DVE 2015: You can win if you want

Er geht als einer der großen, historischen Ereignisse in die deutsche Grand-Prix-Geschichte ein: der überraschende Moment, als der Sieger eines über weite Strecken musikalisch langweiligen, wenn auch glanzvoll produzierten Vorentscheids nach seiner Akklamation die Krone zurückgab und erklärte, die Publikumswahl nicht anzunehmen.  Er sei nur „ein kleiner Sänger“ und die Zweitplatzierte Ann Sophie Dürmeyer „viel geeigneter und qualifizierter,“ das Land in Wien zu vertreten, sprach USFÖ-Gewinner Andreas Kümmert der Moderatorin Barbara Schöneberger ins Mikrofon. Womit er zweifellos Recht hat: die 24jährige gebürtige Londonerin gewann bereits die Wildcard aufgrund ihrer selbst attestierten Eigenschaft als „Rampensau“. Sie brennt für den Wettbewerb, dem bodenständigen Kümmert scheint die große Glitzermaschine Song Contest eher Angst zu machen. Wusste er von der unlängst aufgedeckten Verschwörung der Grand-Prix-Fans gegen hässliche mittelalte Männer? Oder erkannte der wie Catweazle aussehende Franke mit der Joe-Cocker-Röhre schlicht in allerletzter Sekunde, dass er einfach nicht für die große Bühne gemacht ist?

Der Notnagel zu sein: Ann Sophie Dürmeyer kümmert’s wenig

So groß, wie der Abend endete, begann er auch: den Auftakt von Unser Song für Österreich machte uns keine Geringere als Vorjahressiegerin Conchita Wurst, die in einem tief dekolletierten, weißen Abendkleid nochmals ‚Rise like a Phoenix‘ zum Besten gab (sowie später im Pausenprogramm ihre aktuelle Single ‚You are unstoppable‘) und anschließend die glänzend aufgelegte Gastgeberin Barbara Schöneberger (tief dekolletiertes, schwarzes Abendkleid) mit einem Geburtstagsständchen empfing. Frau „Fleischberger“, wie sie sich selbst titulierte, die im Gegensatz zu Conchita ihr Dekolleté nicht zu knapp füllte, unterhielt durch herrlich politisch unkorrekte Scherze („Australien gehört nicht zu Europa. Na und? Griechenland auch nicht und die dürfen auch mitmachen!“) und führte mit Grandezza und Selbstironie durch einen Abend des musikalischen Mittelmaßes.

Der manifestierte sich bereits bei den ersten von acht Kombattanten um die Fahrkarte nach Wien, den X-Factor-Siegern Mrs. Greenbird. Deren niedlich-folkiges ‚Shine, Shine, Shine‘ klang wie eine entkoffeinierte Die-Schlümpfe-Fassung von ‚Calm after the Storm‘ (NL 2014), nur dass die Grünschnäbel nicht über den Sinn für Stil der Common Linnets verfügten, sondern in schrecklich kribbelbunten Klamotten aus der Hippie-Altkleidersammlung performten. Im Vorfeld aufgrund ihrer Bekanntheit zu den Favoriten gezählt, erreichten sie noch nicht mal die zweite Runde, wie auch die Mittelalter-Spielleute von Faun, zu deren Auftritt die grandiose Berliner Dragqueen Nina Queer postete: „Wenn ich eine Gruppe wie Faun im Fernsehen sehe, fängt es mich am ganzen Körper an zu jucken. #Herpeszoster“. Und damit ist eigentlich auch schon alles Essentielle zu ‚Hörst Du die Trommeln?‘ gesagt.

I say de uh – uh – uh, de ah – ah – ah: Mrs. Greenbird

Die großen Fan-Favoriten Fahrenhaidt, bestehend aus einem deutschen Songschreiber-und-Produzenten-Duo, das bereits für die diabolischen Werke des Jamba-Marketinghöllen-Hasen Schnuffel verantwortlich zeichnete, und der dänischen Sängerin Amanda Petersen, schieden mit ihrem superlahmen esoterischen Ambientgesülze ‚Frozen Silence‘ zu Recht aus – da halfen auch die merkwürdigen, im UV-Licht strahlenden Quallenkostüme der Tänzerinnen nichts. Und auch meinen vorherigen Favoriten Noize Generation mit dem melodischen Dance-Brett ‚A Song for you‘ traf es: vielleicht keine gute Idee des sehr jung wirkenden Jewgeni Grischbowski, im Einspieler zu erwähnen, dass er für seine Auftritte als DJ bis vor kurzem noch einen „Mutti-Schein“ brauchte. Auch sein schwedischer Frontsänger Patrik Jean wirkte etwas unbeholfen und stellenweise stimmlich unsicher. Beide ließen sich von beleuchteten Robocops umtanzen, die wohl an Daft Punk angelehnt sein sollten, tatsächlich aber eher an den tragischen Mister Fisto (DVE 1986) erinnerten. Schade – eine solche Uptemponummer hätten wir in Wien brauchen können. So muss Jewgeni vielleicht noch mal ein, zwei Jahre auf die Weide, darf dann aber gerne noch mal wieder kommen.

