Splitvoting: das kaiserliche Kuchengate

Noch gestern Nacht veröffentlichte die EBU die detaillierten Einzelergebnisse aus den Wertungen der Jurys und des Televotings. Und erneut zeigte sich, dass das kollektive Bevormundungsorgan generell alles massiv herabwertete, was ein bisschen Spaß und Tempo in die Sendung brachte. Als besonders ärgerlich erweist sich die Macht der Juroren natürlich in den Semis: dort hatten sie erneut einige Titel auf dem Gewissen, die es ohne sie ins gestrige Finale geschafft hätten. So beispielsweise die lettischen Kuchenbäcker Aarzemnieki rund um den sympathischen Bochumer Jöran Steinhauer: sein charmant-philosophisches Lagerfeuerliedchen ‚Cake to bake‘ landete im Zuschauerranking auf dem zehnten Platz und wäre damit ebenso im Finale gewesen wie der zwar äußerst seichte und unzeitgemäße, aber wenigstens einigermaßen flotte portugiesische Lambada-Aufguss ‚Quero ser tua‘ der blonden, wenn auch etwas hüftsteifen Suzy (sechste im Televoting). An ihrer Stelle schafften es – natürlich! – zwei langsame Lieder weiter: das strukturarme aserbaidschanische Geflöte und die montenegrinische Balkanballade. Im zweiten Semifinale am Donnerstag fiel der – allerdings auch grauenhaft gesungene – irische Beitrag ‚Heartbeat‘ (Rang 10 im Televoting) den Juroren zum Opfer, die stattdessen die maltesischen Mumfords (Vorletzte bei den Zuschauern) retteten.


Bisschen aufgeregt vorgetragen, aber sympathisch: Aarzemnieki (LV)

Hier zeigte sich auch bereits ein Trend, der sich im Finale am Samstag wiederholte: eine massive Bestrafung durch die sogenannten „Experten“ nämlich für die herrlich selbstironische, druckvolle und hochgradig unterhaltsame polnische Nummer ‚My Słowianie‘ von Donatan & Cleo. Amüsierten sich die Zuschauer wie Bolle über die offenherzige Wäscherin vom Spirdingsee und die hingebungsvolle Buttermaid und belohnten den musikalisch zeitgemäßen und mitreißenden Song mit dem zweiten Platz im Semi und dem fünften Rang im Finale völlig angemessen, so werteten die verspießerten und lustfeindlichen Juroren, denen augenscheinlich jeglicher Sinn für die herrliche Eigenironie abging, mit der sich die selbstbewussten ‚Slavic Girls‘ hier über althergebrachte Klischees lustig machten, in dem sie sie satirisch übertrieben zur Schau stellten, den auch kommerziell sehr erfolgreichen polnischen Beitrag auf Rang 8 bzw. 14 herunter. Ganz besonders krass fiel dies, wie Stefan Niggemeier eruierte, übrigens in Großbritannien aus: dort anullierte die Jury die Führung im britischen Televoting für Cleo & Donatan mit einem konzertierten letzten Platz. Schande über Euch!


Das bisschen Haushalt kann so schwer nicht sein, sagt Donatan (PL)

Sechs Plätze nach unten schoben die Geronten von der Bewertungsmafia auch die sportlich-unterhaltsamen Griechen mit der gefühlt einzigen clubtauglichen Uptemponummer des diesjährigen Jahrgangs: der herrlich bollernde Strandbarkracher ‚Rise up‘ von Freaky Fortune und RiskyKidd musste ebenso Federn lassen wie der charmante schweizerische Minnesänger Sebalter. Von massiver Juryliebe profitierten hingegen zwei große Balladen und ein sterbenslangweiliger Rocksong: acht Plätze besser als im Televoting lag mein künftiger Ehemann, der kernige norwegische Schreiner Carl Espen, der sich in anrührender und bewegender Weise die Seele wund sang und uns an seinem innerlich tobenden ‚Silent Storm‘ teilhaben ließ. Hier stimme ich ausnahmsweise mal mit den Jurys überein, was ihr Tun aber dennoch nicht rechtfertigt! Sechs Ränge Unterschied gab es für die furchtbar nervenden finnischen Coldplay-Kinder Softengine, an deren präpubertärem Gejaule mich schlichtweg alles kalt ließ. Ein Plus von fünf Plätzen konnte sich die spanische Vokalakrobatin Ruth Lorenzo erbrüllen („THE RAIN! THE RAIN!“), welche die Zuschauer zu Recht eher im Regen stehen ließen.


