Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: die Lati­nos vom Bal­kan

Eine gan­ze Lat­te an Vorentscheidungskandidat/innen ist in den letz­ten Tagen bekannt gege­ben wor­den. Begin­nen wir mit dem Big-Five-Land Ita­li­en: dort geht die Ehre der Euro­vi­si­ons­teil­nah­me an den Sie­ger des pres­ti­ge­rei­chen San-Remo-Fes­ti­vals, und zwar dies­mal in der Kate­go­rie “Cam­pio­ni”, also den eta­blier­ten Künstler/innen. Zu die­sen Zwan­zig zäh­len drei vor­ma­li­ge Grand-Prix-Teil­neh­mer/in­nen, näm­lich Raf Rie­fo­li (IT 1987, hier­zu­lan­de bes­ser bekannt durch den 1984 Dis­co­hit ‘Self Con­trol’), Lara Fabi­an (LU 1988) und die fabel­haf­te Diva Nina Zil­li (IT 2012). Einen wei­te­ren Ver­such wagt auch Anna Tatan­ge­lo, mei­ne Wunsch­kan­di­da­tin des Jah­res 2011, sei­ner­zeit mit dem sen­sa­tio­nel­len ‘Bas­tar­do’. Ihr dies­jäh­ri­ger (bis­lang noch nicht ver­öf­fent­lich­ter) Bei­trag heißt etwas weni­ger anstö­ßig ‘Libe­ra’ (wobei ‘Frei­heit’ für wei­te Tei­le unse­rer Regie­run­gen ja durch­aus ein schmut­zi­ges Wort ist…). Das Fina­le des San-Remo-Fes­ti­vals fin­det am 14. Febru­ar 2015 statt.

Frau am Ran­de des Ner­ven­zu­sam­men­bruchs: die fan­tas­ti­sche Anna Tatan­ge­lo

Über zehn Run­den erstreckt sich der litaui­sche Vor­ent­schei­dungs­ma­ra­thon Euro­vi­zi­ją mit zwölf Kandidat/innen, dar­un­ter die bei­den Vor­jah­res­par­ti­zi­pan­ten Vili­ja Pili­bai­ty­tė ali­as Mia (nicht ver­wandt oder ver­schwä­gert mit der deut­schen Elek­tro­band oder der US-ame­ri­ka­ni­schen Sän­ge­rin) und Augen­schmaus Vai­das Baumi­la. Erneut soll der Bei­trag getrennt vom Inter­pre­ten bestimmt wer­den, und zwar als ers­tes (Song­aus­wahl am 14. Febru­ar, Sän­ger­aus­wahl am 21. Febru­ar). Gleich 50 Titel wähl­te eine Jury zur Vor­auswahl für das mol­da­wi­sche Vor­ent­schei­dungs­for­mat O Melo­die pen­tru Euro­pa. Dabei tref­fen wir auch auf die ein oder ande­re Bekann­te aus dem schwei­ze­ri­schen Hades der Hoff­nungs­lo­sen, wie der Lon­do­ner Bol­ly­wood-Drag­queen Asi­fa Laho­re mit dem schö­nen ‘You And I’ oder der von bri­ti­schen Fans als “ver­zwei­felt” beschrie­be­nen X-Fac­tor-Vier­tel­be­rühmt­heit Kit­ty Bruck­nell. Aus der Ukrai­ne nach Mol­da­wi­en ver­schlug es Edu­ard Romanyu­ta. Aus­sor­tiert wur­den dage­gen die weiß­rus­si­schen Pop­zom­bies Sweet Brains sowie – kri­mi­nel­ler­wei­se – erneut der legen­dä­re Sasha Bogni­bov, des­sen tod­tra­gi­scher ‘Woun­ded Swan’ eine will­kom­me­ne Abwechs­lung gebo­ten hät­te. Auch das von Sashas Mama getex­te­te ‘Emi­gran­tu­lui’ wies man schnö­de ab. Ach, die ver­schenk­ten Chan­cen!


Schlim­me Kitsch­bil­der, schlim­me Weh­lei­dig­keit: Kult­sän­ger Sasha

In die Vor­auswahl schaff­te es hin­ge­gen die fabel­haf­te viel­fa­che O-Melo­die-Teil­neh­me­rin Doi­ni­ta Gher­man mit dem Fla­men­co-trifft-Buko­vina-Smas­her ‘Ini­ma Fierbin­te’, sowie, mit gleich zwei Titeln, das Sun­stro­ke Pro­ject (MD 2010), im kol­lek­ti­ven Gedächt­nis ver­haf­tet geblie­ben vor allem für den Epic Sax Guy. Hier gefällt mir das uplif­ten­de ‘Day after Day’, für das sie mit einem Micha­el Ra kol­la­bo­rie­ren, deut­lich bes­ser als das etwas plat­te ‘Lonely’. Auch in Ungarn ste­hen die 30 Kombattant/innen für A Dàl (Fina­le am 28. Febru­ar) fest, dar­un­ter Kati Wolf (HU 2011), die Camil­la Par­ker-Bow­les der Euro­vi­si­on, deren aktu­el­ler Titel ‘Ne engedj el!’ jedoch in Sachen Ein­gän­gig­keit nicht an ihren sei­ner­zei­ti­gen Dis­co­schla­ger ‘What about my Dreams’ anknüp­fen kann. Dane­ben ist mit Spoon eine vier­köp­fi­ge Boy­band mit erfreu­li­cher Vor­lie­be für tief aus­ge­schnit­te­ne Mus­kels­hirts am Start – und mit Lean­der Rising ein Hard­rock­act, der, wie Euro­vi­si­on Apo­ca­lyp­se sehr tref­fend schreibt, 14 Sekun­den lang die Hoff­nung auf einen ordent­lich bret­tern­den Metal-Song weckt, nur um dann mit “wäss­ri­gem Gejau­le” auf gan­zer Linie zu ent­täu­schen.

https://soundcloud.com/trm-6/doinita-gherman-inima

Jetzt weiß ich auch, war­um Rumä­nen sich auf den blau­en Sei­ten so ger­ne als “Lati­nos” bezeich­nen: Bal­kan- und Latin-Sound gehen gut zusam­men!

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