen Publi­kum lan­de­ten Dona­tan & Cleo auf Rang 3, die Juro­ren setz­ten sie auf einen gemit­tel­ten vier­ten Rang. Wegen der sonst recht unter­schied­li­chen Wer­tun­gen reich­te das im Gesam­ten für einen zwei­ten Platz. Von mei­ner Sei­te aus beka­men die Polen Bonus­punk­te für die wit­zi­ge Idee, das für das tele­ge­ne Wäsche­schrub­ben im Holz­zu­ber benö­tig­te Was­ser aus dem vom däni­schen Fern­se­hen um die Büh­ne her­um gebau­ten Was­ser­gra­ben abzu­schöp­fen. Und für das hin­ge­bungs­voll but­tern­de Milch­mäd­chen! Das war ein­fach nur groß­ar­tig!


Hier haben Haus­frau­en noch Spaß an der Arbeit! (PL)

Gewis­ser­ma­ßen als Anhei­zer für Con­chi­ta fun­gier­te das schmu­cke grie­chi­sche Trio Fre­aky For­tu­ne und Ris­ky­Kidd, das mit dem ener­gie­ge­la­de­nen Club­stamp­fer ‘Rise up’ (einer der weni­gen Dan­ce­songs, die live bes­ser klin­gen als in der Stu­dio­fas­sung) die Hal­le zum Kochen brach­te. Sie brach­ten das ein­zi­ge Büh­nen­gim­mick des Abends mit, das tat­säch­lich Sinn mach­te: erhöh­te das Tram­po­lin doch den Spaß- und Ener­gie­le­vel des Songs noch­mals dra­ma­tisch! Lei­der geil! Elai­za waren hin­ter der fabel­haf­ten Öster­rei­che­rin natür­lich ver­lo­ren: nach der cha­ris­ma­ti­schen, bot­schafts­durch­drun­ge­nen Drag­queen wirk­te ihr leicht plod­de­ri­ger Song noch unent­schlos­se­ner, als es durch die Hook­li­ne schon zum Aus­druck kam. “Is it right or is it wrong?”: ja, das wuss­te von den Anru­fern und Juro­ren auch kei­ner so recht! Denn die drei Mädels lie­fer­ten mit unge­wöhn­li­cher Instru­men­tie­rung und schnick­schnack­frei­er Dar­bie­tung durch­aus einen Grand-Prix-Bei­trag, für den man sich nicht schä­men muss. Dan­kens­wer­ter­wei­se hat­ten sie auf den zwi­schen­zeit­lich ange­droh­ten Zir­kus­clown aus dem Video ver­zich­tet, dafür sorg­te die Luft­schlan­gen­ka­no­ne am Ende für einen stim­mi­gen visu­el­len Wumms. Elai­za kön­nen erho­be­nen Haup­tes nach Deutsch­land zurück­keh­ren, sie haben ihre Sache im Rah­men ihrer Mög­lich­kei­ten gut gemacht. Viel­leicht wäh­len wir nächs­tes Jahr dann ja mal einen Song, der nicht nur im Inland gut ankommt.


Kein inter­na­tio­na­les Erfolgs­re­zept: flo­ral gemus­ter­te Humptata­mu­sik (DE)

Herb hin­ge­gen der letz­te Platz mit nur zwei Mit­leids­zäh­lern für Frank­reich. Dabei brach­ten Twin Twin mit ‘Mousta­che’ eine wit­zi­ge und phi­lo­so­phi­sche Num­mer im Stromae-Sound auf die Büh­ne, und für den nack­ten Ober­kör­per des Nicht­zwil­lings Patrick Biyik müss­te es Son­der­punk­te geben. Allein: live klang der Gesang grau­en­voll. Scha­de! Wel­cher ihrer unzäh­li­gen, stets bereit­wil­lig der Klatsch­pres­se anver­trau­ten Schick­sals­schlä­ge wohl unse­re Michel­le bewog, sich unter dem schwe­di­schen Tarn­na­men San­na Niel­sen am Ort ihres ach­ten Plat­zes für Deutsch­land noch­mals der Kon­kur­renz zu stel­len? Trotz des sakra­len Licht­ke­gels, in dem die Blon­di­ne im klei­nen Schwar­zen stand und ihren Sui­zid androh­te (ich ver­stand jeden­falls stän­dig “Undo mys­elf”), wirk­te der Auf­tritt nicht beseelt, son­dern ste­ril und kli­nisch. Im Gegen­satz zu Con­chi­ta, die beein­dru­cken­den Gesang ablie­fer­te, ohne dabei eine Mie­ne zu ver­zie­hen, hin­ter­ließ San­na den Ein­druck, als müs­se sie sich die Töne unter höchs­ter Anstren­gung aus dem Leib pres­sen.


Stets zum Schei­tern ver­ur­teilt: Mit­mach-Ani­ma­ti­on (FR)

Da fand ich im Ver­gleich zur Schwe­den­s­i­re­ne tat­säch­lich die Tol­ma­che­vy-Schwes­tern noch bes­ser, obschon ihr ‘Shi­ne’ nun wirk­lich nach einem Amal­gam sämt­li­cher aze­rischwe­di­schen Bei­trä­ge der letz­ten fünf Jah­re klang und die wohl haupt­säch­lich zum Steu­ern der Wip­pe benö­tig­ten Ple­xi­glas­stä­be etwas nach Star-Wars-Licht­schwer­tern aus­sa­hen. Und das Her­um­fuch­teln mit ihnen ein biss­chen nach Angriffs­krieg, aber die­se Asso­zia­ti­on mag der aktu­el­len poli­ti­schen Lage geschul­det sein. Ähn­lich wie bei Frau Yaremtschuk war­te­te ich hier ver­ge­bens dar­auf, dass nach dem Abstei­gen der ers­ten Tol­ma­che­fin von der Wip­pe die Hebel­kraft zuschlü­ge und die Ande­re nur in hohem Bogen von besag­tem Büh­nen­gim­mick flö­ge, was aber nicht pas­sier­te. Dass der Zweit­plat­zier­te der por­tu­gie­si­schen Vor­ent­schei­dung, Rui And­ra­de, sich bei den Bei­den als Chor­sän­ger und Lam­pion­auf­fal­ter ver­din­gen muss­te, hat­te etwas Impe­ria­lis­ti­sches. Oder han­del­te es sich viel­mehr um eine Art euro­vi­sio­nä­res Asyl?


