Elhaida Dani pullt eine Elitsa

Eigentlich gehört der unverhoffte Songtausch ja zu den weißrussischen oder ukrainischen Spezialitäten. Nun übt sich auch Albanien in dieser Kunst: wie die Gewinnerin des 53. Festivali i Kenges und diesjährige skipetarische Eurovisionsvertreterin Elhaida Dani gestern auf ihrer Facebook-Seite verkündete, steht ihr Siegertitel ‚Diell‘ nicht mehr für Wien zur Verfügung. Nach ihren Angaben habe Aldo Shllaku, der Komponist des Liedes, sein Einverständnis für die Verwendung als Wettbewerbsbeitrag zurückgezogen. Ob dies im Zusammenhang mit der geplanten Transferierung in Englische und / oder der notwendigen Kürzung auf die regelkonformen drei Minuten steht, ist nicht bekannt. Denkbar scheint auch, dass Dani und / oder RTSH kalte Füße bekamen, zumal man überraschend schnell Ersatz fand: der neue Titel heißt ‚I’m alive‘ und stammt aus der Feder des kosovarischen Produzentenduos Zzap & Chris (Arber Elshani und Chriss Lekaj), die für den dritten Platz beim letzten FiK verantwortlich zeichneten. Orientierte man sich womöglich am bulgarischen Beispiel? 2013 „mussten“ Elitsa Todovora und Stoyan Yankoulov den vom Publikum ausgewählten Beitrag ‚Kismet‘ wegen der angeblich fehlenden Zustimmung des Komponisten stornieren und ihn durch den von ihnen (und der bulgarischen Jury) favorisierten Song ‚Samo Shampioni‘ ersetzen…

Geht ‚I’m alive‘ auch in diese Richtung? Lindita Hamili mit einem Song von Zzap & Chris (AL)

Im Jubel-Trubel des baltischen Eurovisionsentscheidungswochenendes ging eine (eher schwarze) Perle der finnischen Vorentscheidung unter: dort kam vergangenen Samstag in der dritten Vorrunde von UMK zu meinem völligen Unverständnis Angelo de Nile weiter. Zwar fügt sich das martialische ‚All for Victory‘ als Titel bestens in das diesjährige ‚Warrior‘-Thema des Contests ein, andererseits handelt es sich hier um originalgetreuen Achtzigerjahre-Haarrock der allerschlimmsten Sorte. Zudem stand Angelo in seinem Vokalvortrag dem unvergesslichen Krassimir Avramov (BG 2009) in nichts nach: Carcrash in Reinform! An seiner Stelle schied meine Favoritin Heidi Pakarinen mit dem herrlich altmodischen Skandischlager ‚Bon Voyage‘ aus: ein Song, wie er zwar schon 1977 unzeitgemäß gewesen wäre. Aber wenn kann bei einem gut gelaunten Schlagerschlachtroß im roten Kleid und dem hemmungslosen Einsatz des Akkordeons schon nein sagen? (Die Finnen, offensichtlich. Leider). Sinn für Humor bewies das finnische Fernsehen indes mit der Installation einer 32köpfigen „Volksjury“, die aus jeweils vier Vertretern acht verschiedener Interessengruppen besteht, darunter Taxifahrer, Kinder, LGBTs, Finnlandschweden und Eurovisionsfans. Sie hat im UMK-Finale 10% Einfluss.


Krieger des schlechten Geschmacks: Angelo de Nile (FI)

Das portugiesische Fernsehen gab unterdessen die zwölf Teilnehmer/innen des Festival da Canção bekannt, darunter (sehr) alte Bekannte: die Eurovisionslegende Simone de Oliveira (PT 1965, 1969) und die Naturtranse Adelaide Ferreira (PT 1985). Martina Majerle (SI 2009) tritt erneut bei der slowenischen Vorentscheidung EMA an, gegen sieben Mitstreiter/innen. Einen bekannten Namen kaufte sich Montenegro ein: der serbische Vertreter von 2004 und 2012Željko Joksimović, komponiert den Wettbewerbstitel für seinen Diakrit-Vetter Nenad „Knez“ Knežević. Und üblicherweise würde ich die Aussicht auf eine schmachtende Balkanballade aus der Hand der serbischen Schlagerkönigs heißen Herzens begrüßen. Nur, dass wir dieses Jahr schon viel zu viel langsames Liedgut haben und jedes jetzt noch auswählende Land aus Gründen der Balance eigentlich nur noch Uptempo einreichen dürfte. Angeblich wolle Željko diesmal auch etwas Schnellers schreiben als sonst – ob er das aber kann?

Die slowenische EMA im Schnelldurchlauf

7 Gedanken zu “Elhaida Dani pullt eine Elitsa

  1. MANN! Schon wieder was Landessprachliches gegen was Englisches getauscht. Letztes Jahr war ja schon trübe, dieses Jahr wird nicht viel besser. HMPF.

  2. Du sagst es. Aber in diesem Fall kam das nicht erst durch den Tausch. Diell hätte auch verenglischt werden sollen, hieß es.

  3. Trotzdem HMPF. Ich werd ja bald arbeitslos werd ich ja bald. Das waren Zeiten, als Finnen noch finnisch, Albaner noch albanisch, Letten noch lettisch und Aserbaidsch…. ach nee, die Zeiten gabs ja nie. Trotzdem. Ich möchte wieder aus „eg a lif“ „Jäger lief“ machen können und aus „Kedvesem“ „Kettwäsche und aus „Zjarr e ftohte“ „Zerr ihn fort“… *heul*

    Leute, singt wieder in Landessprache! Bitte!

    (Ich hoff ja noch auf Zeljko, aber der ist für mich sakrosankt…)

  4. Wenn man Wikipedia glauben darf: Mazedonien, Serbien, Portugal und (natürlich) Frankreich, Spanien und Italien. Das ist tatsächlich erbärmlich wenig, zumal es bei den meisten Ländern, wo die Frage noch nicht geklärt ist, in welcher Sprache sie singen, eine ziemliche Überraschung wäre, wenn die Antwort nicht „Englisch“ lautet. (Ich finde das auch schade, aber wenn man sich mal über die letzten zehn Jahre die Qualifikationsbilanz Englisch vs. Nichtenglisch ansieht, wird klar, warum der Englisch-Anteil immer größer wurde…)

  5. Ich finde es trotzdem eine totale Verarmung. Meiner Ansicht nach könnte man ruhig die Sprachregelung wieder einführen. Auch musikalisch gibt es leider immer weniger Lokalkolorit.
    Wobei beides natürlich verständlich ist, wenn das Wählerverhalten solchem Kalkül immer wieder recht gibt (von rühmlichen Ausnahmen wie etwas Suus mal abgesehen).

  6. 2012 war in der Hinsicht sowieso ein ziemlicher Ausreißer. Wenn Platz 2, 3, 5, 6, 9 und 10 allesamt signifikante Nicht-Englisch-Anteile haben, ist doch irgendwas richtig gelaufen.

Oder was denkst Du?