Energie ohne Ende: die griechischen Trampolinspringer

Weitere Auffälligkeiten: im ersten Semifinale stimmten die üblichen Verdächtigen Moldawien, Montenegro und San Marino ausschließlich per Jury ab, im zweiten Georgien und Mazedonien, im Finale dann Albanien und erneut San Siegelino: es scheint in den kleineren Ländern tatsächlich problematisch zu sein, das Televoting zu organisieren, weil entweder zu wenig Menschen anrufen, um ein valides Ergebnis zu bekommen, oder auffällig viele (Stichwort Powervoting). Dafür suspendierte die EBU im Finale das georgische Juryvoting: wie das schwedische Aftonbladet unter Berufung auf den EBU-Sprecher Sietse Bakker berichtet, sprachen die dortigen Juroren ihr Ergebnis allem Anschein nach ab, denn alle Fünf kamen auf die exakt gleichen acht (!) Spitzenreiter. Wetten, dass auch dies wieder keine Konsequenzen (wie eine eigentlich angemessene dreijährige Sperre für das Land) nach sich ziehen wird? Nicht ganz so massiv übertrieb es die deutsche Jury, wobei auch hier auffällt, dass alle fünf „Experten“ in einer bizarren Form der Arschkriecherei gegenüber dem Gastgeber – eine andere Erklärung fällt mir beim besten Willen nicht ein – einhellig den dänischen Scatman Basim favorisierten, der bei den deutschen Zuschauern gerade mal auf Rang 10 kam.


Der deutsche Lieblingsbeitrag, ginge es nach den Juroren: Bruno Dänemars. Seid ihr bescheuert?

Die neue Eurovisionskaiserin Conchita, auch beim deutschen TV-Publikum die Siegerin der Herzen, straften sie hingegen mit einem skandalösen durchschnittlich elften Rang ab (im zweiten Semi gar mit dem dreizehnten) und blamierten uns damit europaweit: dass die einhellige Heldin dieses Jahrgangs ausgerechnet in dem sich doch immer so fortschrittlich und weltoffen gebenden Deutschland nicht unter den einzeln verlesenen Spitzenwertungen lag, ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten und sorgte dafür, dass ich mich mal wieder für mein Land schämte. Daher an dieser Stelle meine aufrichtige Entschuldigung bei den Österreichern und bei Frau Wurst: wir lieben Dich, Conchita! Es waren nur die fünf blöden Wichser aus der Jury, von denen ich mich hiermit ausdrücklich distanziere! Und ich frage mich erneut, wie viele Beweise es eigentlich noch braucht, dass Jurys nichts weiter sind als eine Form der organisierten Korruption? Dass fünf willkürlich bestimmte Hanseln einfach so die Spitzenwertung von Millionen von Menschen, die dafür übrigens auch Geld ausgeben mussten, überstimmen können, ist in meinen Augen ein nicht hinnehmbarer Skandal. Die Jurys gehören umgehend wieder abgeschafft!

ESC 1. Semifinale 2014

Eurovision Song Contest 2014 - Erstes Semifinale. Dienstag, 6. Mai 2014, aus den B&W-Hallerne in Kopenhagen, Dänemark. 16 Teilnehmer, Moderation: Lise Rønne, Nikolaj Koppel und Pilou Asbæk.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01AMAram MP3Not alone1210409604
02LVAarzemniekiCake to bake0331303810
03EETanjaAmazing0361201314
04SESanna NielsenUndo1310209803
05ISPollapönkNo Prejudice0610804309
06ALHerciana MatmujaOne Night's Anger0221500615
07RUTolmachevy TwinsShine0630605707
08AZDilarə KazimovaStart a Fire0570901513
09UAMaria YaremchukTick Tock1180509605
10BEAxel HirsouxMother0281403111
11MDChristina ScarlatWild Soul0131600416
12SMValentina MonettaMaybe0401004908
13PTSuzyQuero ser tua0391106506
14NLThe Common LinnetsCalm after the Storm1500113001
15MESergej ĆetkovićMoj Svijet0630702612
16HUAndrás Kállay-SaundersRunning1270310302

ESC 2. Semifinale 2014

Eurovision Song Contest 2014 - Zweites Semifinale. Donnerstag, 8. Mai 2014, aus den B&W-Hallerne in Kopenhagen, Dänemark. 15 Teilnehmer, Moderation: Lise Rønne, Nikolaj Koppel und Pilou Asbæk.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Rkg
TV
Pl
TV
01MTFirelightComing home0630901614
02ILMei FeingoldSame Heart0191402113
03NOCarl Espen ThorbjørnsenSilent Storm0770604608
04GEThe Shin + Mariko EbralidzeThree Minutes to Earth0151501515
05PLDonatan & CleoMy Słowianie0700811302
06ATConchita WurstRise like a Phoenix1690114901
07LTVilija MatačiūnaitėAttention0361103711
08FISoftengineSomething better0970305207
09IECan-linn + Casey SmithHeartbeat0351204010
10BYTeoCheesecake0870507206
11MKTijana DapčevićTo the Sky0331302612
12CHSebalterHunter of Stars0920409704
13GRFreaky Fortune + RiskyKiddRise up0740708805
14SITinkara KovačRound and round0521004409
15ROPaula Seling + Ovidiu CernăuţeanuMiracle1250211203