Biss­chen gru­se­lig: die rus­si­schen Shi­ning-Zwil­lin­ge

Emma Mar­ro­ne aus Ita­li­en beschloss, sich ihre Vor­schuss­lor­bee­ren selbst zu ver­lei­hen und erschien – wie auch ihre Begleit­mu­si­ker – im Kai­ser-Nero-Out­fit mit Kranz im Haar. Das nen­ne ich mal das Schick­sal her­aus­for­dern! Lei­der ging zwi­schen ihrer Ernen­nung und dem Final­auf­tritt das rot­zig-giannana­nin­ni­haf­te ihrer Stim­me ein biss­chen ver­lo­ren. Und das Her­um­rob­ben auf dem Büh­nen­bo­den wirk­te eher brünf­tig als rock­chick­mä­ßig. So kam nun auch Ita­li­en im Big-Five-Wer­tungs­kel­ler an – mal schau­en, ob die diven­haf­ten Raga­z­zi nächs­tes Jahr noch mit­ma­chen. Tin­ka­ra Kovač aus Slo­we­ni­en, auch sie nur durch Jury­gunst im Fina­le, ver­zich­te­te dies­mal auf den sie im Semi noch umtan­zen­den Tod (ihr dor­ti­ger Tän­zer trug ein etwas unglück­lich gewähl­tes wei­ßes Kapu­zens­hirt, so dass er ein wenig wie der Grim­me Schnit­ter aus­sah). Lei­der jedoch nicht auf das schlim­me nacht­blaue Kleid und die Flö­te. Ihr Song ‘Round and round’ war nach 20 Sekun­den aus­er­zählt, dreh­te sich aber den­noch die vol­len drei Minu­ten. Gut, jemand muss ja auch Vor­letz­ter wer­den. Cold­play berei­ten mir in der Ori­gi­nal­be­set­zung bereits so viel Ver­gnü­gen wie ein hart­nä­cki­ger Fuß­pilz. Von einer Hand­voll fin­ni­scher Schul­kin­der (aka Sof­ten­gi­ne) in sil­ber­nen Anzü­gen auf Mini­play­back­show-Niveau nach­ge­ahmt, stei­gert sich die­ses Ver­gnü­gen ins Uner­mess­li­che. Vor die­ser Art von for­ma­t­ra­dio­freund­li­cher Hete­ro­mu­cke flüch­te­te ich einst zum Grand Prix. Kann man das also bit­te irgend­wie aus mei­nem Hei­lig­tum her­aus­hal­ten?


Der Ita­lie­ner schaut nicht in die Kame­ra!

Ruth Loren­zo aus Spa­ni­en (Bri­ten auch bekannt aus X-Fac­tor) gab uns, pas­send zum Titel ihrer kon­stru­iert-kit­schi­gen Dis­ney­bal­la­de ‘Dan­cing in the Rain’, den begos­se­nen Pudel: mit klatsch­nas­sen Haa­ren stand sie auf der Büh­ne und schrie sich in schlech­tes­ter Cas­ting­show­ma­nier die Lun­gen wund. Wenn Du Dir da mal nicht den Tod holst, Kind! Wie erwar­tet, wur­den die Juro­ren bei dem Gejo­del feucht im Schlüp­fer und über­gos­sen sie mit Punk­ten. Jam­mer. Weni­ger Lie­be brach­ten sie, im Gegen­satz zum Publi­kum, dem Tes­si­ner Schnu­ckel Sebal­ter ent­ge­gen, der eine Art musi­ka­li­schen Gemischt­wa­ren­la­dens ent­bot, in dem stän­dig irgend­et­was ande­res pas­sier­te. Ob fröh­li­ches Pfei­fen (war das eigent­lich live oder vom Band?), die enga­giert miß­han­del­te Rybak-Fie­del oder Trom­meln: Sebal­ter grins­te sich mit gewin­nen­dem Laus­bu­ben­lä­cheln durch das Folk-Pot­pour­ri. Selbst der ita­lie­ni­sche Akzent beim eng­li­schen Text von ‘Hun­ter of Stars’ wirk­te bei ihm irgend­wie nied­lich.


Put­zig kann der Schwei­zer halt. 2015 dann das Hei­di?

Geteil­te Mei­nun­gen ver­ur­sach­te der Ein­fall der Ungarn, das düs­te­re The­ma der fami­liä­ren Gewalt gegen Kin­der mit den Mit­teln des inter­pre­ta­ti­ven Tan­zes dar­zu­stel­len. Ich fand es gelun­gen, auch wenn die hel­den­haf­te Ret­tung des geknech­te­ten Mäd­chens durch das sin­gen­de Mon­chi­chi András Kál­lay-Saun­ders ganz am Ende arg dick auf­ge­tra­gen wirk­te. Doch wie hät­te man die Geschich­te sonst auf­lö­sen wol­len? Musi­ka­lisch gab es an der stimm­stark inter­pre­tier­ten Drum-n-Bass-Bal­la­de ohne­hin nichts aus­zu­set­zen, bis auf die Tat­sa­che, dass András Schütz­ling in sei­ner Aus­spra­che nicht nach Hil­fe rief, son­dern sich ein Hun­de­ba­by wünsch­te (“She cries for Welp”): hier hör­ten und sahen wir einen der stärks­ten Euro­vi­si­ons­songs der letz­ten zehn Jah­re, eines Sie­ges wür­dig. Mal schau­en, ob die deut­schen Radio­sta­tio­nen den Song nun viel­leicht wenigs­tens in ihre Play­list auf­neh­men: bes­ser als das Meis­te der zur­zeit ange­sag­ten “Neu­en Deut­schen Depres­si­on” (Zitat einer befreun­de­ten Mit­schaue­rin) ist es alle­mal. Und einen pan­eu­ro­päi­schen Hit hät­te András ver­dient!


