Zwei­ter Super­sams­tag 2015: zwi­schen ges­tern und mor­gen

Ein geschäf­ti­ger Sams­tag mal wie­der: neben den bei­den eher ent­täu­schen­den Ent­schei­dun­gen in Island und Ita­li­en fan­den ges­tern Abend noch fünf Semi­fi­nal­run­den, ver­teilt über ganz Euro­pa statt. Das unter Fans am meis­ten beach­te­te natür­lich in Mal­mö: in der zwei­ten Vor­run­de des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len tra­fen bekann­te Namen wie Linus Sven­ning, Marie Berg­man (SE 1994) und Magnus Carls­son auf­ein­an­der. Das Ex-Alca­zar-Mit­glied qua­li­fi­zier­te sich mit sei­nem klas­si­schen Schwe­den­schla­ger ‘Möt mig i gam­la stan’ denn auch direkt fürs MF-Fina­le, wie auch eine Mari­et­te Hans­son, von der am ehes­ten der merk­wür­dig depla­ziert aus­se­hen­de Dre­ad­lock-Dutt in Erin­ne­rung bleibt. Frau Berg­man schaff­te es nicht wei­ter, für den bis zum Hals­an­satz täto­wier­ten Linus ging es mit dem von Fre­drik Kem­pe mit­kom­po­nier­ten ‘Fore­ver starts today’ in die Andra Chan­sen. Und so sehr ich mich ja freue, den knuffi­gen Fle­sh­tun­nel­trä­ger zu sehen: von ihm wür­de ich mir etwas Authen­ti­sche­res wün­schen als die­sen nett plin­kern­den Stan­dard­pop­song mit der Stan­dard­schwe­den­cho­reo.


Süß ist er ja, aber das ist das fal­sche Gen­re: Linus Sven­ning (SE)

Nicht nur beim San Remo Fes­ti­val setz­te sich ges­tern Pope­ra durch, auch im zwei­ten Semi des fin­ni­schen UMK kam etwas aus die­sem Gen­re wei­ter. Aller­dings mischen Ope­ra Skaa­la bei ‘Heart of Light’ eine kom­plett durch­ge­knallt wir­ken­de Sopra­nis­tin in einem glit­zern­den Trick­kleid mit stump­fen Dan­ce­beats: das exer­zier­te Male­na Ern­man (SE 2009) zwar schon um Län­gen bes­ser, aller­dings bin ich mitt­ler­wei­le ange­sichts der bis­lang für Wien aus­ge­wähl­ten Depres­si­ons­lie­der für jedes Fit­zel­chen Uptem­po der­ar­tig von Her­zen dank­bar, dass ich Glücks­trä­nen ver­gös­se, wenn es die krei­schen­de Alte schafft. Bes­ser gefällt mir aber der zwei­te von drei aus­ge­wähl­ten UMK-Fina­lis­ten, das bereits hier vor­ge­stell­te skur­ri­le Ban­ghra-Mas­hup ‘Osta­ril­lo’ von Sha­va. Immer­hin ein Hauch von Hoff­nung, dass es doch noch wenigs­tens ein amü­san­ter Song zum Con­test schaf­fen könn­te.

Trash as Trashcan: Ope­ra Skaa­la. Dan­ke! (FI)

Ein wei­te­rer Hoff­nungs­schim­mer kommt aus Litau­en. Dort steht seit ges­tern Abend der Song fest, mit dem das Land des Bal­ti­kum antritt: ‘This Time’ heißt er und klingt nach einer flot­ten Pop­num­mer, mit Coun­try-Gitar­re und Ban­jo leicht folk­lo­ri­siert. Zwar erscheint der Refrain im Ver­gleich zu den Stro­phen etwas flach­brüs­tig und repe­ti­tiv, den­noch han­delt es sich um den bis­lang bes­ten Wett­be­werbs­bei­trag. Da die Litau­er über das merk­wür­digs­te Vor­auswahl­ver­fah­ren der Welt ver­fü­gen und über Song und Sän­ger getrennt abstimm­ten, wis­sen wir aller­dings noch nicht, wer den Titel in Wien inter­pre­tiert: erst kom­men­den Sams­tag ent­schei­det es sich zwi­schen Mia, dem schmu­cken Vai­das Baumi­la und Moni­ka Lin­ky­tė. Die bei­den Letzt­ge­nann­ten per­form­ten den Song auch als Duett – mir ist nicht bekannt, ob die­ses eben­falls zur Wahl steht, denn in die­ser Ver­si­on gefällt es mir fast eben­so gut wie von Vai­das solo gesun­gen.