ESC Finale 2014

Eurovision Song Contest 2014 - Finale. Samstag, 10. Mai 2014, aus den B&W-Hallerne in Kopenhagen, Dänemarkt. 26 Teilnehmer, Moderation: Lise Rønne, Nikolaj Koppel und Pilou Asbæk.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01UAMaria YaremchukTick Tock1130611208
02BYTeoCheesecake0431605611
03AZDilarə KazimovaStart a Fire0332202622
04ISPollapönkNo Prejudice0581504612
05NOCarl Espen ThorbjørnsenSilent Storm0880803916
06ROPaula Seling + Ovidiu CernăuţeanuMiracle0721210309
07AMAram MP3Not alone1740419303
08MESergej ĆetkovićMoj Svijet0371903318
09PLDonatan & CleoMy Słowianie0621416205
10GRFreaky Fortune + Risky KiddRise up0352004314
11ATConchita WurstRise like a Phoenix2900131101
12DEElaizaIs it right?0391803120
13SESanna NielsenUndo2180319004
14FRTwin TwinMoustache0022600126
15RUTolmachevy SistersShine0890713206
16ITEmma MarroneLa mia Città0332103219
17SITinkara KovačRound and round0092501525
18FISoftengineSomething better0721103917
19ESRuth LorenzoDancing in the Rain0741004115
20CHSebalterHunter of Stars0641311407
21HUAndrás Kállay-SaundersRunning1430509810
22MTFirelightComing Home0322301724
23DKBasimCliché Love Song0740904313
24NLCommon LinnetsCalm after the Storm2380222202
25SMValentina MonettaMaybe0142401823
26UKMolly Smitten-DownesChildren of the Universe0401702921

Nach dem deutschen Conchitagate: gehört die Jury wieder abgeschafft?

View Results

Loading ... Loading ...

35 Gedanken zu “Splitvoting: das kaiserliche Kuchengate

  1. Aus der deutschen Jury boykottiert gehört auf jeden Fall Andreas Bourani, der sich doch tatsächlich nicht zu blöde war, seine neue CD in die Kamera zu halten, sobald er von Barbara Schöneberger ein Mikrofon unter die Nase gehalten bekam…

  2. Warum nimmt man in die Jury nicht Leute, die sich wirklich dafür interessieren und auch echte Fans sind ( z.B. Thomas Hermanns, Georg Ücker usw…. )? Dafür wählt man Sido…..Nächstes Jahr dann Bushido? Welche Dumpfbacken bestimmen diese Leute?

  3. Ich denke die EBU kann nun „guten Gewissens“ die Juries abschaffen. Diese wurden ja nur dazugeholt, um die ost- und südosteuropäische Dominanz und das Diasporavoting zu mildern. Nun haben zwei Länder die ersten beiden Plätze belegt, von denen man vor 5 Jahren noch behauptet hat, dass sie aufgrund dieses unfairen Televotings nie nur einen guten Platz belegen würden! Gleichzeitig wäre Aserbaidschan, das von vielen als Dauerfinalkandidat gesehen wird, im Halbfinale gescheitert, und das alleine durch Televoting!

    Was mich tierisch beim diesjährigen Ergebnis aufregt ist das immense Runtervoten von Polen und der Schweiz durch die Juries! Mir platzt fast der Kragen, wenn ich das sehe! Zur Erinnerung, beide Länder werden ebenfalls zu denen gezählt, die eigentlich nie gute Ergebnisse einfahren würden mit reinem Televoting! Natürlich kann man sich streiten über den Stil des polnischen Beitrags und erst recht über die Darbietung, aber es ist modern, es ist ironisch, es macht Spaß, die gesangliche bzw. Rap-Performance war gut….was war der Knackpunkt bei den Juries? Und bei der Schweiz bin ich komplett ratlos. Der einzige Punkt, der die Juries gestört haben könnte, der mir spontan einfällt, wäre die „Ähnlichkeit“ mit Alexander Rybak (wegen der Geige), aber das wäre wohl der lächerlichste Grund ever…