Beim nächsten Mal dann nicht mehr hinter dem Turntable verstecken, okay, Jewgeni? Musst Du nämlich nicht!

In den Recall schaffte es hingegen der singende Trauerkloß Alexa Feser, die neben dem textlich tatsächlich tiefsinnigen und nachdenklichen sowie musikalisch für ihre tranigen Verhältnisse beinahe schon poppigen ‚Glück‘ daher zusätzlich das nun wirklich deprimierende Befindlichkeitsgesusel ‚Gold von morgen‘ vorstellen durfte. In der zweiten Abstimmungsrunde teilten sich die Anrufe dann vermutlich so gleichmäßig auf die beiden Lieder auf, dass es die Protagonistin der Neuen Deutschen Weinerlichkeit™ dankenswerterweise heraustrug. Zu meiner großen Bestürzung wurden aber auch Laing Opfer des blödsinnigen Formates. Die vier Berlinerinnen präsentierten mit ‚Zeig Deine Muskeln‘ zunächst eine hochgradig amüsante und melodisch hoch infektiöse Elektronummer über den Posingwahn in Fitnessstudios, zu dem sie bei einem Besuch in einer Wiener Muckibude inspiriert worden seien. Passend zum Thema strampelten sie im bereits angeschwitzten Trainingsanzug auf Fitnessrädern und lüpften gelegentlich den Po, was insgesamt eine herrliche Choreographie ergab und ihnen in englischen Fan-Foren sofort den Beinamen „Gym Lizzies“ eintrug. Trotz der Anstrengung schlugen sie sich stimmlich wacker.

Zeigen uns den Trizeps, Bizeps: Laing

Sonnenklar, dass wir mit dieser außergewöhnlichen Uptemponummer im Meer der drögen Balladen des Wiener Wettbewerbs einen Top-Ten-Platz abgeräumt hätten. Doch so, wie die Österreicher in ihrem Vorentscheid die thematisch verwandte und ähnlich lustige Nummer ‚Fitnesstraining‘ der grandiosen Mizgebonez verschmähten, verzichteten auch die Deutschen auf erfolgversprechenden Spaß, was aber eben auch dem Abstimmungsverfahren geschuldet sein mag. Denn auch der zweite Beitrag der Fitnessstudiolesben, ‚Wechselt die Beleuchtung‘, dem ich im Vorfeld keinerlei Bedeutung beimaß, erwies sich live als weiterer Knaller – zwar musikalisch deutlich ruhiger, aber auch hochwertiger wirkend und mit Laings Markenzeichen, dem Mikrofonständer mit kombinierter Schreibtischlampe (britischer Spott: „der beste Einsatz der Verhörlampe seit der Gestapo“) und Trickkleidern optisch eindrucksvoll dargeboten. Schwer zu sagen, welcher der beiden Beiträge besser war, und so dürften sich die Zuschauerstimmen auch hier aufgesplittet haben (die genauen Ergebnisse blieb uns der NDR schuldig).