Fit but he knows it: der András (HU)

Den mal­te­si­schen Mum­ford-Söh­nen von Fire­light sah man an, dass die Insel nicht all­zu groß und dort jeder mit jedem ver­wandt ist. Ihr kel­ly­esk-bie­de­res Out­fit täusch­te über den schlüpf­ri­gen Text hin­weg (If you want me near then you must come for the ride” – und sang er nicht am Anfang “Free­dom of life, I will express my soul / Look me in the eye and elec­tri­fy my hole”?). Lag es am nie­der­län­di­schen Neo­coun­try-Über­ra­schungs­er­folg, dass ihr nied­li­cher Insel­folk so schlecht abschnitt? Die Com­mon Lin­nets hat­ten zunächst unter dem Heim­bei­trag zu lei­den: die als visu­el­ler Höhe­punkt des Auf­trit­tes des däni­schen Kell­ners Basim und sei­nem auch in sei­ner Schnell­ner­vig­keit an Scat­man Johns ‘Ski Ba Bop Ba Dop Bop’ erin­nern­den ‘Cli­ché Love Song’ ent­roll­te Flag­ge hat­te sich ver­hakt, so dass die Umbau­pau­se län­ger dau­er­te als geplant. Schließ­lich konn­ten die Bei­den aber doch los­le­gen und ihren relax­ten, har­mo­nisch flie­ßen­den Blue­grass-Song ‘Calm after the Storm’ zum Bes­ten geben. Ihr zwei­ter Platz für das bis zum Vor­jahr chro­nisch erfolg­lo­se Euro­vi­si­ons­land darf als wei­te­re gro­ße Sen­sa­ti­on des Abends gel­ten – zumal mit einem Titel aus dem Ein­fluss­be­reich des bis­lang als siche­res Grand-Prix-Kas­sen­gift gel­ten­den Coun­try. Und dann trat Way­lon auch noch mit Amish-Hut auf und Ilse de Lan­ge im spie­ßi­gen Blüm­chen­blü­schen. Und sie san­gen vis-à-vis, ein­an­der zuge­wandt, eine inti­me und dem Publi­kum abge­wand­te Atmo­sphä­re erzeu­gend. Mit ande­ren Wor­ten: die Nie­der­län­der gaben einen Scheiß auf bis­lang unum­stöß­li­che Euro­vi­si­ons­ge­set­ze – und lagen damit gold­rich­tig.


Ein Touch Dor­nen­vö­gel: die Blu­se des Grau­ens und ihr Pries­ter (NL)

Vor vier­zig Jah­ren konn­te Ralph Sie­gel sei­nen ers­ten Bei­trag beim Euro­vi­si­on Song Con­test plat­zie­ren: ‘Bye bye, I love you’ von Ire­en Sheer für Luxem­burg. Ver­mut­lich aus Anlass die­ses Jubi­lä­ums gewähr­ten die Tele­vo­ter und Jurys des ers­ten Semis ihm und Valen­ti­na Monet­ta im drit­ten Anlauf für San Mari­no den Final­ein­zug, wo er mit dem ange­staub­ten ‘May­be’ auf Rang 24 lan­de­te. Oder hoff­te man, er gäbe dann viel­leicht end­lich Ruhe? Da kennt die Welt aber ihren Herrn Sie­gel schlecht! Gru­se­lig übri­gens die wäh­rend des zwei­ten Schnell­durch­laufs gezeig­te Back­stage­sze­ne, als der unra­sier­te und mit Son­nen­bril­le mas­kier­te über Sieb­zig­jäh­ri­ge sei­ne halb so alte Schutz­be­foh­le­ne in enger Umklam­me­rung an den Kame­ras vor­bei schleif­te, als sei er Sil­vio Ber­lus­co­ni. Gro­ße Hoff­nung setz­ten die Bri­ten in ihr Nach­wuchs­ta­lent Mol­ly Smit­ten-Dow­nes. Lei­der ent­täusch­te das den Geist des 1997er Ver­le­gen­heits­sie­gers ‘Love shi­ne a Light’ atmen­de Werk ‘Child­ren of the Uni­ver­se’ auf gan­zer Linie, auch wenn es mit der per­fekt auf den anschlie­ßen­den Beginn des Tele­vo­tings abge­stimm­ten Text­zei­le “Power to the Peop­le” ende­te. Da fehl­te irgend­wie der Wumms.


Gab die indi­sche Göt­tin: Mol­ly (UK)