And may­be I’m gon­na met some lovely Coun­try Girl”: Vai­das & Moni­ka (LT)

Das est­ni­sche Fern­se­hen ent­schied sich in die­sem Jahr merk­wür­di­ger­wei­se dazu, fast alle anhör­ba­ren Eesti-Laul-Bei­trä­ge in das zwei­te Semi­fi­na­le zu packen, wel­ches ges­tern über die Büh­ne ging. Hier schräg­te es mit dem dudel­sack­las­ti­gen ‘Tiiu talu tütre­ke’ wie­der­um einen mei­nen abso­lu­ten Jahr­gangs­fa­vo­ri­ten (schluchz!). Ob es an dem etwas bra­ven Aus­se­hen der Jungs von Kru­uv lag, die in ihren pas­tell­bun­ten Hosen und wei­ßen Hem­den ein wenig wirk­ten wie eine Milch­bu­ben­ver­si­on von Pol­la­pönk (FI 2014) oder an der fina­len Maul­trom­mel? Jeden­falls echt scha­de drum. Gin­ge es nach den est­ni­schen Tel­e­vo­tern, könn­te sich der Sen­der ERR den gan­zen Vor­ent­scheid ohne­hin spa­ren: in den Umfra­gen füh­ren Eli­na Born & Stig Räs­ta mit dem von eini­gen über­eif­ri­gen Fans bereits als Euro­vi­si­ons­sie­ger 2015 getipp­ten ‘Good­bye to Yes­ter­day’ mit sat­ten 72%. Aller­dings hat auch in Est­land die Jury noch ein Wört­chen mit­zu­re­den, und die ist dafür berüch­tigt, Publi­kums­fa­vo­ri­ten absicht­lich her­un­ter­zu­wer­ten. Die Mes­se ist also noch nicht gesun­gen!


Hop on my Ship, Baby, I’ll make you fly: Kru­uv (EE)

Bleibt Ungarn, wo ges­tern das ers­te der bei­den Halb­fi­na­le von A Dal lief und sich die Spreu wei­ter vom Wei­zen trenn­te. Unter den vier Fina­lis­ten befin­det sich erwar­tungs­ge­mäß das ‘Ein biss­chen Frie­den’-Update 2015, ‘Wars for Not­hing’ von Bog­lár­ka “Bog­gi” Cse­mer, die gemein­sam mit dem sehr, sehr nied­li­chen Ádám Szabó die Höchst­punkt­zahl im Jury-Tel­e­vo­ting-Mix abräum­te. Mein Gefühl sagt mir, dass wir Bog­gi in Wien wie­der­se­hen wer­den – und das fän­de ich gar nicht schlecht, beweist sie doch, dass das Gen­re der Welt­frie­dens­bal­la­de gar nicht aus­ge­lutscht, kon­stru­iert und zynisch sein muss, wie uns das Ralph Sie­gel und Bernd Mei­nun­ger über all die Jah­re immer ein­ge­re­det haben!


Mit etwas sau­be­re­rer Aus­spra­che wär’s noch bes­ser: Bog­gi (HU)

1 Gedanke zu “Zwei­ter Super­sams­tag 2015: zwi­schen ges­tern und mor­gen

  1. FIN: Bei Ope­ra Skaa­la bin ich dabei. Ist zwar eigent­lich nicht so ganz mein Gen­re, hat mir aber in die­sem Semi echt am bes­ten gefal­len. Und obwohl ich der­ar­ti­gen Trash eigent­lich eher weni­ger mag, kann ich auch dem bol­ly­wood-inspi­rier­ten Titel von Sha­va etwas abge­win­nen. Aber Jouni Aslak hät­te ich JEDEN der übri­gen Bei­trä­ge vor­ge­zo­gen. Eigent­lich hät­te ich an die­ser Stel­le gern Siru gese­hen. Scha­de, denn ihr Mus­tel­mat ist bes­ser als alle Wei­ter­kom­mer aus dem ers­ten Semi.
    S: Mari­et­te ist zwar lan­ge nicht so gut wie die im ers­ten Semi aus­ge­schie­de­ne Mol­ly Pet­ters­son Hammar, war aber mei­ne Favo­ri­tin und kam – für mich völ­lig über­ra­schend, weil ich mich wie immer auf wirr­köp­fi­ge Ent­schei­dun­gen der Schwe­den ein­ge­stellt hat­te – tat­säch­lich wei­ter. Das wird ihr nur lei­der im End­ef­fekt auch nichts nut­zen …
    EST: Wie­der gro­ßes Favo­ri­ten­ster­ben bei mir. Weder die wun­der­ba­re Mari noch die immer­hin annehm­ba­ren Wil­helm oder Demie ft. Jani­ce kamen wei­ter. Wahr­schein­lich muss ich mich jetzt doch auf die gehyp­ten Eli­na Born und Stig Räs­ta ein­stel­len. Der Titel hat natür­lich was. Aber ehr­lich gesagt wären mir trotz­dem Ele­phants from Nep­tu­ne lie­ber.
    H: Hmm. Den Szabo Adam mag ich eigent­lich gar nicht, aber mit Bog­gie könn­te ich gut leben. Aller­dings ist die Sache ja noch längst nicht geges­sen, denn im zwei­ten Semi lau­ert ja noch die Wolf Kati!

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