    Die westeuropäischen Länder brauchen keine Rückendeckung mehr von den Juries. Sicher, noch vor 5 Jahren war der Enthusiasmus vieler Länder am Boden, aber das hat sich geändert! Es hat alles angefangen mit dem Sieg von Alexander Rybak für Norwegen, wenn nicht schon sogar mit dem 5. Platz von Norwegen’s Maria ein Jahr zuvor. Von da an haben viele Länder wieder zum ESC zurückgefunden und qualitativ hochwertige Lieder geschickt. Und wie man sieht wird das auch vom Publikum belohnt! Viele sagen ja, dass die Jury nur zwischen hochwertig und minderwertig unterscheiden kann, aber das ist meines Erachtens nach komplett falsch! Natürlich ist das Televoting immer ein Kompromiss, aber ein Kompromiss von tausenden von Menschen ist viel repräsentativer als einer von 5 Leuten, die als Experten angesehen werden. Aber schaut euch doch mal die wunderbar aufgesplitteten Ergebnisse an (Danke an die EBU dafür!). Manche Unterschiede in den Rankings der Juroren sind ja haarsträubend!! Wenn diese Leute Experten sein sollen, dann erwarte ich, dass ihre Reihenfolgen ungefähr gleich sind und nicht komplett verschieden. Das heißt doch nichts anderes, als dass die Juroren ebenso subjektiv und mit unterschiedlichen Kriterien an die Sache rangehen als jeder andere stinknormale Zuschauer auch! Und das ist keine „Expertenjury“!

    Sicherlich, das Diasporavoting ist nach wie vor ein Problem, aber ich sehe den Nutzen der Juries bei der Sache nicht… Dieses Jahr hat man wieder gesehen, dass Russland von seinen Satellitenstaaten haufenweise Punkte bekommen hat, aber in vielen Fällen hat eben auch die Jury fleißig dafür gevotet! Also so richtig klappt das ja dann anscheinend nicht..

    Als letztes möchte ich noch sagen, dass ich dafür bin, dass Armenien und Aserbaidschan beide aus dem Contest ausgeschlossen werden. Bei diesen beiden ist es nicht möglich, ein faires Voting zu erhalten, denn bedingt durch ihre Feindschaft, landet das jeweils andere Land immer auf dem letzten Platz, sowohl bei Jury als auch beim Televoting. Das kann und darf nicht sein!

  4. Neben dem kompletten Einser der deutschen Jury für Basim im Finale finde ich auch die unglaublich hohe einheitliche Wertung für Finnland im Semi sehr merkwürdig und ich finde es auch höchst befremdlich, dass 1 Juror mit einer „Aus-der-Reihe-Wertung“ dafür sorgen kann, das die Wertung eines Landes um einen oder bei den Top-Wertungen auch zwei Punkte verschoben wird. Wieviele Anrufe müssten dem entgegen stehen? Und bitte NDR, nicht die Jury vor der eigentlichen Show nach ihren Favoriten befragen oder aber, wenn die Juroren schlau gewesen wären, hätten sie keine Auskunft gegeben, sie hätten ja nach der Sendung etwas sagen können. Und ja, gerade wenn es um den Final-Einzug geht, finde ich solche Differenzen zum Televoting sehr schade. Aber Dein Blog-Eintrag fasst das schon sehr gut zusammen!

  5. Sehe ich in großen Teilen ähnlich. Zahlreiche Juries haben dieses Jahr bewiesen, dass sie eben nicht in der Lage sind objektiver als das Publikum zu Stimmen – allein das arschkriecherische Votum für den dänischen Beitrag der deutschen Jury (5x 1.Platz) ist entlarvend. Niederlande wäre auch mit reinem Televoting auf Platz 2 gelandet, die Schweiz hätte sogar einen Top 10-Rang erreicht und das strukturlose tonale Durcheinander aus Aserbaidschan wäre zu Recht im Semi gescheitert.

  6. Die Platzierung Lettlands ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Soweit ich das schon sehen konnte, hat derjenige der diese Ergebnisse veröffentlicht hat, ausschließlich die Votings, die per Televoting zustande kamen berücksichtigt. Demnach also nicht Punkte aus San Marino, Moldau und schlagmichtot oder wer auch immer noch zu wenig ESC-Fans im eigenen Land hat. Unter Berücksichtigung dieser Punkte ist Lettland nämlich schon unter ferner liefen, während sich Montenegro und Aserbaidschan den 10. Platz teilen, ich glaube mit gutem Ausgang für den Zeljko Joksimovic Verschnitt. Restliche Qualifikanten blieben aber unverändert.