Von den Pau­sen­acts konn­ten ins­be­son­de­re die Clips mit Bor­gen-Augen­schmaus Pilou Asbæk als Füh­rer im fik­ti­ven Euro­vi­si­on Muse­um oder als Part der mode­rie­ren­den Glee-Trup­pe mit ihrem Lob­lied auf die Zwölf über­zeu­gen – auch wenn Cas­per, Ent­schul­di­gung, Pilou hier ohne den cha­rak­te­ris­ti­schen und schmü­cken­den Voll­bart antrat und nackt­ge­sich­tig aus­sah wie ein Brie­kä­se auf zwei Bei­nen. Als komö­di­an­ti­sche High­lights des Votings erwie­sen sich die zu einem Botox­mons­ter kaput­t­ope­rier­te Sabi­na Babay­e­va (AZ 2012) mit ihren kras­sen Schlauch­boot­lip­pen; der sich offen­sicht­lich noch nicht im Stimm­bruch befind­li­che san­ma­ri­ne­si­sche Kna­be, der die äußerst fau­lig rie­chen­den Dou­ze Points der dor­ti­gen Jury nach Aser­bai­dschan durch­ge­ben muss­te; die fern­ge­steu­ert grin­sen­de Alyo­na Lanska­ya (BY 2013), die in völ­li­ger Ver­zweif­lung über ihre nach­eu­ro­vi­sio­nä­re Bedeu­tungs­lo­sig­keit nicht an sich hal­ten konn­te, uns noch­mals mit ihrem Meis­ter­werk ‘Solayoh’ zwangs­zu­be­glü­cken; die stil­echt mit Filz­bart ver­klei­de­te öster­rei­chi­sche Punk­te­fee und natür­lich die spa­ni­sche Seño­ri­ta,  die zunächst ums Ver­re­cken nicht bekannt­ge­ben woll­te, wer den nun die ibe­ri­schen acht Zäh­ler bekom­men soll – und sie dann in einem bizar­ren Tri­but an den est­ni­schen Ver­tre­ter von 2012 als “Oit Points” ansag­te. Ein Fremd­schäm­mo­ment mal wie­der die deut­sche Punk­te­ver­ga­be: wann lernt der NDR end­lich, dass es außer­halb Ham­burgs kei­ne Sau inter­es­siert, wie vie­le Fans im strö­men­den Regen auf der Ree­per­bahn aus­har­ren, son­dern alle nur zügig die Punk­te erfah­ren wol­len? Extra­punk­te hin­ge­gen an Schwe­den, die Alca­zar auf­bo­ten, deren Sän­ge­rin Tess Mer­kel (nicht ver­wandt) sich “Equal Rights” auf den Unter­arm geschrie­ben hat­te und so den poli­ti­schen Stel­len­wert der Dou­ze Points an Con­chi­ta noch unter­strich.


Wis­sen, wie sie Kin­dern umzu­ge­hen haben: die Dänen

Und Extra­punk­te an Frau Wurst, die nicht nur ihren Auf­tritt mit Wür­de absol­vier­te, son­dern auch die Sie­ge­rin­nen­eh­rung. Ob die ungläu­big-beschei­de­ne Fas­sungs­lo­sig­keit, mit der sie jede 12-Punk­te-Wer­tung im Green­room quit­tier­te, nun echt war oder gespielt – es hat­te Stil und gro­ße Klas­se. Bleibt für nächs­tes Jahr nur zu hof­fen, dass der ORF aus den gut gemein­ten, aber fürch­ter­lich in die Hose gegan­ge­nen Feh­lern von Eri­ka Vaal lernt und nicht erneut ver­sucht, die Begrü­ßung in der Wie­ner Stadt­hal­le (wel­che Loca­ti­on könn­te sonst in Fra­ge kom­men?) in den Spra­chen aller Teil­neh­mer­län­der vor­zu­neh­men. Eng­lisch reicht. Höchs­tens viel­leicht noch – als Ver­söh­nungs­an­ge­bot für die schänd­li­chen Buh­ru­fe die­ses Jahr­gangs und als Zei­chen der kul­tu­rel­len Wert­schät­zung – Rus­sisch. Das ver­ste­hen immer­hin knapp die Hälf­te der par­ti­zi­pie­ren­den Natio­nen.

ESC Fina­le 2014

Euro­vi­si­on Song Con­test 2014 – Fina­le. Sams­tag, 10. Mai 2014, aus den B&W-Hallerne in Kopen­ha­gen, Däne­markt. 26 Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Lise Røn­ne, Niko­laj Kop­pel und Pilou Asbæk.
#LKInter­pretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01UAMaria Yarem­chukTick Tock1130611208
02BYTeoChees­e­ca­ke0431605611
03AZDilarə Kazi­mo­vaStart a Fire0332202622
04ISPol­la­pönkNo Pre­ju­di­ce0581504612
05NOCarl Espen Thorb­jørn­senSilent Storm0880803916
06ROPau­la Seling + Ovi­diu Cernăuţea­nuMira­cle0721210309
07AMAram MP3Not alo­ne1740419303
08MESer­gej Ćet­ko­vićMoj Svi­jet0371903318
09PLDona­tan & CleoMy Sło­wia­nie0621416205
10GRFre­aky For­tu­ne + Ris­ky KiddRise up0352004314
11ATCon­chi­ta WurstRise like a Phoe­nix2900131101
12DEElai­zaIs it right?0391803120
13SESan­na Niel­senUndo2180319004
14FRTwin TwinMousta­che0022600126
15RUTol­ma­che­vy Sis­tersShi­ne0890713206
16ITEmma Mar­ro­neLa mia Città0332103219
17SITin­ka­ra KovačRound and round0092501525
18FISof­ten­gi­neSome­thing bet­ter0721103917
19ESRuth Loren­zoDan­cing in the Rain0741004115
20CHSebal­terHun­ter of Stars0641311407
21HUAndrás Kál­lay-Saun­dersRun­ning1430509810
22MTFire­lightCom­ing Home0322301724
23DKBasimCli­ché Love Song0740904313
24NLCom­mon Lin­netsCalm after the Storm2380222202
25SMValen­ti­na Monet­taMay­be0142401823
26UKMol­ly Smit­ten-Dow­nesChild­ren of the Uni­ver­se0401702921

Fußnote(n)   [ + ]

1. Die zehn deut­schen Punk­te kön­nen als wei­te­rer Beweis für die Absur­di­tät des Wer­tungs­ver­fah­rens gel­ten: beim deut­schen Publi­kum lan­de­ten Dona­tan & Cleo auf Rang 3, die Juro­ren setz­ten sie auf einen gemit­tel­ten vier­ten Rang. Wegen der sonst recht unter­schied­li­chen Wer­tun­gen reich­te das im Gesam­ten für einen zwei­ten Platz.

