Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Es tut mir (nicht) leid

Fast unbe­merkt von der brei­ten Öffent­lich­keit, schräg­te es ver­gan­ge­ne Woche erneut eini­ge hoff­nungs­vol­le Bewerber/innen für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2015 in Wien, dar­un­ter eini­ge mit wun­der­voll schrä­gen Bei­trä­gen, die es an die­ser Stel­le zu wür­di­gen gilt. Dazu zählt an vor­ders­ter Stel­le natür­lich die Litaue­rin Reda Striš­kaitė und ihr bar­jaz­zi­ger Caba­ret-Ver­such ‘Es tut mir nicht leid’. Jawohl, mit deut­schem Titel! Wobei: auch wenn Reda, die den Song bis auf die­se Zei­le auf Eng­lisch vor­trug, an der Aus­spra­che noch etwas fei­len soll­te, pres­siert es nicht mehr. Denn obgleich es auf­grund der für Außen­ste­hen­de schlicht­weg undurch­dring­ba­ren Kom­pli­ziert­heit des litaui­schen Aus­wahl­ver­fah­rens wider­sprüch­li­che Anga­ben dar­über gibt, ob der Song nun end­gül­tig drau­ßen ist oder nicht: ins Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le schafft es die paten­te Haus­frau mit der flot­ten Les­ben­fri­sur sicher nicht.

Dass sie drau­ßen ist, tut mir nicht leid: Reda (LT)

Der mol­da­wi­sche Sen­der TRM prä­sen­tier­te die­se Woche die 24 Glück­li­chen, die sich in den bei­den Semis von O Melo­die pen­tru Euro­pa der Wahl stel­len dür­fen, um dann im Fina­le am 28. Febru­ar gegen­über dem Jury­fa­vo­ri­ten tra­di­tio­nell den Kür­ze­ren zu zie­hen. Lei­der nicht dabei: Egor Luts mit dem offen­bar selbst­re­fe­ren­ti­el­len ‘Queen of the Road’, einem wun­der­bar fut­ti­gen Dis­co­schla­ger, stil­echt beglei­tet von einer im höchs­ten Maße tra­gi­schen und damit sehr lie­bens­wer­ten Dar­bie­tung. Auch für sei­ne Kol­le­gin Asi­fa Laho­re, einer Lon­do­ner Drag­queen mit paki­sta­ni­schem Migra­ti­ons­hin­ter­grund, die es der­zeit wohl bei so ziem­lich jeder euro­päi­schen Vor­ent­schei­dung ver­sucht, war nach dem Vor­sin­gen Schluss. Kein Wun­der bei einer Jury, die laut Asi­fa aus “7 Män­nern in den Fünf­zi­gern und zwei Frau­en in den Vier­zi­gern” bestand. Und das fal­sche Backing Tape habe man ihr auch noch ein­ge­legt: das ohne Play­back-Stim­me.


Hät­te im Euro­club sicher viel Spaß gehabt: der Egor (MD)

Erfreu­li­cher­wei­se berich­te­te die für ihren Mut zu loben­de Gen­der-Künst­le­rin auch, ent­ge­gen ihren Befürch­tun­gen in Mol­da­wi­en freund­lich emp­fan­gen wor­den zu sein: “Ich lief im kom­plet­ten Drag-Out­fit am hel­len Tag durch die Innen­stadt von Chi­si­nau, und nie­mand zuck­te auch nur mit der Wim­per”. Aller­dings trägt Asi­fa auch kei­nen Bart… Wei­ter kamen indes der ukrai­ni­sche Bahn­hofs­stri­cher Edu­ard Romanyu­ta und die bri­ti­sche Trash-TV-Tan­te Kit­ty Bruck­nell. Auch wie­der dabei: das Sun­stro­ke Pro­ject (MD 2010) – natür­lich nicht ohne ihren Epic Sax Guy, der bei der Live-Audi­tion zwar auf eine neu­er­li­che Ver­ge­wal­ti­gung sei­nes Instru­ments ver­zich­te­te, aber wie­der­um unter Beweis stell­te, über das beweg­lichs­te Becken Euro­pas zu ver­fü­gen. Der muss ein­fach nach Wien! Ein wenig erin­nert sein Tanz­stil ja an den ‘Drun­ken Rus­si­an’, eine wei­te­re Per­le aus dem deut­schen Nach­wuchs­wett­be­werb, die ich schänd­li­cher­wei­se über­se­hen habe und für deren Aus­gra­bung dem bri­ti­schen Apo­ca­lyp­se-Blog­ger Roy Del­a­ney Dank gebührt.

