USFÖ-Perlen: Peter Pan träumt von Helmut Berger

Und schon wieder sind zwei Wochen vergangen seit der letzten Werkschau der Bewerbungsvideos für die deutsche Wildcard-Runde. Zeit also, die Geschmacksnerven zu imprägnieren und auf Tauchstation zu gehen im Brainpool-Hoffnungsträger-Friedhof. Wobei, so schlimm ist es diesmal gar nicht geworden, tatsächlich scheinen langsam sogar ein paar brauchbare Nummern einzutrudeln. Anfangen möchte ich jedoch mit einem alten Bekannten, Tomas Tulpe, der letztes Mal bereits mit ‚Issat Tach, issat Nacht‘ wunderbar skurrilen Hauptstadt-Techno beisteuerte. Diesmal hat er sich die in Hommage an die Eurovisionssiegerin von 1967 benannte Sandy Beach und den Türsteher-Popstar Rummelsnuff zur Verstärkung geholt und präsentiert uns eine whacke Ode an ‚Tarzan – eine Traume‘.

Warnung: hohe Bleichfleischquote!

Amtlichen Metal gibt es von One Mile to Nowhere, in deren Video zu ‚Devils Cry‘ der Grimme Schnitter einen Gastauftritt hat und, warum auch immer, auf dem Trecker durch die Gegend fährt. Natürlich völlig chancenlos, aber eine erfrischende Abwechslung! Ebenso wenig Chancen beim deutschen Nachwuchswettbewerb dürfte sich der schnucklige Bosnier Kroate Bojan Jambrošić ausrechnen, der uns unter anderem an seiner ‚Obsessiven Liebe‘ teilhaben lässt – auf Kroatisch! Bruno Mars nennt der in Bad Kissingen gebürtige Trong Ngyuen als sein großes Vorbild. Das soll aber nicht gegen ihn sprechen, denn anders als sein bei mir einen sofortigen Fluchtreflex erzeugendes Idol bereitet Trongs druckvolle deutschsprachige Popnummer ‚Peter Pan‘ (nicht verwandt mit Paolas gleichnamigen Vorentscheidungsbeitrag von 1982) mir umgehend gute Laune. Was auch an der unterhaltsamen Tanzchoreografie liegt, die bei gleichzeitigem Singen nachzustellen allerdings etwas schwierig werden könnte. Dennoch: den möchte ich bitte beim Clubkonzert dabei haben!

Wie der junge Michael Jackson: der Trong Song

Deutlich düsterer geht es bei Seelennacht zu. ‚My Shelter‘ nimmt musikalische Anleihen bei Depeche Mode und Camouflage und verbindet melodiösen Synthiepop mit der tiefen Bassstimme des Leadsängers Marc Ziegler. Kann es vom postpubertär-depressiven Gefühlskitschfaktor locker mit dem Grafen aufnehmen, der nach seinem Scheitern beim deutschen Vorentscheid 2014 unlängst seinen Rückzug vom Musikbusiness ankündigte. Ebenso anspruchsvoll gemeint, in seiner absonderlich-esoterischen Verschrobenheit umso unfreiwillig lustiger: das Cassandra Project, das uns an ‚Die Quelle‘ führen möchte – vermutlich, um uns mit einem der besungenen neun Steine zu erschlagen, bevor wir es tun. Wie es geht, zeigen uns heuer die Österreicher: die Salzburger Band The Helmut Bergers rund um den Songschreiber Paul Konarski überzeugt mit eingängigem, edgy Elektropop. Laut einer Lobbehudelung von Ö3 liefe ihr Wettbewerbsbeitrag ‚Melodia‘ bereits auf deutschen Rundfunkstationen sowie auf MTViva – und dies, wenn es denn zutrifft, nicht zu Unrecht! Die sollten wir uns krallen, bevor es die Ösis tun!

Alleine schon dafür, dass er sich traut, in der Öffentlichkeit zu rauchen, liebe ich ihn: Paul Konarski hat das richtige Vorbild

3 Gedanken zu “USFÖ-Perlen: Peter Pan träumt von Helmut Berger

  1. Keine Ursache. Bin zwar nur halber Experte bei kroatischer Musik (hätte den Hinweis eher von jemand anderem erwartet, nicht wahr, Anka?). Aber hier hilft selbst die englische Wikipedia schon, man muss nicht die kroatische bemühen. Geboren in Čakovec, also nicht mal in der Nähe von Bosnien 😉 Sieger von „Kroatien sucht den Superstar“ 2009, und im Repertoire hat er – muss man hier leider sagen – wesentlich bessere Lieder.

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