18 Gedanken zu “Fina­le 2014: The Secret is Love

  1. die wun­der­ba­re fas­sungs­lo­sig­keit von sams­tag nacht und dem tri­umph von frau wurst weicht nun am mon­tag mor­gen immer mehr einer fas­sungs­lo­sig­keit gegen­über unse­rer deut­schen jury!?!
    ich muss geste­hen dass ich immer ein befür­wor­ter der juries war, fühl­te mich auch bestä­tigt, als die rus­si­schen omas san­gen und ja fast gewon­nen hät­ten, aber was sich da “unse­re” jury die­ses jahr geleis­tet hat, ist ein gro­ßer skan­dal!
    ich habe gera­de einen guten link gefun­den, der zeigt dass die deut­sche jury im grun­de kon­ser­va­ti­ver gevo­ted hat als die ach-so-böse ex-sowje­ti­sche bevöl­ke­rung!!!

    http://hdambeck.de/2014/05/11/wer-hat-eigentlich-den-esc-2014-entschieden/

    auch als freund des pol­ni­schen songs (samt des mei­nes erach­tens gelun­gens­ten gim­micks ever (= das wasch­weib) bin ihc empört!

  2. Dan­ke für dei­ne kla­ren Wor­te betref­fend die­ses pöbeln­den Publi­kums vor Ort. Alle schwa­feln von Tole­ranz und Respekt in den letz­ten Tagen, und die glei­chen Leu­te pfei­fen den rus­si­schen Bei­trag aus. Unwür­dig und schänd­lich, die­ses Ver­hal­ten! Die­se Hoo­li­gans haben die Idee des ESC ver­ra­ten und zer­stört. Bin mir nicht sicher, ob man sich nächs­tes Jahr mit Russ­land wird ver­söh­nen kön­nen. Ich glau­be viel­mehr, dass Russ­land gar nicht mehr teil­nimmt. Auch Aser­bai­dschan, Isra­el, Maze­do­ni­en, Alba­ni­en, die bal­ti­schen Staa­ten, ja sogar Frank­reich könn­ten sich wegen Erfolg­lo­sig­keit oder aus finan­zi­el­len Grün­den viel­leicht zurück­zie­hen.

  3. Der Kom­men­tar über Slo­we­ni­en, dass nur dank Jury­gunst im Fina­le war, stimmt nicht, wenn ich Wiki­pe­dia glau­ben darf. “Round and Round” war auch bei den Tele­vo­tern drin – nur als Zehn­ter, aber immer­hin.

  4. Oh, und davon, dass die Jurys an San Mari­nos Final­ein­zug betei­ligt gewe­sen wären, kann auch nicht die Rede sein. (Platz 13 im Semi.)

    Anschei­nend hat sich da seit ges­tern irgend­was ver­än­dert; ich glau­be, Mon­te­ne­gro war ges­tern noch als 50/50 gela­belt, steht aber jetzt als 100% Jury da. Lett­land ist plötz­lich auch im Tele­vo­ting nur Drei­zehn­ter, statt­des­sen Mon­te­ne­gro plötz­lich Zehn­ter. Viel­leicht hat da jemand die 100%-Jury-Länder zum Tele­vo­ting dazu­ge­rech­net, weil das auch bei rei­nem Tele­vo­ting pas­siert wäre. (An der Tabel­le bei Wiki­pe­dia kann auch sonst so eini­ges nicht stim­men; ich sehe zwei von Mol­da­wi­en abge­ge­be­ne Zeh­ner, wobei die für Arme­ni­en laut eurovision.tv die fal­sche ist.)

    Und ein letz­tes Detail der Merk­wür­dig­keit: Grie­chen­land hat­te beim rei­nen Tele­vo­ting einen (geteil­ten) drei­zehn­ten Platz, bei den Jurys hin­ge­gen nur Rang 19. Dass dar­aus ins­ge­samt Platz 20 wird, ist die eine Selt­sam­keit – aber noch beklopp­ter fin­de ich, dass Fre­aky For­tu­ne von den Jurys tat­säch­lich mehr Punk­te bekom­men hät­ten (49, gegen­über 43 bei den Tele­vo­tern).

  5. Sor­ry für den Kom­men­tar­spam, aber ich habe mir jetzt mal die Tabel­le vor­ge­nom­men und auf­ge­drö­selt, wie “West” und “Ost” abge­stimmt hät­ten, wenn sie allein gewe­sen wären. (Übli­cher Dis­c­lai­mer: “West” umfasst auch Mal­ta, Grie­chen­land und Isra­el; die Ex-Jugos fal­len unter “Ost”.)

    Tja. Wie immer gab es ein paar Songs, die nur in bestimm­ten Ecken Euro­pas rich­tig anka­men. Tat­säch­lich war der Osten (der die­ses Jahr aller­dings nur 17 Län­der umfass­te) so der­art unent­schlos­sen, dass es nicht ein ein­zi­ges Lied gab, das dort drei­stel­li­ge Punkt­zah­len ein­fah­ren konn­te – an der Spit­ze der Ost­wer­tung lie­gen Öster­reich und Arme­ni­en mit jeweils 91 Punk­ten, ganz dicht gefolgt von Schwe­den und den Nie­der­lan­den mit jeweils 89. Den Tie­break ent­schei­den dann Öster­reich (14 Wer­tun­gen gegen 12 für Arme­ni­en) und Schwe­den (13 Wer­tun­gen gegen 11 für die Nie­der­lan­de) für sich. Die West­wer­tung geht dage­gen ein­deu­tig an Con­chi­ta, mit 199 Punk­ten gegen­über 149 für die Nie­der­lan­de und 129 für Schwe­den (prä­sen­tiert von der End­zif­fer “9”!).

    Letz­ter im Wes­ten? Das ist nicht ein­fach zu ent­schei­den, denn es gibt hier gleich drei­mal die Höchst­stra­fe: für Mon­te­ne­gro, Slo­we­ni­en und San Mari­no (!) hat West­eu­ro­pa nicht mal ein küm­mer­li­ches Pünkt­chen übrig gehabt (Weiß­russ­land war mit 1 Punkt aus Isra­el nicht viel bes­ser dabei). Im Osten ist die Sache hin­ge­gen klar – Frank­reich steht allein mit null Punk­ten am Ende der Lis­te, Vor­letz­ter ist hier Groß­bri­tan­ni­en mit drei Punk­ten.

