Italien 2015: die drei jungen Tumore

Der Alptraum ist wahr geworden: beim Samstagnacht bzw. Sonntagmorgen nach lediglich viereinhalb Stunden überraschend doch noch zu Ende gegangenen San Remo Festival setzte sich mit Il Volo ein Trio von Knödeltenören durch, die mit reziprok zu ihrem Aussehen stehenden Stimmen gesegnet sind – die zwei ganz Hübschen singen so mittelmäßig, der menschliche Spitzmäuserich mit der Brille trägt den Poperaschlager ‚Grande Amore‘ ziemlich alleine. Kurz bestand noch Hoffnung, die drei jungen Tumore könnten – dieses Recht hatte die RAI vorab allen San-Remo-Finalisten eingeräumt – die Ehre der Landesverteidung ablehnen. Aber nein: sie wollen nach Wien. Nun gehört ihr Song unter den mir bislang über den Weg gelaufenen Popera-Titeln noch zum Erträglichsten – kein Wunder, schließlich sind die Italiener für ihre Opern berühmt. Dennoch bleibt es natürlich Gejaule in Popsoße, ein musikalisches Genre, das ich ungefähr so liebe wie Fußpilz.

Der Brillenschlumpf fängt (nicht) an: Il Volo

Die Einzige, die uns jetzt noch vor dem Schlimmsten bewahren könnte, wäre Nina Zilli. Die italienische Vertreterin von 2012 fand sich auch heuer im Feld der 16 Finalisten und könnte rein theoretisch noch das Ergebnis anfechten (wird sie aber wohl nicht), denn beim Verkünden des Televotings kam es zu einer Panne: so zeigte die Tafel zunächst Nek auf Rang 9 an, woraufhin der Zeremonienmeister plötzlich die Verlesung für mehrere Minuten unterbrach. Schließlich wurde die Anzeige korrigiert: nun landete Frau Zilli auf dem neunten Platz, der supersexy aussehende Nek kam hingegen ins Superfinale der besten Drei, wo er am Ende aber doch gegen Il Volo den Kürzeren zog. Sein Rockpopsong ‚Fatti avanti amore‘ erfindet nun auch nicht das Genre neu, wäre mir aber immer noch lieber gewesen als das Popera-Geknödel. Aber gut, so langsam muss ich mich wohl damit abfinden, dass in Wien nicht ein einziger Song dabei sein wird, der mich wirklich begeistert…

Zumindest optisch ein Haupttreffer: Nek

9 Gedanken zu “Italien 2015: die drei jungen Tumore

  1. Ich bin ja schwer enttäuscht. Da hat man so ’ne tolle Sängerin wie Nina Zilli (das is‘ schon ’ne coole Sau auf der Bühne) mit ’ner geilen Blues-Nummer und dann schickt man einen kitschigen Opernschlager dargeboten von den 3 Knödelis. Aber Nina scheint in Italien nicht spnderlich beliebt zu sein – genau wie Anna Tatangelo die ja schon in der Vorrunde rausfiel. Na ja – bis Mai werde ich den Song wohl mögen.

  2. Exakt meine Gedanken. Bei der Zielgruppe der Hausfrauen ab 40 werden jetzt schon die Schlüpfer feucht und ich denke, die Nummer wird in Wien sehr weit vorne landen.

  3. Leider nein. Ich weiß, das nervt ein bissl, aber es gibt beim Einbinden leider keine Möglichkeit, das abzustellen. Und anderswo als über die RAI ist das Video leider nicht verfügbar.

  4. Schaut euch mal oddschecker an. Nicht dass ich die immer für represäntativ halte, aber da ist Italien inzwischen an Estland vorbei auf den ersten Platz gezogen.

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