Fri­sche, eis­ge­kühl­te Wurst: Con­chi­ta bei Wet­ten dass

Am 8. Novem­ber kommt die vor­letz­te Aus­ga­be des ZDF-Unter­hal­tungs­di­no­sau­ri­ers Wet­ten, dass? aus Graz. Dies­mal gibt es sogar einen Grund, ein­zu­schal­ten: die aktu­el­le Grand-Prix-Köni­gin Con­chi­ta Wurst stellt näm­lich in der Show ihre mit Span­nung erwar­te­te, neue Sin­gle ‘Heroes’ vor. Die wer­de kein biss­chen wie ‘Rise like a Phoe­nix’ klin­gen und auch ohne gro­ßes Orches­ter aus­kom­men, wie die Wurst der Nach­rich­ten­agen­tur APA sag­te: “Ich war selbst über­rascht ob der Tat­sa­che, dass ich so cool klin­gen kann”. An ihrem Album bas­telt sie wei­ter­hin in aller Ruhe, dies soll erst 2015 erschei­nen, um einen künst­le­risch ent­täu­schen­den Schnell­schuss zu ver­mei­den. Wir­bel gab es zwi­schen­zeit­lich um ihren Auf­tritt vor dem Euro­pa­par­la­ment, wo sie Anfang des Monats auf Ein­la­dung meh­re­rer Frak­tio­nen ein Mini-Kon­zert gab und in einer anschlie­ßen­den Pres­se­kon­fe­renz mehr Enga­ge­ment für glei­che Rech­te ein­for­der­te. Dies behag­te nicht jedem: so pro­tes­tier­te unter ande­rem die deut­sche AfD-Abge­ord­ne­te Bea­trix von Storch, in der Ver­gan­gen­heit schon öfters durch homo­pho­be Äuße­run­gen auf­ge­fal­len, gegen den “bes­ten­falls über­flüs­si­gen” Auf­tritt der bär­ti­gen Drag­queen. Con­chi­tas Replik: “Sie müs­sen mich nicht mögen, aber sie müs­sen respek­tie­ren, dass ich hier bin”.

Unbrea­ka­ble: die Wurst in Brüs­sel

Ein wenig Ärger gab es lei­der auch um das im Sep­tem­ber erschie­ne­ne Buch Con­chi­ta Wurst – back­stage des deutsch-öster­rei­chi­schen Autoren­teams Dr. Irving Wol­ther und Mario Lack­ner: nicht nur ließ Con­chi­tas Mana­ger René Ber­to die Anfra­gen zur Zusam­men­ar­beit unbe­ant­wor­tet, son­dern es zogen – auf “Druck Drit­ter”, wie Lack­ner im Inter­view mit der Frank­fur­ter Neu­en Pres­se ver­mu­tet – kurz vor der Ver­öf­fent­li­chung des den Weg der Aus­nah­me­künst­le­rin bis auf die Euro­vi­si­ons­büh­ne nach­zeich­nen­den und ihre gesell­schaft­li­che Bedeu­tung aus­lo­ten­den Wer­kes eini­ge der von Wol­ther und Lack­ner befrag­ten Interviewpartner1)Offenlegung: ich gehö­re zu den im Buch Interviewten. ihre Zitat­frei­ga­ben zurück, so dass das Buch mit geschwärz­ten Pas­sa­gen erschei­nen muss­te. Den­noch bleibt es eine lesens­wer­te, mit auf­rich­ti­ger Bewun­de­rung für die Büh­nen­fi­gur Wurst geschrie­be­ne Hom­mage, die inter­es­san­te Ein­bli­cke über die Hin­ter­grün­de des Auf­stieg Tom Neu­wirths zur euro­päi­schen Song-Con­test-Köni­gin gewährt.

Ein gutes Skur­ril”: Sido über die Wurst

So wird bei­spiels­wei­se die durch­aus ambi­va­len­te Rol­le des deut­schen Rap­pers und Song-Con­test-Juro­ren Sido beleuch­tet, der sowohl als Jury­mit­glied in der ORF-Cas­ting­show Die gro­ße Chan­ce, in wel­cher Tom sei­ne ers­ten gro­ßen Auf­trit­te als Con­chi­ta hat­te, aber auch als Kon­kur­rent bei der öster­rei­chi­schen Vor­ent­schei­dung 2012, wo er als Men­tor des dort antre­ten­den Rap-Pro­jek­tes 3punkt5 gegen die Wurst den Kür­ze­ren zog, immer wie­der als Gegen­spie­ler auf Con­chi­ta traf und ihr eine per­fek­te Rei­bungs­flä­che bot, die sie zu ihrem Vor­teil nut­zen konn­te. Zudem erfolgt eine pro­fun­de Ein­ord­nung der poli­ti­schen Dimen­si­on von Con­chi­tas Euro­vi­si­ons­sieg. Lack­ner hier­zu im FNP-Inter­view: “Die Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­tei Öster­reichs (SPÖ) hat die Ehe für alle (Homo- und Bise­xu­el­le inklu­si­ve) wie­der auf die Agen­da gebracht. Ich glau­be, dass der Song Con­test im nächs­ten Mai in Wien noch mal etwas ver­än­dern wird. Nicht von unge­fähr hat die SPÖ in Gleich­klang mit dem grü­nen Koali­ti­ons­part­ner die Wie­ner Gemein­de­rats­wah­len auf die Zeit nach dem Song Con­test ver­scho­ben”. Somit dür­fen wir auf das wei­te­re Wir­ken Con­chi­tas, sowohl auf der künst­le­ri­schen wie auf der poli­ti­schen Ebe­ne, gespannt sein!