    Das in den letzten Jahren, eigentlich seit einschließlich 2012, ausschließlich viele Länder denen fehlende Diaspora zum Scheitern beim ESC nachgesagt wurde von den Juries in die Grauzonen der Ergebnistabellen gewertet wurden fiel mir auch schon auf. Nennen möchte ich hierbei mal vor allem die Schweiz. Schade schon für Paolo, die Lovebugs und Anna, deren Resonanz bei den Zuschauern leider nicht so groß war, aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, seit dem Finaleinzug 2011 versuchen die Juries ihre Wertung wieder gutzumachen und stufen die Schweiz konsequent ab. Somit wurde der Schweiz in den Jahren 2011-2014 eine Finalteilnahme mehr genommen. Auch Bulgarien und die Niederlande sind mindestens einmal Opfer der Juries geworden, die Ergebnisse 2013 sehe ich unter Vorbehalt auch wenn dort wohl offensichtlich auch das Schwarzmeer-Portugal und die Eidgenossen weiter gekommen wären. Profitiert haben dann die Ukraine, Armenien, Georgien und in diesem Jahr Aserbaidschan (so richtig hätte ich wohl nur um die Dorians getrauert, auch wenn Aserbaidschan seinen mit Abstand besten Beitrag sendete).

    Das zeigt doch, dass die Zuschauer durchaus eine Art Musikgeschmack erzeugen, auch wenn der sich mir nicht immer so erschließt und die Juries eigentlich keine Aufgabe mehr beim ESC haben. Somit sind sie nichts weiter als überflüssig und gehören wieder abgeschafft.

    Noch ein Wort zu Polen: Das sie nicht 5. wurden ist sehr schade, aber ob im Halbfinale ein 2. oder 8. Platz rausspringt ist egal, solange das Ergebnis qualifiziert bleibt. Auch wenn Halbfinalplatzierungen eine leichte Tendenz sind, aber letztlich bleiben sie nur die goldene Ananas und alles ab Platz 10 ist gleichwertig zu betrachten.

  7. Ach komm. Wird der heilige Krieg gegen die bösen Jurys nicht langsam langweilig? Ich weiß, jeder braucht sein Hobby, aber jetzt kommt doch auch der Sommer und es gibt so viele Dinge, die man draußen tun kann… 😉

    Für die Jurys spricht:

    Erstens: Seit ihrer (Wieder-)Einführung ist die Punktevergabe spannender, weniger vorhersehbar. „Gerecht“ ist sie sowieso nur dann, wenn alle meine Favoriten in den Top 5 sind – und das ist nie passiert, nicht mit reinem Juryvoting, nicht mit reinem Televoting und nicht im jetzigen Mischsystem. Am Ende ist ja doch alles Geschmackssache und keine Frage irgendeiner „gerechten“ Beurteilung.

    Zweitens: Die Jurys beurteilen Songs nicht nur nach dem ersten Mal hinhören. Die Televoter machen sich nicht (so wie wir Hardcorefans) die Mühe, die Lieder Wochen vor der Show auf YouTube rauf und runter zu schauen. Die hören sie beim Finale zum ersten mal… und da womöglich auch nicht alle, weil man Zwischendurch aufs Klo geht, weil die Oma anruft oder weil man das Ende der Werbepause übersehen hat. Es macht aber einen Unterschied, ob man einen Song nur 1x hört oder mehrmals und konzentriert. Insofern ist das Jury-Urteil für mich das „nachhaltigere“.

    Drittens: Sofern die Jurys wirklich nach der Intention der EBU mit Leuten besetzt werden, die im Musikgeschäft zuhause sind, zieht mit ihrem Urteil so etwas wie der Hauch von echtem Leben in die Wertung ein. Ich persönlich bin ja auch bezaubert von Conchitas Charme, aber der *Song* hat nicht einmal in der österreichischen Charts Erfolg gehabt. Da verstehe ich schon, daß man Leuten wie den Finnen mehr zutraut… gerade *weil* sie für meinen Geschmack zu zeitgeistig-glattgebügelt sind.

    Und noch was:

    Unterm Strich braucht ein Sieger beides, den Zuspruch der Jurys und des Publikums. Es mag ärgerlich sein, wenn persönliche Favoriten nochmal 5 Plätze schlechter abschneiden, als sie es ohne Jurys getan hätten. Aber es ist egal. Gewonnen hätten sie in keinem Fall.

  8. Ich würde nicht auf eine Jury verzichten wollen, aber ich würde wollen das man mehr auf die Auswahl achtet. Was sucht bitte ein Sido in der Jury der Conchita im Halbfinale auf den letzten Platz setzt und nebenbei Georgien auf Platz 1? Das ist doch total am Geschmack der Zuschauer und generell der Menschen vorbei geseteuert!

