USFÖ – die Namen: Kümmert das jemand?

Heute früh veröffentlichte der NDR die lang erwarteten Namen der Teilnehmer/innen an Unser Song für Österreich, dem deutschen Eurovisionsvorentscheid am 5. März 2015 in Hannover. Genauer: die Liste der der sieben „etablierten“ Künstler/innen, welche am 19. Februar 2015 noch um die Wildcard (den Sieger des Nachwuchswettbewerbs) ergänzt wird. Nachdem die im selben Modus durchgeführte Vorentscheidung 2014 das Karriereende für Unheilig bedeutete, bis dahin einer der umsatzstärksten deutschen Acts der letzten Jahre, stellte sich diesmal die Frage, ob es dem NDR überhaupt noch gelänge, einigermaßen große Namen zu finden, die freiwillig als Goliath in die eher aussichtslose Schlacht gegen den vom deutschen Publikum mit seinem Hang zur Sozialromantik stets favorisierten Nachwuchs-David ziehen. Um es kurz zu machen: ja, schon. Immerhin zwei immer wieder lautstark geforderte, echte Fan-Favoriten (nein, Gott sei Dank nicht die Birne Helene!) bietet der Hamburger Sender diesmal auf: nämlich die X-Factor-Sieger und Nummer-Eins-Album-Verkäufer Mrs. Greenbird und die Zweitplatzierten von Stefan Raabs Bundesvision Song Contest 2012, die fabelhaften Elektroschlagerfrauen von Laing, über deren Nominierung ich mir richtig einen Ast freue.

Sollten vielleicht erst mal einen Kaffee trinken: Jörg Kachelmann und Mrs. Greenbird noch etwas müde in der Küche

Wie in fast allen europäischen Ländern ist auch bei uns der Eurovisionsvorentscheid ein Sammelbecken ehemaliger Castingshowsternchen. Während die ganz hoffnungslose Garde der längst vergessenen Drittplatzierten wie beispielsweise Lisa Bund (oder letztes Jahr Daniel Küblböck) in Scharen den hierfür gar nicht gedachten Nachwuchswettbewerb kapern, nutzen die Plattenfirmen einen Teil ihrer Startplätze bei USFÖ, um die Karriere der tatsächlich talentierten Teile der TV-Verwertungsmaschine etwas länger am Leben zu erhalten als die branchenüblichen sechs Monate. Neben den bereits erwähnten deutschen Common Linnets (NL 2014), Mrs. Greenbird, die mit den niederländischen Country-Kollegen nicht nur die Vorliebe für die ornithologische Namensfindung teilen, und denen nach dem etwas schleppenden Abverkauf ihres Zweitlingsalbums die Bewerbung um das Ticket nach Wien einen Schub geben soll, testet die Musikindustrie, ob sich auch außerhalb der Castingshow The Voice of Germany irgendjemand um Andreas Kümmert. Der fränkische Waldschrat mit der markanten Stimme gewann dort im Herbst 2013 vor allem deswegen, weil er so perfekt in die (natürlich verlogene) Erzählung der Sendung passte, dass hier auch Künstler mit einem nicht stromlinienförmigen Aussehen und einem unzeitgemäßen Musikrepertoire eine Chance hätten.

Joe Cocker lebt: Andreas Kümmert sich nicht ums Aussehen

Bei den restlichen Namen des USFÖ-Lineups besteht der Hauptunterschied zu den 1.200 hoffnungsfrohen Bewerber/innen um die Wildcard darin, dass sie bereits über einen Plattenvertrag verfügen. Bekannter als die Nachwuchskünstler sind sie jedoch allesamt nicht. Zumindest nicht außerhalb ihrer Nische, die beim Münchener Eyecandy Jewgeni Grischbowski alias Noize Generation in der elektronischen Tanzmusik zu finden ist, beim Komponistenduo Fahrenhaidt in esoterischem Geplinker und beim Pagan-Folk-Sextett Faun in der furchtbarsten aller denkbaren Spielarten: der (schauder) Mittelaltermusik. In der mainstreamigsten aller aktuellen Musikströmungen versucht sich hingegen die Hessin Alexa Feser: sie erweitert die breite Phalanx der Neuen Deutschen Wehleidigkeit® um eine weitere, so dringend nicht benötigte Stimme. Um in Hannover ‚Mehr als ein Lied‘ (so einer ihrer beiden Titel) vortragen zu dürfen, bräuchte sie also schon sehr viel ‚Glück‘ (so der andere), denn wie schon Vorjahr kommen nur vier der Acht (inklusive Wildcard) in die nächste Runde, wo sie ihre zweite Wahl zu Gehör bringen dürfen.

Zeigen hoffentlich auch bei USFÖ Muskeln: mein Favoritinnen Laing

Mehr (und laufend aktualisiertes) zu den sieben Sechsgescheiten und ihren Songs auf den jeweiligen Künstlerseiten, zu denen Sie über das in der oberen Seitenleiste befindliche Menü ESC 2015 Wien ↓ | Unser Song für Österreich → gelangen, oder über die Links in der untenstehenden Tabelle.

USFÖ 2015 Teilnehmerliste

Deutsche Vorentscheidung 2015. Donnerstag, 05.03.2015, ab 20:15 Uhr aus der Arena in Hannover. 8 Teilnehmer, Moderation: Barbara Schöneberger
#InterpretTitel 1Titel 2
1Mrs. GreenbirdShine, Shine, ShineTake my Hands
2Alexa FeserGlückDas Gold von morgen
3FaunHörst Du die Trommeln?Abschied
4Noize GenerationSong for youCrazy now
5Ann SophieJump the GunBlack Smoke
6FahrenhaidtFrozen SilenceMother Earth
7LaingZeig Deine MuskelnWechselt die Beleuchtung
8Andreas KümmertHome is in my HandsHeart of Stone

Und? Wer ist Dein USFÖ-Favorit?

  • Laing (28%, 27 Votes)
  • Helene Fischer (auch wenn sie nicht dabei ist) (21%, 20 Votes)
  • Mrs. Greenbird (12%, 11 Votes)
  • Fahrenhaidt (11%, 10 Votes)
  • Andreas Kümmert (9%, 9 Votes)
  • Wer auch immer die Wildcard gewinnt (8%, 8 Votes)
  • Faun (4%, 4 Votes)
  • Noize Generation (4%, 4 Votes)
  • Alexa Feser (2%, 2 Votes)

Total Voters: 95

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3 Gedanken zu “USFÖ – die Namen: Kümmert das jemand?

  1. Wenigstens sind uns dieses Mal singende Priester, umtriebige Sopranetten und „Gruppe Köpenick“-Klone erspart geblieben.

  2. Ich werde trotz Laing und Frau Grünvogel das Gefühl nicht los, eine ähnlich, wenn auch nicht ganz so steil sinkende Tendenz im Vorentscheid-Lineup vorzufinden wie weiland nach der Deklassierung von Scooter usw. durch Max Mutzke.

    Ansonsten warte ich erst mal die Songs ab, ehe ich meinen Favoriten küre.

Oder was denkst Du?