    Inter­es­sant wird es natür­lich, wenn man die Län­der und Songs betrach­tet, die mas­si­ve Dif­fe­ren­zen zwi­schen Ost und West auf­wei­sen. Da gibt es die­ses Jahr so eini­ge Kan­di­da­ten: Weiß­russ­land – 42 von 43 Punk­ten aus dem Osten; Island – 52 von 58 Punk­ten aus dem Wes­ten; Grie­chen­land – 27 von 35 Punk­ten aus dem Osten; Deutsch­land – 32 von 39 Punk­ten aus dem Osten; Russ­land – 69 von 89 Punk­ten aus dem Osten (und ohne den Zeh­ner aus Grie­chen­land sähe das noch wesent­lich ein­sei­ti­ger aus); Finn­land – 54 von 72 Punk­ten aus dem Wes­ten (und zwei Drit­tel der 18 Ost­punk­te kamen aus Est­land und Ungarn, zwei klas­si­schen Finn­land-Freun­den beim ESC); Mal­ta – 26 von 32 Punk­ten aus dem Wes­ten; Däne­mark – 56 von 74 Punk­ten aus dem Wes­ten; und Groß­bri­tan­ni­en – 37 von 40 Punk­ten aus dem Wes­ten. Auch Aser­bai­dschan ver­dient hier eine Erwäh­nung, denn alle sei­ne West­punk­te (12 von ins­ge­samt 33) kamen aus einem Land – San Mari­no (was hat eure Jury für Pil­len genom­men?!).

    Polen und Spa­ni­en hin­ge­gen kön­nen sich für ihren Uni­ver­sal-Appeal auf die Schul­ter klop­fen – ihre 62 bzw. 74 Punk­te tei­len sich genau gleich­mä­ßig auf Ost und West auf; auch die Schweiz kommt dem sehr nahe (64 Punk­te, davon 31 aus dem Wes­ten und 33 aus dem Osten).

    Und was sagt uns das jetzt? Das muss wohl jede® für sich ent­schei­den. Viel­leicht ist das dies­jäh­ri­ge Ergeb­nis ja ein Zei­chen, dass die Grä­ben doch nicht so tief sind wie gedacht – wenn drei der vier Top­po­si­tio­nen des Ostens mit West­län­dern besetzt sind und umge­kehrt die Plät­ze 4 und 5 des Wes­tens von Ost­län­dern ein­ge­nom­men wer­den (Arme­ni­en und Ungarn, genau wie im End­ergeb­nis), dann ist das mög­li­cher­wei­se ein Zei­chen. Jeden­falls stimmt es mich per­sön­lich hoff­nungs­vol­ler als das doch sehr zwi­schen West und Ost gespal­te­ne Voting vom letz­ten Jahr.

  6. Die Argu­men­ta­ti­on für Russ­land (und da kann man Weiß­russ­land gleich mit auf die Lis­te set­zen, den­ke ich) kann ich nach­voll­zie­hen. Die ande­ren hin­ge­gen hät­ten doch – in unter­schied­li­chem Maß – was von belei­dig­ter Leber­wurst; Aser­bai­dschan soll den Bet­tel hin­wer­fen, nur weil es ein­mal in sie­ben Teil­nah­men nicht in den Top 10 gelan­det ist? Für Est­land und Litau­en war das die­ses Jahr der ers­te DNQ seit 2010, und bei­de sind nur sehr knapp geschei­tert; wenn über­haupt ein bal­ti­scher Staat wegen Erfolg­lo­sig­keit das Hand­tuch wer­fen kann, dann Lett­land, das inzwi­schen seit 2008 auf eine Final­teil­nah­me war­tet und damit der Rekord­se­rie der Nie­der­lan­de nahe kommt (Bul­ga­ri­ens Serie haben sie die­ses Jahr ein­ge­stellt). Alba­ni­en hat­te jetzt mal zwei DNQs in Serie, aber deren Ergeb­nis­se der letz­ten Jah­re waren ins­ge­samt nicht schlecht, son­dern nur etwas durch­wach­sen (und die Lie­der der letz­ten bei­den Jah­re waren zu sper­rig und/oder qua­li­ta­tiv min­der­wer­tig). Maze­do­ni­en? Schwie­rig, aber wenn die bis jetzt noch nicht abge­sprun­gen sind, obwohl ein Groß­teil ihrer Nach­barn das Geld lie­ber zusam­men­hält, wer­den die auch durch­hal­ten, den­ke ich. Isra­el hat mei­nes Wis­sens das Pro­blem, dass der Sen­der im nächs­ten Jahr auf­ge­löst wer­den soll; gekop­pelt mit vier DNQs in Serie könn­te das tat­säch­lich unan­ge­neh­me Kon­se­quen­zen für ihre Teil­nah­me haben.

    Bei Frank­reich ande­rer­seits fin­de ich es schon seit Jah­ren erstaun­lich, dass man sich doch jedes Jahr noch auf­rafft und mit­macht. Die Gran­de Nati­on hat in den letz­ten Jah­ren so ziem­lich alles aus­pro­biert, was nur geht, und ist mit allem mehr oder weni­ger auf die Nase geflo­gen, manch­mal hoch­ver­dient (Twin Twin, Anggun, Les Fatals Picards), manch­mal nicht (Sébas­ti­en Tel­lier, Patri­cia Kaas, Aman­di­ne Bour­geois). All­mäh­lich wür­de mir an deren Stel­le die Geduld aus­ge­hen – oder aber man ent­wi­ckelt einen von den Nie­der­lan­den abge­schau­ten Trotz, was mir lie­ber wäre, denn ein sol­cher euro­pa­wei­ter Wett­be­werb braucht Frank­reich (eben­so wie Ita­li­en).