    Ich würde vorschlagen, die Jury entweder aus Fans zsm. zu setzen, oder wirklichen Profis! Alleine der Kommentar von dem Entdecker von Tim Bendzko mit die Finnen haben Star Potential war doch mehr als lächerlich!

    Man müsste mind. 10 Leute in die Jury setzen, damit ein Repräsentativer Querschnitt gebildet werden kann, und dort eine Mischung aus Experten und evtl. ESC Fans, weil die eigentlich meistens am besten Wissen was ankommt, nicht umsonst hat bisher immer der Televotingsieger immer eindeutiger den Sieger bestimmt wie die Jury, wo meistens den Sieger sehr viel weniger Punkte gegeben hat.

    So auch dieses Jahr Conchita im Televoting mit 311 Punkten gewertet, während sie beim Juryvoting nur 220 Punkte oder so in etwa bekommen hat.

  9. Ich kann mich euch ebenfalls nur anschließen. Eigentlich hat ja auch schon unser Sieg bewiesen, dass die westlichen Länder keine Juries nötig haben.

    Und ich bin tatsächlich viel erstaunter darüber, dass es nun tatsächlich nach Österreich geht als dass Conchita Wurst gewonnen hat. Ich hatte das Land auch schon komplett abgeschrieben. Jetzt müsste nur noch Portugal endlich mal die Kurve kriegen.

  10. „Erstens: Seit ihrer (Wieder-)Einführung ist die Punktevergabe spannender, weniger vorhersehbar.“

    Nö. Effektiv haben die Juries 2011 sogar ein absolut spannendes Wertungsergebnis verhindert.

  11. „Am Ende ist ja doch alles Geschmackssache und keine Frage irgendeiner “gerechten” Beurteilung.“ -> Da bin ich ganz bei dir! Aber wieso braucht man dann den subjektiven Geschmack von 5 Leuten, der genauso viel zählt wie der Geschmack von tausenden von Leuten?? Das ist doch wohl lächerlich..

    „Zweitens: Die Jurys beurteilen Songs nicht nur nach dem ersten Mal hinhören.“ -> Das halte ich für ein Gerücht! Die deutsche Jury zB hat auf mich nicht den Eindruck gemacht, dass sie so begeistert von diesem Contest sind. Im Gegenteil, so uninteressiert wie diese Jury war für mich keine in den letzten Jahren.

    „Drittens: Sofern die Jurys wirklich nach der Intention der EBU mit Leuten besetzt werden, die im Musikgeschäft zuhause sind, zieht mit ihrem Urteil so etwas wie der Hauch von echtem Leben in die Wertung ein.“ -> Also ich weiß ja nicht, wie du das denkst, aber für mich ist die Entscheidung von tausenden Zuschauern näher am Leben dran, als die Meinung von 5 Leuten…

    Ich halte es nicht für das richtige, die Diskussion um die Juries einfach auf sich zu beruhen lassen. Ich sehe aus dem Votingergebnis der Juries keine musikalischen oder Plattenmarkt-relevanten Kriterien heraus! Für mich ist das Voting der Juroren wie als wenn man zufällig 5 Leute in der Fußgängerzone nach ihrer Meinung fragt. Ich sehe die Aufgabe der Juroren, musikalisch höherwertige Beiträge zu belohnen, nicht erfüllt. Und ich möchte nicht, dass bestimmte Musikrichtungen aus dem Contest rausgehalten werden, weil man sofort davon ausgehen kann, dass diese durch die Juries niedergemacht werden (siehe Polen dieses Jahr!). Jede Nation, jeder Künstler und jede Musikrichtung soll die Chance haben zu gewinnen! Wenn dies mit Juries irgendwann mal möglich sein wird, dann habe ich keinen Einwand dagegen, aber in der jetzigen Form haben die Juries keinen signifikant positiven Einfluss auf die Ergebnisse..

  12. Die Idee mehr Juroren einzusetzen fände ich schon mal recht gut. Aber diese weiteren Plätze mit ESC-Fans zu besetzen ist keine gute Idee. Das würde bedeuten, dass typische Eurovisions-Musik einen Vorteil erhält (z.B. Schweden dieses Jahr).

    Ma könnte doch auch zB zwei Gruppen von Televoting pro Land machen. Etwa in Deutschland gibt es dann ein Ranking von Norddeutschland und ein anderes von Süddeutschland. Die beiden werden dann zusammengerechnet. Mag vielleicht ein etwas eigenwilliger Vorschlag sein, aber man sollte doch alles mal überdenken 😉

  13. Ist es wirklich so nahe dran am Leben, wenn die Televoter die russischen Babushkis mit nur elf Punkten Abstand auf Schweden 2012 auf Platz 2 gewählt hätten? Wie hoch waren doch gleich die Verkäufe von „Party for Everybody“? Wofür man beim ESC anruft, hat allzu oft wenig bis nichts damit zu tun, welche Platten man kauft.

