ESC 2015: Vien­na first, James last

Nur in der Wie­ner Luft: bereits Ende Juni sprach sich die aktu­el­le Euro­vi­si­ons­kai­se­rin Con­chi­ta Wurst für die öster­rei­chi­sche Metro­po­le als Aus­tra­gungs­ort des 60. Euro­vi­si­on Song Con­tests aus. Nun erhielt sie wei­te­re pro­mi­nen­te Unter­stüt­zung von ihrem Kol­le­gen Udo Jür­gens, der in den Sech­zi­gern drei Mal hin­ter­ein­an­der für die Alpen­re­pu­blik antrat und bei sei­ner letz­ten Teil­nah­me mit ‘Mer­ci, Ché­ri’ 1966 die ers­te von bis dato zwei Grand-Prix-Kro­nen für das Land hol­te. “Es ist üblich, dass die Haupt­stadt so etwas aus­rich­tet. Graz ist eine wun­der­ba­re Stadt. Inns­bruck könn­te das sicher auch gut machen. Aber die Welt erwar­tet Wien,” sag­te der weit­sich­ti­ge Jür­gens heu­te dem Gro­schen­blatt Kro­nen­zei­tung. Soll­te der ORF auf sei­ne bei­den Bes­ten hören und der Wie­ner Stadt­hal­le den Zuschlag geben, zögen aller­dings etli­che deut­sche Künst­ler den Kür­ze­ren: das flei­ßi­ge bri­ti­sche Wiwi­bloggs recher­chier­te bereits, wel­che für den Pro­ben­zeit­raum in näm­li­cher Loca­ti­on gebuch­ten Ver­an­stal­tun­gen dann abge­sagt bzw. ver­legt wer­den müss­ten. Unter den sechs betrof­fe­nen Events fin­den sich neben einer Pfer­de­dressur­show und den Eso­te­rik­ta­gen (frag­los unter Mit­wir­kung des öster­rei­chi­schen Grand-Prix-Ver­tre­ters von 1982, Micha­el Scheikl [Mess], der heut­zu­ta­ge “Jede Zel­le mei­nes Kör­pers” glück­lich wer­den lässt) gleich vier deut­sche Künst­ler, näm­lich Max Raa­be, die Zau­ber-Zwil­lin­ge Chris und Andre­as Ehr­lich, Die­ter Nuhr sowie die Easy-Lis­ten­ing-Legen­de James Last. Eine Ver­schwö­rung?


Mit die­sem Namen für ein Null-Punk­te-Ergeb­nis prä­de­sti­niert: James Last

Gera­de die bei­den Letzt­ge­nann­ten bil­den einen schö­nen Cool­ness-Kon­trast: war der heut­zu­ta­ge zum Erbre­chen kon­ser­va­ti­ve Unko­mi­ker Die­ter Nuhr bis zu sei­ner Bestel­lung zum Sati­re-Fei­gen­blatt und Gro­ße-Koali­ti­ons-Fan­boy der ARD frü­her mal wenigs­tens gele­gent­lich noch lus­tig, so galt Deutsch­lands Tanz­plat­ten­mil­lio­när in den Sieb­zi­gern als Inbe­griff der Spie­ßig­keit, wur­de durch sei­ne 1999er Kol­la­bo­ra­ti­on mit den Bro­ten aber in den anse­hens­mä­ßi­gen Adels­stand der Läs­sig­keit erho­ben und darf seit­her abge­fei­ert wer­den. So bleibt den Wie­nern zu wün­schen, dass der immer­hin schon 85jährige Alt­meis­ter noch einen Nach­hol­ter­min fin­det. Nicht so bei Nuhr: hier blie­be den Öster­rei­chern ein ver­schwen­de­ter Abend und uns eine Image­bla­ma­ge erspart. Immer­hin kann nach den gleich­lau­ten­den Äuße­run­gen von Frau Wurst und Herrn Jür­gens – der sich im Kro­nen-Inter­view gleich um einen Gast­auf­tritt in der Jubi­lä­ums­aus­ga­be des Con­tests bewarb – im Städ­testreit die Ent­schei­dung des ORF nun­mehr nur noch auf Wien fal­len:  alles ande­re wäre schlicht­weg Blas­phe­mie!


Wird Udo auch Con­chi solch ein Abschieds­ständ­chen sin­gen?

Den Vor­wurf der Blas­phe­mie (Ham­mer­über­lei­tung, oder?) zog die von Jür­gens trau­ri­ger­wei­se kon­se­quent als “er” ange­spro­che­ne (“Ich habe kei­ne Scheu, mich mit ihm zu zei­gen oder zu spre­chen”) Con­chi­ta unter­des­sen mal wie­der von reli­giö­ser Sei­te auf sich: wie Queer.de heu­te berich­tet, erbos­te sich Rus­tam Batyr, der stell­ver­tre­ten­de Muf­ti der exso­wje­ti­schen Repu­blik Tatar­stan, über in der dor­ti­gen Haupt­stadt Kasan ver­kauf­te Matrosch­ka-Pup­pen mit auf­ge­mal­tem Bart. Der isla­mi­sche Pfaf­fe kri­ti­sier­te die Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin als “dop­pel­te Trans­se­xu­el­le”: näm­lich nicht nur als Frau­en­kleid­trä­ger, son­dern auch als “ein Mann, der wie eine Frau sein und mit einem Mann zusam­men sein möch­te”. Nun machen die­se bei­den Eigen­schaf­ten Tom Neu­wirth – den Künst­ler hin­ter der Büh­nen­fi­gur Con­chi­ta Wurst – tat­säch­lich zu einer null­fa­chen Trans­se­xu­el­len. Denn Ers­te­res ist eine Tra­ves­tie­künst­le­rin oder Drag-Queen, Zwei­te­res schlicht ein Schwu­ler. Die Ver­eh­rung für die Frau mit Bart, so Batyr wei­ter, sei ein Zei­chen für Hedo­nis­mus, die Wurst-Akzep­tanz der “häss­li­che Spie­gel” einer sol­chen, selbst­ver­ständ­lich dem Unter­gang geweih­ten Kul­tur. Dann hof­fen wir mal, dass Kasan trotz blas­phe­mi­scher Pup­pen bis Ende Novem­ber vom Zorn Got­tes ver­schont bleibt: dort fin­det am 19. und 21. 11. näm­lich die zwei­te Aus­ga­be der Türk­vi­zyon statt, des osma­ni­schen Gegen­ent­wurfs zum Euro­vi­si­on Song Con­test – und das garan­tiert ohne bär­ti­ge Frau­en!


Sicher mehr nach dem Geschmack des Muf­tis: Ali­na Şarip­ja­no­va, die tata­ri­sche Türk­vi­zyon-Ver­tre­te­rin 2013

Wo soll­te Dei­ner Mei­nung nach der Con­test 2015 statt­fin­den?

  • In Wien, wo sonst? (56%, 41 Votes)
  • In_nsbruck. (22%, 16 Votes)
  • Ist mir Con­chi­ta. (21%, 15 Votes)
  • Im gra­zi­len Graz. (1%, 1 Votes)

Total Voters: 73

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1 Gedanke zu “ESC 2015: Vien­na first, James last

  1. …und das garan­tiert ohne bär­ti­ge Frau­en!” – da wäre ich mir bei so manch tür­kisch­stäm­mi­gen Damen nicht ganz so sicher… 😉

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