USFÖ-Perlen: Von Sex und Gewalt

Sträflich vernachlässigt habe ich es in letzter Zeit, das Videoportal von Unser Song für Österreich, dem Nachwuchsförderungsformat des NDR für die Wildcard zum deutschen Vorentscheid 2015. Und tatsächlich versammelten sich in den letzten vier Wochen dort einige verstörende Songschätze, die es zu heben gilt. An vorderster Front steht hierbei kein Geringerer als unser altbekannter Grand-Prix-Kumpane und Technoflummimeister Mave O’Rick, der uns in ‚Durch die Wand‘ tiefe Einblicke in seine Vorlieben gewährt. Und augenscheinlich mag er es schmutzig, hart und obsessiv – also genau so, wie guter Sex nun einmal sein sollte. Auch musikalisch vermag die Harthousehymne zu überzeugen. Nur schade, dass man jetzt schon absehen kann, dass sie sicher nicht die ARD-Zensur passiert. Deutlich heiterer, harmloser und gefälliger kommt die Kirmestechnonummer ‚Dancing Shoulders‘ von Cärolein daher, die immerhin das Zeug hat, einen neuen Modetanztrend zu kreieren.

Durch diese Wand will er Dich ficken: der Mave

Eine klare Absage an den bisherigen Kuschelkurs sowie einen fragwürdigen Aufruf zur Gewalt gegenüber unschuldigen Haustieren erteilt Sensi Simon in ‚Fuck you, altes Leben!‘ – es scheint, dass die allgemeine gesellschaftliche Verrohung auch vor dem Song Contest keinen Halt mehr macht. Oder liefern die beiden Brüder hier tatsächlich eher eine clevere Satire auf dieses Phänomen ab? Urteilen Sie selbst! Mit dem sich im stetigen Wandel befindlichen gesellschaftlichen Konstrukt der Männlichkeit befassen sich – auf völlig unterschiedliche Weise, aber mit demselben Ergebnis – der Cowboy-Blob Travis Hunter, der mit ‚Neuer Mann‘ einen textlich nicht uncleveren Countryschlager über das Gefangensein zwischen alten und neuen Rollenerwartungen abliefert und zu dem Ergebnis kommt, doch lieber der Alte bleiben zu wollen, und RTL-Supertalent-Teilnehmer David Petras, der im Video zu ‚Was würd‘ ich tun‘ auf althergebrachte Art und Weise „ganz gentlemanlike“ seine Angebetete mit schleimigen Klischees vollsülzt: in beiden Fällen ist dem Zuschauer am Ende übel.

Auf jeden Fall anders: Sensi Simon & his Brother

Schlecht wird es einem auch von ‚Frisösisch‘, einem offenbar lustig gemeinten, die ranzigsten und ältesten Ficki-Ficki-Plattitüden verbratenden Ballermannschlager von Lars Popp, gegen den selbst das Gesamtwerk von Mickie Krause noch niveauvoll wirkt. Zur Rettung kommen Godswill, die mit ‚Gib mir mehr‘ beweisen, dass man doch noch deutsche Text mit Stil schreiben und diese musikalisch eingängig verpacken kann. Danke! Das Prinzip der Nachwuchsförderung nicht ganz verstanden hat wohl Claudia Cane (DVE 2000): knapp fünfzehn Jahre nach einer erfolglosen Vorentscheid-Teilnahme dürfte das Hochladen des neuesten Raspelröhren-Epos ‚Jesus was a Woman‘ vermutlich auch nicht mehr zum Karrieredurchbruch führen. Einen Ausflug in NDW-Zeiten unternimmt abschließend Marc Sigal: der frisürlich herausgeforderte, sich gerne auf beleuchteten Parkbänken herumdrückende Künstler besingt in ‚Die Dame mit dem gelben Kleid‘ seine Obsession für eine paarungsunwillige High-Class-Prostituierte, im etwas befremdlichen Video dargestellt von einer Dragqueen ohne Bart. Und ohne Make-up. Wie der Sänger selbst im Facebook-Kommentar sagt: „ich bin vor garnix fies“. Und das hat er mit uns USFÖ-Perlentauchern gemein!

Assitoaster oder Im-Freien-Schlafplatz? Marc Sigal

4 Gedanken zu “USFÖ-Perlen: Von Sex und Gewalt

  1. Der Mave wird nie und nimmer damit durchkommen, außer er erklärt sich dazu bereit, sie durch die Wand zu piepen.

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