Sicher, dass Du nicht zum Juni­or-ESC woll­test, Fran­k­lin?

Ein wei­te­rer Euro­vi­si­ons­sie­ger mel­det sich der­zeit wie­der zurück: Alex­an­der Rybak, der nor­we­gi­sche Gei­gen­t­roll von 2009! Der in Minsk gebo­re­ne und in Nor­we­gen auf­ge­wach­se­ne Künst­ler hat aktu­ell gleich zwei Würs­te Eisen im Feu­er: so been­det er heu­te in der weiß­rus­si­schen Stadt Brest die Cas­tings für eine Girl­group, die beim dor­ti­gen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid Euro­fest einen von ihm geschrie­be­nen Folk­song inter­pre­tie­ren sol­len. Gleich­zei­tig ist er beim Mal­ta­song ver­tre­ten: dort singt der extrem büb­chen­haft wir­ken­de (und klin­gen­de!) Fran­k­lin das von Rybak kom­po­nier­te ‘Still here’, eine für den klei­nen Mann in sei­nem augen­schein­lich aus einer alten Sieb­zi­ger­jah­re-Tape­te recy­cel­ten Hemd doch viel­leicht etwas zu gro­ße Bal­la­de. Zumal ich wei­ter­hin über­zeugt bin, dass an den sin­gen­den Non­nen von Ekkle­sia mit ihrem zynisch berech­nen­den Trä­nen­zie­her ‘Love and let go’ kein Vor­bei­kom­men ist. Auch nicht für den mal­te­si­schen Ver­tre­ter von 2013, Dr. Gian­lu­ca Bez­zi­na, der für das pos­sier­li­che ‘Beau­ti­ful to me’ sei­ne gesam­te Misch­po­ke als Ver­stär­kung dabei hat und noch knuf­fig-inno­zen­ter drein­blickt als bei sei­nem Euro­vi­si­ons­auf­tritt mit ‘Tomor­row’.

Bura­now­ski­je Babush­ki meet Sis­ter Act: Ekkle­sia

Abschlie­ßend noch ein kur­zer Ritt durch die Gerüch­te­kü­che: die hyper­ak­ti­ven iri­schen Pop­zwil­lin­ge Jed­ward (IE 2011, 2012) haben eine neue Sin­gle am Start und wer­den als Teil­neh­mer am dor­ti­gen Vor­ent­scheid gehan­delt; Ivi Ada­mou (‘La la Love’, CY 2013) hin­ge­gen als mög­li­che Mode­ra­to­rin des dies­jäh­ri­gen zyprio­ti­schen Vor­ent­schei­dungs­ma­ra­thons mit 60 Lie­dern und zehn Run­den. In Sachen Melo­di­fes­ti­va­len sind bis­lang unter ande­rem die Namen Sean Banan, Char­lot­te Per­rel­li, Lili & Susie, Måns Zelmerlöw, Magnus Carls­son und Jes­scia Ander­son gefal­len – alle­samt natür­lich unbe­stä­tigt. Kein Gerücht ist hin­ge­gen, dass Tim Schou, der Lead­sän­ger von A Fri­end in Lon­don (DK 2011), mit einer an die berüch­tig­te Ice Bucket Chal­len­ge ange­lehn­ten Wet­te Geld für einen sinn­vol­le­ren Zweck sam­melt, näm­lich die Kin­der­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Save the Child­ren. Sei­nen Wett­ein­satz lös­te er nun ein, und das dar­aus ent­stan­de­ne Video kann ich mei­nen geschätz­ten Lese­rin­nen und Lesern im Sin­ne der guten Sache selbst­ver­ständ­lich nicht vor­ent­hal­ten. Wäre schön, wenn die­se Vari­an­te eben­so viral gin­ge wie das Ori­gi­nal: als mög­li­chen deut­schen Ver­tre­ter nomi­nie­re ich hier­mit Roman Lob!

Tim, war­um hast Du so gro­ße Hän­de?

Fußnote(n)   [ + ]

1. Offenlegung: ich gehö­re zu den im Buch Interviewten.

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