Ohne DJ Son­nen­gott, dafür mit dem geschmei­di­gen Epic Sax Guy: das Sun­stro­ke Pro­ject (MD)

Elf Fina­lis­ten ste­hen sich am 14. März im nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix gegen­über. Die Bekann­tes­te von ihnen dürf­te zwei­fels­oh­ne die Euro­vi­si­ons­ve­te­ra­nin Bet­t­an (SE 1982, NO 1985, 1994, 1996) sein, die mit Nil­poin­ter Tor End­re­sen (NO 1997) als rüs­ti­ges Schla­ger­duo auf­tritt. Mit Inter­es­se beglei­tet wird auch die Teil­nah­me von Karin Park, Auto­rin des von Fans viel­ge­lieb­ten SM-Klas­si­kers ‘I feed you my Love’ von Mar­ga­ret Ber­ger (NO 2013). Ihren heu­ri­gen Song ‘Human Beings’, der aller­dings an die Zwangs­be­glü­ckungs­num­mer nicht her­an­reicht (jeden­falls dem auf der NRK-Sei­te zu hören­den fünf­zehn­se­kün­di­gen [!] Aus­schnitt nach zu urtei­len), schrieb sie gemein­sam mit Rob­bie-Wil­liams-Mas­ter­mind Guy Cham­bers. Über den lus­tigs­ten Namen aller MGP-Teil­neh­mer ver­fügt zwei­fels­frei Erlend Brat­land, eine leder­ja­cken­tra­gen­de Tun­te mit auf­ge­mal­ten Augen­brau­en, über den lus­tigs­ten Song­ti­tel das prol­li­ge Come­dy­duo Stays­man & Lazz, die sich ‘En godt Stekt Piz­za’ mun­den las­sen. Wie ich die Skan­di­na­vi­er ken­ne, ver­mut­lich mit ver­rot­te­tem Fisch drauf.

Die nor­we­gi­schen Mund­stuhl: Stays­man & Lazz

In Zypern redu­zier­te sich ges­tern das Feld in der der Euro­chal­len­ge von zehn auf sechs. Raus ist unter ande­rem Chris­tos Rial­as. Musi­ka­lisch sicher kein Ver­lust: ‘Mei­ne’ (nein, dies­mal kein deutsch­spra­chi­ger Titel!) war­tet zwar mit net­tem Eth­no­ge­jo­del auf, klingt ins­ge­samt aber doch sehr zäh. Lei­der ent­geht dem rest­li­chen Euro­pa so jedoch ein modi­scher Höhe­punkt: das mit Ducttape fixier­te, drei­vier­tel­hoch­ge­krem­pel­te Her­ren­hemd! Chris­tos bleibt zu emp­feh­len, es als Schau­spie­ler für even­tu­el­le Neu­ver­fil­mun­gen von Raum­schiff Enter­pri­se zu ver­su­chen: mit sei­nen Ohren wird er zwei­fels­frei für jede Vul­ka­nier-Rol­le umge­hend gecas­tet! Blei­ben noch ein paar bun­te Mel­dun­gen: Con­chi­ta Wurst (AT 2014) tritt (natür­lich!) als Star­gast bei der deut­schen Vor­ent­schei­dung Unser Song für Öster­reich auf; der ORF hat sich ent­schie­den, sein uraltes, einem Auge nach­emp­fun­des Sen­der­lo­go als Büh­nen­de­sign für die Wie­ner Stadt­hal­le zu recy­clen; am Mon­tag erfolgt in näm­li­cher Stadt die Aus­lo­sung der Halb­fi­na­le; und abschlie­ßend rap­por­tiert der stets bestin­for­mier­te Euro­fire, dass Axel “Mut­ter­ku­chen” Hir­soux (BE 2014) auf­grund des eher über­sicht­li­chen Abver­kaufs sei­ner Euro­vi­si­ons­sin­gle ‘Mother’ und eines Nach­folge­ti­tels mitt­ler­wei­le ohne Plat­ten­ver­trag dasteht. Scha­de, mitt­ler­wei­le ist es für eine Bewer­bung für den USFÖ-Nach­wuchs­wett­be­werb zu spät. Nächs­tes Jahr, Axel, oder?


Sel­ten so begeis­ter­te Juro­ren gese­hen! Chris­tos (CY)

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