Irland 2015: When Words are not enough

Selbst­auf­ga­be. Mit nur einen Wort lässt sich das Trau­er­spiel der iri­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung zusam­men­fas­sen, die ges­tern Abend (mal wie­der) im Rah­men der RTÉ-Talk­show Late Late Show über die Büh­ne ging. Zwei Stun­den lang zeig­te man Clips der sie­ben iri­schen Grand-Prix-Gewin­ner/in­nen, prä­sen­tier­te Med­leys und Karaōke mit den bekann­tes­ten Con­test­me­lo­di­en der grü­nen und ihrer bri­ti­schen Nach­bar­in­sel, natür­lich kei­ne davon fri­scher als von 1996, und erneut saß die unver­meid­li­che Lin­da Mar­tin (IE 1984, 1992) im Kom­men­ta­to­ren­pa­nel. Wohl im Ange­sicht des Sie­ges von Con­chi­ta Wurst ergänz­te RTÉ die Kri­ti­ker­run­de um eine zwei­te Drag­queen, Miss Pan­ti Bliss, die laut Wiki­pe­dia Berühmt­heit erlang­te, weil sie 2014 im Fern­se­hen eini­ge homo­pho­be iri­sche Jour­na­lis­ten und reli­giö­se Insti­tu­tio­nen als eben das bezeich­ne­te, wor­auf­hin die­se klag­ten und von RTÉ mit ins­ge­samt 85.000 € abge­fun­den wur­den, was eine öffent­li­che Debat­te um freie Mei­nungs­äu­ße­rung und Homo­pho­bie aus­lös­te. Aber auch Joe McCaul (IE 2005), Niamh Kava­nagh (IE 1993, 2010) und Muri­el Day (IE 1969) waren in der Sen­dung prä­sent. Zwi­schen all die­sem Schwel­gen in der glor­rei­chen Ver­gan­gen­heit stell­te man irgend­wie not­ge­drun­gen die fünf Titel vor, die für Wien zur Wahl stan­den – dar­un­ter nicht ein wirk­lich über­zeu­gen­der.

Erst 16 und schon drei­stel­li­ge Lieb­ha­ber­zah­len: Mol­ly spielt mit Num­mern

Als am wenigs­ten ein­schlä­fernd erwies sich mit ‘Break me up’ natür­lich ein Bei­trag aus rein schwe­di­scher Pro­duk­ti­on (selbst Sän­ge­rin Eri­ka Selin stamm­te aus IKEA-Land), das beim Melo­di­fes­ti­va­len nicht die gerings­ten Chan­cen hät­te, sich hier aber als das bes­te (im Sin­ne von: das unschlech­tes­te) des Abends erwies. Ins Ste­chen um die Fahr­kar­te nach Wien gin­gen aber selbst­re­dend zwei super­lang­wei­li­ge iri­sche Bal­la­den: Kat Mahon gewann mit dem heul­su­si­gen ‘Any­bo­dy got a Shoul­der?’ das Jury­vo­ting, wur­de jedoch vom Publi­kum knapp über­stimmt, das sich mehr­heit­lich für die erst sech­zehn­jäh­ri­ge Mol­ly Ster­ling und ihre drö­ge Kla­vier­bal­la­de ‘Play­ing with Num­bers’ ent­scheid. Ob es bei näm­li­chem Zah­len­spiel um Sudo­ku geht oder um die Anzahl der Lieb­ha­ber der jugend­lich-unge­kämm­ten Sän­ge­rin? “I didn’t know what it meant”, singt Mol­ly selbst. Aha. Ich weiß nur eins: solan­ge Irland nicht den gedank­li­chen Bal­last der sie­ben Sie­ge abwirft und sich der Gegen­wart stellt, wird für die Insel beim Song Con­test kein Blu­men­topf mehr zu gewin­nen sein.

Was macht denn David Beck­ham da an der Gitar­re?

Hat Irland mit Mol­ly Ster­ling Chan­cen aufs Fina­le?

  • Das wird auf­grund der gerin­gen Kon­kur­renz wei­ter­kom­men, im Fina­le aber einen Ryan Dolan pul­len. (43%, 24 Votes)
  • Hoff­nungs­los. War­um spart sich Irland die Teil­nah­me nicht ganz, wenn sie eh nichts mehr zustan­de krie­gen? (34%, 19 Votes)
  • Unbe­dingt. Ist eine wun­der­schö­ne Bal­la­de, und Mol­ly eine tol­le Inter­pre­tin. (23%, 13 Votes)

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3 Gedanken zu “Irland 2015: When Words are not enough”

  1. In gro­ßen Tei­len muss ich Dir lei­der recht geben. Die gan­ze Sen­dung war wirk­lich lang­wei­lig, und der selbst­zen­trier­te Welt­blick (wie man ihn auch von deut­schen Euro­vi­si­ons­sen­dun­gen kennt) geht mir wirk­lich auf den Keks, auch wenn ich ganz bestimmt nichts gegen respekt­vol­le Wür­di­gung frü­he­rer Inter­pre­ten habe.
    Im Vor­feld, d.h. in der Video­fas­sung, war Break me up auch mein Favo­rit, allem Schwe­den­k­li­schee zum Trotz. Selin hat dann aller­dings so nach­drück­lich demons­triert, dass sie einer Live-Situa­ti­on abso­lut nicht gewach­sen ist (nicht nur bei der Rückung), dass ich mir dann einen Sieg wirk­lich nicht mehr geewünscht habe.
    Die Fra­ge war also, was dann? Nach­dem Alex Saint für mich natür­lich abso­lut indis­ku­ta­bel ist und ich Dei­ne Mei­nung über Kats Lied tei­le (“ster­bens­lang­wei­lig”), blie­ben eigent­lich nur noch zwei Kan­di­da­ten. Und da hät­te ich zwar eher zu Nik­ki ten­diert, die ich vor­her eigent­lich gar nicht auf dem Schirm hat­te, die aber live im Gegen­satz zu Selin eine Schip­pe drauf­ge­legt hat, und der ich einen Sieg ange­sichts der in mei­nen Augen völ­lig unver­dien­ten Nie­der­la­ge sei­ner­zeit gegen die bescheu­er­ten Jed­ward wirk­lich gegönnt hät­te, aber der Sieg von Mol­ly geht dann doch in Ord­nung. Gro­ße Sie­ges­chan­cen räu­me ich ihr natür­lich nicht ein, wahr­schein­lich nicht mal Final­ein­zug.

  2. Lin­da Mar­tin und der Rest des Panels gehör­te noch zum erträg­lichs­ten des Abends. Die haben nicht schlecht ana­ly­siert, nur dumm, dass die Song­aus­wahl so beschei­den war. Final­chan­cen rech­ne ich der Kla­vier­bal­la­de aller­dings schon aus.

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