Doppelte Chance – kein Sieg: den Deutschen ist nicht zu helfen

So standen sich im Superfinale dann also Lena Mayer-Landrut (DE 2010, 2011) und Max Mutzke (DE 2004) gegenüber, bzw. ihre diesjährigen Wiedergänger Ann Sophie Dürmeyer und Andreas Kümmert. Wobei der auch in der Presse gerne bemühte Vergleich von Lena mit Ann Sophie ein bisschen unfair anmutet – der Eurovisionssiegerin von 2010 gegenüber, denn zwar verfügte die Hamburger Soulstimme über mindestens so viel Ehrgeiz und Siegeswillen wie die Hannoveraner Gymnasiastin, dafür ging ihr aber der elfenhafte Zauber Lenas und deren (damalige) jugendliche Unbekümmerheit und Frische vollständig ab. Sie kam nicht mit ihrem Clubkonzert-Titel ‚Jump the Gun‘ – den mit dem markanten Rülpser zum Auftakt – in die Endrunde, sondern mit dem auch von ihr bevorzugten rockig-souligen Allerweltssong ‚Black Smoke‘, den sie nach eigener Erzählung auf der Pressekonferenz bereits beim Vor-Vorentscheid singen wollte, dafür aber keine Freigabe von den Songautoren bekam, weil die den Titel keiner Newcomerin anvertrauen wollten. Nach ihrem Wildcard-Sieg durfte sie – und wurde in der Endabstimmung klare Zweite (mit 21,3% der Stimmen).

Bisschen weniger Apfelsaftschorle, Liebes!

Andreas Kümmert, der seine beiden Auftritte mit vierzig Grad Fieber und in einem Outfit absolvierte, als käme er gerade von der Gartenarbeit, schien trotz der schluffigen Erscheinung beim Singen seiner zwei (musikalisch vollkommen belanglosen) Beiträge völlig bei sich zu sein: seine Stimme war wirklich beeindruckend, der Gesang fehlerfrei. Mit ‚Heart of Stone‘, einer zumindest nicht lahmen Soul-Rock-Nummer, zog er ins Superfinale (schon da schien er eher entsetzt als erfreut) und gewann locker mit beeindruckenden 78,7% der Anrufe. Barbara Schöneberger schien zu wissen, dass er ein Wackelkandidat sein könnte, und wandte sich an den bereits von einem aufs andere Bein hüpfenden Barden: „Wir sind gespannt, was jetzt passiert. Bist Du bereit, Deinen Song nochmal für uns zu performen?“ War er nicht – und überließ der sichtlich verdutzten Dürmeyer das Ticket nach Wien. Die von Schöneberger daraufhin eilig zur Repräsentantin Deutschlands beim 60. Contest ausgerufene Sängerin wusste kaum, wie ihr geschah, und fragte das (für Kümmert) buhende Saalpublikum: „wollt ihr das überhaupt“? Woraufhin der bis dahin sehr souveränen Barbara kurzzeitig die Felle wegzuschwimmen schienen: „das wollen sie!“ bestimmte sie brüsk.

Der legendäre Moment: Andreas Kümmert sein Sieg nicht

Was natürlich im Nachhinein zu den unvermeidlichen Verschwörungstheorien führte, dieser spektakuläre Ausgang und das Ergebnis seien bereits im Vorfeld abgesprochen gewesen und Barbara habe ihre Vorgaben vermutlich durch einen Funkempfänger in ihrer sensationellen Marge-Simpson-Frisur erhalten. Was natürlich Quatsch ist: dass Frau Schöneberger auf ein verbindliches Ergebnis drängen musste, um am Ende der Sendung eine/n Vertreter/in Deutschlands für Wien präsentieren zu können, versteht sich von selbst. Daher müssen auch alle Forderungen, die Abstimmung zu wiederholen und Alexa Feser und Laing mit einzubeziehen, fehl gehen: das bei Ausfall des Siegers der Zweitplatzierte geschickt wird, ist ein durchaus übliches und von uns auch bereits 1976 und 1999 so praktiziertes Verfahren.

Die armen Zuschauer, die jetzt 14 Cent in den Sand gesetzt haben! Ein Skandal!

Man kann Kümmerts Verweigerungshaltung übrigens auch so interpretieren wie z.B. Julia Friese in der Welt: „Pop, erinnert sich der Zuschauer, das gab es ja auch mal ohne Casting-Challenge-Gehorsam. Statt das Publikum um Gunst anzubetteln, kann man es ja auch einfach mal beleidigen. Ihr habt für mich angerufen. Wie rührend. Glaubt nicht, dass ich deswegen jetzt das mache, was ihr wollt“. Das sei, so die Journalistin, „ein bisschen Kinski“ und „sehr sexy“. Auch Stefan Kuzmany stilisierte in SpOn Kümmert zum neuen Helden der Männlichkeit, zumal der Eurovision Song Contest einer „der wenigen Orte im Mainstream-Fernsehen“ sei, „wo queere Kultur massentauglich gemacht“ werde. „Beim ESC werden Geschlechterrollen aufgehoben und vor einem Millionenpublikum neu verhandelt. Kümmerts Absage ist Teil dieses massenmedialen Aushandlungsprozesses. Dem Rollenmodell des Mannes in der Krise verschafft seine Verweigerung gesellschaftliche Akzeptanz. Wurde der Zweifler bisher gern als Verlierer beschrieben, kann das von jetzt an nicht mehr umfassend gelten: Andreas Kümmert hat ihn im ersten deutschen Fernsehen ganz nebenbei zum Siegertypen umdefiniert.“