  7. Hier mei­ne Prei­se:

    Bes­te männ­li­che Augen­braue: die Nie­der­lan­de
    Sän­ger mit dem größ­ten Sex­ap­peal: Schweiz
    Bes­te Stim­me: Öster­reich (männ­lich und weib­lich)
    Bes­ter Song: Ungarn
    Bes­ter lang­wei­li­ger Song: Slo­we­ni­en
    Lang­wei­ligs­ter Song: UK
    Kurz­wei­ligs­ter Song: Däne­mark
    Bes­te Büh­nen­prä­senz: Öster­reich
    Bes­ter Song zum Tan­zen: Island
    Kal­ku­lier­tes­ter Song: Rumä­ni­en
    Bes­ter Song ohne Melo­die: Aser­bai­dschan
    Schlimms­tes Out­fit: Rumä­ni­en und Ita­li­en
    Schöns­ter Back­ground-Tän­zer: Ukrai­ne
    Bes­te Heul­bo­je, weib­lich: Schwe­den
    Bes­te Heul­bo­je, männ­lich: Nor­we­gen
    Sexis­mus-Preis 2014: Polen*
    Bes­te Bal­la­de: Arme­ni­en
    Bes­ter Euro­vi­si­ons­schla­ger: Mon­te­ne­gro
    Sym­pa­thischs­te Sän­ger: Deutsch­land und Mal­ta
    Bes­ter Song für eine Pin­kel­pau­se: San Mari­no

    *Iro­nie? Echt?
    Con­chi­ta war klas­se.

  8. Ich möch­te anmer­ken, dass es sowohl Slo­we­ni­en als auch Mon­te­ne­gro auf Platz 10 (knapp) ins Fina­le geschafft hät­ten. Da hat der Haus­herr was über­se­hen 😉

  9. Das pas­siert die­ses Jahr aber leicht, weil die Wer­tun­gen so knapp waren und es offen­bar meh­re­re Län­der in den Semis gab (beson­ders in Semi 1), die rei­ne Jury­wer­tun­gen hat­ten, bei denen sich dann die Fra­ge stellt, ob man sie kom­plett raus­lässt (was mei­nes Erach­tens kei­nen Sinn ergibt) oder sie rein­nimmt und damit das “rei­ne” Tele­vo­ting “ver­un­rei­nigt”. Ich glau­be, ich neh­me mir mal die Ergeb­nista­bel­len von eurovision.tv und spie­le ein biss­chen rum…

  10. Oli­ver, auch von mir ein Dank für dei­ne Kri­tik am pöbeln­den Publi­kum. Con­chi­ta beju­beln, aber deren Mes­sa­ge nicht ver­ste­hen… Wir müs­sen von der Wurst noch viel ler­nen.

  11. Vor allem – der drit­te (!!!) Platz im Rus­si­schen Tele­vo­ting hat ein­drucks­voll gezeigt: nicht alle Rus­sen sind homo­pho­be Dumpf­ba­cken. Aber das ist gene­rell das Pro­blem der euro­päi­schen Medi­en bezüg­lich Russ­land-Bericht­erstat­tung – die Ansich­ten irgend­wel­cher mafiö­sen Hard­li­ner wer­den gleich immer auf’s kom­plet­te Volk pro­je­ziert. Klar ist Homo­pho­bie in Russ­land ein ernst zu neh­men­des Pro­blem, auch durch den über­mäch­ti­gen Ein­fluss der ortho­do­xen Kir­che, aber das Voting hat am Sams­tag gezeigt, dass vie­le Rus­sen auch durch­aus prag­ma­tisch und reflek­tiert am Werk sind und kein Pro­blem haben, ihre Sym­pa­thi­en einer Drag-Queen mit Bart zu schen­ken.
    Was durch die ten­den­ziö­se Bericht­erstat­tung zustan­de kommt, hat man ja dann gese­hen: Pfeif­kon­zer­te ohne Ende für zwei unbe­tei­lig­te Mäd­chen (die Berich­ten zufol­ge, nach dem 1. Semi hin­ter der Büh­ne in Trä­nen aus­ge­bro­chen sein sol­len). Die Fans haben sich damit abso­lut kei­nen Gefal­len getan und eine Ent­schul­di­gung in Rich­tung Tol­ma­che­vy-Schwes­tern wäre mehr als ange­bracht.

  12. Die­se angeb­li­chen gro­ßen “Grä­ben zwi­schen Ost und West” schau­feln sich doch vor allem die ESC-Fans mit Begeis­te­rung sel­ber. Mich regt die­se Fan­ge­mach­te Ost-Pho­bie lang­sam ein wenig auf – dich Ospe­ro möch­te ich da aus­drück­lich davon aus­neh­men, du bist da sehr reflek­tiert, aber in vie­len ande­ren ver­bohr­ten Köp­fen wird wohl immer noch der Eiser­ne Vor­hang und die damit ein­her­ge­hen­den Vor­ur­tei­le und Res­sen­ti­ments lie­be­voll gepflegt.
    Wäre Ruth Loren­zo für die Ukrai­ne (oder Russ­land) gestar­tet (als Rutha Lorenzo­bo­da sagen wir mal) hät­te es wie­der gehei­ßen “total kon­stru­iert”, “nicht authen­tisch”, “Ost­block-Schrei­häl­sin/­Dir­ne”, aber da sie ja für Spa­ni­en auf der Büh­ne war, war sie die tol­le Diva und hach ja… da wird sehr stark mit zwei­er­lei Maß gemes­sen.
    Und auch wenn der kom­plet­te “Ost­block” (für mich mitt­ler­wei­le ein Kampf­be­griff erz­kon­ser­va­ti­ver ESC-Fans) mehr­heit­lich für Con­chi­ta gestimmt hat, wird das auch nichts an die­ser Denk­wei­se ändern. Dafür hat man das alte Feind­bild aus dem kal­ten Krieg doch viel zu sehr lieb­ge­won­nen.