  14. Zum letzten Vorschlag: Ich glaube nicht, dass das einen allzu großen Unterschied machen würde. Die Ergebnisse beim Bundesvision Song Contest zeigen doch, dass ganz Deutschland relativ einheitlich votiert. Wenn es da überhaupt eine Trennlinie gibt, dann zwischen Ost und West.

  15. Keine ESC-Fans. Bitte. Sieh dir mal die OGAE-Ergebnisse der letzten Jahre an und achte auf die Dissonanz zwischen denen und den „echten“ Ergebnissen – weniger bei den Siegern (dieses Jahr mal außen vor, aber Schweden ist halt Schweden), sondern bei den darauf folgenden Plätzen – es ist zum Beispiel ein schlechtes Omen, beim OGAE-Voting Zweiter zu werden, frag mal Kate Ryan, Hera Björk oder (letztes Jahr) Valentina Monetta. Alex hat absolut recht, dass dann die ohnehin schon latente Dominanz der nordischen Länder überhand nehmen würde.

  16. Die Frage ist doch, soll es darum gehen? Wenn es darum ginge für denjenigen anzurufen, deren Platte man gerne käuft, dann würde die EBU doch sagen, die Sänger dürfen Playback singen. Oder noch krasser: Dann wird es keine Live-Show mehr geben, sondern eine aufgezeichnete Sendung, wo alle Videoclips zu sehen sind.

    Natürlich ist es wichtig ein gesundes Mittel zwischen Live-Auftritt und eigentlicher Qualität des Liedes zu finden, aber mir geht es darum, dass ich persönlich finde, dass die Juroren diese Aufgabe nicht hinbekommen. Das ist alles.

  17. Ehrlich? Ich bin die Diskussion ja auch langsam leid (allerdings eher, weil es keinerlei Anzeichen gibt, dass sich in absehbarer Zeit etwas am Wertungssystem ändern wird, weil niemand in einer entsprechenden Position ein Interesse daran hat), aber ein Argumentum ad nauseam in einer Sache, die durchaus Diskussionspotenzial hat, ist vielleicht nicht die beste Idee.

  18. War das Juryergebnis 2010 wirklich so knapp wie das Televotingergebnis 2011? Selbst wenn, auf die Televoter würde die EBU nie verzichten, während der umgekehrte Fall durchaus eine Option darstellt.

  19. Moment…es ist also nicht okay, wenn die Ergebnisse der einzelnen Juroren sich massiv unterscheiden, aber fünfmal das gleiche Ergebnis ist auch nicht in Ordnung? Wie denn jetzt? Gibt es ein Abweichungsintervall, in dem die Juroren sich zu bewegen haben?

  20. Hm also eigentlich müssten doch die Verantwortlichen aus den Ergebnissen etwas sehen. Auch wenn es nur die Erkenntnis ist, dass das Nachbarschaftsvoting nur bedingt durch die Juries eingedämmt wird. Oder, dass sich zwei verfeindete Staaten nie Punkte geben werden, egal wie gut der andere Song ist! (Ich weiß ich hab das schon mehrmals erwähnt, aber die Sache mit Armenien und Aserbaidschan bringt mich einfach auf die Palme xD).

    Und ebenfalls mag ich es nicht, wenn man sich mit einer Situation zufrieden gibt, obwohl es auch öffentlich immer wieder Diskussionen um Verbesserungen gibt..

  21. Danke für die Info. Das Jury-Ranking von damals war mir nicht mehr so präsent. Und der Hausherr archiviert hier ja ebenfalls nur Televoting- und Split-Ergebnis. Aber wie man es dreht und wendet, egal ob nun Jury- oder Televoting-Ergebnis knapp war, eines war noch nie knapp: Das Split-Ergebnis. Das könnte schon zu denken geben.

  22. Ich bin gespannt ob Rise Like a Phoenix nun in ein paar Ländern charten wird. Dazu zähle ich auch Österreich. Ist derzeit nicht in den Charts, aber ein Blick auf iTunes heute zeigte dass der Song auf Platz 1 und 5 ist (einmal die Single, einmal vom ESC Album).

    Dass der Song bisher keinen Erfolg hatte liegt imo vor allem am Desinteresse am ESC und der allgemeinen Meinung dass ESC Songs alle Müll sind, vor allem die eigenen. Unser Song letztes Jahr war so etwas von fad, ich hatte schon gedacht dass wir letztes Jahr ausgesetzt hatten, weil ich mich nicht mehr an einen österreichischen Beitrag erinnern konnte. Und dennoch wurde der Song als wirklich gut und zeitgemäss bezeichnet (zumindestens von manchen Radiomoderatoren).