Unser Song für Österreich

Deutsche Vorentscheidung 2015. Donnerstag, 05.03.2015, ab 20:15 Uhr aus der Arena in Hannover. 8 Teilnehmer, Moderation: Barbara Schöneberger
#InterpretSongTelevoteCharts
01Mrs. GreenbirdShine, Shine, Shine--
02Alexa FeserGlück-63
03FaunHörst Du die Trommeln?--
04Noize GenerationSong for you--
05Ann Sophie DürmeyerJump the Gun--
06FahrenhaidtFrozen Silence--
07LaingZeig Deine Muskeln--
08Andreas KümmertHome is in my Hands-51
09Alexa FeserDas Gold von morgen--
10Ann Sophie DürmeyerBlack Smoke21,3 %29
11LaingWechselt die Beleuchtung--
12Andreas KümmertHeart of Stone78,7 %12

12 Gedanken zu “DVE 2015: You can win if you want

  1. Sehr schön formuliert, Oliver 🙂 Ganz im Gegensatz dazu die gequirlte Scheiße der so genannten Journaille…
    Hoffentlich ist die gestrige Entscheidung nicht nur ein Notnagel, sondern auch der sprichwörtliche Sargnagel für das unsägliche USFÖ-Format.

  2. „Sonnenklar, dass wir mit dieser außergewöhnlichen Uptemponummer in Wien einen Top-Ten-Platz abgeräumt hätten.“

    Ach ja? So wie Twin Twin letztes Jahr? Oder Sébastien Tellier 2008? Wann genau hat bitte eine außergewöhnliche Uptemponummer das letzte Mal den Wettbewerb gewonnen? (Nein, „Euphoria“ zählt nicht, und „Satellite“ ebensowenig. Das sind beides bestenfalls Midtemponummern.) Sorry, aber du hast dich bisher von Kaffeesatzleserei dieser Art ferngehalten, und ehrlich gesagt – wem bringt das irgendwas? Genau das ist der Grund, weshalb ich mich von Vorentscheiden so gut ich kann fernhalte – in der Frustration, dass „das falsche Lied“ ausgeschieden ist, sagt man manchmal Dinge, die nicht unbedingt allzu viel Sinn ergeben.

  3. Lieber Oliver, ich bin ein bisschen enttäuscht. Ich hätte jetzt tatsächlich auch eine wilde Verschwörungstheorie erwartet. 😉

    Scherz beiseite. Das ist so auch mehr oder weniger meine Sicht des gestrigen Abends. Man muss das nicht unbedingt gut finden, aber so gab es zumindest auch bei uns mal ein bisschen Drama und nicht nur in Weißrussland und Aserbaimenien.

  4. Irgendwie Glück gehabt! Eine Augenweide sind die Auftritte von Herrn K. ja nicht gerade. Und seine Lieder waren vielleicht vorvorgestern modern. Mit dem „schwarzen Rauch“ kann ich leben, auch wenn die Performance von Ann Sophie noch optimiert werden muss. Wenigstens schicken wir keine Ballade nach Wien.

  5. Fein fein geschrieben – so hätte ich es auch formulieren mögen, denn die Gedanken sind ähnlich. Seit gestern übrigens hat Laing einen Fan mehr – ich hasse Spinning, seit dem ich mal in so einem Fitness-Center den Spiegel durch meinen Schweiß zum Beschlagen brachte, dass das Wasser aufgesammelt werden musste, aber seit gestern abend ist dank Laing (ich glaube übrigens auch, dass es ein guter Griff für uns in Wien gewesen wäre) ist diese Spinnen-phobie überstanden. Und Trickkleider wie bei der „light-show“ liebe ich eh… Schön auch immer Deine Hinweise auf Kommentare anderer „Experten“ (z.B. der von Nina Queer). Liest sich wieder prima. 🙂

    Aber zurück zu Herrn Kümmert, dessen Name sich heute morgen im Büro zu allerlei Scherzchen (B.Kümmert ist verkümmert, weil er sich nicht G.Kümmert hat) eignete, dieses Nesteln an seinem Pulli schon bei der Schalte in den Greenroom vor der Finalistenverkündigung, wenn er sich so schon in den Probetagen zuvor präsentierte, konnte Babsi Fleischberger schon ahnen, was passieren könnte. Es ist passiert und lassen wir Ann-Sophie doch ihren Job – sie war nämlich gestern tatsächlich die mit dem meisten Biss auf den ESC-Job – in Wien gut machen. Das wird schon, blamieren werden wir uns nicht.