  13. Weiss viel­leicht Auf­recht­gehn mehr? Könn­te es sein, dass der gan­ze Zir­kus sowie­so eine Far­ce ist? Denn es ist schon merk­wür­dig: Der ESC ging um ca. 0.30 Uhr zu Ende, um 1 Uhr begann die Pres­se­kon­fe­renz. Live vor Ort: die gesam­te ORF-Koro­na (Fern­seh­che­fin, Inten­dant u.a.). Sind die­se Leu­te sekun­den­schnell nach Kopen­ha­gen gebeamt wor­den, oder waren sie schon am Nach­mit­tag ein­ge­flo­gen wor­den, weil die EBU das (mani­pu­lier­te) Ergeb­nis schon kann­te? Ich neh­me an, die TV-Ver­ant­wort­li­chen von z.B. San Mari­no, Frank­reich oder Polen waren nicht vor Ort…

  14. Mög­lich, aber das getrenn­te Ergeb­nis vom letz­ten Jahr, wo ich die glei­che Ana­ly­se schon mal gemacht hat­te, zeigt, dass West und Ost sich doch noch unter­schei­den. Aber natür­lich wür­de sich ein ähn­li­ches Bild bie­ten, wenn man bei­spiels­wei­se Nord und Süd gegen­ein­an­der stel­len wür­de – nimmt man nur die fünf “klas­si­schen” Nor­dics, hät­ten die Nie­der­lan­de und Öster­reich exakt gleich­auf gele­gen, mit dem “Nor­dic ehren­hal­ber” Est­land hät­ten die Nie­der­lan­de sogar gewon­nen. Sol­che Spie­le­rei­en bewei­sen oder wider­le­gen kaum etwas, aber es ist schon inter­es­sant zu sehen, dass “der Osten” die­ses Jahr deut­lich gewill­ter war, Punk­te an “den Wes­ten” zu geben als 2013.

  15. Öster­reich war noch am Nach­mit­tag auf Platz 1 der Wett­quo­ten gerutscht – ich den­ke, der ORF wird die Leu­te für alle Fäl­le da hin­ge­schickt haben (Wien-Kopen­ha­gen ist jetzt auch nicht die Welt), um im (zu die­sem Zeit­punkt schon durch­aus denk­ba­ren) Fal­le eines Sie­ges was zu sagen zu haben; nach 48 Jah­ren staut sich da wahr­schein­lich ein biss­chen was an. 😉 Ein paar Rang­ho­he ande­rer Sen­der (TROS? ARMTV? MTV aus Ungarn?) dürf­ten für alle Fäl­le eben­falls da gewe­sen sein.

  16. Sehr bemer­kens­wert fin­de ich, dass die deut­sche Jury ein­stim­mig!!! an Däne­mark den 1 Platz ver­ge­ben hat. Offen­bar wur­de bei der Aus­wahl der Jury dar­auf geach­tet, dass da Men­schen mit glei­chen Musik­ge­schmack zusam­men kom­men. Ein­heit statt Viel­falt! Und die waren sich dann einig, dass eine bra­ve Per­for­mance mit einem net­ten Lied­chen, der bes­te Auf­tritt des abends war?! Bin rich­tig erstaunt über Sidos Musik­ge­schmack.
    In nur 5 ande­ren Län­dern war sich die Jury beim ers­ten Platz eben­so einig: Fin­land und Slo­we­ni­en jeweils Platz 1 für Aus­tria. Polen Platz 1 für NL, Däne­mark Platz 1 für Ungarn und – wenig über­ra­schend –waren sich in Mol­da­wi­en alle Jury­mit­glei­der und die Tele­vo­ter einig mit Platz 1 für Rumä­ni­en (war­um besteht eigent­lich eine Gren­ze zw. die­sen bei­den Län­dern?)

  17. Nun, erstein­mal ‘Glück­wunsch’ für die­se gelun­ge­ne Sei­te, die offen­bar so weit oben liegt, dass man(n) auch per Zufalls­su­che fün­dig wer­den kann.
    Hab den ESC aus Spa­ni­en ver­folgt “¡Regen regen ren!” – ach, hat­ten wir doch eine so gute Alter­na­ti­ve! – und fand das Ergeb­nis eben­falls froh­ma­chend.
    Geil, wie der loka­le Mode­ra­tor wie­der und wie­der über die bär­ti­ge Frau stol­per­te, gross­ar­tig, mit wel­cher Selbst­ver­ständ­licheit die däni­sche Regie funk­to­niert hat, ein erschröck­li­ches Büh­nen­bild inclu­si­ve Bade­wan­ne
    und doch, mir haben die Buh­ru­fe und die Ableh­nung rus­si­scher Poli­tik sehr wohl gefal­len und gut getan.
    Sicher­lich wis­sen die rus­si­schen Sän­ge­rin­nen, dass der Pro­test nicht ihnen galt (genau­so, wie das Über­mass an Applaus für Ukrai­ne nicht der Musik galt), und viel­leicht – gute Men­schen gibts ja bekannt­lich über­all – haben sie sich heim­lich dar­über gefreut. Denn den Sie­ger zu ihrem Sieg beglück­wün­schen dür­fen sie ja bei Straf­an­dro­hung nicht, daher kann es gut sein, dass sie die gebuh­te Ableh­nung durch­aus rich­tig (um-)gedeutet haben.
    Und sicher­lich wis­sen und ver­ste­hen die meis­ten Zuschaue­rIn­nen auch, wem die Buh­ru­fe gal­ten und war­um die Ableh­nung deut­lich wur­de. Wie soll­te das auch anders sein!
    Ein über­ra­schend schö­ner Abend und die Nach­le­se in den Blät­tern ist köst­lich! Dan­ke an Tho­mas-Con­chi­ta! Mer­ci für die Stun­den!!
    Art

Oder was denkst Du?