    Heute auf der PK mit Conchita wurde erwähnt dass es vor dem Contest auf der Website der populärsten Zeitung (Krone) eine Umfrage gab bei der 79% der Abstimmenden meinten dass Conchita keine gute Repräsentantin für Österreich ist. Bin gespannt wie so eine Umfrage jetzt aussehen würde.

  23. Oh Gott, ich rate jeden ESC-Fan, nicht die Kommentar-Spalten auf krone.at durchzulesen! Was einem (und Conchita) da an Gehässigkeit, Intoleranz und Verbohrtheit entgegenschlägt geht auf keine Kuhhaut. Aber ok, die exakt selben motzigen rechts-„wertkonservativen“ Versager-Säcke kennt man ja auch aus den Foren deutscher Nachrichtenmagazine.

  24. Ich wünsch mir auf jeden Fall für die Zukunft ZWEI Sachen (und Olli, eine davon fehlt mir auch oben in Deiner Abstimmung):

    1. Keine 50-50-Gewichtung mehr von Televoting und Jury, sondern etwas mehr zugunsten des Televotings, 60-40 oder so, wie auch oben von Dir vorgeschlagen.

    2. und wichtigerens: SOFORTIGE Abschaffung dieses unsäglichen Rankings. Jeder bewertet seine Top Ten, daraus wird der Mittelwert errechnet und eine Top Ten gebaut als Jurywertung, dann entsprechend obiger Gewichtung Top Ten vom Televoting und Top Ten der Jurywertung zusammengenommen, Mittelwert, Reihenfolge und daraus dann die Punkte. Durch dieses dreimal verdammte Ranking sind im letzten Jahr schon Montenegro, die Schweiz und Österreich um den Finaleinzug betrogen worden. Glücklicherweise haben sie sich ja dieses Jahr alle drei schadlos gehalten, und dieses Jahr hat es so krasse Verwerfungen, soweit ich bisher gesehen habe, glücklicherweise nicht gegeben. Aber das ganze Verfahren wurde ohne Not eingeführt und macht unglaublich viel kaputt. Und wenn dann noch solche Kompetenzsimulanten da hocken wie in der deutschen Jury…. aua.

  25. Nachdem ja nun alle Einzelergebnisse bekannt sind, werde ich in den nächsten Tagen zu diesem Thema auch mal ein paar Rechenspielchen machen (Publikation wie immer im Sixtus-Blog). Mal sehen, ob sich da was geändert hätte.. Weg mit dem verdammten Ranking!

  26. Tamaras Punkt 2 würde verhindern, dass (einzelne) Juroren Extremverzerrungen verursachen können, indem sie einen Titel, den sie nicht leiden können, auf einen der letzten Plätze setzen.
    Ich glaube halt, dass die Juroren in erster Linie nach ihrem persönlichen Geschmack abgestimmt haben und erst in zweiter Linie nach objektiven Kriterien, wie sie es eigentlich hätten tun sollen (Liedkomposition, Auftritt etc.). Geschickt fände ich, wenn die Juroren ihre Wahl fachlich begründen müssten, und zwar besser als mit Aussagen à la „Finnland find ich richtig gut“ — denn sonst unterscheiden sie sich ja im Prinzip nicht von einem ESC-Fan.
    An sich ist eine Fachjury nicht unbedingt verkehrt, aber das Fachliche müsste irgendwie besser rauskommen. Wer legt überhaupt fest, wer die Jury-Mitglieder sind, aufgrund welcher Kriterien? *grübel*

    Das Gute ist indes, dass man, um den ESC zu gewinnen, Punkte von überallher bekommen muss. Das hat auch Conchita … in eindrücklicher Weise, auch aus Ländern, wo ich das nicht vermutet hätte. Da fällt ein einzelner Juror dann zum Glück nicht mehr so ins Gewicht. Gut auch, dass sowohl Televoting als auch alle Juries C. Wurst auf Platz 1 gesetzt hatten und der Sieg deutlich war.

  27. Das kann man aber sehr wohl sagen. Wenn man sich beispielsweise das diesjährige Finale anschaut und jeweils nur die Jurywertungen oder nur das Teloevoting betrachtet, wäre zwar bis auf einzelne Ausreißer von der Rangfolge her ein ähnliches Ergebnis herausgekommen, aber die Punktedifferenzen bei den Juries sind wesentlich kleiner, so dass es beim Voting richtig spannend gewesen wäre, weil es mehrmals Umschwünge beim momentanen Sieger gegeben hätte.

Oder was denkst Du?