    Dieser unbedingte Siegeswille (nein, es wird schon nicht zum Stockerl reichen^^) zeichnete ja schon Severine, Vicky und einige andere aus, die einfache Melodeien zu Erfolg verholfen. Neben den vielen Balladen tut so ein flottes Ding ja auch ganz gut – Jan Ola Sand wird sich beim Einsortieren darüber freuen.

  6. Ich kann immer noch nicht nachvollziehen, was gestern abgegangen ist! Jetzt werden wir also von einer Frau vertreten, die mit 21,3 : 78,7 verloren hat und das Lied mehr schreit als singt. Schon wieder ein ESC mit geringen Erwartungen an den deutschen Beitrag! Wenigstens kann mich Ann-Sophie dann nicht enttäuschen.

    Dann lieber Laing, auch wenn ich „Zeig deine Muskeln“ im ersten Moment grausig fand. Aber das ist nicht halb so schlimm, wie der Mist, der da jetzt als deutscher Beitrag in Wien dargeboten wird. Mal abgesehen davon, dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass Frau Schöneberger für Ann-Sophie Partei ergriffen hat, weil sie ja schon durch das Clubkonzert bekannt war.

    Und es wäre so gut geworden mit Andreas Kümmert. Aber Andreas kümmert ja der ESC nicht und deswegen lässt er dann eine Minute nach seiner Wahl die Bombe platzen. Hoffentlich bemerkt er wenigstens, was er angerichtet hat!

  7. Bzw. nach einer Minute und vierzig Sekunden! Doch so lange!
    Grand-Prix-Rücktritt nach nur einhundert Sekunden. Ich habe Andreas‘ dumme Aktion noch einmal zu Gemüte gefühlt. Das war ja fast schon südländisch, dieses Drama! Ausgerechnet in Hannover, an der medialen Grabstätte von Zlatko.

  8. Auf Oikotimes hat sich übrigens einer der dortigen Autoren (ein Grieche, natch) über den im Text erwähnten Griechenland-Witz fürchterlich echauffiert. Jaja, die bösen Deutschen mal wieder…

  9. Danke für den wunderbar geschriebenen Bericht !!!

    Für mich war das eigentliche Drama des Abends nicht die kümmer(t)liche Absage, sondern – und das kennt man ja von internationalen VEs – dass es mal wieder nur gute Songs mit schwachen Performances und schwache Songs mit guten Performances gab, also unterm Strich nur Mittelmaß. So sind meine Favoriten im Vorfeld an ihrer Schlaftablettenausstrahlung (Shine Shine Shine) bzw. gesanglicher Unfähigkeit (Song for you) gescheitert. Der arme Patrick Jean. Wenn man ihn beobachtet hat, litt er wohl vor Aufregung an einer dauerhaften Mundwüste, die ihm komplett die Stimme versagen ließ. Tja, Anfängerpech …
    Wird wohl grad nix mit den guten Songs in der VE, nachdem schon letztes Jahr der beste (Error) gar nicht stattfand …
    Gratulation an die beiden Megaauftriite von Laing. Nächstes mal noch richtige Lieder, dann klappts.
    Unterm Strich dann wohl noch das kleinste Übel für Wien …

  10. Also ich habe mich an dem VE-Abend (abgesehen vom tragischen Ende) ausgezeichnet unterhalten gefühlt. Auch das Niveau fand ich wirklich nicht so schlecht wie hier dauernd behauptet. Es gab diesmal keine Totalversager à la Ben Ivory, und selbst der in meinen Augen schrottigste Beitrag des Abends (Noize Generation) fing überraschend angenehm an, bis auf den furchtbaren „Refrain“ (wenn man das Elektrogeschrammel so nennen kann).
    Dass meinem persönlichen Geschmack vor allem Mrs. Greenbird, Fahrenhaidt und Faun entsprachen, daraus brauche ich keinen Hehl zu machen. Von den beiden Letztgenannten würde ich mir wahrscheinlich keine Platte kaufen, bei den Grünvögeln habe ich das schon getan.
    Da ich wusste, dass sowohl Ann Sophie als auch Andreas noch einen in meinen Ohren besseren zweiten Song am Start hatten, die ich natürlich hören wollte, habe ich neben den Grünvögeln noch für diese beiden angerufen (weil ich mich für Fahrenhaidt und Faun wirklich nicht verkämpfen wollte, und auch weil ich davon ausging, dass die eh eine große Fanbase haben).

    Obwohl in der zweiten Runde dann alle drei meiner Topacts nicht mehr dabei waren, hat mich das in keiner Weise deprimiert, denn die in der zweiten Runde präsentierten Lieder fand ich durchweg besser als die ersten. Laing ist zwar wirklich nicht mein Ding, aber das zweite Stück hat mich wesentlich mehr überzeugt als das erste (natürlich ist die Performance in beiden Fällen sehr gut, aber als Song finde ich den „Bizeps Trizeps“ genauso öde wie seinerzeit „Morgens immer müde“). Und Alexa Feser ist sicher als Liedermacherin gut, aber da auch Grönemeyer (dem sie echt in vielem ähnelt, natürlich nicht von der Physiognomie) musikalisch nicht so meins ist, und das wirklich ESC-untauglich ist, habe ich dann natürlich meine Anrufe Ann Sophie und vor allem dem echt wunderbaren Andreas gewidmet.

    Und war überglücklich, und vor allem total überrascht, denn sonst entspricht meine Weltsicht ja nie dem Mainstream, dass ich dann mein Traumfinale serviert bekam. Dann waren meine Präferenzen klar. Ann Sophie ist wirkich eine gute Performerin und auch der Song nicht übel, aber für meinen Geschmack schreit sie dann doch noch etwas zu viel, und Andreas war einfach überragend.

    Nun, der Ausgang ist bekannt,und ich will das hier auch nicht weiter thematisieren. Aber eins ist für mich klar: Ann Sophie hat als Zweitplatzierte ihre Fahrkarte völlig verdient, auch wenn die Distanz zu Andreas natürlich groß ist. Allem albernen Geschrei, dass Laing oder Alexa jetzt ihre Anwälte einschalten sollten, muss man klar die Fakten entgegenhalten: Sie hat bereits im Halbfinale gegen diese beiden gesiegt und muss definitiv mehr Anrufe bekommen haben. Natürlich könnte sie theoretisch im Halbfinale Drittplatzierte gewesen sein, aber nur, falls Andreas mit BEIDEN Liedern vor ihr gelegen haben sollte. Da eine Neuabstimmung oder ähnliches zu fordern ist nicht nur unrealistisch, sondern auch völlig unangemessen.

    Also: Go, Ann Sophie! Und übe noch ein bisschen weniger zu schreien.
    Ich hoffe, Du lässt Dich nicht davon runterziehen, nur „Zweite Wahl“ zu sein. Und Deine Bühnenpräsenz und Professionalität, gepaart mit dem wirklich menschlich guten Umgang mit Andreas (vor allem in den Aussagen in der Pressekonferenz) machen Dich erst recht zu einem würdigen Vertreter für Deutschland, dessen man sich wirklich nicht schämen muss.

  11. Um die „Falkten“ noch etwas zu untermauern, habe ich mir beispielhaft mal einen Snapshot der Verkaufszahlen bei Amazon gemacht. Natürlich ist das nicht 100%ig akkurat, da die Verkäufe ja auch durch die Sendung beeinflusst wurden, aber eigentlich macht das recht klar, dass die Abstimmungen so ausgehen mussten, wie sie es taten, und dass Andreas und Ann Sophie das im wesentlichen unter sich ausgetragenb haben.
    Nach den Verkaufszahlen wäre die erste Runde wie folgt ausgegangen:
    1. Home is in my hands
    2. Jump the gun
    3. Glück
    4. Zeig deine Muskeln
    ———
    5. Frozen silence
    6. A song for you
    7. Shine shine shine
    8. Hörst du die Trommeln

    und die zweite:
    1. Heart of stone
    2. Black smoke
    ———
    3. Home is in my hands
    4. Jump the gun
    5. Glück
    6. Zeig deine Muskeln
    7. Wechselt die Beleuchtung
    8. Das Gold von morgen.

    völlig konsistent!

Oder was denkst Du?